CEO.Table – Ausgabe 81

Arbeitsmarkt: KI nicht allein schuld am „Mismatch“ + Thalia setzt auf Präsenz + Quanten-Start-ups: Investment versechsfacht

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Executive.Summary

Fachkräftemangel trotz Stellenabbau: Warum KI nicht (allein) schuld ist an diesem Mismatch

Der Arbeitsmarkt kühlt ab. In Deutschland sind mehr Menschen als vor einem Jahr auf Jobsuche, die Arbeitslosenquote liegt bei 6,7 Prozent. Zugleich suchen Unternehmen Personal: 43 Prozent der Recruiter sehen sich als vom Fachkräftemangel akut betroffen, 88 Prozent empfinden es als eine große Herausforderung, passende Kandidaten zu finden. Das sind zwei Wahrheiten, die – so paradox es scheint – nebeneinander existieren.

Es ist ein „Mismatch“: Die Leute, die Jobs suchen, sind nicht die, die Unternehmen suchen. Doch die Begründung ist nicht so einfach, wie viele sie gerne hätten: Nicht KI allein ist schuld, dass Jobs wegfallen. Aber Unternehmen treffen Entscheidungen, die zu Spannungen am Arbeitsmarkt führen und möglicherweise kurzsichtig sind.

3.021.230 Menschen waren im März 2026 laut der Bundesagentur für Arbeit arbeitslos, 4.697.682 galten als arbeitssuchend. „Seit Frühjahr 2022 ist die Anzahl der Stellenausschreibungen um mehr als ein Drittel zurückgegangen“, beobachtet Virginia Sondergeld, Ökonomin beim Jobportal Indeed. Besonders rückläufig waren im letzten Jahr Jobs im Kundenservice, Einzelhandel, Projektmanagement und Marketing. Dahingegen ist die Zahl der ausgeschriebenen Stellen im Bauwesen und im Bereich Soziales um sieben bis zehn Prozent gestiegen. Das deckt sich mit den Beobachtungen von Christina Langer, Arbeitsmarktforscherin bei Stepstone: Auf ihrem Portal gibt es derzeit bis zu dreimal so viele Stellen als Schweißer, Schlosser oder Fräser wie noch vor einem Jahr. „Praxisnahe und gewerbliche Berufe spielen eine besonders starke Rolle“, sagt sie.

Irrglaube 1: Wir haben es mit einer White-Collar-Jobkrise zu tun. „Das wird so wahrgenommen, weil solche Jobs, die als sicher galten, es zum Teil nun nicht mehr sind“, erklärt Langer. Ein Blick Auf die Entwicklung auf den Markt für Jobs in der Softwareentwicklung zwischen 2021 und 2022 relativiert das aber: Da waren Developer extrem gefragt. Was jetzt passiert, ist eher Normalisierung als Krise. Demgegenüber dauert der Mangel etwa in Pflegeberufen schon lange an und wird durch den demografischen Wandel beständig verstärkt.

Irrglaube 2: KI ist ein Jobkiller. Für manche Beobachter ist es eine logische, für Unternehmen eine bequeme Erklärung: Es gibt weniger Stellen, weil KI die Arbeit übernimmt. Allerdings belegen das die Zahlen nicht: OpenAI hat ChatGPT am 30. November 2022 der Öffentlichkeit vorgestellt. „Wir sehen aber bereits seit Frühjahr 2022 eine Abkühlung auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Sondergeld. Diese gehe einher mit einer Rezession in Deutschland, konjunkturellem Abschwung und der Zinswende. Auch der Verlust von Industriejobs sei nicht in erster Linie Folge technologischer Fortschritte im Bereich KI und Robotik. Auch Verlagerung der Produktion ins Ausland aufgrund hoher Arbeits- und Energiekosten, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit und Innovation spielen schon länger eine Rolle.

