Berlin.Table – Ausgabe 733

Blackout in Berlin + CSU gegen NGOs + Mützenich und Maduro

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Talk of the Town

Blackout in Berlin: Wie ein Stromausfall im Berliner Südwesten zum Thema für die Bundesregierung wird

Einen Tag lang hatte sich der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, Zeit gelassen, um die Folgen des Stromausfalls im Berliner Südwesten in Eigenregie zu meistern, dann hat er doch die Hilfe des Bundes erbeten. Am Sonntagmittag bat Wegner Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius, den Einsatz von Bundeswehr-Soldaten im Krisengebiet im Berliner Stadtteil Zehlendorf zu prüfen. Der will nun Spezialpioniere, die normalerweise Notstrom in Bundeswehr-Zeltlagern installieren, in die Region schicken, wo am Sonntagabend immer noch Zehntausende Haushalte ohne Strom und ohne Heizung waren.

Am Samstagmorgen hatte es offenbar einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin-Lichterfelde gegeben. Die linksextremistische Vulkangruppe bekannte sich zu dem Anschlag. Die gezielte Attacke auf das Stromverteilernetz, das für die als nobel geltenden Vororte Nikolassee, Schlachtensee und Wannsee zuständig ist, passe ins Profil, hieß es im Bundesinnenministerium. „Die wussten, wen sie treffen.“ Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg bestätigte die Authentizität des Bekennerschreibens.

Seit 2011 begehen die Vulkangruppen Anschläge auf neuralgische Punkte der Infrastruktur in Berlin und Brandenburg. Der Berliner GdP-Sprecher Benjamin Jendro sagteTable.Briefings, dass Verfassungsschutz und Staatsschutz sie auf auf dem Schirm hätten, „ohne so richtig tief in die Mitgliederstrukturen eindringen zu können.“ Zudem habe es in den letzten Jahren immer wieder einzelne Splittergruppen gegeben, die sich bei Anschlägen auf Bahn- oder Kabeltrassen auf die Vulkangruppe bezogen hätten. „Wir reden über eine linksextremistische, kriminelle Gruppierung, die mit ihren sinnfreien Anschlägen unsere Demokratie und Menschenleben gefährden.“

Im Bundesinnenministerium sieht man das neue Zentrum gegen hybride Angriffe als mögliche Antwort auf solche Attacken. Es gehe darum, über alle Geheimdienststrukturen und föderalen Ebenen hinweg den Kampf gegen Sabotageangriffe auf kritische Infrastruktur zu verstärken. Die bisherigen Erkenntnisse über bevorstehende Anschläge bekäme man meist zufällig oder aufgrund der Kenntnisse ausländischer Dienste, räumt ein Beamter ein. „Da müssen wir souverän werden.“

Auch Supermärkte, Gewerbetreibende und ab Montag auch Schulen bleiben im Berliner Südwesten geschlossen. Zwei Pflegeheime und einige Kliniken ohne Notstromversorgung mussten evakuiert wurden. Tausende Bewohner haben ihre kalten Wohnungen verlassen, um bei Freunden und Verwandten unterzukommen. Die Kritik am Krisenmanagement wächst: „Statt viele Millionen für Baumpflanzungen, sollten Bund und Berlin das Sondervermögen besser dafür einsetzen, dass nicht ein einzelner professioneller Sabotagetrupp die gesamte Hauptstadt stilllegen kann“, postete der im Südwesten wohnende MSC-Chairman Wolfgang Ischinger bei X. Ein SPD-Bundestagsabgeordneter sprach von „Irrsinn“, dass der Senat nicht sofort die Bundeswehr in die Region geschickt habe, um Wohnungen und Häuser zu schützen. Der Stromnetzbetreiber hatte aufgrund des Schneefalls und einer angeblich aufwändigen Reparatur der Stromleitung, eine Wiederherstellung des Stromnetzes erst zu Donnerstag dieser Woche angekündigt. Das wäre dann der längste Stromausfall in der Nachkriegsgeschichte.

