Berlin.Table – Ausgabe 801

Dauerreformverhandlungen + Kohle-Reaktivierung kaum möglich + AfD-Parteitagsanträge

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Talk of the Town

Schicksalsfrage Reformen: Wie die Koalition um ihre Zukunft kämpft und warum die Iran-Krise einen entscheidenden Impuls geben könnte

Am Mittwochmorgen musste sich die schwarz-rote Koalition neu sortieren. Bis Dienstagabend ging es zuallererst um die steigenden Spritpreise und mögliche Entlastungen. Eine echte Entspannung könnte frühestens in ein paar Wochen eintreten, aber mit der amerikanisch-iranischen Verständigung auf eine Waffenruhe rücken wieder andere Themen in den Vordergrund: die großen Strukturreformen. In der Koalition macht sich im Moment der vorsichtigen Erleichterung eine Einsicht breit: Die Reformen zur Rettung der Wettbewerbsfähigkeit müssen endlich angepackt werden. „Wann, wenn nicht jetzt?“, heißt es.

Seit Tagen verhandeln Regierung und Koalition im Schatten der Energiekrise auch über jene Großbaustellen, die nicht nur über die Zukunft des Landes, sondern auch über die der Koalition entscheiden werden. Der Grund: Ausgerechnet die ökonomischen Folgen des Irankriegs haben allen vor Augen geführt, wie prekär die Lage des Landes und der Volkswirtschaft ist. Auf drei Feldern soll deshalb gehandelt werden. Zum einen will sich die Regierung auf eine Steuerreform einigen, die mittlere und kleine Einkommen entlastet, ohne den Haushalt neu zu belasten. Zum zweiten soll geklärt werden, welche Sparmaßnahmen aus den Vorschlägen der GKV-Finanzkommission folgen sollen. Und schließlich ist nach wie vor unklar, wie die milliardenschwere Finanzlücke im Bereich der Pflege gestopft wird. Doch so groß der Handlungsdruck ist, so mühsam sind bis jetzt die Gespräche.

Aus Union wie SPD ist zu hören, man spreche derzeit quasi Tag und Nacht, um letzte Kompromisse zu finden. Die Verhandlungen im engsten Führungskreis sollen auch am Wochenende fortgesetzt werden. Kurzzeitig war für Sonntag sogar ein Koalitionsausschuss anvisiert worden; am Mittwochabend aber sieht es so aus, als sei da mancher mit seinem Optimismus voreilig gewesen. Bis jetzt fehlt auf allen Seiten der Mut, den letzten Schritt zu gehen. Am Mittwochabend trafen sich auch die Fraktionsspitzen der Koalitionsparteien. Ob das hilft, blieb zunächst offen. Zusätzlicher Zeitdruck entsteht durch eine Auslandsreise. Lars Klingbeil fliegt am Dienstag nach Washington zur IWF-Konferenz. Sollte es bis dahin keine Ergebnisse geben, gehen die Verhandlungen entweder ohne ihn weiter – oder werden eine Woche ausgesetzt.

Jede weitere Verzögerung schwächt die Koalition. Zumal die Energiekrise noch lange nicht vorbei ist. Mit großem Potenzial, der Koalition das Leben im Fall einer Rückkehr zum Krieg noch schwerer zu machen. Die SPD kämpft deshalb weiter für die Umsetzung einer Übergewinnsteuer. Die Sozialdemokraten trauen der Lage nicht und wollen trotz aktuell sinkender Preise weitere Maßnahmen mindestens vorbereiten. Dirk Wiese, erster parlamentarischer Geschäftsführer der SPD, nennt die Waffenruhe eine „Verschnaufpause“. Diese sollte genutzt werden, „um uns auf weitere Verschärfungen der wirtschaftlichen Lage vorzubereiten“. Die Bundesregierung müsse bereit sein, sollte sich die Lage wieder verschärfen.

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News

Waffenruhe: Unklarheit über Irans Zehn-Punkte-Plan. Alle Welt rätselt, was genau in dem iranischen Plan steht, den US-Präsident Donald Trump als „workable“ Basis für Verhandlungen bezeichnet hat. Auch in den USA gilt bisher die Liste der iranischen „Nour News“, die vom Obersten Nationalen Sicherheitsrat des Iran unterstützt wird, als Grundlage. Irans Außenminister Abbas Araghchi sagt, der Zehn-Punkte Plan und der 15-Punkte-Plan der Amerikaner werden die Basis für die Diskussionen in Pakistan sein, die am Freitag beginnen. Dabei bezieht sich der Iran auf den ebenfalls nicht veröffentlichten Plan der USA von Ende März.

