Berlin.Table – Ausgabe 789

Zukunft der Koalition + Schockstarre bei der SPD + Grüner OB in München

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Talk of the Town

Zukunft der Koalition – Jetzt beginnen die entscheidenden Wochen

Für die schwarz-rote Koalition ist die selbst erteilte Schonfrist mit Blick auf Reformen mit diesem Sonntag abgelaufen. Ab Montag beginnt das „entscheidende Zeitfenster“, von dem seit Wochen die Rede ist. Es endet – allerspätestens – mit der Sommerpause. Bis dahin müssen Friedrich Merz, Lars Klingbeil, Bärbel Bas und Markus Söder erklären, wie die Koalition das Land wieder flott machen will. Ende März und Ende Juni stellen die Kommissionen von Gesundheit und Rente ihre Ergebnisse vor. Spätestens dann sollen Pakete geschnürt werden, manche sogar schon davor. Doch so kompliziert das schon wird, so tonnenschwer lastet auf der Koalition nach dem Ergebnis in Rheinland-Pfalz noch eine ganz andere Gefahr.

Der SPD droht nach diesem Sonntagabend eine existenzielle Debatte. Stand letzte Hochrechnung verlieren die Sozialdemokraten nicht nur nach 35 Jahren eine ihrer letzten Hochburgen. Sie erzielt das schlechteste Ergebnis in der Landesgeschichte. Was das für die kommenden Wochen im Bund bedeutet, deutet sich in der Aussage des Generalsekretärs Tim Klüssendorf nach den ersten Hochrechnungen an. Er lässt keinen Zweifel daran, wer die Verantwortung für das Ergebnis trägt: die SPD im Bund. Nur kann sich die Koalition, und das sagt Klüssendorf auch, gar nicht leisten, dass ein Partner sich nun wochenlang mit sich selbst beschäftigt.

Der Faktor Zeit spielt nach der Wahl in Rheinland-Pfalz eine zentrale Rolle. Anders als man früher vielleicht gedacht hat, gibt es nach der Wahlniederlage für niemanden mehr Zeit, den Schmerz erstmal zu verdauen. Im Gegenteil: Weil zu erwarten ist, dass spätestens am Montag die Kritik an der Parteispitze einsetzen wird, mit einer erwartbaren Dynamik, die diese Kritik von Tag zu Tag lauter werden lassen dürfte, wird sich die Koalition fragen müssen, ob sie dem gefährlichen Trend nicht alsbald eine neue Zukunftserzählung entgegensetzen soll. Es ist schwer vorstellbar, bis nach Ostern eine Welle anschwellender Kritik über sich ergehen zu lassen, ohne dass die SPD und die Koalition noch mehr Schaden nehmen.

Hinzu kommt der Faktor Gemeinsamkeit. Aus großen Wirtschaftsverbänden ist zu hören, dass es mal eine Zeit gegeben habe, in der es „nach konzertierter Aktion“ roch, wie es ein zentraler Verbandsvertreter dieser Tage ausgedrückt hat. Also eine Initiative, in der die Regierung wichtige Vertreter aus Wirtschaft, Gewerkschaften und möglicherweise auch anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen einbindet. Aktuell aber ist die Stimmung dafür schlecht. Zum einen, weil bislang selbst der Kanzler keine entsprechenden Signale ausgesandt hat. Zum anderen, weil die Atmosphäre zwischen Wirtschaftsverbänden und der obersten DGB-Spitze so schlecht ist wie schon lange nicht mehr. Beides spricht nicht dafür, dass es der Regierung bald gelingen könnte, Deutschland in Form einer wirklich gemeinsamen Aktion vieler in die Zukunft zu führen.

Immerhin: In den nächsten Wochen soll mindestens auf einem Feld ein großes Reformpaket auf den Weg gebracht werden. Es gibt die Sozialreformen, also Gesundheit, Pflege und Rente, bei denen unterschieden werden muss zwischen möglichen Modernisierungen des Systems und notwendigen Sparmaßnahmen. Und dann ist da der zweite Reformblock: das Steuersystem. Besonders die CDU hatte im Wahlkampf mit Nachdruck angekündigt, hier schrittweise reformieren und damit die Mitte entlasten zu wollen. Union und SPD, so heißt es, sind bei einer Steuerreform schon nahe dran an einer Einigung. Offenbar gibt es die Chance auf einen echten Kompromiss, der Entlastungen vorsieht – und neue Belastungen nur bei besonders Reichen, die aber zugleich von den Entlastungen ausgeglichen werden sollen (Table.Briefings berichtete).

