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Unternehmen: „Kaum strategische Ansätze zum Management des politischen Engagements“

Der Wissenschaftler Markus Scholz sieht Nachholbedarf beim Management des politischen Engagements von Unternehmen. Damit reagiert er auf die von ihm mitverfasste Studie zum CEO-Aktivismus, dem große Teile der Bevölkerung mit Skepsis begegnen.

03. März 2026
Ökonom Scholz: Unternehmen brauchen einen „kohärent definierten Wertekompass".

„Manager sollten ihre Verantwortung für den Schutz der liberalen Demokratie ernst nehmen“, rät Markus Scholz, Forscher für Fragen der Unternehmensverantwortung von der TU Dresden und Mitverfasser der Studie „CEO-Aktivismus zum Schutz der liberalen Demokratie“. Gleichzeitig rät er davon ab, „dass sich Manager und Unternehmer ausdrücklich für oder gegen einzelne politische Parteien positionieren“. Dies könne „schnell polarisierend wirken und kontraproduktive Effekte entfalten“, sagt Scholz zu Table.Briefings. Aber Manager und Unternehmer hätten zahlreiche andere konstruktive Handlungsoptionen, um die offene Gesellschaft zu stärken. Dazu zählen:

  • die klare interne Verankerung demokratischer Grundwerte in Governance-Strukturen und Leitbildern,

  • Programme zur politischen Bildung und Demokratieförderung für Mitarbeitende

  • und transparente Regeln für politische Kommunikation sowie kollektive Initiativen mit anderen Unternehmen zur Unterstützung rechtsstaatlicher und pluralistischer Prinzipien.

„Entscheidend ist jetzt, dass dieses Engagement strategisch gemanagt wird.“ Hier sieht Scholz Nachholbedarf bei Unternehmen. Er beobachtet „viel guten Willen, aber kaum strategische Ansätze zum Management des politischen Engagements“. Die Studienautoren empfehlen Unternehmen unter anderem die Entwicklung eines an das Grundgesetz angelegten „kohärent definierten Wertekompasses. Zudem sollten sie sich auf ein „konsistentes, langfristig angelegtes Engagement-Portfolio“ konzentrieren.

Für die Studie wurde die Personenbefragung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) um Fragen ergänzt. Im Auftrag des IW und des Lehrstuhls von Scholz befragte Bilendi & Respondi vom 25. Juni bis 3. Juli 2025 online 5.425 Menschen ab 18 Jahren.

Die Mehrheit der Befragten hält gesellschaftspolitische Positionierungen von Geschäftsführern für vollkommen” oder eher legitim”. Aber nur jeder vierte Befragte vertraut darauf, dass Unternehmen im Interesse der Gesellschaft handeln. „Auffällig ist eine politisch differenzierte Wahrnehmung“, schreiben die Autoren.

AfD-Anhänger brächten Unternehmen mehr Vertrauen entgegen als Anhänger von Parteien links der Mitte. Andererseits führe öffentliche Kritik an der AfD durch Unternehmensvertreter nicht dazu, „dass sich Parteigänger von ihr abwenden“. Vielmehr beobachten die Forscher Backlash-effekte. Werden AfD-Sympathisanten mit der AfD-Kritik von Geschäftsführern konfrontiert, sinke deren Vertrauen in das entsprechende Unternehmen.

Anhänger von Linken oder Grünen betrachten den Einfluss der Wirtschaft „auf Politik mehrheitlich kritisch“. Setzt sich beispielsweise ein Geschäftsführer für niedrigere Steuern und Abgaben ein, halten dies nur rund 55 Prozent der Linken und rund 63 Prozent der Grünen für legitim. Vertretbar finden sie hingegen eine Positionierung gegen die AfD – dies steigere auch ihr Vertrauen in ein verantwortungsvolleres Handeln des entsprechenden Unternehmens. Caspar Dohmen

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Letzte Aktualisierung: 03. März 2026