SPOCK 1: Was der Maßgabebeschluss für das Projekt von Iceye und Rheinmetall bedeutet

Der Haushaltsausschuss hat SPOCK 1 mit einigen Auflagen versehen. Die Haushälter verlangen einen Marktvergleich, eine Begründung der Alleinstellung und für zukünftige Projekte mehr europäische Wertschöpfung. Was die Projektpartner sagen.

28. Januar 2026
Andreas Schwarz (SPD), Mitglied im Haushaltsausschuss
Andreas Schwarz (SPD) versteht den Maßgabebeschluss des Haushaltsausschusses als „Arbeitshinweis für SPOCK 2“.
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Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat kurz vor Weihnachten dem Verteidigungsministerium für das Satellitenaufklärungsprojekt SPOCK Stufe 1 einen Maßgabebeschluss mitgegeben. Die Beschaffung wird damit nicht gestoppt, aber politisch enger konditioniert. „Der Maßgabebeschluss ist ein Arbeitshinweis für SPOCK 2“, sagt Andreas Schwarz Table.Briefings. Der SPD-Politiker ist im Haushaltsausschuss zuständiger Berichterstatter für den Haushalt des Verteidigungsministeriums und für das Sondervermögen Bundeswehr.

Deutsche Unternehmen berücksichtigen. Die Haushälter verlangen mit dem Beschluss eine stärkere Einbindung der deutschen und europäischen Raumfahrtindustrie, insbesondere bei Fertigung, Integration und Software in Deutschland, sagt Schwarz. Es wird begrüßt, wenn Weltraumprojekte des BMVg möglichst mit deutschen Produkten gelauncht werden.

Kern der Maßgabe: Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) muss spätestens vor der Auslösung weiterer Beschaffungsoptionen oder Verlängerungen einen aktuellen und vollständigen Marktvergleich vorlegen. Darin soll detailliert erläutert werden, auf welcher Grundlage eine Alleinstellung des Iceye‑Systems festgestellt wurde und warum andere deutsche Anbieter vergleichbare Leistungen nicht zu geringeren Kosten erbringen können.

BMVg hält Distanz. Das Verteidigungsministerium selbst kommentiert den Beschluss der Haushälter nicht. Auf Nachfrage erklärte eine Sprecherin des Hauses Table.Briefings: „Das BMVg kann die Entscheidungen des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages weder bewerten noch kommentieren.“

Auch zur Frage, ob die Maßgaben als Ausdruck von Misstrauen zu verstehen seien, äußert sich das Ministerium nicht. Zur Vergabeentscheidung heißt es, SPOCK Stufe 1 sei unter Einhaltung der vergaberechtlichen Vorgaben sowie unter Berücksichtigung wesentlicher Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik Deutschland vergeben worden. „Eine noch stärkere Einbindung der deutschen Raumfahrtindustrie im Rahmen künftiger Vorhaben wird geprüft.“ Diese Zielsetzung verfolge das Joint Venture Rheinmetall Iceye Space Solutions (RISS) bereits unabhängig vom Maßgabebeschluss.

Rheinmetall: Fokus auf Leistungserbringung. Rheinmetall verweist gegenüber Table.Briefings darauf, dass es sich um eine Auflage an das Ministerium handele, die man unterstütze. Ein Sprecher erklärte: „Unser Fokus liegt in der Umsetzung der vertraglich vereinbarten Leistungen, sodass durch uns die Bundeswehr / die Brigade Litauen mit den notwendigen Daten zeitnah beliefert werden kann.“

Kritik an der ursprünglichen Vergabe weist Rheinmetall zurück. Die Beauftragung sei auf Basis einer Markterkundung erfolgt, alle Ausschreibungsrahmenbedingungen seien eingehalten worden. Zur Begründung der Alleinstellung heißt es: „Wir haben uns über Alleinstellungsmerkmale – unter anderem die Bildanzahl pro Tag und unsere Ad‑hoc‑Lieferfähigkeit nach Vertragsschluss – in diese Position gebracht, da nur unser gesamtheitlicher Ansatz den zeitkritischen Anforderungen der Bundeswehr entsprochen hat.“

Für SPOCK 2 betont Rheinmetall die formale Trennung vom laufenden Projekt. Zugleich signalisiert das Unternehmen Offenheit für einen breiteren industriellen Ansatz: „Unabhängig davon richten wir uns über unser JV RISS mit weiterem Fokus national aus und verschließen uns nicht vor weiteren Partnerschaften mit weiteren deutschen Unternehmen.“

Weltraumsatelliten aus Neuss. Der Panzer- und Artillerie-Fabrikant Rheinmetall hatte im vergangenen November bekannt gegeben, sein Portfolio um Satelliten zu erweitern. Der Rüstungskonzern teilte mit, dass hierfür ein Gemeinschaftsunternehmen mit der finnischen Satellitenfirma Iceye gegründet worden sei. Das Joint Venture namens Rheinmetall Iceye Space Solutions hat seinen Sitz in Neuss. Ein Autozulieferer-Werk von Rheinmetall wird schrittweise auf die neue Produktion umgestellt. Rheinmetall hält 60 Prozent der Anteile, die Finnen 40 Prozent.

Am 18. Dezember 2025 gab Rheinmetall dann bekannt, von der Bundeswehr einen Großauftrag im Weltraumsektor erhalten zu haben. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr beauftragte Rheinmetall Iceye Space Solutions mit der Lieferung weltraumgestützter Aufklärungsdaten über einen exklusiven Zugang zu einer SAR‑Satellitenkonstellation. Rheinmetall Iceye Space Solutions soll SAR‑Bilder in großem Umfang liefern und bietet eine integrierte Servicelösung, einschließlich Betrieb, Bodenstationsmanagement und KI‑gestützter Erstauswertung. Die Satelliten verbleiben im Eigentum von Rheinmetall Iceye Space Solutions.

Der Vertrag hat ein Volumen von rund 1,7 Milliarden Euro und enthält eine Erweiterungsoption. Die Daten dienen unter anderem dem Schutz der Brigade Litauen der Bundeswehr sowie der Sicherung der Nato‑Ostflanke. Am Montag berichtete das Handelsblatt über ein weiteres Raumfahrt-Projekt Rheinmetalls. Das Unternehmen will sich zusammen mit dem Satellitenhersteller OHB um das bislang größte Satellitenprojekt der Bundeswehr bewerben.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026