Bei den Sozialreformen müsste die Koalition eigentlich die Ergebnisse der Kommissionen abwarten und berücksichtigen. Gleichwohl könnte es auch hier zwei Pakete geben, eins in den kommenden Wochen und eins kurz vor der Sommerpause. Aus der CDU heißt es etwa, erste Vorschläge würden sich vor allem Einsparungen im Bereich Gesundheit widmen, während größere Reformen sowie das Thema Rente zunächst ausgeklammert werden. Hier wolle man auf die Ergebnisse der Kommission warten.

Am Druck auf die Koalition ändert das alles nichts. Und das hat auch mit Donald Trump und dem Krieg in Nahost zu tun. Er wächst sich zu einer Art zweiter Zeitenwende aus, die alle im Kabinett eigentlich zu neuem Denken zwingt. So wie das der heutige Kanzler einst von seinem Vorgänger Olaf Scholz nach dem russischen Überfall auf die Ukraine gefordert hatte. Dieser hatte zwar von einer Zeitenwende gesprochen, aber seine Koalition als Reaktion nicht neu aufgestellt. Jetzt wird der Druck immens wachsen, dass Merz sich und seine Regierung möglichst schnell selbst beim Wort nimmt.

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News

SPD: Schockstarre nach dem Debakel von Mainz. Die zweite Landtagswahl krachend verloren, diesmal minus zehn Prozentpunkte, nach 35 Jahren aus der Staatskanzlei vertrieben, einen beliebten Ministerpräsidenten und Hoffnungsträger politisch vernichtet: Schlimmer hätte es für die SPD an diesem Sonntag nicht kommen können. In Berlin gab sich die Parteiführung erst gar keine Mühe, die Schuldfrage in den Südwesten zu schieben. Der Markenkern, die Erkennbarkeit, der Gesamtauftritt – die Parteiführung werde sich Fragen stellen müssen, bekannte Generalsekretär Tim Klüssendorf. Auch eine Krisenschalte des Präsidiums am Abend ging ohne konkrete Ergebnisse zu Ende.

Bundesweit erfasste die Partei eine Art Schockstarre. Zugleich wurde deutlich: Die Personaldebatte ist eröffnet, den Parteichefs Lars Klingbeil und Bärbel Bas stehen unruhige Tage bevor. „So geht es nicht mehr weiter“, ließ sich Fraktionsvize – und Seeheimer-Anführer – Esra Limbacher vernehmen. Doris Schröder-Köpf, Landtagsabgeordnete in Niedersachsen, forderte Lars Klingbeil, ebenfalls Niedersachse, im Spiegel zum Rücktritt auf. Ihre Empfehlung: Die Saarländerin Anke Rehlinger als Parteichefin, Boris Pistorius als Vizekanzler. Auch NRW-Fraktionschef Jochen Ott meldete sich zu Wort: Das Grundsatzprogramm müsse jetzt „so zügig wie möglich“ erarbeitet werden, sagte er im Podcast Table.Today. Es brauche jetzt schnelle Reformen und „Entscheidungen in wichtigen Fragen“. Auch er verlangte: „Es muss erkennbar sein, wofür wir stehen.“

Erkennbar wurde zugleich: Eine Strategie, einen Plan B, für ein solches Ergebnis hatten die Parteivorsitzenden nicht zur Hand. Natürlich trage er Verantwortung, bekannte Klingbeil. Wichtig sei nun, „ein riesiges Reformpaket auf den Weg zu bringen“. Natürlich gehe er davon aus, dass es nun Personaldebatten geben werde. Auch Bas versuchte gar nicht erst, ihre Ratlosigkeit zu verbergen: Es gebe „nichts schönzureden“. Aber auch sie räumte ein: „Die Menschen wissen nicht, wofür die SPD steht.“

Wofür die Partei noch steht, womit sie wieder in die Vorhand kommen will, ist die eine Frage, die sich nun drängender denn je stellt. Die andere Frage, ebenso dringend: Ist diese Parteiführung noch in der Lage, eine Wende einzuleiten? Wo ist die Erzählung, die das Publikum überhaupt noch erreicht? Und schließlich: Wer könnten die Personen sein, die die Sozialdemokraten in eine neue Zeit führen? Die Zeiten, als sich amtierende Ministerpräsidenten in den Vordergrund drängten, sind lange vorbei.