Dass Trump den Zehn-Punkte-Plan als Verhandlungsgrundlage anerkennt, hat viele Beobachter in den USA überrascht. Schließlich reichen die Forderungen vom Ende der Sanktionen über die Erlaubnis der Urananreicherung und ein Ende aller Kontrollen bis hin zu Reparationszahlungen. „Es liest sich wie eine Wunschliste aus Teheran aus der Zeit vor dem Krieg“, kommentiert Richard Fontaine, Leister des Thinktanks „Center for a New American Security“.

Trump steht jedoch in der Heimat stark unter Druck, den Einsatz im Iran zu beenden: Nur 34 Prozent der Amerikaner unterstützen den Krieg im Iran. Auch unter den Trump-Unterstützern wächst die Sorge vor einem „Forever-War“ wie im Irak oder Afghanistan. Der Zehn-Punkte Plan war also eine letzte Ausfahrt für Trump. Auch die Tatsache, dass der Iran extreme Forderungen stellt, ist für Trump, den Autor des „Art oft the Deal“, nicht völlig abwegig, wenn man sich in der Mitte treffen will. Egal ob Zölle oder Außenpolitik: Trump hat immer wieder absurd hohe Forderungen in den Raum gestellt, um doch bei einem viel kleineren Kompromiss zu landen.

Wie europäische Länder die Straße von Hormus passierbar machen wollen, ohne eine teure Maut an den Iran zahlen zu müssen, lesen Sie im Security.Table. Und welche Risiken die Verhandlungen nun begleiten, lesen Sie hier. Katharina Kort

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Jens Teschke über die Besinnung auf journalistische Tugenden. Table.Forum

Energiepreiskrise: Warum eine Reaktivierung von Kohlekraftwerken kaum möglich ist. Der von der Koalitions-Taskforce derzeit geprüfte Plan, aufgrund der hohen Energiepreise Kohlekraftwerke wieder hochzufahren, hat kaum Chancen auf Realisierung. Das BMWE bestätigte auf Anfrage zwar, dass dieser Vorschlag geprüft werde. Dass er umgesetzt wird, sei aber kaum zu erwarten, heißt es aus dem Haus von Katherina Reiche. Zum einen wäre für eine solche Maßnahme eine Genehmigung der EU notwendig. Dass diese erteilt werde, sei „sehr fraglich bis unmöglich“, heißt es in einer internen Analyse des Ministeriums. Denn anders als 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, droht derzeit kein realer Versorgungsengpass.

Zum anderen gibt es kaum Kraftwerke, die für ein Hochfahren verfügbar wären. In der Kapazitätsreserve, die für Versorgungsengpässe bereitgehalten wird, befinden sich derzeit nur Gaskraftwerke. Zur Netzreserve, die genutzt wird, um den Stromfluss bei Netzengpässen sicherzustellen, gehören zwar auch einige Steinkohlekraftwerke. Viele davon seien aber bereits alt und ihre Verfügbarkeit sei stark eingeschränkt, heißt es aus Ministeriumskreisen. Ein Einsatz über das derzeitige Maß hinaus sei problematisch, denn die Anlagen könnten dadurch weiter verschleißen und würden somit künftig nur noch eingeschränkt zur Netzstabilisierung zur Verfügung stehen. Zudem sei unsicher, ob der Strompreis durch den Einsatz der Kohlekraftwerke überhaupt sinken würde, denn diese hätten aufgrund ihrer geringen Effizienz vergleichsweise hohe Erzeugungskosten. Malte Kreutzfeldt

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AfD-Vetternwirtschaftsaffäre: Unabhängigkeit der Aufklärer steht in Zweifel. In der Kommission des AfD-Landesvorstands Sachsen-Anhalt zur Aufklärung der Vorwürfe gegen hochrangige Mitglieder sitzen nach Informationen von Table.Briefings zahlreiche Parteimitglieder, die mit den Beschuldigten eng verbunden sind. Als Kopf des Untersuchungsgremiums fungiert Landesvorstand und Vize-Fraktionschef Gordon Köhler, ein Vertrauter von Fraktionschef Ulrich Siegmund, Vize-Landeschef Tobias Rausch und andere. Sie sollen Verwandte in gut bezahlte Anstellungen gebracht haben. Allesamt gehören zur sogenannten „Pokerrunde“, die im Landesverband die Fäden zieht.

