Heizungen: So verteuert die Biogas-Pflicht die Gasheizungen

Immer mehr Versorger bieten Biogas-Tarife an, die Voraussetzung für den Einbau neuer Gasheizungen. Sie sind allerdings über 30 Prozent teurer als Standard-Gasverträge: Gasheizungen werden dadurch wirtschaftlich noch unattraktiver.

19. August 2025
Gastherme im Keller
Eine Gastherme in einem Keller: Für den Einbau neuer Gasheizungen werden Biogastarife Pflicht. (IMAGO / blickwinkel)
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Es war eine der Regelungen im Gebäudeenergiegesetz (GEG), um die lange gerungen wurde: Neue Gasheizungen dürfen zwar weiterhin eingebaut werden – aber nur, wenn sie teilweise mit Biogas betrieben werden. Bei Neubauten ist von Anfang an eine Quote von 65 Prozent Biogas Pflicht. Bei Bestandsgebäuden gilt diese Quote erst für Gasheizungen, die nach Fertigstellung der kommunalen Wärmeplanung eingebaut werden - in Städten über 100.000 Einwohner bis Mitte 2026, in kleineren Orten bis Mitte 2028. Für Gasheizungen, die bis dahin eingebaut werden, ist ab 2029 ein Biogasanteil von 15 Prozent vorgeschrieben; 2035 steigt die Quote auf 30 Prozent und 2040 auf 60 Prozent.

Als Folge dieser Regelung ist das Angebot entsprechender Biogastarife bereits jetzt stark gewachsen. Das zeigt eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox, die Table.Briefings vorliegt. Von Juli 2023 bis Juli 2025 ist die Zahl für Biogas-Tarife für Haushalte von 175 auf 301 gestiegen. 44 davon haben einen Biogas-Anteil von 65 Prozent oder mehr. 42 davon erfüllen die rechtlichen Vorgaben des GEG, etwa dass maximal 40 Prozent des Biogases aus Getreide oder Mais gewonnen wird. „Die Gasversorger haben auf die veränderten politischen Rahmenbedingungen reagiert und bieten nun in den meisten Fällen GEG-konforme Biogastarife an“, sagt Verivox-Energieexperte Thorsten Storck.

Die Biogastarife sind dabei deutlich teurer als Tarife mit ausschließlich fossilem Erdgas. Die für Gasheizungen in Neubauten vorgeschriebenen 65-Prozent-Tarife kosten nach Angaben von Verivox im Schnitt 15 Cent pro Kilowattstunde (inklusive Steuern und anteiligem Grundpreis); der Durchschnittspreis der Standard-Tarife liegt bei 11 Cent. Die Tarife mit 15 Prozent Biogasanteil sind trotz deutlich weniger Biogas-Anteil mit durchschnittlich 14 Cent pro Kilowattstunde kaum billiger als die 65-Prozent-Tarife.

Wie genau diese Tarife zustande kommen, ist unklar. Der Versorger Vattenfall, der bundesweit Erdgas ohne Biogas, mit 15 und 65 Prozent Biogas-Anteil anbietet, macht auf Anfrage keine Angaben zur Preisbildung, sondern erklärt lediglich allgemein, diese seien „immer eine Mischkalkulation“. Eingeführt wurden die Biogastarife bei Vattenfall „kurz nach Inkrafttreten der GEG-Novelle zu Beginn 2025“. Sie richteten sich „sowohl an Kunden, die aufgrund des GEG Mindestbeimischungen an Biogas zwingend benötigen, als auch an Kunden, die freiwillig einen Teil ihrer CO₂-Emissionen durch eine Biogas-Beimischung reduzieren möchten“, so Vattenfall.

Auch die Zahl der Kunden, die diese Tarife bisher nutzen, ist nicht bekannt. Allzu groß dürfte sie aber nach Einschätzung von Marktbeobachtern aktuell noch nicht sein. Denn die 15-Prozent-Quote ist bisher noch fast nirgends vorgeschrieben. Und in Neubauten, wo seit Anfang 2024 die 65-Prozent-Quote Pflicht ist, werden immer weniger Gasheizungen verbaut. Lag der Anteil im Jahr 2014 nach Angaben des Statistischen Bundesamts noch bei über 50 Prozent, waren es schon 2023 nur noch 20 Prozent. Im Jahr 2024 sank der Anteil auf 15 Prozent, und in Zukunft dürfte er noch sehr viel stärker fallen: Bei den Neubauten, die im Jahr 2024 genehmigt wurden, lag der Anteil der Gasheizungen bei unter 4 Prozent.

Dazu dürfte auch die Biogas-Pflicht beitragen, denn diese macht Gasheizungen noch unwirtschaftlicher. In einem neu gebauten Einfamilienhaus verbraucht eine Gasheizung etwa 12.000 Kilowattstunden pro Jahr, was beim Durchschnittspreis eines 65-Prozent-Biogastarifs jährliche Heizkosten von 1800 Euro verursacht. Eine Wärmepumpe verbraucht im gleichen Gebäude maximal 3000 Kilowattstunden Strom, was Stromkosten von etwa 800 Euro bedeutet – wobei diese durch Nutzung flexibler Stromtarife oder eigener Solarzellen noch deutlich niedriger ausfallen können. Die Mehrkosten für eine Wärmepumpe rentieren sich damit nach zehn bis 15 Jahren.

In Bestandsgebäuden kann sie sich sogar noch schneller amortisieren. Zwar arbeiten Wärmepumpen dort in der Regel etwa weniger effizient und die Mehrkosten für Anschaffung und Einbau sind im Vergleich zur Gasheizung tendenziell höher als beim Neubau. Aber dadurch, dass es dafür einen staatlichen Zuschuss von 30 bis 70 Prozent gibt, hat man die Mehrkosten nach Angaben von Verivox meist nach sechs bis neun Jahren durch die gesparten Verbrauchskosten wieder hereingeholt.

Noch nicht berücksichtigt wurde in diesen Rechnungen ein möglicher Anstieg der Gaskosten. Doch dieser ist nicht unwahrscheinlich. Denn wenn die Regeln unverändert bleiben und von 2029 an schlagartig viele Millionen Gaskunden zu einem Tarif mit 15 Prozent Biogas wechseln müssen, dürften die Preise dafür aufgrund des insgesamt begrenzten Biogas-Angebots deutlich steigen.

Gasheizungsbesitzer sollten allerdings nicht darauf hoffen, einfach unbemerkt weiterhin einen normalen Gastarif zu nutzen. Denn im GEG § 97 ist klar geregelt, dass die zuständigen Schornsteinfeger im Rahmen seiner regelmäßigen Überprüfungen der Heizung künftig auch überprüft, ob die Vorgaben zur Nutzung von Biogas eingehalten werden. Dazu müssen die Heizungsbesitzer eine Bescheinigung ihres Anbieters sowie die Rechnungen vorlegen. Bei einem Verstoß droht ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026