In Mainz gaben sich die Genossinnen und Genossen gar keine Mühe, Schmerz und Enttäuschung zu verbergen. Gegenseitig spendeten sie sich Trost, bei manchen flossen auch Tränen. Konsens bestand darin, dass die Verantwortung für das Desaster im Bund zu suchen sei. Alexander Schweitzer habe einen prima Wahlkampf geführt und mehr Termine absolviert als sein Herausforderer. Gift seien allerdings Bemerkungen wie die von Bas auf dem Juso-Bundeskongress gewesen, wonach ihr auf dem Arbeitgebertag deutlich geworden sei, „gegen wen wir eigentlich gemeinsam kämpfen müssen“.

Wahlen gewinne man nicht rechts oder links, sondern in der Mitte, zürnt ein Kommunalpolitiker. Der Wahlausgang werde Konsequenzen für die Partei haben. Wie diese aussehen sollen, bleibt unklar. Der Bundestagsabgeordnete Daniel Baldy sagt Table.Briefings, die SPD müsse sich jetzt auf Inhalte konzentrieren. Es brauche dringend Reformen. An einem Personalwechsel glaubt Baldy nicht. Er sagt: „Wenn die Auslage scheiße ist, liegt es nicht am Verkäufer.“ Andere befürworten einen Wechsel an der Spitze. Doch wer in die Chefetage des Willy-Brandt-Hauses einziehen soll, bleibt auch in Mainz an diesem Abend unklar. Laura Block, Horand Knaup

Table.Today. "Wer rettet jetzt die SPD? Mit Jochen Ott."

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Die „PKV-Morgenvisite“ lädt ein zum Newsletter-Hopping. So starten gesundheitspolitisch Interessierte besser in den Arbeitstag: Die „PKV-Morgenvisite“ bietet von Montag bis Freitag gegen 7:30 Uhr eine kurze, kostenfreie Zusammenfassung der wichtigsten gesundheitspolitischen Nachrichten in den deutschen Medien. Aufgeweckte lesen jetzt Probe! (mehr auf pkv.de)

Die FDP am Wahlabend: Harsche Kritik und Abschiednehmen. In der FDP gibt es an diesem Abend niemanden, den nicht die Angst umtreibt, dass dieser 22. März 2026 ein historisches Datum werden könnte: als der Tag des finalen Absturzes in die Bedeutungslosigkeit. Als ein früheres Führungsmitglied der FDP-Bundestagsfraktion am Abend gefragt wird, ob er die Lage der Partei einordnen wolle, antwortet der ehemalige Landeschef nur, er habe seit drei Wochen einen neuen Job und sei darüber glücklich. Zur FDP dagegen wolle er sich nicht äußern. Auch so sieht der Abschied einer Partei aus, die es im Augenblick in den üblichen Umfragen nur noch in die Kategorie Sonstige schafft.

Deutliche Worte findet Volker Wissing, lange in Mainz engagiert und später in Berlin im Zorn gegangen. Der frühere Bundesverkehrsminister sagte, das Wahlergebnis sei die Folge einer Reihe von fundamentalen Fehlentscheidungen der Partei. „Die FDP ist mit ihrer libertären Ausrichtung gescheitert. Indem sie den Staat zu ihrem Gegner erklärt hat, hat sie sich in eine Sackgasse manövriert.“ In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob es noch ein Aufbäumen geben wird. Besonders in Frage kommen dafür NRW-Landeschef Henning Höne und die EU-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Die unterlegene Spitzenkandidatin in Mainz, Daniela Schmitt, klang sehr enttäuscht. „Es ist ein bitterer Abend“, sagte sie nach der ersten Hochrechnung. Man habe sich ein anderes Ergebnis erhofft. „Ein Parlament ohne Liberale hat einen Makel, wir werden fehlen.“ Stefan Braun, Tessa Pötter

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AfD: Was Rechtsaußen zum besten Westergebnis verhalf. Sie haben weniger angekündigt als in Baden-Württemberg und doch mehr geholt: Die AfD hat in Rheinland-Pfalz ihr bestes Ergebnis einer westdeutschen Landtagswahl eingefahren. „Das ist ein Paukenschlag“, sagte Fraktionsvorstand Sebastian Münzenmaier aus RLP Table.Briefings. Parteiintern erklärt man sich den Erfolg nach Informationen von Table.Briefings mit der ländlichen Prägung und gegenwärtig auch noch den hohen Benzinpreisen, die dort besonders viele Menschen beeinträchtigen. Auch die Ankündigung, diesen Raum durch AfD-Kneipen zu revitalisieren, löste viel Begeisterung aus. Und die Vetternwirtschaftsaffäre interessiert weniger als bei der Wahl vor zwei Wochen. Mobilisieren konnte die AfD vor allem Nicht- und Erstwähler. Franziska Klemenz