Es gibt „zwei parallel existierende Trends“: „Einerseits die wirtschaftliche Schwäche Deutschlands, die womöglich strukturell, nicht nur zyklisch ist“, erklärt Sondergeld, „und die KI-Revolution und Transformation auf der anderen Seite.“ Wegen der writschaftlichen Lage treten Unternehmen vorallem beim Hiring auf die Bremse. Das Aufkommen von KI lässt sie Teams neu organisieren ,Stellen kritisch prüfen und gegebenenfalls auch streichen.

Besonders der Berufseinstieg ist härter geworden, beobachtet die Stepstone-Ökonomin Langer. Doch die simple Erklärung „Jetzt macht KI, was der Trainee früher gemacht hat“, sei unzureichend: „In einer wirtschaftlichen Spannungssituation ist es normal, dass die Einstiegsjobs stärker betroffen sind, weil Unternehmen hier erst investieren müssen, bevor jemand sein volles Potenzial ausschöpft, das zur Wertschöpfung eines Unternehmens beiträgt.“ Einzelne Unternehmen würden KI aber gerne als einen Grund nennen, weil das eine gute Öffentlichkeitswirkung habe: Einerseits müssen so wirtschaftliche Schwierigkeiten nicht benannt werden, andererseits wirken Unternehmen so zukunftsgerichtet: Hier wird bereits mit KI gearbeitet.

„Wenn man das weiterdenkt, stellt sich eine entscheidende Frage: Wie sollen Menschen überhaupt Erfahrung sammeln und fundierte Urteile treffen können, wenn sie nicht bereits in jungen Jahren entsprechende Praxiserfahrungen aufbauen – unabhängig davon, ob mit oder ohne KI?“, fragt Fabian Kienbaum, CEO der Personal- und Managementberatung Kienbaum. Sinnvoller scheint ihm der differenziertere Ansatz mancher Unternehmen: „Sie reduzieren zwar insgesamt die Anzahl neuer Einstellungen, halten aber ein gewisses ,Grundrauschen’ aufrecht, um ihre Talentpipelines nicht aus den Augen zu verlieren.“ Auch für den fortwährenden und nötigen Wissenstransfer innerhalb eines Unternehmen ist das wichtig.

Für eine Finance-Perspektive zum Zusammenhang zwischen KI, Arbeitslosigkeit und Wohlstand lesen Sie unbedingt auch die Kolumne von Gunther Schnabl in dieser Ausgabe.

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Andrea Nahles über Leapfrogging in der öffentlichen Verwaltung. Table.Forum

CEO.Talk

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Thalia setzt auf Präsenz: Warum zu viel Onlinegeschäft ein Warnsignal wäre

Der größte deutsche Buchhändler Thalia hält seinen Online-Anteil bewusst stabil. Der Online-Anteil am Gesamtumsatz liegt bei rund 39 Prozent und hat sich seit dem Corona‑Höhepunkt eingependelt. Ein weiterer Anstieg ist ausdrücklich kein Ziel. „Wenn der Online‑Umsatz zu hoch gehen würde, wäre das für uns ein Indikator, dass wir zu wenig präsent sind“, sagte Thalia-CEO Ingo Kretzschmar im Podcast Table.Today. Der stationäre und haptische Verkauf soll dauerhaft mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmachen.

Gleichzeitig verschärfen sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Buchhandel insgesamt. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Buchhandlungen in Deutschland um 24 Prozent gesunken, jeder fünfte Arbeitsplatz ging verloren. Kretzschmar führt dies vor allem auf stark gestiegene Kosten für Energie, Mieten und Personal zurück. Zugleich könnten Händler Preissteigerungen nur begrenzt weitergeben, da die Buchpreisbindung den finanziellen Spielraum einschränke.

Vor diesem Hintergrund stößt auch die von der Bundesregierung beschlossene Entlastungsprämie bei Kretzschmar auf Kritik. Unternehmen sollen ihren Beschäftigten eine steuer‑ und abgabenfreie Sonderzahlung von bis zu 1.000 Euro zahlen dürfen, um gestiegene Energie‑ und Lebenshaltungskosten abzufedern. Die Zahlung ist freiwillig, ein Rechtsanspruch besteht nicht. Die Idee habe Kretzschmar dennoch „extrem geärgert“, weil politische Erwartungen geweckt würden, während viele Arbeitgeber wirtschaftlich kaum Spielraum hätten.

