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Schuldenfalle oder großzügige Auslandshilfe?

Von Andreas Fuchs, Institut für Weltwirtschaft
Andreas Fuchs leitet die Kiel China Initiative am IfW

Die Entwicklungszusammenarbeit Chinas mit dem Globalen Süden hat in den westlichen Medien zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen. Wachsende Aufmerksamkeit hat jedoch nicht immer zu wachsendem Verständnis geführt. So ist in vielen Medien die Rede von einer „Kreditfalle“ und „Schuldenfallendiplomatie“ Chinas. Gleichzeitig argumentieren beispielsweise Deborah Brautigam, Professorin an der Johns Hopkins University, und Meg Rithmire, außerordentliche Professorin an der Harvard Business School: „Das Narrativ stellt sowohl Peking selbst, als auch die kooperierenden Entwicklungsländer falsch dar.“ Ist der Vorwurf der „Schuldenfallendiplomatie“ gerechtfertigt?

Es ist schwer, Antworten auf solche Fragen zu finden. Dafür gibt es zwei Gründe: das Fehlen ausreichender Daten und das mangelnde Verständnis der Funktionsmechanismen von Chinas System der Auslandshilfe. Der Mangel an ausreichenden Daten ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass es keine umfassenden Berichtssysteme für Entwicklungsprojekte Chinas gibt. Während Deutschland wie viele andere Länder seine Projekte an die OECD berichtet, die die Informationen für alle zugänglich aufbereitet, stellt China keine vergleichbaren Daten bereit. Da es keine verlässliche, offizielle Quelle gibt, war es in der Vergangenheit schwierig, sich ein umfassendes Bild von Pekings ausländischen Entwicklungsaktivitäten zu machen.

Auswertung öffentlicher Daten erweist sich als Goldgrube

Initiativen wie AidData am College of William & Mary haben versucht, diese Lücke zu schließen. Seit 2013 verfolgen AidData unter der Leitung von Dr. Brad Parks die offiziellen Finanztransfers aus China an Entwicklungsländer mit ihrer sogenannten TUFF-Methode. TUFF steht hierbei für Tracking Underreported Financial Flows. Dafür bringt AidData unstrukturierte, offen zugängliche, projektbezogene Daten zusammen, die von verschiedensten Quellen veröffentlicht werden und standardisiert und vereinheitlicht die Daten. Auf der Grundlage dieser Methodik begann AidData zunächst mit der Veröffentlichung regionalspezifischer Datensätze. 2017 präsentierte AidData den ersten Datensatz, der den gesamten Globalen Süden abdeckt. Der in diesem September aktualisierte Datensatz umfasst 13.427 Projekte im Wert von 843 Milliarden US-Dollar in 165 Ländern in allen wichtigen Weltregionen über einen Zeitraum von 18 Jahren.

Die Verbindung von umfassenden Datenerhebungen und sinologischen Methoden ermöglichen es, das Verständnis von Chinas Entwicklungszusammenarbeit im Ausland zu verbessern. Für Deutschland und die Europäische Union als Stakeholder ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir ein klares Bild von den Arbeitsmechanismen und dem Umfang der chinesischen Entwicklungszusammenarbeit bekommen.

Unter dem Titel „Making Chinese Foreign Aid Transparent – What is Hidden in Data and Policy Documents?“ debattieren am Donnerstag Dr. Brad Parks von AidData und Dr. Marina Rudyak von der Universität Heidelberg im Rahmen der dritten Global China Conversation der Kiel Institute China Initiative dieses Thema. China.Table ist Medienpartner der Veranstaltungsreihe.

Prof. Andreas Fuchs leitet die Kiel China Initiative des Kieler Instituts für Weltwirtschaft und ist Professor für Entwicklungsökonomik an der Universität Göttingen. Seine Forschung untersucht Handels-, Investitions- und Entwicklungspolitik mit quantitativen Methoden und einem besonderen Fokus auf China und andere aufstrebende Schwellenländer.

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