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Kommunalwahl in Bayern: In München geht die sozialdemokratische Ära zu Ende. Zum ersten Mal in 42 Jahren wird kein Sozialdemokrat Oberbürgermeister in der bayrischen Landeshauptstadt. Der Grüne Dominik Krause, bisher Stellvertreter von Dieter Reiter, steht künftig an der Spitze der Stadt. Im vorläufigen Endergebnis lag er mit 54,4 Prozent der Stimmen vorn. „Das war der letzte Tag meiner politischen Karriere“, sagte der SPD-Politiker Reiter, der seit 2014 OB war. Er war unter anderem wegen einer nicht genehmigten Tätigkeit im Verwaltungsbeirat des FC Bayern, für die er Geld bekam, in die Kritik geraten. In anderen Städten lief es für die SPD besser: Florian Freund gewann in Augsburg gegen CSU-Amtsinhaberin Eva Weber. In Regensburg lag Thomas Burger vor Astrid Freudenstein (CSU), die früher Abteilungsleiterin im Bundesverkehrsministerium war. Okan Bellikli

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Iran-Krieg: Welche US-Rüstungskonzerne besonders viel daran verdienen. Lockheed Martin, Boeing, RTX (ehemals Raytheon), General Dynamics und Northrop Grumman sind die großen Gewinner des Krieges der USA gegen den Iran. Deren Raketenabwehr- und Luftverteidigungssysteme, Kampfflugzeuge und Munition sind zentrale Pfeiler der militärischen Strategie gegen den Iran. Und je länger der Krieg dauert, desto mehr steigt der Bedarf an Nachschub. Die ersten sechs Tage haben Washington bereits 11,3 Milliarden US-Dollar gekostet. Das Pentagon hat weitere 200 Milliarden Dollar beantragt. Das ist mehr, als die USA in den vergangenen vier Jahren für die Unterstützung der Ukraine ausgegeben haben. Wie Donald Trump den Geldsegen für die Rüstungsfirmen einschränken will, lesen Sie im Security.Table. Katharina Kort

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Energiegesetze in der Frühkoordinierung: BMWE nennt wenig Details. Zwei zentrale Gesetzesvorhaben von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche – das sogenannte Netzpaket und die EEG-Novelle – sind am Freitag in die Frühkoordinierung gegangen, also in die Abstimmung mit Kanzleramt und Finanzministerium, die der Ressortabstimmung vorgeschaltet ist. Inwieweit sich die finalen Entwürfe von denen unterscheiden, die im Februar bekannt geworden waren, teilte das Ministerium nicht mit. Diese waren nicht nur in der Erneuerbaren-Branche, sondern auch in der SPD auf deutliche Kritik gestoßen.

Unverändert bleibt offenbar eine besonders umstrittene Zahl: Netzgebiete sollen als „kapazitätslimitiert“ gelten, wenn dort zuvor mehr als drei Prozent des Stroms nicht eingespeist werden konnte. Dieser Wert stelle „eine sinnvolle und sachgerechte Abgrenzung“ dar, sagte ein Sprecher Table.Briefings. In solchen Gebieten sollen neue Erneuerbaren-Anlagen künftig keine Vergütung für abgeregelten Strom mehr bekommen. Ein Rechtsgutachten im Auftrag des Windenergieverbands war zuvor zum Ergebnis gekommen, dass eine solche Regelung europarechtswidrig wäre. Festhalten will Reiche auch am Vorhaben, die Einspeisevergütung für kleinere Solaranlagen komplett zu streichen. Ihre Pläne seien „ein Ausweis tiefsitzender Beratungsresistenz“, kommentierte der stellvertretende Grünen-Vorsitzende Sven Giegold. Malte Kreutzfeldt

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Ende des KI-Booms: Warum Europa profitieren könnte. Europäische Firmen brauchen nach Ansicht der Bertelsmann Stiftung keine Sorge zu haben, den Boom der Künstlichen Intelligenz zu verpassen. Die zentrale Frage sei gar nicht mehr, ob eine KI-Blase existiert, schreiben Martin Hullin und Thomas Schwab in einem Gastbeitrag. Das europäische KI-Ökosystem könnte nach einem Platzen der Blase den längeren Atem haben. Es sei anwendungsnah und weniger abhängig von spekulativem Kapital. Wenn Kapital und Talente stabilere Perspektiven mit verlässlichen Regeln und offenen Gesellschaften suchen, könne Europa punkten. In welche Sektoren öffentliche KI-Investitionen nun fließen sollten, lesen Sie im Europe.Table. Manuel Berkel

