CEO.Table – Ausgabe 77

Deutschlands Banken unter Druck + Kritik an Auftragsvergabe des Digitalministeriums + Autonome Shuttles

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Executive.Summary

Entwicklung der Neobanken in Deutschland - bitte Bilder-Download aktivieren!

Deutschlands Banken unter Druck – immer stärker auch im Firmenkundengeschäft

Fast jedes zweite neu eröffnete Girokonto entfällt auf Neo- und Direktbanken. So steht es im McKinsey German Retail Banking Report 2025. Vor zehn Jahren waren es zwölf Prozent. Der Anteil der Neobanken stieg dabei von zwei auf 30 Prozent. Europaweit kamen diese laut Bearingpoint schon 2024 auf mehr als 160 Millionen Kunden, Tendenz steigend. In Deutschland belaufen sich die Schätzungen auf über zehn Millionen. Für etablierte Banken bedeute das einen „sukzessiven Abfluss“ von Kundengeschäftsvolumen – „und das merken diese Häuser jetzt auch“, beobachtet René Fischer, für Banken zuständiger Partner bei Oliver Wyman.

Der Markt öffnet sich besonders an der Schnittstelle zum Nutzer. Bei den Einlagen dominieren klassische Banken zwar weiter mit 84 Prozent Marktanteil. Dass Neobanken aber bei Neuabschlüssen aufholen, liegt am Produktangebot: Während 79 Prozent der Smartphone-Banken vollständig digitale Produktabschlüsse in ihren Apps anbieten, schaffen das nur 20 Prozent der traditionellen Institute. Ein Überflieger ist Revolut aus Großbritannien: 2025 hatte die Neobank nach eigenen Angaben fast 63 Millionen Privatkunden, ein Zuwachs von 30 Prozent zum Vorjahr.

Die Großen reagieren. Die Sparkassen bringen ein digitales Wertpapierangebot namens S-Neo auf den Markt, das an den Erfolg der Neobroker wie Trade Republic, Scalable und Revolut anknüpfen soll. „Wir sehen sehr deutlich, dass viele Menschen sich einen vereinfachten, direkteren Zugang zum Wertpapiergeschäft wünschen, worauf wir antworten“, so Ulrich Reuter, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, zu Table.Briefings.

Großbanken aus dem Ausland schicken „digital-only“ Angebote nach Deutschland. Der US-Finanzriese JP Morgan will noch im zweiten Quartal 2026 mit seiner Digitaltochter Chase hierzulande starten. Die französische Großbank Crédit Agricole kam gerade mit einer digitalen Plattform für Sparprodukte, die skandinavische Digitalbank Nordnet will in der zweiten Jahreshälfte mitmischen. Die aus Spanien stammende Großbank BBVA ist seit Sommer vergangenen Jahres mit einer 100-prozentigen Digitalbank für Privatkunden in Deutschland aktiv.

Während der Wettbewerb im Privatkundengeschäft schärfer wird, nehmen Neobanken auch Geschäftskunden ins Visier. Sie fokussieren sich auf Freiberufler sowie kleine und mittlere Unternehmen. Das Berliner Fintech Vivid, Mitte 2025 mit rund 50.000 Firmenkunden, rollt KI-Assistenten und ein Treasury-Konto aus, über das KMUs direkt in Geldmarktfonds oder ETFs investieren können. Klassische Banken haben hier noch wenig zu bieten, zeigt die ZEB-Firmenkundenstudie vom November 2025: 85 Prozent der Banken setzen demnach bei Großkunden auf eine persönliche Ansprechperson – aber nur 33 Prozent der Unternehmen wollen dieses Modell noch. Umgekehrt unterschätzen dieselben Banken laut Studie den Beratungsbedarf kleinerer Firmenkunden. Das schafft Raum, den Neobanken füllen.

