CEO.Table – Ausgabe 63

Merz in China: Wirtschaftlicher Pragmatismus + Bundesbank-Vorstand unterstützt Lagarde + Wie viel Deutschland wirklich arbeitet

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Executive.Summary

China – das Land, „an dem niemand mehr vorbeikommt“

Der erste Eindruck dieses China-Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz ist eindeutig: Der Kanzler setzt bewusst auf wirtschaftlichen Pragmatismus statt auf geopolitische Konfrontation. „Dialog“ ist sein Leitwort. Damit signalisiert er eine deutliche Tonverschiebung gegenüber der schärferen Rhetorik aus Wahlkampfzeiten. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz hatte der Kanzler erklärt, dass deutsche Außenpolitik zu lange „gemahnt, gefordert, gemaßregelt habe“. Er will es jetzt wieder anders machen, gerade im Verhältnis zu China – dem Land, „an dem niemand mehr vorbeikommt“.

In der Sache ist dieser Ansatz zunächst nicht unklug. Wer mit China arbeiten will, braucht Gesprächskanäle. Merz knüpft damit an die Merkel-Jahre an: Handel zuerst, politische Differenzen später. Dass er in Peking vor allem die Probleme deutscher Unternehmen adressierte, wie Überkapazitäten, Wechselkurs, Marktzugang und Exportlizenzen für Seltene Erden, zeigt, wo seine Prioritäten liegen.

Doch die Szenen in der Großen Halle des Volkes mit Premier Li Qiang folgen einem bekannten Muster: Die deutsche Seite listet konkrete Beschwerden auf, die chinesische bedankt sich für „pragmatische Empfehlungen“ und verspricht Prüfung. Substanziell verändert hat sich an den strukturellen Problemen bislang wenig. Deutsche Unternehmen haben vor Ort unter anderem weiterhin große Probleme, Exportlizenzen für Seltene Erden zu bekommen. Eine Besserung wurde bereits Vizekanzler Lars Klingbeil im November 2025 zugesagt.

Bemerkenswert ist nun die Tonlage des Kanzlers. Noch im Wahlkampf hatte Merz China als Teil einer „Achse von Autokratien“ bezeichnet und deutsche Firmen vor übermäßigen Risiken gewarnt. Nun meidet er die heiklen Themen auffällig konsequent. Sicherheitsfragen wie Spionage oder Sabotage tauchen öffentlich nicht auf. Selbst bei Taiwan bleibt es bei formelhaften Positionen.

Ist Merz damit in der Realpolitik angekommen? Wahrscheinlich ja. Die deutsche Wirtschaftslage zwingt zu nüchterner Prioritätensetzung, und dazu gehört auch die Suche nach Investoren und Absatzmärkten.

Der Besuch produzierte eine lange Liste von Vereinbarungen. Dazu gehören unter anderem die Fortsetzung des bilateralen Transformations- und Klimadialogs zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium und der Nationale Entwicklungs- und Reformkommission, ein Airbus-Deal, neue veterinärrechtliche Abkommen zum Geflügel- und Schweinefleischhandel und eine Medien- und Sportrechte-Kooperation zwischen der staatlichen China Media Group, der Bundesliga und dem Deutschen Tischtennis-Bund.

Die größte Schlagzeile zur Merz-Reise war die Bestellung von 120 Flugzeugen bei Airbus durch die China Aviation Supplies Holding Company (CASC). Wirtschaftlich ist das ein gewichtiger Auftrag. Politisch jedoch vor allem ein Signal, denn Flugzeuge werden nicht bestellt, weil ein Kanzler anreist. Es geht um Flotttenerneuerung, und hier wird in Peking klar der Mangel an geopolitischen Alternativen abgewogen. China hätte auch bei Boeing bestellen können, das Verhältnis mit den USA gibt das derzeit aber nicht her. Inländisch lässt sich der Bedarf durch COMC noch nicht voll erfüllen. Airbus ist damit praktisch die beste Lösung.