Die Kommissionsmitglieder wiederum stehen dieser mindestens nahe. Carmen Koch ist die Mutter von MdL Sebastian Koch, Mitglied der Pokerrunde. Edgar Idel arbeitet für Vize-Landeschef Hans-Thomas Tillschneider, der seine Ehefrau bei einem Parteikollegen untergebracht haben soll. Hagen Kohl sitzt seit 2016 mit einer Reihe anderer Beschuldigter zusammen im Landtag. Steffen Kraus war bis vor kurzem selbst bei MdB Claudia Weiss angestellt, die mehrere Angehörige von Parteifreunden bei sich arbeiten ließ. Sowohl die Mitglieder als auch der Landesverband ließen Fragen von Table.Briefings zur Arbeit der Kommission unbeantwortet. In Bundesvorstandskreisen wird kritisch registriert, dass die Kommission noch keine Aufklärung geleistet habe. Franziska Klemenz

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Wir sind die Fair-gegenüber-Jugendlichen-Versicherung. Die Alterung unserer Gesellschaft führt zu steigenden Gesundheitskosten. Denn ältere Menschen benötigen in der Regel mehr medizinische Leistungen. Dafür trifft das kapitalgedeckte Finanzierungsmodell der Privaten Krankenversicherung Vorsorge. Die nachfolgenden Generationen werden so nicht belastet. (mehr auf pkv.de)

AfD Sachsen-Anhalt: Heimatliebe ins Schulgesetz. Das Antragsbuch für den Landesparteitag enthält neben einigen Vorschlägen zu Abmilderungen im Regierungsprogramm vor allem weitere Verschärfungen. Landeschef Martin Reichardt etwa fordert „Heimatliebe ins Schulgesetz und in die Verfassung!“ Vize-Chef Hans-Thomas Tillschneider, Verfasser des Regierungsprogramms, will „Ostdeutschland als Vorbild für ganz Deutschland verstehen!“ Der Osten sei „kein schlechteres, er ist das bessere Deutschland“, schreibt er; die Menschen „politisch reflektierter und wacher“. „Der Osten ist kein Problemfall der deutschen Demokratie, er ist ihr Vorbild.“ Ein Delegierter aus Magdeburg möchte statt christlicher Bräuche wieder das „Julfest“ feiern, das auch unter den Nationalsozialisten groß war. Franziska Klemenz

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Einladung: Von Daten zu Taten: Umsetzung von Schüler-ID und evidenzbasierter Bildungspolitik. 15. April 17-18 Uhr im Livestream des Bitkom. Kostenlos anmelden

Kommunalfinanzen: Spitzenverbände werfen Bund Irreführung vor. Der vom BMF vorgelegte Entwurf für ein „Länder- und Kommunalentlastungsgesetz“ stößt auf Kritik bei Städtetag, Landkreistag sowie dem Städte- und Gemeindebund. Der Name sei irreführend, heißt es in der Stellungnahme der drei Spitzenverbände. Denn die Pläne seien „in keiner Weise geeignet, in der aktuellen Situation auf kommunaler Ebene für eine Verbesserung der Situation zu sorgen“. Allein in den ersten drei Quartalen 2025 sei der Umfang der kommunalen Kredite für kurzfristige Liquidität um fast 30 Prozent auf knapp 42 Milliarden Euro gestiegen. Schon dieser Zuwachs liege zehnmal höher als die von der Regierung jährlich vorgesehene Entlastung – und in den kommenden Jahren sei mit noch stärkeren Zuwächsen zu rechnen.

Die Verbände bemängeln, es liege im Ermessen der Länder, ob und wie viel Geld sie an die Kommunen weitergeben. Helfen würde aus ihrer Sicht eine Erhöhung ihres Anteils an der Umsatzsteuer um zehn Prozentpunkte. Derzeit beträgt er rund drei Prozent, den Rest teilen sich Bund und Länder. Das Gesetz sieht vor, Geberländer im Rahmen des Finanzausgleichs zwischen 2026 und 2029 um jährlich 400 Millionen Euro zu entlasten. Da dies auf Kosten der Nehmerländer geht, sollen diese an anderer Stelle die gleiche Summe als Ausgleich bekommen. Für „finanzschwache Flächenländer“ gibt es im genannten Zeitraum 250 Millionen Euro pro Jahr zur Unterstützung ihrer überschuldeten Kommunen. Eine besondere Entlastung ist für ostdeutsche Länder vorgesehen: Ihr Anteil an den Erstattungen für Rentenansprüche aus DDR-Zeiten wird für vier Jahre von 50 auf 40 Prozent gesenkt. Okan Bellikli