Und auch hier hat Revolut vorgelegt: 800.000 Geschäftskunden hat das Unternehmen selbst gezählt. Die Zahl ist zwischen 2024 und 2025 um 56 Prozent gestiegen – oder wie das Unternehmen rechnet: jede Stunde um rund 31 neue Unternehmen. Die Sparte Revolut Business habe zuletzt 16 Prozent zum Gesamtumsatz beigetragen, bei einem Transaktionsvolumen von 323 Milliarden Euro. Wiktor Stopa, Revoluts Head of Growth, verweist auf Start-up-Vorteile: „Wir können neue Funktionen schnell entwickeln und direkt in die App integrieren, statt bestehende Systeme anzupassen.“

In einem Geschäftskundenbereich allerdings haben die etablierten Player die Nase vorn. „Das Kreditthema haben die Fintechs noch nicht vernünftig gelöst“, analysiert Wyman-Partner Philipp Bulis. KI könnte, richtig eingesetzt, den Großen ihren Vorsprung bewahren. Maik Taro Wehmeyer, Gründer des Fintechs Tactile, das eine KI für automatisiertes Risikomanagement entwickelt, prophezeite vergangene Woche auf der Fintech-Messe Fibe in Berlin: „Für Risk and Compliance wird man bald so gut wie keine Menschen mehr brauchen.“ Bis vor Kurzem seien die Bedenken bei Bankern groß gewesen. Inzwischen gäbe es Lösungen, die die Regulierer abnicken – und die den Banken Zeit und Personalkosten sparen.

Die Maßgabe ist: Kreditbewilligung in zehn Minuten. Bisher sei der Standard sieben Tage. Vorgelegt hat die Deutsche Bank mit Fyrst, einem digitalen Investitionsdarlehensangebot für Selbstständige, Freelancer und Gründer. Doch auch Neobanken schlafen nicht: Qonto hat Anfang 2026 seine erste Firmenkreditkarte mit flexiblen Kreditlinien bis 15.000 Euro gestartet. René Fischer meint: „Das wird die nächste Wette sein auf der Geschäftskundenseite.“

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CEO.Talk

Wann fahren autonome Shuttles in Deutschland, Sascha Meyer?

500 Millionen Euro pro Modellregion, drei Regionen, je 2.000 Fahrzeuge: Sascha Meyer, CEO der Volkswagen-Tochter Moia, hat eine genaue Vorstellung davon, wie der Markt für autonome Shuttles in Deutschland entstehen soll – mit staatlichem Geld. Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) hat bereits signalisiert, dass die Mittel dafür fehlen. Die Gesamtentwicklungskosten liegen nach eigenen Angaben „im Bereich der Milliarden“.

Der eigentliche Treiber ist kein Technologieversprechen, sondern ein demografisches Problem. Bis 2030 fehlten im öffentlichen Nahverkehr bis zu 120.000 Busfahrerinnen und Busfahrer. „Wie können wir Mobilität zukünftig auf dem Niveau halten, das heute besteht – trotz der Herausforderung, dass uns menschliche Fahrer deutlich knapp werden?“, sagt Meyer. In Hamburg, dem Moia-Heimatmarkt, fordert die IG Metall gerade 20 Prozent mehr für die noch manuell betriebenen Shuttles. Die VW-Tochter hatte ihr Angebot aus Kostengründen bereits eingeschränkt.

Moia baut sein Geschäftsmodell grundlegend um. Statt selbst Fahrten anzubieten, verkauft das Unternehmen künftig Technologie als Paket: Fahrzeug, Software, Betriebsprozesse – an Flottenbetreiber wie die Berliner Verkehrsgesellschaft. Die Plattform soll auch außerhalb des VW-Konzerns angeboten werden. Mit Uber läuft eine Testpartnerschaft in den USA. Volkswagen prüft unterdessen einen Teilverkauf an einen strategischen Investor.

In Hamburg läuft gerade das Projekt Alike. Es ist ein Konsortium um die Hamburger Hochbahn, Moia, Volkswagen Nutzfahrzeuge und dem Karlsruher Institut für Technologie. Das Bundesverkehrsministerium fördert das Vorhaben mit 26 Millionen Euro. Die Idee: Bis zu 20 autonome Shuttles sollen per App buchbar sein und den klassischen Nahverkehr ergänzen. Langfristig sind bis zu 10.000 autonome Fahrzeuge allein auf Hamburger Straßen denkbar – bis 2030.

Das technische Kernziel für 2027 ist die erste Betriebsgenehmigung eines autonomen Fahrzeugs. Die Serienproduktion habe in Hannover bereits begonnen. Erprobt wird in Hamburg, München und Austin, Texas; mit Partnern auch in Berlin, Oslo und Los Angeles. Das große US-Pendant Waymo plant vorerst keinen Europa-Einstieg. Für Meyer öffnet das ein Fenster: „Wir sind in einer herausragenden Position, eine Lösung aus Europa für Europa und den Rest der Welt bereitzustellen.“

Trotzdem bremst die europäische Regulierung. Für jeden neuen Betriebsbereich brauche Moia eine eigene Genehmigung, die nicht von Stadt zu Stadt übertragbar ist. „Für uns ist nicht eingängig, warum wir einen Führerschein, den wir in Hamburg gemacht haben, nicht in München oder in Berlin zur Anwendung bringen können“, sagt Meyer.