Während Merz mit Blick auf schnell wachsende Tech-Unternehmen wie den Roboterhersteller Unitree viel Potenzial für Zusammenarbeit erkennt, bleibt die deutsche Industrie zögerlich. „Wir werden sicherlich einen Beitrag leisten, wenn es um die Herstellung von Robotern geht. Das können wir automatisieren. Wir könnten aber auch an einem Teil des Technologie-Stacks von Robotern teilnehmen“, sagte Siemens-Chef Roland Busch zu Table.Briefings. Man brauche die richtigen Partner und natürlich auch entsprechend viel Kapital, „denn dieser Markt entwickelt sich unglaublich schnell und er kostet unheimlich viel Geld.“ Es gebe jedoch „noch einiges an Hausarbeit zu erledigen. Vor allem müssen wir schneller werden.“

Konkreter sind die agrarpolitischen Vereinbarungen: China ist ein riesiger Absatzmarkt für Schweinefleisch und Produkte wie Hühner- und Schweinefüße, die in Deutschland als Nebenprodukt gelten. Die neuen geplanten veterinärrechtlichen Zulassungen schaffen reale Geschäftschancen für deutsche Produzenten. Im Idealfall kann Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) die Verhandlungen im April zum Abschluss bringen. Nach gegenwärtigem Stand wird er dann in die Volksrepublik reisen. Deutschland wäre in diesem Fall das erste Land in der Europäischen Union, das sich mit China nach einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) auf ein Regionalisierungsabkommen einigt, teilt ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums mit.

Merz’ Kurs ist kein strategischer Durchbruch, aber ein erster Schritt. So nahm das unter anderem auch Adidas-CEO Bjørn Gulden wahr, der Teil der Wirtschaftsdelegation war: „Wenn man das mit der Situation vor ein paar Jahren vergleicht, war das Gespräch auf politischer Ebene, an dem auch wir beteiligt waren, außergewöhnlich offen. Man redet jetzt ohne Skript miteinander“, sagt Gulden im Gespräch mit Table.Briefings.

Ebenfalls Teil der Wirtschaftsdelegation war Bayer‑CEO Bill Anderson. Anderson sieht China längst nicht mehr nur als Absatzmarkt, sondern als Forschungspartner – Decoupling hält er für den falschen Weg. Seine Einschätzung hören Sie im Podcast Table.Today.

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Investitionsbeauftragter: Das Geld ist da – was fehlt, sind die Projekte

Nicht mangelndes Kapital hemmt private Investitionen in Brücken, Datenzentren oder bei der Energieversorgung – sondern das Fehlen strukturierter Vorhaben mit stabilen Cashflows. „Das Kernthema ist gar nicht, das Geld zu finden“, sagt Martin Blessing, persönlicher Beauftragter des Bundeskanzlers für Investitionen und Aufsichtsratsvorsitzender der Germany Trade and Invest (GTAI), zu Table.Briefings. „Da ist das Kernthema, die investierbaren Projekte zu generieren.“ Privates Kapital brauche garantierte Rückflüsse über Jahrzehnte – keine Haushaltszusagen, die im nächsten Etatstreit womöglich wegfallen. „Wer 100 Millionen Euro in eine Brücke steckt und fünf Prozent Return erwartet, will fünf Millionen Euro sehen.“

Das Interesse internationaler Investoren an Deutschland ist real, zu guten Teilen sei es aber ein De-Risking. Viele institutionelle Investoren hätten zu viel US-Exposure aufgebaut – nun rechneten sie mit einem strukturell schwächeren US-Dollar und diversifizieren. „Wenn der Dollar jedes Jahr fünf Prozent verliert, dann sind Sie schon fünf Prozent hinten, bevor das Asset irgendeine Rendite gemacht hat“, erklärt Blessing. Die technologische Dynamik der USA schätzen Investoren weiter höher ein als die europäische.

Blessings „Equity Story“ für Deutschland hat einen klaren Kern: Kurswechsel nach 25 Jahren Unterinvestition. Das 500-Milliarden-Sondervermögen und die Bereichsausnahme für Verteidigung sind für ihn kein fiskalpolitisches Detail, sondern ein Signal an die Märkte. Als Beleg nennt er die Ansiedlung des US-Pharmakonzerns Eli Lilly in Alzey: 2,5 Milliarden US-Dollar Investition in eine Produktionsstätte für Abnehmpräparate. Das Projekt wurde begleitet von der GTAI und von Land Rheinland-Pfalz entwickelt.