Im Geschäftsjahr 2024/25 konnte Thalia seinen Umsatz um 14 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro steigern. Das im Branchenvergleich höhere Wachstum führt Konzernchef Kretzschmar auf Effizienzgewinne, frühe Trenderkennung und eine breitere Sortimentsstrategie zurück. Thalia habe Trends wie Young Adult oder englischsprachige Bücher schneller erkannt und konsequent in die Fläche gebracht. Hinzu komme der gezielte Ausbau der Zusatzsortimente. Der Non‑Book‑Anteil liegt inzwischen bei rund 32 bis 33 Prozent des Gesamtumsatzes, Spiele allein machen etwa zwölf Prozent aus. „Nur mit dem Buch allein kann man am Ende nicht mehr erfolgreich sein“, sagt Kretzschmar. Zusatzsortimente dienten zugleich dazu, neue – insbesondere junge – Zielgruppen für Bücher zu gewinnen.

Welche Sorgen Thalia‑Chef Ingo Kretzschmar mit Blick auf die Lesekompetenz von Kindern und Jugendlichen umtreiben und warum er darin ein gesellschaftliches Risiko sieht, hören Sie im Podcast Table.Today.

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CEO.Analyse

Wie öffentliche Investitionen privates Kapital hebeln

Dass staatliches Engagement private Milliarden mobilisieren kann, zeigt ein Industrieprojekt von Vulcan Energy, einem australischen Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien und Bergbau. Ende April wurde im Industriepark Höchst der Spatenstich für die Zentrale Lithiumanlage (Central Lithium Plant, CLP) gesetzt. Dort soll künftig nachhaltiges, in Deutschland gewonnenes Lithiumhydroxid‑Monohydrat (LHM) im kommerziellen Maßstab produziert werden – ein Schlüsselrohstoff für die europäische Batterie‑ und Automobilindustrie.

Die Finanzierung des Projekts ist für KfW‑Chef Stefan Wintels ein Paradebeispiel für den Hebeleffekt öffentlicher Investitionen. „Vulcan Energy ist ein gutes Beispiel dafür, wie öffentliche Investitionen private Investitionen hebeln können“, sagte Wintels Table.Briefings am Rande des Ludwig‑Erhard‑Gipfels. „150 Millionen Euro Eigenkapital aus dem Rohstofffonds der KfW, Teil des Deutschlandfonds, haben dazu beigetragen, ein Gesamtfinanzierungsvolumen von 2,2 Milliarden Euro zu mobilisieren. Das Projekt ermöglicht strategische Wertschöpfung im Bereich Lithium‑Ionen‑Batterien in Deutschland und schafft Arbeitsplätze.“ Das sogenannte „Lionheart“-Projekt ist damit das erste Vorhaben, das im Rahmen des neu aufgesetzten Deutschlandfonds von der Bundesregierung gefördert wird.

Der Deutschlandfonds ist als Investitionsrahmen konzipiert und wird schrittweise weiterentwickelt. Der Bund stellt dafür öffentliche Mittel und Garantien in Höhe von rund 30 Milliarden Euro bereit, mit denen insgesamt Investitionen von rund 130 Milliarden Euro ausgelöst werden sollen. Die KfW koordiniert den Deutschlandfonds und fungiert als Ansprechpartnerin für nationale und internationale Investoren. Der Fonds werde kontinuierlich weiterentwickelt, sagte Wintels. Noch vor der Sommerpause rechne man mit dem Start zusätzlicher Instrumente, um die Mobilisierung privaten Kapitals weiter auszuweiten.

Der überwiegende Teil der Investitionen in Deutschland wird von privaten Unternehmen getragen. „Wir dürfen nicht vergessen: Über 90 Prozent der Investitionen kommen von Unternehmern, nicht vom Staat“, betonte Wintels auf dem Ludwig‑Erhard‑Gipfel. Aufgabe der Politik sei es daher vor allem, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen Unternehmen investieren können. Staatliches Engagement solle privates Kapital ergänzen und mobilisieren – nicht ersetzen.