Kai Wegner war am Samstagmorgen von seiner Innensenatorin informiert worden und hatte den Tag über von Zuhause aus mit dem Krisenstab des Bezirks und Experten telefoniert. Erst am Sonntag zeigte er sich bei den Helfern und zog die Krisensteuerung in die Innenverwaltung. Auch das Kanzleramt, der Bundesinnenminister und die Bundespolizei wurden involviert. Drei Hundertschaften der Polizei sind in der Region unterwegs, um die Anwohner zu informieren und Hilfestellung zu geben. Im Stadtteil Wannsee entkam ein älterer Mann, der an eine Beatmungsmaschine angeschlossen ist, nur knapp dem Tod. Die Rettungskräfte konnten den leer gelaufenen Akku gerade noch ersetzen, als sie ankamen.

Für die Berliner Justizsenatorin zeigt der Brandanschlag einmal mehr, „dass manche politischen Scheuklappen abgelegt werden müssen, um die Bevölkerung besser vor solchen unerträglichen Taten zu schützen“, so Felor Badenberg zu Table.Briefings. Mit Detailwissen um die kritische Infrastruktur und Kenntnissen zur Spurenvermeidung hätte die Vulkangruppe Millionenschäden verursacht, um anderen ihren Willen aufzwingen zu können. Für Sicherheitsbehörden seien ihre Taten Teil einer übergreifenden Strategie, mit Straftaten und dem Anschluss an die Ränder des politischen Diskurses das bestehende System zu überwinden. Für Badenberg genügt die Bekämpfung mit Mitteln des Strafrechts nicht mehr, linksextremen Gruppierungen müssten Steuergelder entzogen werden, sie dürften nicht mehr eingeladen werden.

Der Angriff und seine Folgen würden erneut zeigen, „dass Deutschland noch einen weiten Weg in Richtung Resilienz vor sich hat“, sagte Marc Henrichmann, der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums im Bundestag, Table.Briefings. Deutschland würde schon heute täglich reale Bedrohungen erleben, von Drohnenüberflügen bis hin zu extremistischen Taten, die Leib und Leben gefährdeten. „Vordergründig ist dieser Anschlag nicht von Russland gesteuert, aber er zeigt solchen autoritären Regimen, wie verwundbar wir sind. Wir haben auch deswegen keine Zeit zu verlieren“, so Henrichmann.

Verwaltung und Bürger müssen Resilienz lernen. Der Schutz kritischer Infrastruktur sei als zentrale Säule ganz oben auf der Agenda. Gesetzgeberisch sei „man noch lange nicht am Ende, so der CDU-Abgeordnete. Bei diesem Angriff sei es „ein abgefackeltes Kabel“ gewesen. „Aber was wäre gewesen, wenn nicht nur ein Kabel, sondern ein ganzes Kraftwerk getroffen worden wäre?“ Auch der SPD-Innenpolitiker Johannes Schätzl spricht von einer Katstrophe und kritisierte, dass es für das Stromnetz kein Backup gab.

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News

CSU-Klausur in Seeon: Moscheevereine und NGOs sollen stärker kontrolliert werden. Die CSU-Landesgruppe im Bundestag will mit höheren Strafen und mehr Kontrolle gegen Extremismus und Fundamentalismus vorgehen. Moscheevereine und Islamverbände sollen ihre Spender offenlegen müssen, das Strafmaß für Angriffe auf Uniformierte soll erhöht, und NGOs, die vom staatlichen Förderprogramm „Demokratie leben“ profitieren, sollen künftig vom Verfassungsschutz vorab überprüft werden. Das geht aus dem Entwurf des Leitantrags für die Klausurtagung in Seeon hervor, der Table.Briefings vorliegt.