Ob Uber oder Lyft Interesse an einer Moia-Übernahme haben könnten, wie hoch der Erfolgsdruck seitens der Konzernmutter Volkswagen ist und wann Meyer Kostenneutralität gegenüber menschlichen Fahrern erwartet – das hören Sie heute in der CEO-Edition des Podcast Table.Today.

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CEO.Analyse

Deutschland-App: Kritik über Vergabe an Telekom und SAP wird immer lauter

Mit der „Deutschland-App“ will das Digitalministerium die Verwaltung „effizienter, schneller und serviceorientierter“ gestalten. Doch am Prozess der Vergabe des Leuchturmprojekts von Karsten Wildberger gibt es Kritik. Denn: Den Prototypen sollen auf Wunsch von Wildbergers Ministerium zwei bekannte und große Player bauen: T-Systems (Telekom) und die SAP – obwohl Wildberger immer wieder betont, das Start-Up-Ökosystem stärken zu wollen.

Einen, den die Vergabe besonders wurmt, ist der Wormser IT-Unternehmer Ismet Koyun. Denn er hat die vom BMDS geplante „Super-App“ eigentlich bereits entwickelt – für die Metropolregion Istanbul. Mit ihr lassen sich Zahlungen im Nahverkehr, Zugang zu Wlan an öffentlichen Orten, Arzttermine, Führerscheinanträge, Strom- und Wasserrechnungen und digitale Identitätsüberprüfungen abwickeln. Die App ist dabei lediglich eine Plattform, auf der dann sogenannte „Mini-Apps“ für bestimmte Dienstleistungen laufen.

Die „Deutschland-App“ soll eine Anwendung des „Deutschland-Stacks“ werden, also der übergeordneten IT-Architektur, die auf Bemühen des Ministeriums derzeit neu aufgesetzt wird. Dass nun ausgerechnet jene Firmen, die bereits die Corona-Warn-App entwickelten daran arbeiten sollen, ergibt einerseits Sinn: Die Corona-Warn-App gilt als positives Beispiel für die relativ schnelle Umsetzung einer bundesweiten IT-Anwendung. Anderseits aber gab es daran unter anderem wegen hoher Kosten und nicht durchdachter Integration in die Verwaltung auch viel Kritik.

Koyun, der seit über dreißig Jahren auf die Entwicklung solcher Apps spezialisiert ist, wäre gerne mit der deutschen Regierung ins Geschäft gekommen. „SAP und Telekom sollen ihre Sachen machen. Aber die werden niemals so gut sein in der Super-Technologie wie wir. Wieso? Weil das nicht deren Hauptgeschäft ist.“ Der Unternehmer findet, das sei ein klassischer Fall von „Nobody ever got fired for buying IBM“ – einem geflügelten Spruch in der Digitalszene. Er ergänzt: „Wenn man mit dem sogenannten Noname das Geschäft machen möchte und irgendetwas läuft schief, da wird man gekündigt.“ Im Gespräch mit Table.Briefings sagt der Unternehmer, dass das Ministerium mit ihm bereits im Kontakt war, aber sich dann nicht wieder meldete.

Auch aus der Opposition sieht man die Vergabe kritisch – immerhin wäre eine Reformierung des langwierigen Vergabeverfahrens ja genau die Aufgabe für das Staatsmodernisierungsministerium. Der Digitalpolitiker Moritz Heuberger, der für die Grünen im Bundestag und dort im Digitalausschuss sitzt, sagte Table.Briefings, dass er die Idee einer zentralen App zwar prinzipiell begrüßte. Gleichzeitig warnte er: „Wenn Minister Wildberger über bestehende Rahmenverträge eine Vorentscheidung fällt, ohne echten Wettbewerb und ohne sichtbares Betriebskonzept, droht am Ende bloß eine leere Hülle statt echter Staatsmodernisierung.“

Im Hause Wildberger betont man, dass es sich bei der Vergabe nur um die Überprüfung der technischen Machbarkeit und der Entwicklung eines Prototyps geht. „Für diese zeitlich begrenzte Initialphase werden bestehende Rahmenverträge aus dem Kaufhaus des Bundes genutzt.“ Danach erfolgt eine offene Ausschreibung. An ihr will sich auch Koyun beteiligen – seine Chancen dort sieht er als nicht sehr hoch an.

