Sechs Punkte für neuen Optimismus in der Forschungspolitik

Die neue Legislatur bietet die Chance, Weichen neu zu stellen. Für unsere Serie „Forschung vordenken für 2035“ skizzieren prominente Akteure ihre Vision für die wissenschaftspolitische Welt im Jahr 2035. Und was dafür heute zu tun ist. Zum Auftakt: Georg Schütte, Generalsekretär der VolkswagenStiftung.

ET
17. Februar 2025

Im Jahr 2035 blicken die Studierenden an deutschen Hochschulen mit Optimismus in die Zukunft. Sie lernen und forschen an Einrichtungen, die ihnen vermitteln: Mit neuem Wissen, mit technologischem Fortschritt und in einem stabilen, freiheitlichen Gemeinwesen kann es gelingen, mit den begrenzten Ressourcen unseres Planeten zu haushalten und zugleich in Wohlstand zu leben. Auf dem Weg in ihr Berufsleben sind sie bereit, Verantwortung zu übernehmen – in der Wirtschaft, im öffentlichen Sektor, in der Wissenschaft, in Politik oder Kultur.

Damit diese Utopie Wirklichkeit wird, bedarf es allerdings einiger Weichenstellungen im Hier und Heute. Sechs davon seien hier näher ausgeführt.

  1. Strategische Orientierung: Deutschland hat ein starkes und extrem differenziertes Wissenschaftssystem. Aktuell laufen wir Gefahr, im Prozess dieser Differenzierung die Gesamtverantwortung für das Land aus dem Blick zu verlieren. Wir brauchen deshalb strategische Orientierung, sowohl in der Innovations- als auch in der Wissenschaftspolitik. Mit einem ambitionierten Technologie-Monitoring müssen wir die Schlüsseltechnologien identifizieren, auf die wir einen Teil unserer Forschungsanstrengungen fokussieren wollen. Wo geben uns Forschungserfolge Hinweise, gänzlich neue Themen und Wertschöpfungssektoren zu erschließen? Das stete Ziel bei allem: ein leistungsstärkeres Wissenschaftssystem schaffen.

Zwischen Vision und Pragmatik: Darüber darf uns die Frage nach der grundlegenden Aufgabe des Wissenschaftssystems jedoch nicht aus dem Blick geraten: Wieviel Forschung, die aus der Kreativität und Entdeckungslust einzelner Forscherinnen und Forscher entspringt, wieviel Redundanz in der neugiergetriebenen Grundlagenforschung sollen und wollen wir uns leisten? Wieviel kultur- und sozialwissenschaftliche Reflexion?

Die Suche nach Antworten setzt politische Vision und zugleich einen konstruktiven, eigeninteressefreien Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik voraus. Zuerst die Vision, dann die Pragmatik!

  1. Neue Ordnungspolitik: Deshalb brauchen wir auch in der Wissenschaft eine neue Ordnungspolitik, um das Zusammenwirken aller Akteure einer modernen Wissenschaft, also von Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen, forschenden Unternehmen und wagemutigen Deeptech-Start-ups zu verbessern. Dafür sind neue Anreizsysteme nötig: Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen müssen sich wieder enger auf ihren jeweils genuinen Auftrag für das Wissenschaftssystem festlegen. Nicht alle sollten alles machen, sondern jede das ihre: Max-Planck-Institute etwa die Grundlagenforschung oder Helmholtz-Zentren die großgerätebasierte Forschung, inklusive der Hochtechnologie-Serviceleistungen für alle anderen. Konkret heißt das: den Pakt für Forschung und Innovation reformieren und das Bürokratiemonster der programmorientierten Forschung bei Helmholtz abschaffen!

  1. Schnittstellen optimieren: Wenn das politische Brett, die Grundfinanzierung der Hochschulen zu konsolidieren, zu dick ist, dann müssen drittens die Schnittstellen außeruniversitärer Akteure, also von außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Industrie und Start-ups, Behörden und Kultureinrichtungen, ins Hochschulsystem optimiert werden. In Experimentierräumen und Innovationslabors können wir uns schon heute auf den Weg machen, um den Austausch zwischen den etablierten Akteuren des Wissenschaftssystems, aber auch neuen Mitspielern wie Deeptech-Start-ups zu ermöglichen. Das bedeutet auch hier: raus aus kleinteiliger, zeitlich befristeter und überregulierter Förderprogramm-Logik. Stattdessen: Aufbau von Ökosystemen, die längerfristig Rahmenbedingungen für den kreativen und strategischen Austausch aller Akteure, auch aus dem öffentlichen und Not-for-Profit-Sektor, schaffen.