Das staatliche Förderprogramm „Demokratie leben“ müsse „grundlegend“ überarbeitet werden, heißt es. Geförderte Organisationen sollen künftig durch den Verfassungsschutz überprüft werden und ein „verbindliches Bekenntnis zum Grundgesetz“ abgeben. Bereits im Juni war Kritik an dem Programm laut geworden, als bekannt wurde, dass sich Funktionäre geförderter NGOs antisemitisch geäußert hatten. Bildungsministerin Karin Prien hatte daraufhin eine umfassende Evaluierung von „Demokratie leben“ angekündigt. Von Seiten der CSU heißt es nun: „Wer Geld aus ,Demokratie leben‘ will, muss sich zu unserer Demokratie bekennen. Man kann nicht gleichzeitig auf der Liste des Verfassungsschutzes und auf der Payroll des Steuerzahlers stehen.“

Zudem will die CSU Moscheevereine stärker kontrollieren und eine Pflicht zur Offenlegung der Spender einführen. „Es darf keine Einflussnahme ausländischer Regierungen über Moscheevereine und Islamverbände auf die deutschen Muslime unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit geben.“ Das Strafmaß für Angriffe auf Polizisten, Rettungskräfte und Angehörige der Gesundheitsberufe soll zudem auf sechs Monate erhöht werden. Bei „heimtückischen Attacken“ oder besonders gefährlichen Angriffen soll mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe möglich sein. Die Partei unterstützt damit den Gesetzentwurf des BMJV von Ende Dezember, der die gleichen Ziele nennt.

Eine weitere Forderung der CSU: Wer das Existenzrecht Israels leugnet, soll künftig bestraft werden. „Wir wollen den Volksverhetzungs-Paragraphen im Strafgesetzbuch so verschärfen, dass das Leugnen des Existenzrechts Israels und der Aufruf zur Beseitigung des Staates Israel künftig strafbar ist.“ Antisemitismus soll dafür als besonders schwerer Fall der Volksverhetzung eingestuft werden. Zugleich macht die CSU Tempo bei der Wahlrechtsreform. Die Kommission soll zeitnah einen Vorschlag vorlegen, der allen Wahlkreisgewinnern den Einzug in den Bundestag ermöglicht. „Bürgerinnen und Bürger müssen künftig wieder sicher sein, wer ihre Heimat bei einem Gewinn des Direktmandats im Bundestag vertritt.“

Der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Hoffmann, sagte Table.Briefings: „Wir wollen ein starkes demokratisches Deutschland, in dem die Mehrheit entscheidet und nicht die Summe radikaler Minderheiten. Wir schützen die persönliche Freiheit und zeigen zugleich klare Kante zum Schutz unserer Demokratie: gegen die radikalen Ränder links und rechts, gegen Islamisten und Antisemiten und gegen diejenigen, die Polizisten und Rettungskräfte angreifen.“ In Seeon stehen ab Dienstag außerdem Beschlüsse zur Unterstützung der Ukraine, zur Verschärfung der Migrationspolitik, zur Förderung kleiner Atomreaktoren (SMR) und zur Entlastung der Wirtschaft auf dem Programm. Als Gastredner werden unter anderem der litauische Präsident Gitanas Nausėda und die finnische Außenministerin Elina Valtonen erwartet. Michael Bröcker, Magdalena Latz

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Merz, Klingbeil und Maduro: SPD fordert von der Regierung klare Verurteilung des Trump-Angriffs. Nachdem Kanzler Friedrich Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil auf die US-Aktion gegen den bisherigen venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro betont vorsichtig und zurückhaltend reagiert haben, kommen aus der SPD immer lauter die Forderungen, die Regierung möge sich viel deutlicher von dem Akt der Entführung distanzieren. Rolf Mützenich, der Außenpolitiker und langjährige Fraktionschef, sagte Table.Briefings, trotz der totalitären Zustände in Venezuela gebe „es keine politischen und rechtlichen Gründe, die das Vorgehen der US-Regierung in irgendeiner Weise rechtfertigen könnten“.