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CEO.News

VDMA: Hohe Arbeitskosten sind das zentrale Standortproblem

Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie leidet nach Einschätzung des Verbands Deutscher Maschinen‑ und Anlagenbau (VDMA) vor allem unter zu hohen Arbeitskosten. Bei seinen Mitgliedsunternehmen sei das größte Standortproblem klar die Kostenseite, sagt VDMA CEO Thilo Brodtmann im Gespräch mit Table.Briefings. Um hohe Energiepreise gehe es weniger. Stattdessen seien es besonders die Lohnnebenkosten, die Unternehmen belasten würden und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit schwächten.

Kritisch äußert sich der Verband zu dem Vorstoß der Bundesregierung, Arbeitgebern im Jahr 2026 die Zahlung einer steuer‑ und abgabenfreien Entlastungsprämie in Höhe von 1.000 Euro zu ermöglichen. „Die Entlastungsprämie für Unternehmen ist eine völlig verrückte Idee“, sagt Brodtmann. „Die wenigsten Industrieunternehmen können sich das leisten, dafür ist die Kostensituation aktuell viel zu angespannt.“

Der VDMA fordert ein umfassendes Standort‑Upgrade. Nötig seien spürbare Entlastungen auf der Kostenseite sowie der Ausbau von Freihandelsabkommen mit verlässlichen Partnern, sagt Brodtmann. Das Thema Wettbewerbsfähigkeit habe die Europäische Union früher erkannt und inzwischen stärker auf dem Schirm als die Bundesregierung. „Wir brauchen jetzt politisch sinnvolle Reformen, auch wenn sie ihre Wirkung erst in zwei oder drei Jahren entfalten“, betont Bortdmann. Seine Mitgliedsunternehmen hätten Lust auf die Transformation und warteten darauf, dass die politischen Rahmenbedingungen rechtzeitig greifen. Alexander Wiedmann

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Chinesischer Automarkt: Das „Made in Germany“-Paradox

China ist das Land, das „Made in Germany“ am meisten vertraut: Laut einer Studie wird deutschen Produkten dort eine sehr hohe Qualität zugeschrieben. Zwischen Image und tatsächlichem Kaufverhalten zeigt sich jedoch ein deutlicher Widerspruch. Deutsche E-Autos haben in China eine deutlich geringere Wiederkaufquote als chinesische Modelle und die Marktanteile von VW, BMW und Mercedes-Benz sind stark gesunken. Besonders jüngere Käufer legen weniger Wert auf Tradition und mehr auf digitale Funktionen, Vernetzung, hohe Reichweiten und fortgeschrittene Assistenzsysteme.

Für deutsche Hersteller bedeutet das eine strukturelle Herausforderung, da sich die Anforderungen in China zunehmend von westlichen Märkten unterscheiden. Käufer in Europa und den USA sind konservativer und setzen eher auf Basissysteme, während in China bereits 24 Prozent der Kunden vollautomatisierte Funktionen nach Level 4 oder 5 für ihr nächstes Fahrzeug fordern. Deutsche Hersteller reagieren mit zunehmender Lokalisierung, planen eigene Modelle vor Ort und gehen Partnerschaften mit chinesischen Technologieunternehmen ein, um wieder Anschluss zu finden. Mehr Details zu den Stratgien der Autobauer lesen Sie im China.Table. Christian Domke Seidel

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So will der Motorenbauer Deutz in der Rüstungsindustrie Fuß fassen

Deutz will bis zum Jahr 2030 rund 300 Millionen Euro Umsatz in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie verdienen. Zuletzt lag der Umsatz in diesem Bereich bei einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Dabei setzt das Unternehmen auf eine zweigleisige Strategie, sagt Marco Herre, Chef der Deutz-Defense-Sparte, Table.Briefings: Einerseits will der Motorenbauer Zulieferer für die klassische Rüstungskonzerne sein. Und andererseits bietet er sich als Industriepartner für Defense-Start-ups an.

