Space.Table Analyse Raumfahrt

Roboter sollen lunare Rohstoffe erschließen

Der Mondboden namens Regolith soll bei der geplanten Besiedlung genutzt werden. Dafür kommen vor allem Roboter infrage. Doch die Entwicklung wird gebremst, unter anderem durch wirtschaftliche Unsicherheit.

Ralf Nestler
14. Januar 2026
Team BREMEN während der ESA Space Resources Challenge 2025 in der LUNA-Halle beim DLR in Köln
Mit seinem modularen System, bestehend aus dem mobilen Rover Coyote III und einer stationären Sortiereinheit, gewann das Forscherteam aus Bremen die Esa Space Resources Challenge 2025. (DLR)

Der feinkörnige Regolith wird zur entscheidenden Ressource für längere Aufenthalte von Menschen auf dem Mond. Er soll als Baumaterial für Mondhäuser dienen und – nach entsprechender Aufbereitung – Sauerstoff liefern. Dieser ist für die Astronauten als Atemgas ebenso wichtig wie für die Treibstoffherstellung, um noch weiter ins All vorzudringen.

Um den Rohstoff zu gewinnen, braucht es autonome Roboter. Sie müssen Regolith aufsammeln und zu „Fabriken“ transportieren, wo er weiterverarbeitet wird. Das ist wesentlich schwieriger als auf der Erde: harte Strahlung, verringerte Anziehungskraft und scharfkantige Partikel, die durch feinste Ritzen dringen und so die Geräte belasten. Dass dies zuverlässig gelingen kann, hat ein Forscherteam aus Bremen bei der Space Resources Challenge gezeigt. Sie gewannen den mehrtägigen Feldtest in der LUNA-Analoganlage von DLR und Esa in Köln.

500.000 Euro für den Sieger. Mit dem Geld wollen die Entwickler vom DLR und vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (DFKI) das System weiter verbessern und Anfang 2027 erneut in der LUNA-Halle testen. Der nächste Schritt wäre eine Demonstration auf dem Mond. Paul Zabel vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme, einer der beiden Projektleiter, hat hier die Esa im Blick. „Sie entwickelt den Argonaut-Lander, der Anfang der 2030iger-Jahre auf dem Mond landen soll, dafür wird sie sicher auch Nutzlasten benötigen“, sagt er. Rund 50 Kilogramm würde ein Demo-Rover samt Regolith-Sortieranlage wiegen; der gesamte Lander soll bis zu 1.500 Kilogramm auf die Mondoberfläche bringen können.

Deutsche Institutionen sind noch vorn dabei. Zur Nutzung von lunaren Ressourcen vor Ort, genannt ISRU (In-Situ Resource Utilization), wird hierzulande an verschiedenen Standorten geforscht. Dazu gehören unter anderem DLR-Institute, das DFKI, die RWTH Aachen, die TU München, die TU Berlin und das Laserzentrum Hannover. Im internationalen Vergleich ist Deutschland laut Zabel noch vorn dabei. Als führend gelten die USA, China, Japan und Luxemburg. In diesen Ländern wird ISRU gezielt gefördert. „Hier gibt es kein konkretes Programm für Space Resources“, sagt Zabel. Das hänge auch damit zusammen, „weil politisch noch nicht entschieden ist, wie sich Deutschland zu dem Thema Ressourcen-Nutzung auf dem Mond positioniert“.

Der Weg von der Forschung zur Einsatzreife ist weit. Derzeit befinde man sich auf einem Technology Readiness Level (TRL) von 4, sagt Mehmed Yüksel, Leiter des Teams Space Robotics am DFKI Robotics Innovation Center. „Bis zu TRL 9 ist viel Aufwand, Zeit und Geld nötig.“ Die Industrie zögere. Einer der Gründe: Noch ist rechtlich nicht klar geregelt, ob man mit ISRU Geld verdienen darf, sprich ein Geschäftsmodell greifbar ist. Länder wie Luxemburg haben das klar in ihrem Weltraumgesetz formuliert, Deutschland hat ein solches jedoch nicht. „Auch bei den Artemis Accords hat es diesen Paragrafen nicht unterschrieben“, ergänzt Zabel. „Man möchte das Thema zunächst auf internationaler Bühne klären mit einem großen multinationalen Vertrag.“

Auch die Industrie zögert. ISRU gilt als interessantes Thema und wird in kleineren Projekten entwickelt. Dazu gehören die Sauerstoffgewinnung aus Mondstaub mit dem Roxy-Verfahren (Regolith to Oxygen and Metals Conversion) oder autonome Erkundungsroboter (Lunar Prospecting and Scouting Rover). Die weiteren Schritte, so ist zu hören, hängen davon ab, wie sich die USA in puncto Mond positionieren, ob und wie eine permanente Präsenz auf dem Himmelskörper errichtet werden soll.

Trump forciert Mondpläne. Mit seiner Executive Order vom 18. Dezember hat US-Präsident Donald Trump zwar die Priorität auf den Mond gelegt und Mars-Visionen nach unten verschoben. Wie die Exploration genau ausgestaltet wird, ist jedoch offen. Die Esa hat derweil nur ein knappes Budget. Auf der Ministerratskonferenz wurden für das gesamte Explorationsprogramm (wozu unter anderem auch Mars und LEO gehören) für die nächsten drei Jahre 2,9 Milliarden Euro aufgebracht, fast 800 Millionen Euro weniger als vorgeschlagen. Konkret für den Mond kamen gerade 620 Millionen Euro zusammen.

Letzte Aktualisierung: 16. Januar 2026