Mützenich übt scharfe Kritik und verlangt von Berlin eine eindeutige Position. Die Entführung des Staatschefs und die angekündigte Übernahme der Regierungsgeschäfte durch die USA erinnerten „an die dunkelsten Zeiten des Kolonialismus und des Kalten Krieges.“ Mützenichs Schlussfolgerung: „Die Bundesregierung und die demokratischen Parteien in Deutschland können die Ereignisse nicht unkommentiert lassen.“ Auf der einen Seite verletze Wladimir Putin gerade permanent Völkerrecht. Mützenich: „Die Trump-Administration folgt nun in erschreckender Weise und hoher Geschwindigkeit nach.“

Auch der SPD-Außenpolitiker Serdar Yüksel fragt: „Wo ist die Bundesregierung?“ Er erwarte von Berlin eine unmissverständliche Klarstellung. Die Welt werde gerade in Einflusszonen aufgeteilt, nun gelte es ,Trumps Begehrlichkeiten auf Grönland erst recht ernst zu nehmen. Die Lateinamerika-Expertin der Fraktion, Isabel Cademartori, lässt keinerlei Zweifel an der Einordnung zu. „Das ist klar völkerrechtswidrig und gegen die UN-Charta.“ Es trage nicht zur Glaubwürdigkeit Deutschlands bei, „wenn wir in diesem Fall so tun, als sei es kompliziert und nicht eindeutig, dass hier die Souveränität des Landes verletzt wurde“.

Merz und Klingbeil hatten sich vorsichtig geäußert. Offenkundig wollen sie angesichts der Bemühungen um eine Lösung des Ukrainekriegs keinen Ärger mit dem US-Präsidenten provozieren. Der Kanzler hatte erklärt, vor einem endgültigen Urteil müsse man die Sachlage sehr genau prüfen. Klingbeil hatte gesagt: „Das Völkerrecht ist zu achten. Das gilt auch für das Handeln der USA.“ Nun müsse es darum gehen, „jegliche weitere Eskalation zu verhindern und den Pfad zu einem friedlichen Übergang zur Demokratie in Venezuela zu finden.“ Stefan Braun, Horand Knaup

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Wir wünschen Ihnen ein gesundes Jahr 2036! In Deutschland werden dann rund vier Millionen Menschen mehr als heute über 65 Jahre alt sein. Dieser demografische Wandel hat gravierende Auswirkungen auf unser Gesundheitssystem und die Pflegeversicherung. Die PKV ist hier Teil der Lösung, denn sie sorgt für die im Alter steigenden Ausgaben vor. (mehr auf pkv.de)

Venezuela: Regime demonstriert Zusammenhalt. Einen Tag nach dem Sturz Nicolás Maduros durch US-Spezialeinheiten hat sich die Armeeführung hinter Vizepräsidentin Delcy Rodríguez gestellt. Sie übernehme verfassungsgemäß die Führung des Landes, sagte Verteidigungsminister Vladimir Padrino in Caracas. Das Militär ist der entscheidende Machtfaktor in Venezuela, das seit dem Tod von Hugo Chávez 2013 von dem linksautoritären, mit Kuba verbündeten Maduro geführt worden war. Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel hatte zuvor von einem „kriminellen US-Angriff“ auf das südamerikanische Land gesprochen, auf den die internationale Gemeinschaft reagieren müsse. US-Außenminister Marco Rubio, dessen Eltern aus Kuba stammen, befeuerte am Sonntag Ängste, dass Havanna ebenfalls Ziel von Angriffen werden könnte. „Es ist kein Geheimnis, dass wir keine großen Fans des kubanischen Regimes sind“, sagte er. Welche Rolle die venezolanischen Ölreserven bei alldem spielen, lesen Sie im Security.Table. Markus Bickel