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Raumfahrt in China: Peking will Kosten drastisch senken. Chinas Raumfahrt tritt mit dem 15. Fünfjahresplan in eine neue Phase ein. Künftig soll der Sektor stärker als strategische Zukunftsbranche und neues Industriefeld gedacht werden. Die primären Ziele sind der Aufbau wiederverwendbarer Trägersysteme, ein lückenloses Satellitennetz für reibungslose Kommunikation rund um den Erdball und eine drastische Senkung der operativen Kosten. Ziel sei es, den Preis für den Transport in den Erdorbit von 55.000 Yuan (knapp 7.000 Euro) pro Kilogramm auf etwa 5.000 Yuan (knapp 630 Euro) zu reduzieren. Allein die Wiederverwendung der ersten Raketenstufe könne die Startkosten um bis zu 80 Prozent senken. Wie weit chinesische Unternehmen bei der Umsetzung sind, lesen Sie im China.Table. Jörn Petring

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Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten: Rechnungshof sieht „erhebliche Haushaltsrisiken“. Seit Jahren nicht behobene Mängel bei der Errichtung des Bundesamts für Auswärtige Angelegenheiten (BfAA) hemmen laut Rechnungshof dessen Leistungsfähigkeit und bringen finanzielle Probleme für den Bund mit sich. Die Prüfer stellen infrage, dass das 2021 zur Entlastung etwa bei Visaverfahren gegründete BfAA seine Aufgaben erfolgreich und wirtschaftlich erledigt. Sie empfehlen dem Haushaltsausschuss, der am Mittwoch über den Bericht berät, einen Maßgabebeschluss. Das AA müsse zum Beispiel alle Bereiche der Zentrale und die Auslandsvertretungen „in vollständiger Anwendung anerkannter Methoden überprüfen“ und dabei sämtliche in das BfAA zu verlagernden Aufgaben identifizieren. Die Behörde ist zentraler Teil der geplanten Work-and-Stay-Agentur. Okan Bellikli

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Versand von Medikamenten: Notwendiger Versorgungsweg oder Sicherheitsrisiko? Im Rahmen der Apothekenreform könnten laut BMG-Entwurf die Vorgaben für den Versand von Arzneimitteln verschärft werden, darunter die Temperaturkontrolle. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände begrüßt das. Wer Arzneimittel aus dem EU-Ausland bestelle, kaufe eine medizinische Blackbox, schreibt Vizepräsidentin Ina Lucas in einem Standpunkt für Table.Briefings. Kein Patient sehe einem Paket an, welchen Temperaturschwankungen die Medikamente darin ausgesetzt gewesen seien. Apotheken in Deutschland müssten dagegen jede Abweichung dokumentieren. Es brauche „gleiche Standards für alle Marktteilnehmer“, sagt Lucas.

Ganz anders sieht das Olaf Heinrich, CEO von Redcare Pharmacy, vormals Shop Apotheke Europe. Sollten die Verschärfungen für den Versandhandel umgesetzt werden, schreibt Heinrich, schneide die Bundesregierung einen essenziellen Versorgungsweg ab. Mehr als 26 Millionen Patienten in Deutschland würden diesen Weg regelmäßig nutzen. Und nicht zuletzt böten Online-Apotheken ihre Ware meist günstiger an als Vor-Ort-Apotheken. Die Apothekerschaft will am Montag mit einem bundesweiten Protesttag auf ihre schwierige wirtschaftliche Lage aufmerksam machen. Magdalena Latz

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Table.Documents

Heads

Carsten Träger, 52, Staatssekretär im BMUKN, ist tot. Offenbar kollabierte der SPD-Politiker am Samstagvormittag beim Skifahren in Tirol. Er kam noch ins Krankenhaus nach Innsbruck, wo ihm die Ärzte aber nicht mehr helfen konnten. Am Freitagmittag hatte er im Bundestag noch zum Thema Naturschutz und Zivilgesellschaft gesprochen. Begonnen hatte Träger seine politische Laufbahn als Mitarbeiter des damaligen MdL und heutigen Fürther Oberbürgermeisters Thomas Jung. Mit 29 Jahren saß er im Gemeinderat von Fürth, 2013 zog er über die bayrische Landesliste in den Bundestag ein, 2018 wurde er umweltpolitischer Sprecher der Fraktion. Bei der Bundestagswahl 2025 führte er auf Platz eins die SPD-Landesliste an. Im vergangenen Mai hatte ihn Carsten Schneider zum Parlamentarischen Staatssekretär berufen. Julia Klöckner hat Trauerbeflaggung angeordnet. Am Mittwoch soll des Verstorbenen im Parlament gedacht werden. Horand Knaup