Internationale Investoren zeigen weiterhin Interesse an Deutschland, entscheidend ist jedoch die Projektpipeline. „Das Zeitfenster für ausländische Investoren, die in Deutschland investieren wollen, ist grundsätzlich immer offen, weil Deutschland nach wie vor attraktive Rahmenbedingungen vorzuweisen hat“, sagte Wintels. Entscheidend sei jedoch, dass ausreichend geeignete Projekte verfügbar seien: „Große internationale institutionelle Investoren suchen Mindestticketgrößen von 500 Millionen Euro. Deshalb ist es wichtig, kleinere Projekte zu bündeln, zu standardisieren und anschließend zu skalieren.“

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CEO.News

Steuerzahlerpräsident Holznagel: Zuckersteuer ist „zynisch“

Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, hat die geplante Einführung einer Zuckersteuer zur Schließung von Haushaltslücken scharf kritisiert. Auf dem Ludwig‑Erhard‑Gipfel warnte Holznagel mit Blick auf die am Mittwoch beschlossenen Eckwerte für den Bundeshaushalt davor, Haushaltsprobleme über Lenkungs- und Verbrauchssteuern lösen zu wollen. Der Staat mache sich damit abhängig von einem Konsum, den er zugleich eindämmen wolle. Eine solche Steuerpolitik sei „nicht nur zynisch, sondern auch fiskalpolitisch fatal“, sagte Holznagel.

Deutschland verzeichne zwar die höchsten Steuereinnahmen aller Zeiten, zugleich gebe es aber auch Rekordausgaben, betonte der Steuerzahlerpräsident. Das Problem liege daher nicht auf der Einnahmen-, sondern auf der Ausgabenseite. Mit Blick auf die weitere Haushaltsplanung forderte Holznagel einen Kurswechsel: „Wir brauchen einen Prioritätenkatalog, der festlegt, was jetzt getan wird. Und am Ende brauchen wir auch Haushaltskonsolidierung. Neue Schulden werden nicht die Rettung und die wirtschaftliche Prosperität für Deutschland sein.“ Auf 450 Millionen Euro beziffert das Bundesgesundheitsministerium die voraussichtlichen Einnahmen aus der künftigen Zuckersteuer. Warum die Summe aber auch deutlich niedriger ausfallen könnte, lesen Sie im Agrifood.Table. Alexander Wiedmann

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Wire-CEO: Europa soll sich mit Regulierung nicht selbst ein Bein stellen.

Benjamin Schilz, CEO des Berliner Messenger-Dienstes Wire, warnt vor einem Regulierungsparadox in der europäischen Tech-Politik: Gut gemeinte Vorschriften – er nennt explizit den AI Act – entfalteten in der Praxis eine gegenläufige Wirkung. Während US-Konzerne Hunderte Lobbyisten und Anwälte beschäftigten, um Compliance-Anforderungen zu managen, fehle europäischen Startups und Mittelständlern schlicht das Budget dafür. „Wenn am Ende nur die großen amerikanischen Konzerne damit umgehen können, zerstören wir genau das, was wir eigentlich schützen wollten", sagte Schilz Table.Briefings. Sein Rat an Brüssel: Jede neue Regulierung müsse systematisch auf ihre Wirkung speziell für europäische KMU geprüft werden – und amerikanische Lobbyisten hätten in den Verhandlungsprozessen schlicht nichts verloren. Leonard Schulz

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Quantencomputing am Wendepunkt: Wie weit Deutschland bei der Umsetzung der Hightech-Agenda ist

Quantencomputing hat laut einer neuen Studie von McKinsey & Company den Sprung vom Forschungsthema zur strategischen Managementfrage geschafft. Weltweit haben sich die Investitionen in Quantum-Start-ups binnen eines Jahres auf 12,6 Milliarden US-Dollar in etwa versechsfacht, während die Branche – rund 300 Unternehmen weltweit – erstmals mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz erzielt. Die Technologie werde damit vom Zukunftsversprechen zum akuten Wettbewerbsfaktor.