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Mitarbeiterbeteiligung: Das fast vergessene Versprechen des Kanzlers. Zwischen den großen Themen Rente, Ukraine und Rettung der Wirtschaft ist ein Versprechen des Kanzlers nahezu untergegangen: Seine Zusage, dass er in dieser Legislaturperiode eine bessere Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivvermögen der Volkswirtschaft durchsetzen möchte. Auf dem Arbeitgebertag Ende des letzten Jahres nannte Friedrich Merz dies „die letzte nicht eingelöste Zusage der marktwirtschaftlichen Ordnung“. Unterstützung kommt jetzt von Investorenseite. Vermögensbildung sei „die beste Populismus-Prophylaxe“, schreibt Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors in einem Beitrag für den Bundesverband Mitarbeiterbeteiligung. Der Kapitalbeteiligung von Beschäftigten in Unternehmen komme eine große Rolle zu, so der Volkswirt von der Vermögensverwaltung der Allianz. Welche Optionen es gibt und welche Unternehmen diesen Weg schon gehen, lesen Sie in der Analyse des Berlin.Table. Okan Bellikli

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Ende des Verbrenner-Aus: Bayerns Verkehrsminister spricht von einer „reinen Mogelpackung“. Im Gespräch mit Table.Briefings fordert Christian Bernreiter die EU-Mitgliedstaaten und das Parlament auf, den Vorschlag der Kommission zu den CO2-Flottengrenzwerten „nachzubessern“. Die Absenkung der Flottenziele auf 90 Prozent statt zuvor 100 Prozent sei weiterhin ein Verbrenner-Aus, nur eben durch die Hintertür. Das sei nicht das, was angekündigt worden sei. „Es kann nicht sein, dass wir jetzt die verbleibenden zehn Prozent kompliziert mit grünem Stahl und alternativen Kraftstoffen ausgleichen müssen, deren Herstellung sehr energieintensiv und teuer ist." Die Dokumentation und Verrechnung drohe zu einem neuen „Bürokratiemonster“ zu werden. „In Brüssel sind sie da scheinbar auf einem anderen Planeten.“ Wo sich der Staatsminister für schnelleren Bürokratieabbau einsetzt und die Kommission aus seiner Sicht zu zaghaft agiert, lesen Sie im Europe.Table. Lukas Knigge

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Rentenkommission: Sozialwahlbeauftragter für verpflichtende Zusatzrente. Die Rentenkommission sollte eine Pflicht zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV) empfehlen. Das fordert Peter Weiß, Bundesbeauftragter für die Sozialversicherungswahlen, in einem Gastbeitrag für Table.Briefings. Aus seiner Sicht würde das vor allem Geringverdienern helfen, die von Förderinstrumenten bisher meist nicht oder nur ungenügend erfasst seien. Mit einer kapitalgedeckten Pflicht-bAV „würden die Arbeitnehmer endlich von den von ihnen erwirtschafteten Kapitalerträgen deutscher Unternehmen profitieren“, so der frühere Vorsitzende der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales in der Unionsfraktion. Was er genau vorschlägt, lesen Sie in seinem Standpunkt. Okan Bellikli

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Chinas Baustellen: Xi steuert 2026 durch viele Widersprüche. Xi Jinping geht in ein Jahr, das über sein Vermächtnis entscheiden könnte. Nach außen wirkt Chinas Parteichef mächtiger denn je: Er trotzt den USA, treibt Schlüsseltechnologien voran und hält Partei und Staat fest im Griff. Doch hinter den Kulissen beginnt ein riskanter Machtpoker auf dem Weg zum Parteitag 2027. Loyalität ersetzt zunehmend Kompetenz, Generäle stürzen, alte Regeln für Amtszeiten und Karrieren sind außer Kraft gesetzt – und im System wächst die Unsicherheit. Provinzfürsten und Parteikader wissen nicht mehr, worauf sie bauen können, während sich eine neue Generation von Funktionären in Stellung bringt. Xi lässt keinen Nachfolger erkennen und bindet das System an seine eigene Person. Ob er damit seine Führung stabilisiert oder ungewollt den Grundstein für die größte Zerreißprobe seiner Partei legt, lesen Sie im China.Table. Amelie Richter

