„Gehirn der Drohne“: Vom ETH-Forscher zum Rüstungsunternehmer

Er lässt Drohnen fliegen: Lorenz Meier, CEO des deutsch-amerikanischen Defense-Start-ups Auterion. Und er erklärt, warum Deutschland im Drohnenrennen plötzlich aufholt.

29. April 2026
Lorenz Meier, Co-Gründer und CEO von Auterion
Lorenz Meier ist Co-Gründer und CEO des deutsch-amerikanischen Start-ups Auterion. Der Informatiker hat bereits vor 18 Jahren an einem Open-Source-Steuerungssysteme für Drohnen mitgeschrieben. (Auterion)

Friedrich Merz und Wolodymyr Selenskyj waren beide dabei, als Lorenz Meier vor Kurzem in Berlin einen Vertrag unterzeichnete, der als bislang größter deutscher Produktionsauftrag für schwere autonome Kampfdrohnen gilt. Sein Unternehmen Auterion soll gemeinsam mit dem ukrainischen Hersteller Airlogix tausende mittelgroße X-Wing- und Delta-Wing-Drohnen liefern, die – ähnlich der iranischer Shahed-Drohnen – auch unter GPS-Störungen einsatzfähig sind.

Auterion steuert dabei die Avionik, also die Software der Fluggeräte, bei. „Wir bauen den Computer, das Gehirn der Drohne“, erklärt CEO Lorenz Meier im Gespräch mit Table.Briefings, „plus das Betriebssystem und die Apps, die es zur Steuerung braucht.“ Das offene Betriebssystem Auterion OS ist für unterschiedliche Drohnenhersteller nutzbar. Auch Rheinmetall setzte etwa bei seinen Drohnen auf die Software von Lorenz Meier.

Lorenz Meier hat keine militärische Laufbahn hinter sich. Er studierte in Konstanz Informatik und promovierte später in Drone Software Architecture an der ETH Zürich. In der Branche gilt er als einer der Architekten moderner Drohnensteuerung. Gemeinsam mit Kevin Sartori gründete er 2017 Auterion als Uni-Spin-off mit Sitz in der Schweiz.

Anfangs habe Auterion Drohnensteuerungssoftware für „alle möglichen Spezialanwendungen“ entwickelt, sagt Meier: für Vermessung, Beobachtung oder Logistik. Erst später kam die militärische Nutzung hinzu – und wuchs rapide. „Vor fünf Jahren war das Verhältnis zivile und militärische Nutzung noch 50 zu 50“, sagt Meier. Inzwischen würden – gemessen an den Stückzahlen – 95 Prozent aller Drohnen für militärische Zwecke genutzt.

Auch der Umsatz spiegele dieses Verhältnis inzwischen in etwa wider, sagt Meier. Dabei war der erste große Auftrag für Auterion für Walmart in den USA Lieferdrohnen zu entwickeln, die innerhalb von Minuten Kunden Einkäufe in den Vorgarten fliegen sollten. „Der kommerzielle Markt wird langfristig wieder wachsen“, glaubt Meier. „Aber mit dem, was global gerade passiert, ist er aktuell sehr klein geworden.“

Und wo steht Deutschland bei dem, was global passiert? „Ich bin extrem positiv überrascht und auch stolz als Deutscher, dass Deutschland in den letzten zwölf Monaten eine ganz rasante Aufholjagd gestartet hat“, sagt Meier.

Seine Firma Auterion hat allerdings schon seit Jahren ein Standbein in Arlington, Virginia, ganz nah an der US-Army und der Administration. Auterion wird von den US-amerikanischen Medien zumindest oft als amerikanisches Start-ups gelesen. Bringt das den deutschen Gründer in einen Zwiespalt? „Nicht wirklich“, sagt Meier. „Ich bin immer noch überzeugter Transatlantiker. Es gibt eine westliche Wertegemeinschaft.“ Dass es innerhalb dieser Gemeinschaft „mal mehr, mal weniger Spannungen“ gebe, sei ganz normal.

„Man darf sich streiten, aber man darf nicht vergessen, dass man innerhalb Europas und über den Atlantik hinweg, zusammenarbeiten muss“, sagt Meier. Anderenfalls laufe man Gefahr, „nicht die kritische Masse zu haben, um sich ernsthaft selbst verteidigen zu können.“

Er arbeitet derweil weiter an dem Betriebssystem für die Verteidigung – nicht nur in der Luft, sondern auch im Wasser und zu Land. „Wir haben einen Partner, der autonome Boote fertigt und einen, der Fahrzeuge baut“, berichtet Meier. Für Auterion beginnt damit die nächste Phase: die Ausweitung vom Drohnen-Spezialisten zum Softwareanbieter für autonome Systeme in allen Dimensionen.

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Letzte Aktualisierung: 29. April 2026