Entscheidend ist die Verzahnung von exzellenter Forschung und wirtschaftlicher Anwendung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von Table.Briefings und Elsevier zum Fortschritt, den die Bundesregierung mit der Hightech-Agenda (HTA) in diesem Bereich macht. Das Zwischenfazit: Deutschland zählt zwar in der Quantenforschung zur Weltspitze, beim Transfer in marktfähige Anwendungen hinkt man jedoch noch hinterher. Mit der Hightech-Agenda will die Bundesregierung genau diese Lücke schließen.

Die Fachcommunity bewertet die bisherige Umsetzung der Hightech-Agenda gemischt. Die wettbewerbliche Ausrichtung der im April veröffentlichten Quantum Computing Initiative wird gelobt, zugleich gilt die klassische Förderlogik als zu wenig wirksam für den industriellen Wettbewerb. Robert Axmann, Leiter der DLR Quantencomputing-Initiative, gibt im Gespräch mit Table.Briefings zu bedenken: „Zur Frage, welches Vergabeinstrument der Markt braucht, gibt uns die Industrie eine klare Antwort: Sie braucht Aufträge.“

Die Priorisierung von Quantentechnologien wird positiv gesehen, doch die starke Ausrichtung auf Skalierung und große Demonstratoren greift laut Experten zu kurz. „Wichtiger als ein Wettbewerb der Standorte ist ein Wettbewerb der Ideen“, betont der Berliner Quantenforscher Jens Eisert. Entscheidend seien nicht allein Größe und Hardware, wo US-Techgiganten wie Alphabet oder IBM führend seien, sondern das Zusammenspiel von exzellenter Grundlagenforschung, kreativen Ideen und engen Kooperationen. Gerade darin liege eine besondere Stärke Deutschlands.

Die Ziele der Hightech-Agenda halten die Experten für ambitioniert, aber nicht unrealistisch. Bis 2030 sollen unter anderem zwei leistungsfähige, fehlerkorrigierte Quantencomputer auf europäischem Spitzenniveau realisiert werden und auch für industrielle Anwendungen bereitstehen. Gleichzeitig setzt die Strategie auf den Ausbau von Software-Ökosystemen und konkreten Use Cases in Spezialfeldern. Nach eigenen Angaben hat das BMFTR für die laufende Legislaturperiode 2,2 Milliarden Euro für die Förderung im Bereich Quantentechnologien eingeplant. Tim Gabel

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Rohstoffe: Wie die EU und die USA Chinas Monopol angreifen wollen

Die EU und die USA wollen enger kooperieren, um Chinas Dominanz bei kritischen Rohstoffen zu reduzieren. Ein neues Abkommen sieht gemeinsame Maßnahmen zur Diversifizierung der Lieferketten vor, wobei die EU darauf achten muss, nicht zu stark von US-Vorgaben abhängig zu werden.

China kontrolliert große Teile der weltweisen Verarbeitung wichtiger Rohstoffe wie Seltene Erden (ca 90 Prozent) und Lithium (60 bis 70 Prozent) und nutzt diese Stellung teils politisch über Exportkontrollen. Die EU und USA reagieren darauf mit einer geplanten plurilateralten Initiative, die auch von den G7 unterstützt wird. Ziel ist es, durch gemeinsame Beschaffung, Preisrahmen und Abnahmevereinbarungen stabilere und unabhängigere Märkte zu schaffen.

Diskutiert werden sogenannte standardbasierte, teilweise abgeschottete Märkte für kritische Mineralien mit Mindestpreisen und Zöllen auf günstige, aber weniger nachhaltig geförderte Rohstoffe. Die Industrie sieht solche Preisgrenzen teilweise positiv, besonders bei strategischen Metallen, weniger jedoch bei großen Basismetallen.