Markus Kerber, 62, wird an wichtiger Stelle den CDU-Landeschef in Baden-Württemberg, Manuel Hagel, bei Sondierungen und wahrscheinlichen Koalitionsverhandlungen mit den Grünen beraten. Kerber hatte schon viele verschiedene Jobs inne: Er leitete unter anderem die Grundsatzabteilung im BMF, wechselte dann als Hauptgeschäftsführer zum BDI und wurde später Staatssekretär im BMI unter Horst Seehofer. Am wichtigsten aber ist er als Schüler und Wegbegleiter von Wolfgang Schäuble – als kreativer und moderner Konservativer. Gute Freunde sagen über ihn, seine Stärke liege nicht im detailfokussierten Aushandeln kleiner Kompromisse, sondern im Entwurf von längerfristigen Strategien. Gut möglich, dass der 37-jährige Hagel ihn genau dafür in sein Team geholt hat. Stefan Braun

Martin Agüera wechselt nach 20 Jahren bei Airbus zu KNDS. Beim Wehrtechnik-Hersteller leitet Agüera seit Anfang März die Kommunikationsabteilung. Seit 2016 hatte er bei Airbus Defense and Space ebenfalls die Kommunikation verantwortet. Welche Berufserfahrungen ihn für die Verteidigungs-PR wappneten, lesen Sie im Security.Table. Markus Bickel

Emmanuel Grégoire (PS) wird neuer Bürgermeister von Paris und tritt damit die Nachfolge seiner sozialdemokratischen Parteikollegin Anne Hidalgo an. In der zweit- und drittgrößten Stadt bleiben die Amtsinhaber an der Spitze: Benoît Payan (PS) in Marseille und der Grüne Grégory Doucet in Lyon. Okan Bellikli

Robert Golob, linksliberaler Ministerpräsident von Slowenien, und der Rechtspopulist Janez Janša haben sich bei der Parlamentswahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Nach TV-Angaben vom Sonntagabend lagen beide Parteien fast gleichauf. Sollte es Janša gelingen, eine Koalition zu bilden und die nächste Regierung in dem 2,1-Millionen-Einwohner-Land anzuführen, würde das in Brüssel Sorgen auslösen. Janša, der bereits dreimal Premierminister in Slowenien war, gilt als enger Vertrauter von Viktor Orbán und hegt Sympathien für die Politik von Donald Trump. Ein Wahlsieg Janšas würde das EU-kritische Lager im Europäischen Rat stärken. Damir Fras

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Best of Table

ESG.Table: Worum es beim Streit um die Wasserrahmenrichtlinie geht. Die EU-Kommission will den Ordnungsrahmen für Wasserschutz überarbeiten – mit dem Ziel, Bergbau zu erleichtern. Welche Änderungen die Industrie fordert und was das laut Umweltschützern für europäische Gewässer bedeuten würde, lesen Sie hier.

China.Table: Mediation mit deutschen Juristen. Um Gerichte zu entlasten, tritt am 1. Mai das neue „Gesetz über kommerzielle Mediation“ in Kraft. Auch deutsche Juristen dürfen dann in China schlichten. Was der Jurist Ralph Koppitz davon hält, lesen Sie hier.

Security.Table: Zyperns geopolitische Relevanz wächst. Das Land wird zunehmend zur Zielscheibe regionaler Konflikte, wie der Hisbollah-Angriff auf eine britische Militärbasis dort zeigt. Gleichzeitig stellt Nikosia seine Sicherheitspolitik um und setzt immer weniger auf Russland. Vor welchen Herausforderungen die Insel steht, lesen Sie hier.

Europe.Table: Dehnübungen für Gasspeicher. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen mahnt in einem Brief an die Mitgliedstaaten eine flexiblere Befüllung der Gasspeicher an. In welchem Punkt die deutsche Füllstandsverordnung angepasst werden müsste, lesen Sie hier.

Europe.Table: Rechtliche Bedenken bei „EU Inc.“. Die neue Rechtsform soll Startups Märkte in allen EU-Ländern erschließen. Warum der Vorschlag auf wackligen Beinen steht und welche anderen Staaten die Mitbestimmungsregeln aushebeln könnten, lesen Sie hier.

