Nachhaltige KI beginnt mit besseren Fragen

KI steigert Effizient – und den Ressourcenverbrauch. Warum nachhaltige KI mehr braucht als Produktivitätskennzahlen und welche Fragen Unternehmen jetzt stellen müssen, erklärt Joanna Radeke von der ESMT Berlin.

JR
20. Mai 2026
Während Unternehmen KI als Effizienztreiber feiern, wächst ihr ökologische Fußabdruck rasant – Joanna Radeke erklärt, warum nachhaltige KI deshalb zur strategischen Führungsfrage wird. (David Ausserhofer)

Viele Unternehmen betrachten KI vor allem als Effizienzmaschine. Schnellere Prozesse, niedrigere Kosten, mehr Produktivität. Damit wächst auch der Ressourcenverbrauch hinter dem KI-Boom rasant. Meine Arbeit zu nachhaltiger KI zeigt, dass sich ihr wirtschaftlicher Nutzen nicht getrennt von ihren Folgekosten betrachten lässt.

KI hilft, Energie effizienter zu steuern und Emissionen zu senken. Gleichzeitig benötigen Rechenzentren enorme Mengen an Strom und Wasser. Laut einer Studie des Öko-Instituts für Greenpeace Deutschland könnte sich der Stromverbrauch KI-spezigischer Rechenzentren bis 2030 von 101 auf 433 TWh vervierfachen. Der Wasserverbrauch könnte im gleichen Zeitraum von 60 auf 338 Milliarden Liter steigen. Unternehmen optimieren Prozesse, während zugleich der ökologische Fußabdruck ihrer Systeme wächst.

Das eigentliche Risiko liegt deshalb weniger in der Technologie als in ihrer Steuerung. Viele Organisationen behandeln KI noch immer als isoliertes Digitalthema. Tatsächlich verändert sie Infrastruktur, Beschaffung und Reporting zugleich. Genau dort entstehen strategische Widersprüche, die in klassischen Effizienzkennzahlen oft unsichtbar bleiben.

Unternehmen messen derzeit vor allem Geschwindigkeit, Produktivität und Nutzung von KI. Häufig fehlt jedoch Transparenz über den Ressourcenverbrauch der Systeme und die langfristigen Folgen. Entscheidend sind deshalb drei Fragen:

  • Welches Nachhaltigkeitsproblem löst unsere KI tatsächlich?

  • Welche ökologischen oder sozialen Risiken könnte sie selbst verursachen?

  • Und wie lassen sich diese Risiken frühzeitig mindern, bevor sie langfristige Entwicklungen prägen?

Joanna Radeke ist Director des ESMT Institute for Sustainable Transformation und Director of Sustainability an der ESMT Berlin. Die CEO.Picks sind eine Kooperation zwischen der ESMT und Table.Briefings.

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Letzte Aktualisierung: 20. Mai 2026