Herzstück der Start-up-Strategie sind Beteiligungen an Arx Robotics und Tytan Technologies. Dabei versteht sich Deutz ausdrücklich nicht als klassischer Investor, sondern als Industrialisierungspartner: Die Bodendrohnen von Arx sollen im Deutz-Werk in Ulm zusammengebaut werden. Tytan bezieht für die eigens entwickelten Abfangdrohnen Antriebe von Deutz. Warum sich das Kölner MDAX-Unternehmen gerade für diese beiden Start-ups entschieden hat, hören Sie im Podcast Table.Today. Wie Deutz weiter wachsen will, lesen Sie im Security.Table. Robert Wallenhauer

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Kreislaufwirtschaft als Wachstumsstrategie in der Krise

Die Rezession hält an, der Iran-Krieg lässt die Energiepreise steigen. Sollte man sich in dieser Zeit ein auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Geschäftsmodell leisten? Unbedingt, sagte Matthias Lesch beim Live-Briefing im Café von Table.Briefings. Der Geschäftsführer eines Kunststoff-Herstellers nutzt die Kreislaufwirtschaft schon seit Längerem für Innovationen und Wachstum. Das sei vielfach keine strategische Entscheidung mehr, sondern Tagesgeschäft. Zugleich riet er anderen Firmen zu mehr Tempo. Welcher Panel-Teilnehmer pessimistischer war, lesen Sie im ESG.Table. Marc Winkelmann

Lernen Sie alle Table.Briefings in voller Länge kostenlos kennen: Vier Wochen, ohne automatische Verlängerung, ohne Zahldaten – und informiert wie die Topentscheider.

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CEO.Presseschau

Spiegel Online

Lufthansa: Streiks, Kerosinmangel und eingestellte Tochter stürzen Konzern in Krise

Die Lufthansa befindet sich aufgrund von Streiks, stark gestiegenen Kerosinpreisen und internen Konflikten in einer Krise. Als Reaktion werden die Tochtergesellschaft Cityline eingestellt und Flugzeuge aus der Flotte genommen. Konzernchef Spohr lehnt Verhandlungen ab, was für Passagiere zu Unsicherheiten führt, obwohl Tickets gültig bleiben.
WirtschaftsWoche

Fast Food: Wie Five Guys mit seinen Burgern endlich Geld verdienen will

Die Burgerkette Five Guys hat in Deutschland hohe Verluste erzielt, was zu Insolvenzspekulationen führte. Als Gründe gelten hohe Preise und starke Konkurrenz. Europa-Chef John Eckbert räumt Fehler bei der Expansion ein, kündigt aber einen Turnaround an. Eine neue PR-Strategie, ein Loyalitätsprogramm und die Fokussierung auf Großstädte sollen die Kette profitabel machen.
Financial Times

Wall-Street-Banken beginnen mit dem Handel von Derivaten, um auf Probleme bei Privatkrediten zu wetten

Banken wie JPMorgan und Barclays handeln neuartige Kreditderivate (CDS), die an große Privatkreditfonds von Blackstone, Apollo und Ares gekoppelt sind. Anleger können damit auf mögliche Schwierigkeiten in der Branche spekulieren oder sich dagegen absichern. Die Einführung erfolgt vor dem Hintergrund von Rücknahmeforderungen von Investoren und steigenden Finanzierungskosten in dem Sektor.
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CEO.Personnel

Christian Kullmann bleibt bis 2030 CEO von Evonik, dessen Aufsichtsrat seinen Vertrag vorzeitig um drei Jahre verlängert hat. Zugleich wird der seit Monaten vakante Finanzvorstandsposten neu besetzt. Zum 1. Mai rückt Michael Rauch in den Vorstand auf, der zuvor unter anderem CEO von Compugroup Medical war, zuletzt als Interimschef bei Selecta arbeitete und 16 Jahre Führungserfahrung bei Henkel mitbringt. Der Aufsichtsrat setzt damit in einem schwierigen Marktumfeld auf Kontinuität an der Spitze und einen erfahrenen Krisenmanager für die Finanzen. (Handelsblatt)

Klaus Naeve wird neuer Vorstandsvorsitzender der deutschen Tochter der Schweizer Privatbank Julius Bär. Der erfahrene Banker war viele Jahre bei der traditionsreichen Hamburger Privatbank Berenberg tätig. Ab September übernimmt er den Vorsitz des Vorstands in Frankfurt. Gleichzeitig verlässt Vorstandsmitglied Sven Nykamp das Unternehmen. (AW)