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Table.Today Podcast

Heads

Michaela Kaniber (CSU) übernimmt für Bayern 2026 den Vorsitz der Agrarministerkonferenz. Die weiteren Vorsitzenden der Fachministerkonferenzen – manche nur für ein Halbjahr – sind Heike Hofmann (SPD, Hessen, Arbeit und Soziales; Jugend und Familie), Christian Gaebler (Berlin, SPD, Bau), Anna Stolz (Bayern, Freie Wähler, Bildung), Staatsrat Jan Pörksen (Hamburg, SPD, Digital), Christian Meyer (Niedersachsen, Grüne, Energie), Staatssekretär Florian Hassler (Baden-Württemberg, Grüne, Europa), Björn Fecker (Bremen, Grüne, Finanzen), Andreas Philippi (Niedersachsen, Grüne, Gesundheit), Petra Köpping (Sachsen, SPD, Gleichstellung und Frauen), Andy Grote (Hamburg, SPD, Innen), Josefine Paul (NRW, Grüne, Integration), Anna Gallina (Hamburg, Grüne, Justiz), Katharina Binz (Rheinland-Pfalz, Grüne, Kultur), Theresa Schopper (Baden-Württemberg, Grüne, Sport), Özlem Ünsal (Bremen, SPD, Raumentwicklung), Georg-Ludwig von Breitenbuch (Sachsen, CDU, Umwelt), Hanka Mittelstädt (Brandenburg, SPD, Verbraucherschutz), Christian Bernreiter (Bayern, CSU, Verkehr), Nicole Hoffmeister-Kraut (Baden-Württemberg, CDU, Wirtschaft) und Markus Blume (Bayern, CSU, Wissenschaft).

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Best of Table

Europe.Table: Erstmals seit der Energiekrise 2022 ist der Strompreis in der EU wieder gestiegen. Sowohl die Kosten einer Megawattstunde als auch die Preisspitzen nahmen zu. Welche Entwicklung den Anstieg immerhin abmildert, lesen Sie hier.

Security.Table: Europas Rüstungsindustrie drängt auf Zusammenarbeit über die Ukraine hinaus. Der Aufrüstungsbedarf werde bei jedem Ausgang des Krieges fortbestehen, sagt Camille Grand, Generalsekretär der European Aerospace, Security and Defence Industries Association, im Gespräch mit Table.Briefings. Wie Deutschland durch die Priorisierung europäischer Lösungen zur Verteidigungsfähigkeit der EU beitragen kann, lesen Sie hier.

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Time.Table

Highlights des Jahres 2026

Wahlen in Deutschland

8. März: Baden-Württemberg (Landtag), Bayern (Kommunal)

15. März: Hessen (Kommunal)

22. März: Rheinland-Pfalz (Landtag)

6. September: Sachsen-Anhalt (Landtag)

13. September: Niedersachsen (Kommunal)

20. September: Berlin (Abgeordnetenhaus), Mecklenburg-Vorpommern (Landtag)

Wahlen in der Welt (eine Auswahl)

12. Februar: Bangladesch

April: Ungarn

13. September: Schweden

Oktober: Dänemark

4. Oktober: Brasilien

27. Oktober: Israel

3. November: USA (alle 435 Sitze im Abgeordnetenhaus, 35 der 100 Sitze im Senat)

Parteitage

CDU: 20. und 21. Februar in Stuttgart

Linke: 19. bis 21. Juni in Potsdam

AfD: 3. bis 5. Juli in Erfurt

Internationale Großereignisse:

Mitte Januar: Voraussichtliche Unterzeichnung des EU-Mercosur-Abkommens

19.-23. Januar: Weltwirtschaftsforum in Davos (Schweiz)

13.-15. Februar: Münchner Sicherheitskonferenz

14.-16. Juni: G7-Gipfel in Évian-les-Bains (Frankreich)