China kritisiert die Pläne. Es sieht Verstöße gegen WTO-Regeln, insbesondere durch Preis- und Standardmechanismen mit potenziell ausschließendem Charakter sowie Subventionen.

Zudem wollen EU und USA den Zugang zu Rohstoffen in Drittstaaten wie Argentinien, Bolivien und der Demkratischen Republik Kongo verbessern. Dort liegen viele Vorkommen, oft mit enger Anbindung an China. Durch oordinierte Abnahmeverträge sollen diese Länder alternative, westlich unterstützte Käufer erhalten.

Das Abkommen ist bisher nicht bindend. Es bleibt unklar, ob diese Maßnahmen ausreichen, um Chinas langfristig aufgebautes Rohstoffmonopol zu schwächen und wie konkrete Regeln ausgestaltet werden. Der Europäische Rechnungshof bezweifelt zudem, dass die EU ihre Versorgungssicherheit bisher ausreichend verbessern konnte. Mehr dazu lesen Sie im China.Table. Antonia Zimmermann

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Dekarbonisierung: Unternehmen fordern mehr Planungssicherheit von der Bundesregierung

Friedrich Merz betont die Bedeutung der Clean-Tech-Industrie als globalen Wachstumsmotor und verweist auf starkes Wachstum in Deutschland sowie enorme weltweite Marktpotenziale von bis zu rund zwei Billionen US-Dollar bis 2035. Auch Verbände wie BDI und Klima-Allianz sehen in der Energiewende große wirtschaftliche Chancen: Deutschland sei in wichtigen Zukunftsbranchen wie E-Autos, grünen Patenten, Windkraft oder Batterietechnologien gut positioniert und halte relevante Weltmarktanteile. Studien und Branchenanalysen heben zudem hervor, dass der Ausbau erneuerbarer Energien die regionale Wertschöpfung, Arbeitsplätze, Exporte und Steuereinnahmen deutlich steigern könnte.

Gleichzeitig wächst die Kritik aus Wirtschaft und Industrie: Unternehmen warnen vor Unsicherheit durch mögliche politische Kurswechsel bei der Energiewende, was Investitionen bremse und die Wettbewerbsfähigkeit gefährde. Energieversorger und Mittelständler berichten von Verunsicherung, während Wirtschaftsvertreter fordern, Klimaziele verlässlich zu halten, fossile Subventionen umzuschichten und staatliche Nachfrage nach grünem Stahl und Zement zu stärken. Ohne klare Rahmenbedingungen und politische Unterstützung, so die Kritik, könne die industrielle Transformation und Dekarbonisierung nicht ausreichend Fahrt aufnehmen – während internationale Wettbewerber wie China bereits stark vom Wachstum grüner Technologien profitieren. Die ganze Analyse lesen Sie im Climate.Table. Nico Beckert

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CEO.Presseschau

Handelsblatt

Aufzughersteller: Kone übernimmt Rivalen TK Elevator für knapp 30 Milliarden Euro

Der finnische Aufzughersteller Kone übernimmt den deutschen Konkurrenten TK Elevator (TKE) für 29,4 Milliarden Euro inklusive Schulden. Die Eigentümer, die Finanzinvestoren Advent und Cinven, erhalten Barmittel und Kone-Aktien. Der Ex-Mutterkonzern Thyssenkrupp profitiert durch eine Restbeteiligung ebenfalls. Arbeitnehmervertreter kritisieren mangelnde Einbindung und kündigen Proteste an.
manager magazin

Porsche: Eine Abstiegsgeschichte in Grafiken

Nach Rekordjahren unter Oliver Blume erlebt Porsche einen steilen Niedergang. Als Gründe werden der verspätete E-Macan, Einbrüche im China-Geschäft und strategische Fehler genannt, die zu sinkenden Gewinnen und einem massiven Kursverlust führten. Seit 2026 leitet Michael Leiters die Neuausrichtung des Sportwagenbauers.
Spiegel Online