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Antrittsbesuch im Baltikum: Klöckner lenkt Aufmerksamkeit auf die Sicherheitslage an der Nato-Ostflanke. Julia Klöckner will ein sicherheitspolitisches Signal setzen: „Das Baltikum ist kein Rand Europas, sondern eines seiner strategischen und sicherheitspolitischen Zentren“, sagte die Bundestagspräsidentin vor Ankunft in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Dort führt sie Gespräche mit Ministerpräsidenten Kristen Michal und ihrem Amtskollegen Lauri Hussar. Die baltischen Staaten seien „Eckpfeiler der europäischen Sicherheitsarchitektur“, betonte sie. Kaum eine Region in der EU sei so massiv von der hybriden Kriegsführung Russlands betroffen. „Diese baltischen Erfahrungen verdeutlichen den Handlungsbedarf.“

In Estland, wo bereits seit 2005 elektronisch gewählt werden kann, will sich Klöckner auch über die Digitalisierung der Verwaltung informieren. Der litauische Parlamentspräsident Hussar sagte Table.Briefings im Anschluss an das Gespräch, dass es vor allem auch darum gegangen sei, wie man gemeinsam „ganz Europa stärken könne“ – nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich und im Bereich Digitalisierung. Klöckner ist bis Freitag in Estland und Litauen für ihren Antrittsbesuch in den baltischen Staaten. Am Donnerstag reist sie nach Litauen, wo sie die deutsche Brigade besuchen wird. Im März war sie bereits mit einer ähnlichen sicherheitspolitischen Botschaft in die Ukraine gereist: Trotz der Eskalation im Nahen Osten, vergessen wir Euch nicht. Wilhelmine Stenglin

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Mehrjähriger Finanzrahmen: EU-Unternehmensabgabe trifft auf breite Ablehnung. Eine von der EU-Kommission vorgeschlagene neue Abgabe für große Unternehmen trifft unter den Mitgliedstaaten auf breite Ablehnung. Bei einer Debatte der EU-Botschafter habe die CORE getaufte Abgabe „keine Unterstützung“ erfahren, berichtete ein hochrangiger EU-Diplomat. Die Kommission hatte vorgeschlagen, Unternehmen mit einem Jahresnettoumsatz von mehr als 100 Millionen Euro zu belasten, um die Finanzierungslücken im nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen der EU zu verkleinern. Wie die Lücke nun geschlossen werden könnte, lesen Sie im Europe.Table. Till Hoppe

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Thüringen: Neuordnung der Hochschullandschaft sorgt für Unruhe. Ein erhebliches Haushaltsdefizit veranlasst das Bundesland zu Veränderungen im Hochschulsystem. Der Schlüssel für Einsparungen liege in der „Nutzung von Synergien und die Reduktion verzichtbarer Dopplungen“, heißt es aus dem Wissenschaftsministerium auf Anfrage von Table.Briefings. So lasse sich das Hochschulsystem unter erschwerten Bedingungen leistungsfähig halten. Viel mehr ist aus dem Haus von Minister Christian Tischner (CDU) offiziell nicht zu erfahren.

Offenbar wurden sogar Fusionen oder Schließungen von Hochaschulen erwogen. Das zeigen Gespräche mit am Prozess Beteiligten. Wahrscheinlicher sind jedoch Kooperationen in bestimmten Bereichen. In den Hochschulgemeinschaften ist man teils aufgebracht über die Art, wie über ihre Zukunft verhandelt wird. Bemängelt wird unzureichende Transparenz und Beteiligung. Am 20. April soll es im Rahmen eines Werkstattgesprächs erstmals konkret um den finanziellen Rahmen gehen. Warum danach nicht mehr viel Zeit für Kurskorrekturen bleibt, lesen Sie im Research.Table. Julius Schwarzwälder

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Table.Today Podcast

Table.Today. "Wie reformiert man das Gesundheitssystem? Mit Ulla Schmidt."