7.-8. Juli: NATO-Gipfel in Ankara (Türkei)

9.-20. November: COP 31 in Antalya (Türkei)

14.-15. Dezember: G20-Gipfel in Miami (USA)

Highlights der Woche

Am Montag reist Johann Wadephul zu politischen Gesprächen mit Ministerpräsidentin Inga Ruginiene und Außenminister Kestutis Budrys in Litauens Hauptstadt Vilnius

Am Dienstag trifft sich die Koalition der Willigen in Paris. Unter dem Vorsitz von Präsident Emmanuel Macron soll über die Ausgestaltung von Sicherheitsgarantien für die Ukraine gesprochen werden.

Von Dienstag bis Donnerstag kommt die CSU-Bundestagsfraktion zu ihrer Klausurtagung in Kloster Seeon zusammen

Von Donnerstag bis Freitag findet in Berlin die Jahresauftaktklausur der SPD-Bundestagsfraktion statt

Am Freitag lädt Frank-Walter Steinmeier Repräsentanten des öffentlichen Lebens zu seinem Neujahrsempfang ein

Von Freitag bis Samstag kommt der CDU-Bundesvorstand zu seiner Klausur in Mainz zusammen

Am Sonntag tritt Friedrich Merz seine dreitägige Reise nach Indien an

5. Januar

Bundespressekonferenz: Rückblick auf 2025 und Ausblick für 2026 des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Mit DStGB-Präsident Ralph Spiegler und Hauptgeschäftsführer André Berghegger. 10 Uhr

Innenpolitik: Festveranstaltung zum 150. Geburtstag von Konrad Adenauer mit Rede des Bundestagspräsidenten a.D. Norbert Lammert. Bonn, 17 Uhr

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Must-Reads

Zeit: BND überwachte Obama über Jahre. Er hörte die Telefonate von Barack Obama an Bord der Air Force One ab, bis 2014. Angela Merkel war nicht eingeweiht, hatte die Überwachung durch die NSA 2013 verurteilt. Die Verschlüsselung der Kommunikation in dem Flugzeug soll fehleranfällig gewesen sein. Teil des offiziellen Auftragsprofils waren die USA wohl nicht. Nur ein handverlesener Kreis hatte Zugang zu der speziellen Mappe mit den Abschriften zu Obama, darunter der BND-Präsident. („BND hörte jahrelang US-Präsident Barack Obama ab“)

Taz: Asylanträge haben sich 2025 halbiert. Laut einer neu veröffentlichten Statistik des Innenministeriums ist die Zahl der Asylerstanträge von 230.000 im Jahr 2024 auf 110.000 im Jahr 2025 gesunken. Alexander Dobrindt stellt das als Erfolg seiner harten Migrationspolitik dar. Der Rückgang hat laut Taz bereits vor Dobrindts Amtsantritt begonnen und ist vor allem auf die Stabilisierung der Lage in Syrien nach dem Sturz des Assad-Regimes Ende 2024 zurückzuführen. („Nur noch halb so viele Erstanträge auf Asyl“)

FAZ: SPD rückt von Bürgerversicherung ab. Führende Sozialdemokraten stellen das lange zentrale Projekt einer einheitlichen Krankenversicherung offen infrage. Ministerpräsident Alexander Schweitzer und Fraktionssprecher Christos Pantazis plädieren dafür, das Konzept angesichts neuer Herausforderungen zu überprüfen – nachdem sich die SPD bereits im Wahlkampf 2025 von der vollständigen Abschaffung der privaten Krankenversicherung distanziert hatte.(„Findet sich die SPD mit der ‚Zweiklassenmedizin‘ ab?“)

Nicht überlesen!