  1. Neue Finanzierungsoptionen: Wer sollte in welcher Form an den Kosten eines Studiums beteiligt werden? Können wir staatlichen Hochschulen größeren Spielraum geben, um Berufstätigen gegen angemessene Gebühren Aufstiegschancen zu bieten? Erschließt die Verteidigungsforschung neue Finanzierungsquellen? Hier braucht es politischen Mut, insbesondere bei den Ländern.

  1. Internationale Forschungs- und Entwicklungspartnerschaften: Wissen und Kreativität werden sich auch künftig – trotz aller Unübersichtlichkeit der Welt – international vernetzen. Wissenschaft und Politik müssen deshalb aktiv internationale Forschungs- und Entwicklungspartnerschaften definieren. Forschungssicherheit ist das eine, die strategische Partnersuche jedoch das notwendige andere. Insbesondere im europäischen Bildungs-, Forschungs- und Innovationsraum ist Deutschland hier wieder als Ideengeber und Motor gefragt.

  1. Bundesressorts neu zuschneiden: Nur durch eine klare Zuordnung der politischen Verantwortlichkeit lässt sich ein solcher strategischer Entwicklungsprozess orchestrieren. Hierfür benötigen wir baldmöglichst einen neuen Zuschnitt der Bundesressorts – mit einheitlicher Ressortverantwortung für Forschung und Innovation (inklusive Fachkräftebildung) - und einen Kulturwandel im ministeriellen Handeln: agil, projektbezogen, kooperativ.

  1. Neue Ordnungspolitik: Deshalb brauchen wir auch in der Wissenschaft eine neue Ordnungspolitik, um das Zusammenwirken aller Akteure einer modernen Wissenschaft, also von Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen, forschenden Unternehmen und wagemutigen Deeptech-Start-ups zu verbessern. Dafür sind neue Anreizsysteme nötig: Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen müssen sich wieder enger auf ihren jeweils genuinen Auftrag für das Wissenschaftssystem festlegen. Nicht alle sollten alles machen, sondern jede das ihre: Max-Planck-Institute etwa die Grundlagenforschung oder Helmholtz-Zentren die großgerätebasierte Forschung, inklusive der Hochtechnologie-Serviceleistungen für alle anderen. Konkret heißt das: den Pakt für Forschung und Innovation reformieren und das Bürokratiemonster der programmorientierten Forschung bei Helmholtz abschaffen!

  2. Schnittstellen optimieren: Wenn das politische Brett, die Grundfinanzierung der Hochschulen zu konsolidieren, zu dick ist, dann müssen drittens die Schnittstellen außeruniversitärer Akteure, also von außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Industrie und Start-ups, Behörden und Kultureinrichtungen, ins Hochschulsystem optimiert werden. In Experimentierräumen und Innovationslabors können wir uns schon heute auf den Weg machen, um den Austausch zwischen den etablierten Akteuren des Wissenschaftssystems, aber auch neuen Mitspielern wie Deeptech-Start-ups zu ermöglichen. Das bedeutet auch hier: raus aus kleinteiliger, zeitlich befristeter und überregulierter Förderprogramm-Logik. Stattdessen: Aufbau von Ökosystemen, die längerfristig Rahmenbedingungen für den kreativen und strategischen Austausch aller Akteure, auch aus dem öffentlichen und Not-for-Profit-Sektor, schaffen.

  3. Neue Finanzierungsoptionen: Wer sollte in welcher Form an den Kosten eines Studiums beteiligt werden? Können wir staatlichen Hochschulen größeren Spielraum geben, um Berufstätigen gegen angemessene Gebühren Aufstiegschancen zu bieten? Erschließt die Verteidigungsforschung neue Finanzierungsquellen? Hier braucht es politischen Mut, insbesondere bei den Ländern.

  4. Internationale Forschungs- und Entwicklungspartnerschaften: Wissen und Kreativität werden sich auch künftig – trotz aller Unübersichtlichkeit der Welt – international vernetzen. Wissenschaft und Politik müssen deshalb aktiv internationale Forschungs- und Entwicklungspartnerschaften definieren. Forschungssicherheit ist das eine, die strategische Partnersuche jedoch das notwendige andere. Insbesondere im europäischen Bildungs-, Forschungs- und Innovationsraum ist Deutschland hier wieder als Ideengeber und Motor gefragt.

  5. Bundesressorts neu zuschneiden: Nur durch eine klare Zuordnung der politischen Verantwortlichkeit lässt sich ein solcher strategischer Entwicklungsprozess orchestrieren. Hierfür benötigen wir baldmöglichst einen neuen Zuschnitt der Bundesressorts – mit einheitlicher Ressortverantwortung für Forschung und Innovation (inklusive Fachkräftebildung) - und einen Kulturwandel im ministeriellen Handeln: agil, projektbezogen, kooperativ.

Letzte Aktualisierung: 24. Juli 2025