Warum Frauen Vorstände schneller wieder verlassen

Frauen kommen heute häufiger in Vorstände – bleiben dort aber deutlich weniger lange als Männer. Warum Unternehmen dadurch Erfahrung, Vielfalt und strategische Stärke verlieren und weshalb Quoten allein die Machtstrukturen nicht verändern können.

QZ
27. Mai 2026
Frauen schaffen häufiger den Sprung in Vorstände, verlassen diese aber oft schneller wieder: Qiao Zhang beleuchtet, warum das problematisch ist und was Unternehmen ändern müssen. (David & Bettina Ausserhofer)

Deutschland diskutiert seit Jahren über Frauenquoten in Vorständen. Doch wer nur auf den Einstieg in Spitzenpositionen schaut, übersieht ein zentrales Problem: Viele Frauen bleiben dort nicht lange genug, um Führung dauerhaft zu prägen.

Die Zahlen zeigen die Lücke deutlich. In den Vorständen der DAX-40-Unternehmen liegt der Frauenanteil bei 23,2 Prozent, in den USA bei 32,6 Prozent. Untersuchungen zu DAX- und MDAX-Unternehmen zeigen zudem: Männer bleiben durchschnittlich fast sieben Jahre im Vorstand, Frauen etwas mehr als drei. Analysen von Egon Zehnder und FGS Global weisen darauf hin, dass Frauen häufiger extern rekrutiert werden und dadurch ohne gewachsene Netzwerke oder Kenntnis informeller Strukturen starten. Zugleich gelten andere Maßstäbe: Durchsetzungsfähigkeit wird erwartet, bei Frauen aber schneller negativ ausgelegt.

Das hat direkte Folgen für Unternehmen. Wenn Frauen Vorstände schneller wieder verlassen, verlieren Unternehmen Erfahrung, Kontinuität und Perspektivenvielfalt in zentralen Entscheidungen. Gleichzeitig verfestigen sich bestehende Machtstrukturen weiter. Gerade in Phasen hoher Unsicherheit kann das zum strategischen Risiko werden, weil Führungsteams ähnlicher denken und Fehlentwicklungen später erkennen.

Vorstände sollten Diversität deshalb nicht nur über Quoten definieren. Entscheidend ist, welche Art von Führung im Unternehmen akzeptiert, sichtbar gemacht und gefördert wird. Wer Frauen in Spitzenpositionen halten will, muss informelle Machtstrukturen, Netzwerke und Bewertungskriterien aktiv verändern.

Qiao Zhang ist Deputy Director of Executive Programs und Director des Women in Power-Programms an der ESMT Berlin. Die CEO.Picks sind eine Kooperation zwischen der ESMT und Table.Briefings.

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Letzte Aktualisierung: 27. Mai 2026