Konjunktur: Ökonomen erleichtert über leichtes BIP-Wachstum

Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal überraschend um 0,3% gewachsen, was Ökonomen erleichtert. Dennoch wird vor den zukünftigen Folgen des Nahostkonflikts, wie steigenden Rohstoffpreisen und Inflation, gewarnt. Experten zufolge könnten die positiven Wachstumsimpulse durch Konsum und Staatsausgaben nachlassen und das BIP im zweiten Quartal sogar zurückgehen.
Bloomberg

Airbus sichert sich Auftrag von China Southern über 21,4 Milliarden Dollar

Airbus hat einen Großauftrag von China Southern Airlines und deren Tochtergesellschaft Xiamen Airlines erhalten. Der Auftrag umfasst 137 Flugzeuge der A320neo-Familie im Wert von 21,4 Milliarden US-Dollar, wodurch der Flugzeughersteller seine Erfolgsserie im chinesischen Markt ausbaut.
WirtschaftsWoche

RWE-Hauptversammlung: Geht die Wette auf Windkraft in den USA auf?

RWE-Chef Markus Krebber setzt trotz politischer Unsicherheit unter Trump massiv auf Investitionen in erneuerbare Energien in den USA. Aktionärsvertreter äußern auf der Hauptversammlung Zweifel an dieser Strategie. Krebber begründet den Kurs mit dem enormen Strombedarf durch KI. In Deutschland plant RWE wasserstofffähige Gaskraftwerke und mahnt verlässliche politische Rahmenbedingungen an.
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CEO.Personnel

Handelsblatt

Pharma: Merck setzt auf Urgestein – Kai Beckmann übernimmt Chefposten

Kai Beckmann wird neuer Chef des Darmstädter Pharma- und Technologiekonzerns Merck. Er löst Belén Garijo ab, die zu Sanofi wechselt. Beckmann, seit 1989 im Unternehmen und zuletzt Vizechef, soll Merck nach einer schwächeren Phase wieder auf Wachstumskurs bringen. Unter Garijo wurde das Umsatzziel von 25 Milliarden Euro bis 2025 verfehlt; 2023 lag der Erlös bei 21 Milliarden Euro.
manager magazin

Christian Lindner: Ex-Minister wird Chef bei Autohändler Autoland

Der ehemalige Bundesfinanzminister Christian Lindner soll im kommenden Jahr Vorstandsvorsitzender des Automobilhandelskonzerns Autoland AG werden. Dies kündigte Gründer Wilfried Wilhelm Anclam an. Lindner ist seit Anfang des Jahres als Vertriebsvorstand im Unternehmen tätig. Die Autoland AG ist Deutschlands größter markenunabhängiger Automobilhandelskonzern.
Börsen-Zeitung

Sabrina Soussan zur Aufsichtsratsvorsitzenden von Continental gewählt

Sabrina Soussan ist zur neuen Aufsichtsratsvorsitzenden von Continental gewählt worden und tritt die Nachfolge von Wolfgang Reitzle an. Der Vertrag von Konzernchef Christian Kötz wurde zudem vorzeitig bis März 2030 verlängert. Soussan gehört dem Gremium seit September 2025 an.
Presseportal

Dr. Holger Raphael wird Mitglied der Geschäftsführung der Asklepios Kliniken Hamburg GmbH

Dr. Holger Raphael wird zum 1. August 2026 Mitglied der Geschäftsführung der Asklepios Kliniken Hamburg GmbH. Er folgt auf Daniel Amrein, der das Unternehmen verlässt. Raphael wechselt von der Helios Kliniken GmbH, wo er seit 2019 das Universitätsklinikum Wuppertal leitete. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Krankenhausmanagement und in der Gesundheitsökonomie.
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CEO.Finance

Schafft Künstliche Intelligenz Arbeitslosigkeit?

Seit ChatGPTs Start 2022 erlebt die KI-Branche einen Boom und die Börsen steigen stark. KI steigert Produktivität, automatisiert Wissensarbeit und weckt zugleich Ängste vor Jobverlust. Ob KI Wohlstand oder Jobs bringt, entscheidet die Politik.