Die Hemmnisse sind dieselben, die Investoren seit Jahren benennen. Blessing zählt auf: Genehmigungsverfahren, Bürokratie, Energiekosten, Arbeitsmarktflexibilität. Er setzt Hoffnung in die 200 Maßnahmen der Ministerpräsidentenkonferenz vom Dezember 2025 und verweist auf die LNG-Terminals als Beweis, dass Deutschland schnell genehmigen kann – wenn der politische Wille da ist.

Was sein eigentlicher Antrieb in der Rolle als Investitionsbeauftragter ist und ob er seine Provision nach einem Jahr im Job schon verdient hat, verrät Blessing im Podcast Table.Today.

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EZB: Bundesbank‑Vorstand Burkhard Balz für Verbleib von Christine Lagarde

Nach Berichten der Financial Times über einen möglichen vorzeitigen Rückzug von EZB‑Präsidentin Christine Lagarde äußerte sie sich am Donnerstag im Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments zurückhaltend. „Der digitale Euro ist eines der Elemente meiner Mission, die ich für entscheidend halte“, sagte sie dort. Insider gehen daher davon aus, dass sie ihre Amtszeit, die regulär bis Oktober 2027 läuft, vollendet.

Bundesbank‑Vorstand Burkhard Balz, der für den digitalen Euro verantwortlich ist, begrüßt das. Er sagte Table.Briefings: „Ich wünsche mir, dass Christine Lagarde ihre reguläre Amtszeit bis Oktober 2027 vollendet. Der digitale Euro geht dann in die Testphase, ein entscheidender Schritt für den Erfolg des Projekts, den sie selbst immer wieder betont hat.“

Derweil kristallisieren sich zwei Namen für die Nachfolge von Lagarde heraus: Klaas Knot, langjähriger Präsident der niederländischen Zentralbank, und Pablo Hernández de Cos, der spanische Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Beide gelten in europäischen Institutionen als derzeit aussichtsreichste Optionen. Sollte Lagarde früher zurücktreten, werden Knot höhere Chancen zugesprochen, da er sofort verfügbar wäre.

Bundesbankpräsident Joachim Nagel hatte ebenfalls Interesse an der EZB‑Spitze signalisiert, geht nun aber wohl leer aus. Seine jüngsten positiven Äußerungen zu Eurobonds wurden als Indiz für sein Interesse am EZB‑Chefposten gewertet, im Kanzleramt jedoch weniger wohlwollend aufgenommen – was seine Ausgangslage zusätzlich erschwert. Zudem stellt Deutschland mit Ursula von der Leyen bereits eine zentrale EU‑Spitzenposition, was eine weitere deutsche Besetzung unwahrscheinlicher macht. Aus Regierungskreisen heißt es, dass Deutschland stattdessen den Posten des Chefvolkswirts der EZB anstrebt. Hoch im Kurs steht hierfür Markus Brunnermeier, Professor an der Princeton University.

Mit Blick auf das Anforderungsprofil der künftigen EZB‑Führung verweist ING‑Chefvolkswirt Carsten Brzeski auf die Erwartungen der Finanzmärkte: „Viele Finanzmarktakteure wünschen sich als zukünftigen EZB‑Präsidenten eine Persönlichkeit, die nicht nur führt, sondern auch die nötige fachliche Tiefe mitbringt.“ Alexander Wiedmann

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Ex-Kanzler Olaf Scholz: „Das haben Unternehmenslenker getan“

Wirtschaftliche Einzelentscheidungen sind nicht automatisch gut für die Volkswirtschaft. „Sich bei Lieferketten von einem Lieferanten abhängig zu machen oder von einem Land, steht in keinem ökonomischen Lehrbuch und hat auch kein einziger Staat je entschieden“, sagte der frühere Bundeskanzler Olaf Scholz beim Table-Zeughausgespräch im Deutschen Historischen Museum vor dem Hintergrund der derzeitigen Debatte um Resilienz und Souveränität. „Das haben Unternehmenslenker getan.“

Scholz ruft die Wirtschaft in die Pflicht – nimmt die Politik aber nicht aus der Verantwortung. Am Beispiel Seltene Erden: Europa investiere dafür wenig. Die EU könnte, so der Vorschlag von Scholz, eine entsprechende Fabrik beschließen und sie gezielt einem kleineren Mitgliedstaat zuweisen. „Das würde keine Verwerfung in Frankreich und in Deutschland auslösen.“ Dass dies auch in anderen Bereichen denkbar wäre, wie etwa der Arzneimittelproduktion, wurde am gleichen Abend auch beim Roundtable-Gespräch mit führenden Wirtschaftsentscheidern im Table-Café diskutiert.

