Agentic AI und der Iran-Krieg: Wie der Westen seine KI-Zukunft verspielt

Der Iran-Krieg verschärft das Energieproblem der USA und bedroht deren KI-Infrastruktur. China nutzt hingegen seine robuste Energiebasis für entscheidende Vorteile im globalen KI-Wettbewerb.

BO
18. April 2026

China ist im globalen Wettbewerb um KI aktuell im Vorteil: Das Land setzt nicht primär auf kurtfristige Leistungsbenchmarks, sondern schafft langfristig stabile Grundlagen. Das Land investiert systematisch in Infrastruktur und planbare Rahmenbedingungen, auf die Unternehmen aufbauen können. Diese strategische Ausrichtung ermöglicht es, Wettbewerbsvorteile frühzeitig und nachhaltig zu realisieren. Im Westen hingegen fehlt diese sichere Basis.

Ein aktuelles Beispiel dafür ist „Agentic AI“. Diese agentenbasierten KI-Systeme benötigen deutlich mehr Rechenleistung und damit Energie als klassische Anwendungen. Geopolitische Spannungen wie der Iran-Krieg belasten globale Energiemärkte und sorgen für steigende Preise. Zusammen mit Einschränkungen in der Chipproduktion wird so nicht nur der Betrieb, sondern auch der Ausbau von KI-Strukturen im Westen gefährdet.

Zudem ist die westliche KI-Industrie ein fragiles System ineinandergreifender Abhängigkeiten. Gleichzeitig sinken die Preise für KI-Leistungen und Infrastruktur verliert schnell an Wert. Das macht das System anfällig für Krisen und könnte bei einem Vertrauensverlust der Investoren zu ernsthaften wirtschaftlichen Probleme führen.

China hingegen profitiert von langfristig aufgebauten Überkapazitäten in der Energieversorgung und einem Fokus auf effiziente KI-Entwicklung („Frugal AI“). Unternehmen setzen dort stärker auf ressourcenschonende Ansätze, wodurch KI kostengünstiger skaliert werden kann. Laut der AI+-Initiative in Chinas neuem Fünfjahresplan ist KI ein selbstverständlicher Produktionsfaktor, ermöglicht durch stabile und planbare Inputkosten. In den USA hingegen besteht die Gefahr, dass KI zu teuer beibt für den industriellen Einsatz.

Für Europa ergibt sich daraus die Notwendigkeit, einen eigenen Weg zu finden, statt das US-Modell zu kopieren. Die Energieprobleme sind ähnlich oder schlimmer und es besteht die Gefahr, wirtschaftlich zurückzufallen. Die Lösung könnte zwei parallele Ziele verfolgen:

  • Entwicklung neuer KI-Ansätze als Alternative zum US-Fokus auf LLMs

  • Fokus auf die breite Anwendung von KI auf Basis energieeffizienter Open-Source-Modelle

Die Gewinner des globalen KI-Wettbewerbs werden nicht die sein, die die mächtigsten Modelle bauen. Sondern diejenigen, die es sich leisten können, KI zu betreiben - skaliert, wirtschaftlich, nachhaltig und ohne das gesellschaftliche Gefüge zu zerstören. China scheint das besser zu gelingen als den USA. Und Europa muss anfangen, sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen.

Björn Ognibeni ist Berater für digitale Transformation und arbeitet an der Schnittstelle von Unternehmensführung, Produktentwicklung sowie Marketing und Vertrieb. Er beschäftigt sich vor allem mit Zukunftsthemen der Digitalisierung wie KI-Strategien, Innovationen aus China, AI-First-Ansätzen und immersiven Technologien und hat unter anderem den Thinktank ChinaBriefs.io gegründet.

Dieser Standpunkt spiegelt nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider.

Briefings wie CEO.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden

Letzte Aktualisierung: 18. April 2026