Seitdem OpenAI im November 2022 mit ChatGPT eine generative Künstliche Intelligenz (KI) für die breite Anwendung auf den Markt gebracht hat, herrscht Goldgräberstimmung in der Branche. Der Nasdaq, in dem viele führende KI-Unternehmen gelistet sind, ist seitdem um rund 220 Prozent gestiegen.

Die KI verfügt über viele Fähigkeiten, die bisher nur Menschen hatten. Sie kann Wissensarbeit beschleunigen, Prozesse automatisieren, Fehler vermeiden und sogar Software entwickeln. Der Aufbau riesiger Rechenzentren kündigt weitere große Sprünge an. Da im Arbeitsleben große Produktivitätsgewinne möglich sind, geht die Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen um. Kommt die Massenarbeitslosigkeit zurück – wie damals bei den Webern in Schlesien?

Die Produktivität steigt, weil der Zeitaufwand für routinemäßige Abläufe sinkt. Einfache Arbeiten wie das Aktualisieren von Excel-Tabellen, Schreiben von Standard-E-Mails oder ermüdendes Korrekturlesen werden automatisiert. Wissensarbeit wird schneller, beispielsweise das Schreiben von Texten, Übersetzen, Recherchieren und Informationsaufbereitung. Eine Recherche, die in Bibliotheken Stunden verschlang, erfolgt plötzlich in Sekundenschnelle.

KI findet oder verhindert Fehler, die durch menschliche Schwächen wie Flüchtigkeit, Unwissen oder Motivationslosigkeit entstehen. Hohe Folgekosten können vermieden werden. Eine steigende Produktivität führt dazu, dass bei gleichem Arbeitseinsatz der Output wächst. Die lange Zeit schrumpfenden Zeitungen könnten beispielsweise wieder mehr Artikel bringen.

Alternativ wird die Arbeitszeit informell verkürzt. Wenn eine Routine schneller erledigt ist, bleibt mehr Zeit für unproduktive Meetings oder Kaffeetrinken. Der Staat kann die frei gewordenen Potenziale binden, indem er durch KI-Regulierungen zusätzlichen Arbeitsaufwand schafft. Oder die Arbeitgeber sparen Arbeitskräfte ein. Der Stab der wissenschaftlichen Mitarbeiter, die Buchhaltungsabteilung oder das Callcenter schrumpfen.

Welcher Kanal dominiert, hängt vom Wettbewerbsumfeld ab. Wenn der Konkurrenzdruck wächst, müssen nach Friedrich August von Hayek Unternehmen Kosten sparen und Innovationen voranzubringen.

Lange Zeit haben Zentralbanken durch niedrige Zinsen die Finanzierungskosten und damit den Druck zu Effizienzgewinnen gedämpft. Wenn die Zinsen steigen und der Staat dereguliert, dann wird der Druck zu Kostensenkungen und Innovationen wachsen. Produktivitätsgewinne mithilfe von KI werden begünstigt – was aber auch die Einsparung von Arbeitskräften mit sich bringt.

Karl Marx hat argumentiert, dass im Kapitalismus technischer Fortschritt Arbeitslosigkeit und Verelendung bewirkt. In der Tat ist die Angst vor Arbeitsplatzverlusten durch KI nicht unbegründet. Doch Marx hat übersehen, dass eine steigende Produktivität die Löhne steigen lässt. Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen wächst, sodass neue Beschäftigungsmöglichkeiten entstehen. Die Massenarbeitslosigkeit bleibt aus.

Wie sich das Produktivitätspotential der Künstlichen Intelligenz volkswirtschaftlich kanalisieren wird, hängt also maßgeblich von der Politik ab. Nur wenn sie ohne Angst vor Arbeitslosigkeit mehr Wettbewerb zulässt, wird die KI zu maßgeblichen Produktivitätsgewinnen und einem Anstieg der gesellschaftlichen Wohlfahrt führen.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

Dieser Standpunkt spiegelt nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider.

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