Deutschland stehe sich oft selbst im Weg – etwa beim rechtlichen Rahmen. Mit den Gesetzen, die seine Regierung 2021 vorgefunden habe, wäre das Ziel von 80 Prozent erneuerbarem Strom bis 2030 nicht erreichbar gewesen – nicht wegen fehlender Ingenieure oder Unternehmen, „sondern ausschließlich wegen unserer Gesetze“. „Mehr Macht den Ingenieurinnen und weniger den Rechtsanwälten“, sagte Scholz – der selbst Jurist ist.

Bei der Kapitalmarktunion sei Europa noch weit von der Realität entfernt. „Wir müssen beim Sprüche klopfen, was die Kapitalmarktunion betrifft, in der Wirklichkeit ankommen“, sagte Scholz. In den USA hätten Unternehmen jahrelang Milliarden verbrannt – und der Kapitalmarkt habe das getragen. Europäische Raumfahrt dagegen sei bislang nur staatsfinanziert denkbar. Scholz forderte, den europäischen Kapitalmarkt „entfesselt und von seinen inneren Beschränkungen befreit“ aufzustellen, damit er einen Konkurrenten zu SpaceX finanzieren könnte. Alex Hofmann

Welche Lehren er aus der Gasspeicher-Debatte zieht, was das konkret für die Industriepolitik bedeutet und warum er den europäischen Hamilton-Moment für unausweichlich hält, hören Sie heute im Podcast Table.Today.

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EU-Mercosur: Kommissionspräsidentin Ursula Von der Leyen kündigt Anwendung an

Die EU wird das Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten noch vor der Ratifizierung im EU-Parlament anwenden. Das kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Freitag in Brüssel an. Nachdem Uruguay und Argentinien als erste Mercosur-Länder das Freihandelsabkommen mit der EU ratifiziert hatten, stieg der Druck auf die EU-Kommission, über eine vorläufige Anwendung zu entscheiden. Eine knappe Mehrheit der Abgeordneten im EU-Parlament hatte im Januar für eine Überprüfung des Abkommens durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) gestimmt. Was EU–Mercosur für deutsche Unternehmen bedeutet, lesen Sie hier. Alexander Wiedmann

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Heizungsgesetz-Reform: Industrie warnt vor Risiken für Dekarbonisierung

Wirtschaftsverbände warnen, die von den Regierungskoalitionen am Dienstagabend vorgestellten Eckpunkte für das künftige Gebäudeenergiegesetz gefährden auch die Dekarbonisierung der Industrie. Die geplante Grüngasquote könnte knappe grüne Gase wie Biomethan und Wasserstoff in den Gebäudesektor umleiten und sie im Industriebereich weiter verknappen. Sabine Nallinger, Vorständin der Stiftung Klimawirtschaft, befürchtet „harte Verteilungskonflikte und einen intensiven Lobby-Streit zwischen den Sektoren“. Sie sieht die industrielle Transformation und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie gefährdet.

Der Verband der chemischen Industrie warnt vor steigenden Preisen für grüne Gase, was die Industrie-Transformation verteuere. Für eine sich transformierende Industrie seien Wasserstoff und Biomethan „unabdingbare Rohstoffe“, sagt Matthias Bellitz, Leiter des Bereichs Nachhaltigkeit, Energie und Klimaschutz im VCI. Die Bundesregierung müsse noch Lösungen aufzeigen, damit es nicht zu einer Verknappung kommt. Auch Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl, mahnt vor einer Verknappung: Der Zugang für industrielle Anwender müsse gesichert bleiben.

