Ernährungssicherheit: Wie der Iran-Krieg die Düngerpreise erhöht

Die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran-Krieg erschwert die globale Versorgung mit Düngemitteln. Besonders afrikanische Länder leiden unter der Knappheit, die ihre Ernährungssicherheit gefährden könnte.

12. März 2026
Reisanbau in Mali. (IMAGO / Le Pictorium)
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Der Iran-Krieg könnte die Ernährungssicherheit in den afrikanischen Ländern bedrohen. „Wenn sich die Konfliktsituation weiter verschärft, wird es von entscheidender Bedeutung sein, Afrikas Kleinbauern vor Düngemittelschocks zu schützen für die Ernährungssicherheit, für die Existenzgrundlage der ländlichen Bevölkerung und für die regionale Stabilität“, sagte Donal Brown vom Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) Table.Briefings. Brown ist Associate Vice-President des Department for Country Operations der UN-Organisation. Frühere Krisen zeigten, dass selbst geringe Preisanstiege den Einsatz von Dünger und die Produktivität erheblich verringern können, warnte er. „In Liberia beispielsweise stieg der Preis für einen 50-Kilo-Sack Dünger innerhalb weniger Monate nach Beginn des Krieges in der Ukraine um 250 Prozent“, so Brown.

Die faktische Sperrung der Straße von Hormus sorgt für Knappheit und steigende Preise nicht nur auf dem Energiemarkt, sondern auch bei Düngemitteln. Nach Angaben des International Food Policy Research Institute (IFPRI) werden 20 bis 30 Prozent der weltweiten Düngerexporte durch diese Meerenge transportiert, darunter Urea, Ammoniak, Phosphate und Schwefel. Die steigenden Energiepreise dürften den Schock noch verstärken, indem sie die Kosten für Bewässerung, Mechanisierung, Verarbeitung und Transport in die Höhe treiben und damit zu einer allgemeinen Inflation der Lebensmittelpreise beitragen.

Unter afrikanischen Landwirten herrscht Sorge. Während Käufer anderswo möglicherweise bereit sind, höhere Preise zu zahlen, ist der Spielraum auf dem Kontinent geringer. Laut dem Agrarökonom Corne Louw von GrainSA, einer Organisation, die südafrikanische Bauern vertritt, können Düngemittel bis zu 50 Prozent der Produktionskosten ausmachen. „Jede Erhöhung in der aktuellen Situation, in der die Landwirte bereits mit rekordtiefen Getreidepreisen zu kämpfen haben, wäre nur ein weiterer Sargnagel“, sagte er Reuters. Im vergangenen Jahr stammten laut IFPRI zwei Drittel der südafrikanischen Ureaimporte vom Persischen Golf. Auch in Kenia und Tansania sehen die Landwirte die Versorgung mit Düngemitteln bedroht.

Afrikanische Länder nutzen im Durchschnitt weitaus weniger Düngemittel als der globale Mittelwert. Infolgedessen sind auch die Erträge geringer und die Abhängigkeit groß. „Viele afrikanische Länder leiden ohnehin unter hoher Ernährungsunsicherheit“, sagte Jean-Martin Bauer, Direktor des Food Security and Nutrition Analysis Service beim UN-Welternährungsprogramm (WFP), auf Table.Briefings-Anfrage. „Jede Störung der Düngemittelversorgung oder ein starker Anstieg der Düngerpreise, könnte zu geringerer Verfügbarkeit und sinkenden Ernteerträgen führen.“

Äthiopien ist am stärksten gefährdet. 2024 war das Land laut Daten des International Fertilizer Development Center (IFDC) Afrikas größter Importeur von Düngemitteln. Es folgen Kenia, Sambia, Nigeria und die Elfenbeinküste, wobei diese Länder auch erhebliche Mengen wieder an ihre Nachbarn reexportieren. Schätzungen zufolge stammt rund 90 Prozent des in Afrika verwendeten Düngers aus Importen, meist von außerhalb des Kontinents.

Afrikas Düngemittelproduzenten können nur teilweise profitieren. Beispielsweise verzeichnet das nigerianische Unternehmen Dangote Fertiliser seit kurzem eine wachsende Nachfrage nach seinen Produkten. Laut dem Düngemittelanalysten Afriqom verkauft das Unternehmen aktuell Ureadünger zu einem Preis, der knapp 40 Prozent höher liegt als in den ersten Tagen des Krieges. Auch die Preise für ägyptischen Dünger sind gestiegen. Zugleich hängt aber ein Teil der ägyptischen Produktion von einer derzeit geschlossenen Erdgasleitung aus Israel ab. Marokko, Afrikas führender Exporteur von Phosphatdünger, ist für seine Produktion auf Schwefel vom Persischen Golf angewiesen, der derzeit ebenfalls nicht geliefert werden kann. Arne Schütte

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026