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Time.Table

Highlights der Woche

Am Montag setzt Boris Pistorius seine Indo-Pazifik-Reise mit einem Besuch in Singapur fort. Am Mittwoch geht es dann weiter nach Australien. Mit den Partnern in der Region will der Außenminister Fragen der internationalen Ordnung, der Sicherung der Seewege und der Wahrung des Völkerrechts erörtern. In Tokio, der ersten Station seiner Reise, kündigte Pistorius am Sonntag ein Verteidigungsabkommen mit Japan an. Künftig soll der Austausch von Soldaten, etwa für Übungen im jeweils anderen Land, leichter werden.

Am Dienstag begeht das Auswärtige Amt sein 75-jähriges Jubiläum im Nachkriegsdeutschland. Hauptredner ist Frank-Walter Steinmeier – und er will über die Welt reden. Er wird einen „doppelten Epochenbruch unserer Zeit“ beschreiben. Den einen, den Moskau mit seinem Krieg gegen die Ukraine besiegelt hat; und den anderen im transatlantischen Verhältnis, der für Steinmeier nicht minder tiefgreifend ist. Sein Fazit: „Es ist an der Zeit, dass wir eine erwachsene Haltung zum Verhältnis von militärischer Stärke und außenpolitischer Klugheit entwickeln, wie sie in anderen Ländern selbstverständlich ist: dass nämlich das eine nicht ohne das andere geht.“

Am Mittwoch soll der umstrittene Klimaschutzprogramm im Kabinett verabschiedet werden. Frühere Versionen waren schon öffentlich geworden, die final gültige ist es – noch – nicht. Sehr wahrscheinlich vor allem deshalb, weil er so lange umkämpft war und keine neuen Gräben aufreißen soll.

Am Donnerstag beginnt die 14. WTO-Ministerkonferenz in Kameruns Hauptstadt Yaoundé. Die EU-Kommission will erreichen, dass das Prinzip des regelbasierten Handels bewahrt bleibt. Gleichzeitig ist sie für eine Änderung beim Meistbegünstigungsprinzip. Es verpflichtet Mitglieder dazu, den niedrigsten einem Partner gewährten Zollsatz auf alle anzuwenden. Die niedrigen Zölle sollten mit einem gleichberechtigten Zugang zu den Märkten des anderen einhergehen, sagte Handelskommissar Maroš Šefčovič.

Am Freitag entscheidet der Bundesrat über die Geas-Reform, das Bürgergeld, das Tariftreuegesetz, die Anpassungen bei der Krankenhausreform und Änderungen im Bundesjagdgesetz. Diese sehen vor, dass man den Wolf jagen darf.

23. März

Parteien: Pressekonferenzen der Bundesparteien nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Lars Klingbeil und Alexander Schweitzer (SPD), 11:15 Uhr. Ines Schwerdtner, Jan van Aken und Rebecca Ruppert (Linke), 13 Uhr. Friedrich Merz und Gordon Schnieder (CDU), 13:30 Uhr. Felix Banaszak (Grüne), 14 Uhr. Christian Dürr (FDP), 16 Uhr

Ehrung: Friedrich Merz verleiht dem Wachbataillon beim BMVg, das protokollarische Aufgaben bei Staatsbesuchen übernimmt und für den militärischen Schutz der Bundesregierung zuständig ist, das Fahnenband des Bundeskanzlers. Julius-Leber-Kaserne

Marine: Der Tender Mosel verlässt den Kieler Hafen. Er übernimmt für mehrere Monate den deutschen Beitrag zu einer Nato-Unterstützungsmission in der Ägäis, die an der Bekämpfung von Schleusernetzwerken mitwirkt.

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Must-Reads

Spiegel: Interne Bedenken gegen Migrationswende. Interne Papiere aus dem BMI sowohl unter Nancy Faeser als auch Alexander Dobrindt zeigen, dass Beamte die Abweisung von Asylbewerbern an den Grenzen kritisch sahen. Es habe auch Bedenken gegeben, dass das Vorgehen zu einem politischen Chaos führen könnte, schreibt ein Autorenteam. Bis heute gebe es keine juristisch „wasserdichte“ Begründung für die Praxis. („‚Potenziell toxisch‘“)

Tagesschau: Mitglied der Taliban leitet Berliner Botschaft. Deutschland sei damit das erste EU-Land, in dem die Gruppe faktisch eine Botschaft leite, schreibt Peter Hornung. Der Personalwechsel wurde der Regierung demnach nicht mitgeteilt. Sprecher hatten zuletzt betont, der Bund habe ein Interesse daran, dass die afghanischen Vertretungen von Personen geleitet werden, die vor der Machtübernahme akkreditiert wurden. („Taliban-Mitglied leitet afghanische Botschaft in Berlin“)