Die Eckpunkte zur Reform des Heizungsgesetzes sehen einige Änderungen vor. Die Vorgabe, dass Heizungen künftig mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien nutzen müssen, soll gestrichen werden. Somit dürfen wieder ohne Einschränkungen neue Gas- und sogar Ölheizungen eingebaut werden. Stattdessen soll eine Grüngasquote eingeführt werden. Für neu eingebaute Öl- und Gasheizungen soll sie ab 2029 bei zehn Prozent des Verbrauchs liegen und bis 2040 in drei Stufen ansteigen. Zusätzlich soll eine Quote von einem Prozent Grüngasanteil für Bestandsheizungen gelten. Nico Beckert / Malte Kreutzfeldt

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Physical AI: Studie beziffert Potenzial auf 430 Milliarden Euro

Der Markt für Physical AI – KI‑Systeme, die in der realen Welt wahrnehmen, entscheiden und handeln – soll bis 2030 ein globales Volumen von rund 430 Milliarden Euro erreichen. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie von PwC Strategy&, die Table.Briefings exklusiv vorab vorliegt, vor dem Hintergrund des am Montag startenden Mobile World Congress in Barcelona. Die größten Segmente entfallen laut Analyse auf autonomes Fahren (circa 170 Milliarden Euro), Industrierobotik (circa 69 Milliarden Euro) und humanoide Robotik (circa 68 Milliarden Euro).

Europa kann demnach 80 bis 110 Milliarden Euro, Deutschland 20 bis 26 Milliarden Euro realisieren. Die größten Wertschöpfungsanteile liegen in Hardware und Speichern (circa 35 Prozent), KI‑Modellen (circa 20 Prozent), Sensorik/Aktorik (circa 20 Prozent) sowie Simulation und Weltmodellen (circa zehn Prozent). Physical AI steht laut Studie für die nächste Entwicklungsphase nach GenAI und leitet den Übergang von digitaler zu körperlicher Automatisierung ein. Alexander Wiedmann

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Kernfusion: Wo Deutschland im internationalen Vergleich steht.

International ist Deutschland bei Kernfusionsforschung und -transfer in der Spitzengruppe, aber nicht an der Spitze. Das zeigen exklusive Daten, die der Wissenschaftsverlag Elsevier für Table.Briefings ausgewertet hat. Bei der Anzahl wissenschaftlicher Publikationen im aktuellen Studienzeitraum von 2020 bis 2024 liegt Deutschland international auf dem dritten Rang hinter China und den USA. Beim Transfer sieht es etwas weniger gut aus. Schaut man lediglich auf die reine Anzahl an Patenten, liegt Deutschland hinter den USA, China, Japan und Korea nur auf Platz fünf.

In einem kürzlich von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) und UnternehmerTUM veröffentlichten Whitepaper zur HTA bezeichnen die Experten die Kernfusion als „langfristige strategische Option mit starkem Hebel, bei der Deutschland zu den wenigen Ländern zählt, die Forschung, Engineering und industrielle Umsetzung bereits zusammenführen“. Frühe staatliche Co-Investments, die Mobilisierung nationalen und internationalen Wagniskapitals sowie der Aufbau von Pilot- und Demonstrationsanlagen sei zum jetzigen Zeitpunkt entscheidend, um ein erfolgreiches Ökosystem aufzubauen. Inwieweit die Maßnahmen der Hightech Agenda dafür geeignet sind, lesen Sie im Research.Table. Tim Gabel

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CEO.Presseschau

manager magazin

SAP Aktie: Wie Christian Klein die KI-Strategie neu ausrichtet

SAP-CEO Christian Klein steht unter Druck, da die Börse dessen KI-Vision nicht honoriert, was zu einem Kurseinbruch führte. Im Interview erklärt er, wie er Produkt, Vertrieb und Team neu ausrichtet. Er bündelt KI-Features für Jobprofile und fokussiert Entwickler auf Bereiche mit hohem Einsparpotenzial für Kunden, um das Vertrauen des Kapitalmarkts zurückzugewinnen.
CNN