66 Empfehlungen hat die Finanzkommission Gesundheit zur Stabilisierung der Beitragssätze erarbeitet. Ob aus diesen Vorschlägen am Ende auch eine tiefgreifende Reform entsteht, daran hat die ehemalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt erhebliche Zweifel. Im Gesundheitswesen gebe es schon bei den kleinsten Änderungen große Widerstände, so Schmidt. Was Ulla Schmidt der aktuellen Regierung empfiehlt, um das Maximum aus den Ergebnissen der Kommission herauszuholen, hören Sie ab 5 Uhr hier.

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Einladung: Klimaschutz und Nachhaltigkeit - Standortvorteil oder Wettbewerbsnachteil? 16. April 12:00-13:15 Uhr Table.Briefings Café & digital. Kostenlos anmelden

Table.Documents

Entwurf für ein Länder- und Kommunalentlastungsgesetz und Stellungnahme der kommunalen Spitzenverbände

Anträge zum Landesparteitag der AfD Sachsen-Anhalt

Papier des Wissenschaftlichen Dienstes zur Einziehung von Vermögen aus Straftaten

Antworten auf Kleine Anfragen: Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen, Clankriminalität und organisierte Kriminalität, Rekrutierung von Minderjährigen im Internet im Kontext organisierter Kriminalität

Modellrechnung von Irene Becker zu Transferentzugsraten

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Heads

Wolfgang Thierse, ehemaliger Bundestagspräsident und Schirmherr der Amadeu-Antonio-Stiftung, hat die geplanten Änderungen am „Demokratie Leben“-Programm scharf kritisiert. Table.Briefings sagte er: „Ich appelliere eindringlich an Ministerin Prien, in den Zeiten akuter Demokratie-Gefährdung keine weiteren Unsicherheiten über zukünftige Förderungen zu erzeugen.“ Gerade im Osten, wo rechtsextreme Strukturen und die AfD besonders stark seien, dürfe man die Zivilgesellschaft nicht schwächen. „Da ist etwas entstanden, was unsere demokratische Alltagskultur trägt“, sagte Thierse. „Nichts wäre falscher, als gerade jetzt überregionale Expertise und gut funktionierende Unterstützerstrukturen nicht mehr zu fördern.“ Auf den Vorwurf, dass viele der geförderten Organisationen links oder linksextremistisch seien, entgegnet Thierse: „Jemandem Linksextremismus vorzuwerfen, der sich gegen Rechtsextremismus wehrt, ist eine vollkommene Verkehrung der tatsächlichen Machtverhältnisse in dieser Gesellschaft.“ Er hoffe, dass „der Verdächtigungsmechanismus gegen die aktive, wehrbereite, organisierte Zivilgesellschaft aufhört.“ Das Interview lesen Sie hier. Leonard Schulz

Yasmin Fahimi ist am Freitag beim Sozialpartner-Gespräch im BMF zu den Folgen des Iran-Kriegs dabei. Neben der DGB-Chefin sind auch Verdi, IGBCE und IG Metall vertreten. Letztere fordert eine Aufstockung der Pendlerpauschale, die über den staatlichen Direktzahlungsmechanismus sofort ausbezahlt werden soll. Darüber hinaus plädiert die Gewerkschaft für eine Energiekostenpauschale, einen Preisdeckel für Kraftstoffe und eine Reaktivierung der Ende 2023 ausgelaufenen Preisbremsen für Strom, Gas und Wärme. Erwartet werden auch Wirtschaftsverbände wie BDA und BDI. Okan Bellikli

Kathrin Blaufuss wird neben Andreas Kübler die Leitung der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) im Bundesumweltministerium übernehmen. Sie leitete von 2021 bis 2025 das Büro von Bundesumweltministerin Steffi Lemke im BMUV und war danach in der Internationalen Abteilung als Referatsleiterin tätig. Zuvor arbeitete Blaufuss bei der Grünen-Bundestagsfraktion als Referentin für Biodiversität, Meeresschutz und Wald. Lukas Knigge

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Best of Table

Security.Table: Reservistenverband-Chef kritisiert Strategie-Entwurf. Patrick Sensburg, Präsident des Reservistenverbands der Bundeswehr, kritisiert die fehlende Detailliertheit des Entwurfs der Strategie der Reserve. „Insgesamt ist der Entwurf so kurz gefasst und schwammig, dass man alles und nichts hineinlesen kann“, so Sensburg im Gespräch mit Table.Briefings. Welche Fragen weiterhin unbeantwortet bleiben, lesen Sie hier.

