Unkontrollierte Arzneimittel-Transporte sind ein Sicherheitsrisiko

Im Zuge der Apothekenreform wird auch über eine Änderung der Apothekenbetriebsordnung diskutiert. Die Vorgaben für den Arzneimittel-Versandhandel könnten verschärft werden. Ein Vorhaben, das die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände begrüßt.

IL
22. März 2026
Vizepräsidentin der ABDA: Ina Lucas (ABDA/Trenkel)

Wer Arzneimittel aus dem EU-Ausland bestellt, kauft eine medizinische Blackbox. Keine Patientin, kein Patient sieht einem Paket an, ob der Impfstoff zwischendurch mal gefroren war oder ob oder das Insulin zwei Stunden bei 30 Grad im Lieferwagen lag. Und genau darin liegt das Problem.

Die Arzneimittelhersteller schreiben für jedes Arzneimittel vor, in welchem Temperaturbereich das jeweilige Produkt gelagert werden muss. Abweichende Temperaturen können Arzneistoffe zerstören. Temperatursensible Arzneimittel sind längst kein Randphänomen mehr: Über 20 Millionen kühlpflichtige und 12,4 Millionen kühlkettenpflichtige Packungen wurden im Jahr 2024 abgegeben – Präparate, die allesamt zwingend stabil temperiert werden müssen.

Für Vor-Ort-Apotheken ist deshalb ein enges Regime Pflicht: kalibrierte Thermometer, dokumentierte Messreihen, Medikamentenkühlschränke mit Alarmfunktion. Das alles kontrollieren und dokumentieren wir regelmäßig. Die Apothekenbetriebsordnung zwingt uns dazu – zurecht. Ganz anders bei vielen Versandhändlern aus dem EU-Ausland: Deutsche Behörden haben keinen Zugriff auf niederländische Unternehmen. Für kühlpflichtige Produkte wie Insuline, Biologika oder Impfstoffe ist das kein Komfortproblem, sondern ein Sicherheitsrisiko für die Patientinnen und Patienten!

Besonders drastisch wird es, wenn man sich klarmacht, wie schwer selbst in stationären Kühlschränken kontrollierte Bedingungen einzuhalten sind. Landesbehörden weisen darauf hin, dass in Haushaltskühlschränken Temperaturunterschiede von bis zu 7 °C zwischen den Fächern auftreten können. Wie soll dann ein ungeprüfter Transport über hunderte Kilometer sicher sein?

Aktuell profitieren ausländische Versender von einer regulatorischen Lücke: Gleiche Medikamente, aber ungleiche Pflichten. Während wir in deutschen Apotheken jede Schwankung dokumentieren müssen, verschwinden kühlkettenpflichtige Präparate im Ausland einfach im Logistikstrom. Ohne Nachweis. Ohne Kontrolle. Ohne Verantwortung. Das muss sich ändern!

Wenn wir Patientensicherheit ernst nehmen, braucht es endlich gleiche Standards für alle Marktteilnehmer. Temperaturkontrolle darf keine Option sein, sondern eine Frage der pharmazeutischen Integrität. Wer Arzneimittel vertreibt, muss nachweisen, dass sie sicher sind. Alles andere ist ein Experiment – mit der Gesundheit der Menschen.

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Letzte Aktualisierung: 22. März 2026