Block entlässt wegen KI fast die Hälfte seiner Mitarbeiter

Das Unternehmen Block (Square, Cash App) entlässt 40 Prozent seiner Belegschaft, über 4.000 Mitarbeiter. Als Grund nennt CEO Jack Dorsey den Einsatz von KI-Werkzeugen für mehr Effizienz. Er prognostiziert, dass die meisten Firmen innerhalb des nächsten Jahres nachziehen werden. Block sei finanziell stark, der Schritt erfolge proaktiv. Die Aktie des Unternehmens stieg nach der Ankündigung um bis zu 24 Prozent.
Financial Times

Wie die Deutsche Bank Jeffrey Epstein den roten Teppich ausrollte

Interne Dokumente zeigen, wie die Deutsche Bank 2013 den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein als Kunden aufnahm, nachdem JPMorgan ihn abgelehnt hatte. Trotz zahlreicher Compliance-Bedenken wickelte die Bank jahrelang verdächtige Transaktionen ab und versuchte, Epsteins Netzwerk zur Gewinnung weiterer hochvermögender Kunden zu nutzen. Die Geschäftsbeziehung wurde erst Ende 2018 beendet.
Handelsblatt

Unternehmen: So soll Hubigs neues Firmenmodell aussehen

Das Bundesjustizministerium plant eine neue Unternehmensform, die „Gesellschaft mit gebundenem Vermögen" (GmgV), für Start-ups und Mittelständler. Laut einem Konzeptpapier ist eine 'unabänderliche Vermögensbindung' vorgesehen: Gewinne müssen im Unternehmen verbleiben und reinvestiert werden. Die neue Form soll Merkmale einer Genossenschaft aufweisen.
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CEO.Personnel

Süddeutsche Zeitung

Bahn trennt sich nach nur drei Monaten von Finanzvorständin

Die Deutsche Bahn trennt sich nach nur drei Monaten von ihrer neuen Finanzvorständin Karin Dohm. Laut Aufsichtsratskreisen steht die Entscheidung fest. Gründe seien, dass Dohm Mitarbeiter, Politiker und Arbeitnehmervertreter gegen sich aufgebracht habe, insbesondere durch eine Anweisung zur Aufspaltung der DB Services ohne vorherige Absprache mit dem Betriebsrat.
boerse.de

Covestro AG: Vorstandsvorsitzender Dr. Markus Steilemann wird Vertrag nicht über 31. Mai 2028 hinaus verlängern

Der Vorstandsvorsitzende der Covestro AG, Dr. Markus Steilemann, wird nach Ablauf seiner bis zum 31. Mai 2028 laufenden Amtszeit nicht für eine weitere zur Verfügung stehen. Der Aufsichtsrat wird rechtzeitig einen geordneten Nachfolgeprozess einleiten. Steilemann sichert einen reibungslosen Übergang zu.
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CEO.Finance

Stürzen Gold, Bitcoin und Tech-Werte miteinander ab?

Bitcoin stürzt ab, Gold bricht ein, Tech-Werte schwächeln: Kevin Warshs Fed-Nominierung schürt Angst vor dem Ende des billigen Geldes. Was das für die Märkte bedeutet, erklärt unser Kolumnist.

Auf den Finanzmärkten geht die Angst um. Der lange bejubelte Bitcoin setzt seit Herbst 2025 eine rasante Talfahrt fort. Es ist vom größtem Crash seit 2021 die Rede. Die seit der Bekanntgabe von ChatGPT exorbitant boomenden Tech-Werte kommen nicht mehr voran, weil sich Besorgnis um eine Blase breit gemacht hat. Der Goldpreis, der 2025 weiter stark angestiegen ist, stürzte Ende Januar ab, nachdem die Nominierung des geldpolitischen Falken Kevin Warsh für den Vorsitz der US-amerikanischen Zentralbank Fed bekannt geworden war. Bedeutet die Personalie Warsh einen Wendepunkt für alle drei Vermögenswerte, obwohl diese sehr unterschiedlich sind?

Gold wurde einst zum Geld, weil es knapp, teilbar, transportierbar und haltbar ist. Die Bindung an Gold schuf Vertrauen in das wertlose Material der Papierwährung. Nach der Auflösung der Goldbindung des Dollars zu Beginn der 1970er-Jahre wurde Gold zum Inflationsschutz – insbesondere wieder seit der Jahrtausendwende, weil die Zentralbankbilanzen stark gewachsen sind. Auch bei geopolitischen Risiken ist Gold ein beliebter Fluchtwert. Der starke Anstieg des Preises hat jedoch Gold für Transaktionen, also als Geld, unbrauchbar gemacht.