SZ: Ideen für den Sozialstaat. Ein Autorenteam entwirft Reformen in sechs Bereichen. Dazu gehören die Vereinheitlichung der Grundsicherung, die bessere Vernetzung von Hilfsangeboten, eine soziale Abfederung des Klimaschutzes sowie mehr Digitalisierung im Gesundheitsbereich. Bei der Rente geht es etwa um einen geringeren jährlichen Anstieg und die stärkere Heranziehung von Vermögenden. Wer Lohnarbeit günstiger machen will, komme zudem nicht darum herum, das Sozialsystem verstärkt aus anderen Quellen wie Steuern zu finanzieren. („Ein besserer Sozialstaat“)

Spiegel: Ricarda Lang will über Jahre kein Spitzenamt mehr. Nach ihrem Rücktritt als Grünenchefin habe sie erwogen, „ganz aufzuhören“. Sie habe sich für viel abhängiger vom Amt gehalten als sich herausstellte, habe über Menschen geredet, „als wären sie eine anonyme Masse, und habe dabei geklungen wie ein Roboter.“ Sie habe als Chefin viel von sich selbst, auch ihre Glaubwürdigkeit verloren. „Politik ist derzeit irre angstgetrieben.“ Jetzt bereite sie ihr wieder Freude, auch wenn es den Grünen noch gelingen müsse, „als Hoffnungsalternative“ wahrgenommen zu werden. („Ich musste mich regelrecht zwingen, das erste Mal ins Gym zu gehen“)

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Schlagzeilen von morgen

Meistgelesenes von heute

Interviews von morgen

Deutschlandfunk

6:50 Uhr: Franziska Giffey, stellv. Bürgermeisterin Berlins: Anschlag auf Berliner Stromversorgung

7:15 Uhr: Johann Wadephul, Außenminister (CDU): Nach den US-Angriffen auf Venezuela

8:10 Uhr: Herfried Münkler, Politologe: US-Militär-Aktion und die Folgen

ZDF

6:35 Uhr: Christoph Safferling, Professor an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg: rechtliche Perspektive auf den US-Angriff auf Venezuela

7 Uhr: Martin Huber, CSU-Generalsekretär: Themen bei der Klausurtagung in Seeon, Blick auf 2026

7:30 Uhr: Katarina Barley,Vizepräsidentin Europäisches Parlament (SPD): politische Reaktionen auf US-Angriff auf Venezuela

8 Uhr: Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin (CDU): Stromausfall / Anschlag auf das Stromnetz

Welt TV

8 Uhr: Nico Lange, Sicherheitsexperte und Politikberater: Ausblick auf Ukrainegipfel am Dienstag in Paris

9 Uhr: Adis Ahmetovic, außenpolitischer Sprecher der SPD: Aktuelle Entwicklungen Venezuela
10 Uhr: Hendrik Hansen, Extremismusforscher: Stromausfall in Berlin wurde offenkundig von Linksextremen verübt

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Geburtstage von morgen

Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident (SPD), 70

Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern (CSU), 59

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Nachttisch

Unser Tipp führt Sie heute nach Venezuela. Wer den Wandel des einst prosperierenden lateinamerikanischen Musterlands zur hoch verschuldeten, von schwerer Kriminalität gezeichneten Diktatur verstehen will, wird bei Hannes Bahrmann fündig. Fundiert zeigt der Ende 2024 verstorbene Lateinamerikaexperte die Ursachen für den Niedergang Venezuelas auf – und die tiefe Abhängigkeit, in die sich der am Wochenende von den USA gestürzte Staatschef Nicolás Maduro von Kuba begab. Sie erklärt das Scheitern des von seinem Vorgänger Hugo Chávez geplanten „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“. Markus Bickel

Hannes Bahrmann: Venezuela. Die gescheiterte Revolution | Ch. Links

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Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben Okan Bellikli, Laura Block, Stefan Braun, Michael Bröcker, Frederik Bombosch, Gabriel Bub, Helene Bubrowski, Julia Dahm, Damir Fras, Daniel Friesen, Franziska Klemenz, Malte Kreutzfeldt, Magdalena Latz, Vincent Mikoteit, Sven Siebert und Sara Sievert mitgewirkt.

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