Climate.Table: Wie die Wirtschaftsministerin die Energiewende schlechtrechnet. In einem Gastbeitrag für die FAZ hat sich Katherina Reiche zum Umstieg auf erneuerbare Energien bekannt, zugleich aber deren bisherigen Erfolge relativiert und die hohen Kosten betont. Mehrere Zahlen, mit denen sie dabei argumentiert, sind falsch oder irreführend. Einen Faktencheck lesen Sie hier.

Climate.Table: Warum es trotz allem gute Gründe für Optimismus beim Klimaschutz gibt. Die Welt erlebt einen Backlash gegen den Klimaschutz. Dennoch gibt es Gründe, die Hoffnung nicht aufzugeben, argumentiert der unabhängige Klimaökonom und Autor Michael Jakob in einem Standpunkt: etwa günstige Erneuerbare und ein wachsendes Klimabewusstsein. Warum Jakob auch den Krieg in Nahost dazuzählt, lesen Sie hier.

Research.Table: Wie sich Berufungsverfahren verbessern lassen. Deutsche Universitäten verlieren Top-Kandidaten häufig im Laufe von langwierigen Verfahren. Wie sich die auf den Wissenschaftsbereich spezialisierte Recruiterin Nicola Müllerschön professionellere Prozesse vorstellt, lesen Sie hier.

Research.Table: Warum die USA ein deutsches Förderprogramm übernehmen. Die National Science Foundation (NSF) übernimmt zentrale Elemente eines Programms zur Wiederverwertung von seltenen Metallen von der Bundesagentur für Sprunginnovationen (Sprind). Was sich beide Seiten davon versprechen, lesen Sie hier.

China.Table: KMT-Chefin auf umstrittener „Friedensmission“ in China. Die Vorsitzende von Taiwans Oppositionspartei Kuomintang (KMT), Cheng Li-wun, absolviert derzeit eine Reise durch China. Warum ihr das in Taiwan schaden könnte, lesen Sie hier.

China.Table: Kaum Rohstoffe aus der Mongolei und Kasachstan. Partnerschaften mit den Ländern sollten für Deutschlands Industrie neue Bezugsquellen für Rohstoffe erschließen. Doch nach 15 Jahren zeigen sich kaum nennenswerte Erfolge, schreiben Jakob Kullik und Yilmaz Akkoyun von der Konrad-Adenauer-Stiftung. Woran das liegt, lesen Sie hier.

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Time.Table

Außenpolitik: Julia Klöckner setzt ihre Baltikum-Reise fort. In Litauen spricht sie vor dem Parlament und trifft sich mit Bundeswehr-Soldaten der Brigade Litauen. Bei dem Truppenbesuch in Rukla will Klöckner sich ein Bild vom Einsatz an der Nato-Ostflanke machen.

Wirtschaft: Das Statistische Bundesamt veröffentlicht Zahlen zu vorläufigen Schulden des Öffentlichen Gesamthaushalts im 4. Quartal 2025.

Bundestag: Online-Fachgespräch der Grünen-Fraktion zum Thema Bürgerenergie mit Michael Kellner. 17 Uhr. Weitere Informationen

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Must-Reads

Zeit: Philipp Rösler für weltweites Kartellrecht gegen Techkonzerne. Viele Unternehmen seien heute nicht durch Konkurrenten um die Ecke bedroht, sondern durch globale Techkonzerne, sagt der frühere FDP-Vorsitzende. Dem müsse man mit „kluger, also effizienter Regulierung“ entgegentreten – etwa mit internationalem Kartellrecht. Die FDP habe es in den vergangenen zehn Jahren versäumt, positive Aufbruchsstimmung zu vertreten, kritisierte Rösler. Stattdessen habe die Partei Dinge schlechtgemacht – selbst das eigene Regierungshandeln. („,Empathie ist eine absolute Stärke‘“)

Taz: EU-Länder reagieren unterschiedlich auf die gestiegenen Spritpreise. Während Länder wie Ungarn mit staatlichen Preisdeckeln direkt in den Markt eingreifen, setzt Italien auf Steuersenkungen, um Verbraucher zu entlasten. Andere Staaten greifen sogar zu Notmaßnahmen wie Tanklimits oder bevorzugen heimische Autofahrer, zeigt die Taz in einem Überblick. Doch viele dieser Eingriffe sind umstritten – und stoßen zunehmend auf Kritik aus Brüssel. („Wie europäische Länder gegen hohe Spritpreise vorgehen“)