Matthias Meier startet am 1. Mai als neuer CEO von Canyon und soll den Fahrradhersteller operativ aus der Krise führen sowie Umsatz und Marktreichweite steigern. Der 47‑Jährige kommt vom Schweizer Komponentenhersteller DT Swiss, wo er über Jahre als Chief Sales & Marketing Officer tätig war und das internationale Geschäft in mehreren Regionen verantwortete. Gründer Roman Arnold wechselt in die Rolle des Executive Chairman und fokussiert sich auf Produktinnovation und Marke. Hintergrund ist eine umfassende Sanierung nach drei Verlustjahren, inklusive Stellenabbau und hoher Restrukturierungskosten. (Manager Magazin)

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CEO.Finance

Die Benzinpreis-Tragödie

Infolge des Iran-Kriegs sind die Benzinpreise gestiegen, woraufhin die Bundesregierung kurzfristig Unterstützungsmaßnahmen beschloss. Die Reaktion fügt sich in das Muster ein, externe Preisschocks politisch mit temporären Entlastungen abzufedern.

Die Regierung will die Energiesteuer für einen Zeitraum von zwei Monaten um 17 Cent pro Liter Kraftstoff senken, was mit Kosten von circa 1,6 Milliarden Euro verbunden ist. Unternehmen können ihren Mitarbeitern eine Inflationsprämie in Höhe von 1.000 Euro bezahlen, die der Staat steuer- und abgabenfrei lässt. Fiktive Einnahmenausfälle sollen durch die Erhöhung der Tabaksteuer kompensiert werden. Das Kartellrecht wird geändert. Die Mineralölkonzerne müssen künftig starke Preiserhöhungen ausreichend begründen. Wenn diese nicht gerechtfertigt sind, kann das Kartellamt empfindliche Strafen verhängen. Weitere Hilfspakete sollen folgen.

Trotzdem hagelt es Kritik. Greenpeace meint, dass die Senkung der Energiesteuer vor allem die großen Spritschlucker begünstige. Im ZDF wurde beklagt, dass auch Porsche-Fahrer profitieren. DIW-Präsident Marcel Fratzscher sieht die Inflationsprämie als sozial unausgewogen an, weil sie Arbeitslose, Rentnerinnen und Rentner außen vor lässt. Wirtschaftsvertreter beschweren sich, dass der Staat die Kosten der Entlastung trotz bereits immenser Lasten auf die Unternehmen verschiebt. Ein Sprecher eines Mineralölkonzerns hat vor erheblichen Eingriffen in die unternehmerische Entscheidungsfreiheit gewarnt – also vor indirekten Preiskontrollen. Die Benzinpreis-Rettung mutiert zur Benzinpreis-Tragödie!

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Der Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek sah „soziale Gerechtigkeit“ als politischen Kampfbegriff an. Der Staat habe kein ausreichendes Wissen über die Wirkung seiner Eingriffe. Deshalb sei jeder Versuch, die Welt gerechter zu machen, mit einem hohen Grad an Willkür verbunden.

Der Ökonom Ludwig von Mises hat vor Interventionsspiralen gewarnt. Selbst gut gemeinte Eingriffe in die Wirtschaft würden zwangsläufig neue Ungerechtigkeiten nach sich ziehen, die der Staat mit weiteren Eingriffen heilen müsse.

Walter Eucken forderte die Konstanz der Wirtschaftspolitik, weil bei ständig neuen Staatseingriffen die Unternehmen ihre Investitionen nicht planen können. „Die Volkswirtschaft ist kein Patient, den man pausenlos operieren kann“, ließ Ludwig Erhard wissen.

Die Schweiz macht vor, wie man es besser macht. Sie hat einen breiteren Energiemix einschließlich Kern- und Wasserkraft, sodass die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten geringer ist. Durch einen schlanken Staat ist die Steuer- und Abgabenbelastung niedriger. Eine starke Währung erhöht die Kaufkraft der Schweizer auf den internationalen Energiemärkten, sodass seit 1999 der Energiepreisanstieg deutlich geringer als in Deutschland ausgefallen ist. Das hat bewirkt, dass eine überhitzte gesellschaftliche Debatte über gestiegene Benzinpreise in der Schweiz ausgeblieben ist. Die Regierung kann sich – wie schon zu Beginn des Ukraine-Kriegs – auf Energiespartipps beschränken.