Bitcoin wurde als Protest gegen zu expansive Geldpolitiken und die damit verbundene Finanzmarktinstabilität geschaffen. Denn zu niedrige Leitzinsen lösen über ein starkes Kreditwachstum Investitionen mit niedrigen Renditen und Übertreibungen auf den Aktienmärkten aus, welche schließlich in Finanzkrisen münden. Bitcoin hat im Gegensatz zu Gold heute alle drei Geldfunktionen. Man kann Preise von Gütern in Bitcoin beziehungsweise in der Untereinheit Satoshi ausdrücken. Bitcoin ist ein Wertaufbewahrungsmittel, weil die Menge glaubhaft begrenzt ist. Auf der Blockchain können Zahlungen ohne Banken abgewickelt werden. Bitcoin wirkt zudem wie ein Sanktionsmechanismus gegen eine zu expansive Geldpolitik. Jeder, der das Vertrauen in die Stabilität des Geldes und des Finanzsystems verliert, findet mit Bitcoin – als digitalem Gold – eine verlässliche Alternative.

Die großen Tech-Werte sind im Gegensatz zu Bitcoin kein Geld, das bekannterweise keine Zinsen bringt. Als Unternehmen ist es ihr Ziel, Gewinne zu machen. Trotzdem haben sie sich zeitweise zusammen mit Bitcoin bewegt. Zwar ist die Leistungsfähigkeit der Künstlichen Intelligenz beeindruckend. Doch das bedeutet noch nicht, dass die geplanten kreditfinanzierten riesigen Investitionen in die Rechenzentren der KI der Zukunft wirklich rentabel sind. Für eine Blase bei der Künstlichen Intelligenz spricht, dass die Leitzinsen historisch betrachtet weiterhin niedrig sind und das anhaltende Niedrigzinsumfeld weltweit viele Unternehmen zombifiziert hat.

Zwar unterscheiden sich die drei Vermögensklassen deutlich und sind daher nicht stark miteinander korreliert. Doch ein gemeinsamer treibender Faktor dürfte die starke Ausweitung der Zentralbankbilanzen und der Geldmengen seit der Jahrtausendwende sein. Noch ist unklar, ob Kevin Warsh als Fed-Präsident tatsächlich ein geldpolitischer Falke sein wird. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass es in den USA zu einem Ende der dauerhaft expansiven Geldpolitik kommt, ist größer geworden.

Es überrascht daher nicht, dass sich die Euphorie bei Bitcoin, Gold und Tech-Werten – als Fluchtwerten gegen den Wertverlust des Papiergeldes – abgekühlt hat. Da die hinter den expansiven Geldpolitiken steckenden großen Strukturprobleme der Industrieländer aber noch nicht gelöst sind, ist auch eine Rückkehr der Euphorie nicht ausgeschlossen.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

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CEO.Economics

Die Deutschen arbeiten zu wenig. Oder doch nicht?

Hoher Beschäftigungsstand, aber viel Teilzeit. Niedrige Jahresarbeitszeit, aber hohe Muttererwerbstätigkeit. Arbeiten wir in Deutschland eigentlich viel oder wenig? Zeit für eine Einordnung.

Die Frage, ob in Deutschland viel oder wenig gearbeitet wird, ist gar nicht so einfach zu beantworten. Forderungen und Appelle, mehr zu arbeiten, bleiben aber wohlfeil, wenn die empirische Grundlage, auf denen sie fußen, nur in Ausschnitten herangezogen wird. Politische Schlussfolgerungen brauchen ein solides Fundament – keine selektive Wahrnehmung. Dafür ist eine nüchterne Bestandsaufnahme nötig. Dazu ein paar Daten aus dem Hier und Jetzt sowie mit Blick auf die kommenden Jahre:

Auf der Habenseite steht:

  • Seit Ende 2022 liegt die Anzahl der Erwerbstätigen – unter kleinen Schwankungen – stabil bei rund 46 Millionen Personen – ein Rekord in der Geschichte der Bundesrepublik.