SZ: In Rheinland-Pfalz starten die Koalitionsgespräche. Nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz steuern CDU und SPD überraschend geräuschlos auf eine gemeinsame Regierung zu. Gordon Schnieder und Alexander Schweitzer haben sich im Eiltempo auf Koalitionsgespräche verständigt – viele Streitpunkte bleiben jedoch offen. Inhaltlich bleibt das Sondierungspapier vage, zentrale Fragen etwa zur Klima- oder Bildungspolitik sind ungelöst. („Geräuschloser Machtwechsel“)

SZ: Chef der Energieagentur warnt vor langanhaltenden Folgen. Die Energiekrise ist längst nicht vorbei – auch wenn sich die Lage im Nahen Osten vorübergehend entspannt hat, sagt Fatih Birol, Chef der Internationale Energieagentur (IEA). Selbst Maßnahmen wie ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen hält er für denkbar, sollte sich die Lage weiter zuspitzen. Sollte die Straße von Hormus nicht bis Ende April dauerhaft geöffnet sein, gebe es laut Birol Versorgungsschwierigkeiten – vor allem bei Diesel und Kerosin. („Wir werden die Folgen viele Monate spüren, wenn nicht Jahre“)

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Schlagzeilen von morgen

Meistgelesenes von heute

Heute Abend in den Talkshows

Markus Lanz, 0 Uhr: Daniel Gerlach, Annett Meiritz

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Interviews von morgen

Deutschlandfunk

6:50 Uhr: Zoltán Kiszelly, Universität Budapest: Ungarn-Wahl

7:15 Uhr: Andreas Lenz, wirtschaftspolitischer Sprecher der Unionsfraktion: Energieengpass

8:10 Uhr: Gerlinde Niehus, Publizistin: Treffen zwischen Trump und Rutte

ARD

7:10 Uhr: Christian Mölling, Politikwissenschaftler: Treffen zwischen Trump und Rutte

8:10 Uhr: Nina Warken, Bundesgesundheitsministerin (CDU): Reform der GKV

rbb24–Inforadio

7:05 Uhr: Lea Reisner, Sprecherin für Internationale Beziehungen (Linke): Deutschlands Position zum Iran-Krieg

7:25 Uhr: Philipp Amthor, Staatssekretär im BMDS (CDU): Bürokratierückbau

9:05 Uhr: Eduard Mühle, Präsident der Europa-Universität Viadrina: Studienreform

phoenix

9:05 Uhr: Boris Hedde, IFH Köln: Entwicklung der Lebenshaltungskosten

ntv

07:30 Uhr: Sören Pellmann, Co-Fraktionsvorsitzender (Linke): Außenpolitik und Debatte über Entlastungen

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Geburtstage

Hanna Steinmüller, Obfrau der Grünen-Fraktion im Bauausschuss, 33

Leon Eckert, MdB (Grüne), 31

Lars Ehm, MdB (CDU), 50

Theresa Schopper, Kultusministerin von Baden-Württemberg (Grüne), 65

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Nachttisch

Unser Tipp führt Sie heute zu den deutsch-französischen Beziehungen. Der Historiker Klaus Kellmann hat ein Buch über Frankreichs Geschichte seit Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben. Dabei wirft er immer wieder einen Blick auf die Bundesrepublik. Er analysiert den Weg von der „Erbfeindschaft“ zum „Tandem“ auf europäischer Ebene, beleuchtet Kontroversen wie das Rüstungsprojekt FCAS und widmet sich dem Verhältnis von Emmanuel Macron zu Angela Merkel, Olaf Scholz und Friedrich Merz. Und er geht der Frage nach, wie beide Länder auf die derzeitige US-Politik reagieren sollten. Okan Bellikli

Klaus Kellmann: Der Traum von der Großmacht. Deutschlands schwieriger Nachbar | Metropol

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Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben Okan Bellikli, Laura Block, Stefan Braun, Michael Bröcker, Damir Fras, Daniel Friesen, Franziska Klemenz, Lukas Knigge, Katharina Kort, Malte Kreutzfeldt, Vincent Mikoteit, Leonard Schulz, Julius Schwarzwälder, Sven Siebert, Sara Sievert und Wilhelmine Stenglin mitgewirkt.

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