Weil Deutschland hingegen eine der höchsten Steuer- und Abgabenlasten hat, liegen bei jeder neuen Belastung die Nerven blank. Statt hektischer Sofortmaßnahmen muss die Regierung nicht nur die Energiesteuer, sondern die gesamte Last für Bürger und Unternehmen spürbar und dauerhaft senken. Das geht nur, wenn die Regierung die immensen Sozialausgaben, die stark gewachsene Beschäftigung im öffentlichen Sektor, die riesigen Subventionen und die wuchernden Regulierungen stutzt. Wenn das nicht mit der Heckenschere, sondern mit der Kettensäge passiert, wird die Wirtschaft wieder wachsen. Die Menschen in Deutschland könnten dann wieder gelassener auf die volatilen Ölpreise blicken.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

Dieser Standpunkt spiegelt nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider.

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Standpunkt

Agentic AI und der Iran-Krieg: Wie der Westen seine KI-Zukunft verspielt

Der Iran-Krieg verschärft das Energieproblem der USA und bedroht deren KI-Infrastruktur. China nutzt hingegen seine robuste Energiebasis für entscheidende Vorteile im globalen KI-Wettbewerb.

China ist im globalen Wettbewerb um KI aktuell im Vorteil: Das Land setzt nicht primär auf kurtfristige Leistungsbenchmarks, sondern schafft langfristig stabile Grundlagen. Das Land investiert systematisch in Infrastruktur und planbare Rahmenbedingungen, auf die Unternehmen aufbauen können. Diese strategische Ausrichtung ermöglicht es, Wettbewerbsvorteile frühzeitig und nachhaltig zu realisieren. Im Westen hingegen fehlt diese sichere Basis.

Ein aktuelles Beispiel dafür ist „Agentic AI“. Diese agentenbasierten KI-Systeme benötigen deutlich mehr Rechenleistung und damit Energie als klassische Anwendungen. Geopolitische Spannungen wie der Iran-Krieg belasten globale Energiemärkte und sorgen für steigende Preise. Zusammen mit Einschränkungen in der Chipproduktion wird so nicht nur der Betrieb, sondern auch der Ausbau von KI-Strukturen im Westen gefährdet.

Zudem ist die westliche KI-Industrie ein fragiles System ineinandergreifender Abhängigkeiten. Gleichzeitig sinken die Preise für KI-Leistungen und Infrastruktur verliert schnell an Wert. Das macht das System anfällig für Krisen und könnte bei einem Vertrauensverlust der Investoren zu ernsthaften wirtschaftlichen Probleme führen.

China hingegen profitiert von langfristig aufgebauten Überkapazitäten in der Energieversorgung und einem Fokus auf effiziente KI-Entwicklung („Frugal AI“). Unternehmen setzen dort stärker auf ressourcenschonende Ansätze, wodurch KI kostengünstiger skaliert werden kann. Laut der AI+-Initiative in Chinas neuem Fünfjahresplan ist KI ein selbstverständlicher Produktionsfaktor, ermöglicht durch stabile und planbare Inputkosten. In den USA hingegen besteht die Gefahr, dass KI zu teuer beibt für den industriellen Einsatz.

Für Europa ergibt sich daraus die Notwendigkeit, einen eigenen Weg zu finden, statt das US-Modell zu kopieren. Die Energieprobleme sind ähnlich oder schlimmer und es besteht die Gefahr, wirtschaftlich zurückzufallen. Die Lösung könnte zwei parallele Ziele verfolgen:

  • Entwicklung neuer KI-Ansätze als Alternative zum US-Fokus auf LLMs

  • Fokus auf die breite Anwendung von KI auf Basis energieeffizienter Open-Source-Modelle

Die Gewinner des globalen KI-Wettbewerbs werden nicht die sein, die die mächtigsten Modelle bauen. Sondern diejenigen, die es sich leisten können, KI zu betreiben - skaliert, wirtschaftlich, nachhaltig und ohne das gesellschaftliche Gefüge zu zerstören. China scheint das besser zu gelingen als den USA. Und Europa muss anfangen, sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen.

Björn Ognibeni ist Berater für digitale Transformation und arbeitet an der Schnittstelle von Unternehmensführung, Produktentwicklung sowie Marketing und Vertrieb. Er beschäftigt sich vor allem mit Zukunftsthemen der Digitalisierung wie KI-Strategien, Innovationen aus China, AI-First-Ansätzen und immersiven Technologien und hat unter anderem den Thinktank ChinaBriefs.io gegründet.

Dieser Standpunkt spiegelt nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider.

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