  • Ebenso bleiben die geleisteten Arbeitsstunden mit mehr als 61 Milliarden im Jahr im Bereich historischer Höchststände.

  • Grund für beides ist die deutlich gestiegene Erwerbsbeteiligung in den vergangenen Jahren: Die Erwerbstätigenquote liegt aktuell bei rund 77 Prozent. Das sind fast vier Prozentpunkte mehr als vor zehn Jahren und sieben Prozentpunkte über dem OECD-Durchschnitt. Vor allem Mütter und Ältere sind heute deutlich häufiger erwerbstätig.

Das sind unbestreitbare Erfolge auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Ist also alles gut? Keineswegs. Auf der anderen Seite steht:

  • In Deutschland arbeiten 21 Prozent der Erwerbstätigen in Teilzeit – deutlich mehr als im OECD-Durchschnitt (15 Prozent). Bei Frauen liegt die Teilzeitquote sogar bei 35 Prozent, oft mit nur wenigen Wochenstunden. Nach einer aktuellen Untersuchung der Prognos würden 45 Prozent der teilzeitbeschäftigten Mütter ihre Arbeitszeit erhöhen, wenn die betrieblichen Bedingungen stimmten.

  • Die durchschnittliche Jahresarbeitszeit beträgt hierzulande nur gut 1.300 Stunden und damit erhebliche 400 Stunden weniger als im OECD-Durchschnitt.

Bei der Beurteilung dieser Zahlen muss berücksichtigt werden: Die hohe Erwerbsbeteiligung auf der einen und die niedrige Jahresarbeitszeit auf der anderen Seite stehen in unmittelbarem, geradezu untrennbarem Zusammenhang miteinander. Mehr Teilzeit ermöglicht mehr Erwerbstätige. Man kann den Zusammenhang abschwächen, aber nicht aufheben. Insgesamt zeigt die Empirie nicht, dass die Deutschen – an welchem Maßstab auch immer gemessen – zu wenig arbeiten würden.

Der Blick in die Zukunft allerdings wirft ein anderes Licht auf diesen Befund. Bis 2037 werden demografisch bedingt rund vier Millionen Menschen mehr den Arbeitsmarkt verlassen, als aus den jüngeren Kohorten nachrücken, also fast zehn Prozent. Das führt für sich genommen zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung. Wenn man nicht an Produktivitätswunder glaubt, kann man dem nur mit einer höheren durchschnittlichen Jahresarbeitszeit oder einer höheren Erwerbsbeteiligung entgegenwirken.

Das Ziel auszugeben, „mehr zu arbeiten“, um den Wohlstand zu sichern, ist daher berechtigt. Wir haben noch viel ungehobenes Erwerbspotenzial. Die Wege, die dafür in den letzten Wochen diskutiert wurden, lassen jedoch Zweifel aufkommen. Denn immer wieder – und auch hier – tappt die Politik in die Falle, auf bevormundende Art zu versuchen, die Präferenzen des Einzelnen zu beeinflussen.

Ich glaube, dem Ansatz, an die Bevölkerung zu appellieren, mehr zu arbeiten, liegt schlicht ein Missverständnis zugrunde: Die Politik will Verhalten ändern, setzt aber an den Präferenzen an. Das sind unterschiedliche Dinge. Wenn ich gern arbeite (Präferenz), aber keine Betreuung für mein Kind habe, wird meine tatsächliche Arbeitszeit (Verhalten) gering ausfallen.

Das Scharnier zwischen Präferenz und Verhalten sind die Rahmenbedingungen. Genau die kann die Politik steuern, das ist ihre Aufgabe. Wenn man das anerkennt, kann an einer Debatte um Kinderbetreuung, Unterstützung für pflegende Angehörige, Transferentzugsraten, das Ehegattensplitting oder die beitragsfreie Mitversicherung ernsthaft kein Weg vorbeiführen. Wenn man das nicht anerkennt, kann man die Deutschen natürlich weiterhin dazu aufrufen, einfach mal die Ärmel hochzukrempeln. Wird aber nichts bringen.

Michael Böhmer ist Chefvolkswirt und Managing Partner des Forschungs- und Beratungsunternehmens Prognos.

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