Handelsblatt: Misstrauen im BMWE. Aufgrund des Verdachts, dass die interne Teilnehmerliste der Saudi-Arabien-Reise von Katherina Reiche an ein Medium weitergegeben wurde, mussten mehrere Mitarbeiter des BMWE Erklärungen unterschreiben; zudem wurden Mail-Accounts kontrolliert, berichtet Julian Olk. Angesichts des vergleichsweise geringen Anlasses soll das Vorgehen im Ministerium für erheblichen Missmut gesorgt haben; von „Misstrauen“ und „Generalverdacht“ soll die Rede gewesen sein. Bereits zuvor hatte die Abberufung langjähriger führender Mitarbeiter für Unverständnis gesorgt. („Geleakte Liste – Mitarbeiter sollen Erklärungen unterschreiben“)

SZ: Union fordert Änderungen bei privater Altersvorsorge. Es drohe ein „unübersichtlicher Markt mit zahllosen Varianten“, sagt Sozialpolitiker Stefan Nacke über das geplante Gesetz aus dem BMF. Es brauche ein zentrales, online abschließbares Standardprodukt statt mehreren, wie es der bisherige Entwurf zulässt. So würden sich Abschluss- und Verwaltungskosten auf ein Minimum reduzieren lassen, bisher ist ein als hoch geltender Kostendeckel von 1,5 Prozent vorgesehen („Die neue Klingbeil-Rente als Renditekiller“)

Nicht überlesen!

NOZ: Wildberger offen für bedingungsloses Grundeinkommen. Der Digitalminister halte es für möglich, dass mit künstlicher Intelligenz bald „sehr hohe Gewinne“ erzielt werden. Er warnt jedoch vor Jobverlusten: „Die Zeit, in der die Industrie eine Jobmaschine war, geht zu Ende.“ Um diese Umwälzungen aufzufangen, könnte „ein bedingungsloses Grundeinkommen Teil der Lösung“ sein. Zudem spricht er sich für ein Social-Media-Verbot ab 14 aus. („Was tun mit der überflüssigen Intelligenz, Karsten Wildberger?“)

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Schlagzeilen von morgen

Meistgelesenes von heute

Heute Abend in den Talkshows

Caren Miosga, 21:45 Uhr: Thorsten Frei, Karl Lauterbach, Alisha Mendgen

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Interviews von morgen

Deutschlandfunk

6:50 Uhr: Sven Schulze, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt (CDU): Landtagswahl

7:15 Uhr: Roderich Kiesewetter, CDU-Außenpolitiker: Krieg in Nahost

8:10 Uhr: Anke Rehlinger, Ministerpräsidentin des Saarlands (SPD): Landtagswahl

ARD

7:15 Uhr: Steffen Bilger, erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion (CDU): Landtagswahl

8:15 Uhr: Matthias Miersch, SPD-Fraktionsvorsitzender: Landtagswahl

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Geburtstage von morgen

Silke Krebs, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium von NRW (Grüne), 60

José Manuel Barroso, ehemaliger Präsident der EU-Kommission, 70

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Nachttisch

Unser Tipp führt Sie heute zur deutschen Wirtschaft. Der Historiker Hartmut Berghoff analysiert in seinem Buch, wie sie sich seit 1990 entwickelt hat. Von 1970 bis 2019 habe die Bundesrepublik eine ununterbrochene Wachstumsphase erlebt. Folgen dieses „trügerischen Wohlstands“ waren demnach „Selbstzufriedenheit, Besitzstandswahrung und die Expansion des Sozialstaates“. Berghoff, der von 2008 bis 2015 das Deutsche Historische Institut in Washington leitete, kritisiert die Politik deutlich. Sie habe etwa „zumeist rückwärtsgewandte oder völlig sinnlose“ Subventionen ausgeschüttet, statt gezielt Zukunftsausgaben zu fördern. Aber auch große Teile der Bevölkerung würden sich nicht auf Neues einlassen. Es fehle eine von der Mehrheit getragene „Grand Strategy“, die Zugeständnisse von allen beinhalte. Okan Bellikli

Hartmut Berghoff: Trügerischer Wohlstand | C.H. Beck

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Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben Okan Bellikli, Manuel Berkel, Markus Bickel, Laura Block, Stefan Braun, Michael Bröcker, Helene Bubrowski, Damir Fras, Daniel Friesen, Franziska Klemenz, Horand Knaup, Katharina Kort, Malte Kreutzfeldt, Magdalena Latz, Vincent Mikoteit, Jörn Petring, Tessa Pötter, Leonard Schulz und Sara Sievert mitgewirkt.

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