Raketen-Start-up: Orbex sucht Insolvenzverwalter

Die schottische Firma wollte dieses Jahr ihre „Prime“-Rakete starten und war zudem für die European Launcher Challenge ausgewählt worden. Eine Übernahme durch The Exploration Company scheiterte.

Ralf Nestler, Redakteur Space.Table
18. Februar 2026
aktuelles Foto der „Orbex Prime“
Aktuelle Bilder der „Orbex Prime“ sollen den Fortschritt zeigen, den das Unternehmen erzielt hat. (Orbex)
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Das schottische Raumfahrtunternehmen will einen Insolvenzverwalter bestellen. Das teilte die Firma am 11. Februar mit. Vorausgegangen waren Bemühungen um Kapitalbeschaffung, Fusionen und Übernahmen, jedoch ohne Erfolg. Orbex werde den Handel fortsetzen, während alle Optionen für die Zukunft des Unternehmens geprüft werden, heißt es weiter. Die Entscheidung biete kurzfristigen Schutz und verschaffe dem Unternehmen Zeit, um ein möglichst positives Ergebnis für seine Gläubiger, Mitarbeiter und weiteren Interessengruppen zu erzielen. Laut BBC beschäftigt Orbex rund 160 Personen.

Testflüge waren für dieses Jahr erwartet. „Enttäuschung beschreibt nicht annähernd, wie wir uns in diesem Moment fühlen“, wird der CEO Phil Chambers zitiert. „Wir haben eine nachhaltige, erstklassige staatliche Weltraumstartkapazität für Großbritannien entwickelt und standen kurz vor unseren ersten Testflügen, die noch in diesem Jahr stattfinden sollten.“ Am Montag veröffentlichte die Firme Fotos seines Microlaunchers „Prime“ in einer Montagehalle, um seine Fortschritte zu dokumentieren.

The Exploration Company war interessiert. Das deutsch-französische Unternehmen wollte Orbex übernehmen. Ein Statement legt nun nahe, dass die britische Regierung nicht zugestimmt hat. „Wir sind zwar enttäuscht, dass diese potenzielle Transaktion nicht zustande kommt, respektieren jedoch den Entscheidungsprozess des Vereinigten Königreichs“, schreibt ein Sprecher auf Anfrage von Table.Briefings. „Unsere Zusammenarbeit mit Orbex spiegelte unser Bestreben wider, die Raumfahrtkapazitäten Europas zu stärken und einen souveränen Zugang zum Orbit sicherzustellen.“ The Exploration Company danke Orbex und der britischen Regierung für die hervorragende Zusammenarbeit während der Gespräche. „Wir wünschen dem Orbex-Team alles Gute und hoffen, dass es schnell neue spannende Herausforderungen findet.“

Orbex war Teil der European Launcher Challenge der Esa. Fünf Unternehmen werden hier unterstützt, um eigene Träger wirtschaftlich in den Markt zu bringen. Auf Anfrage erklärt die Esa: „Europa geht im Rahmen seines Engagements für Innovation und Führungsrolle im New Space zunehmend Risiken ein.“ Dazu gehöre die European Launcher Challenge (ELC). „Dieser Ansatz ist für den Fortschritt unerlässlich, auch wenn er mit gewissen Herausforderungen verbunden ist.“ Da Orbex seine Absicht bestätigt habe, das Unternehmen unter Insolvenzverwaltung zu stellen, und sich aus der ELC zurückgezogen habe, prüfe die Esa derzeit die Auswirkungen auf ihre bestehenden Verträge mit Orbex.

Entscheidungen stehen noch aus. „In Bezug auf das Esa-Programm European Launcher Challenge wurden noch keine endgültigen Entscheidungen über die Zuweisung von Mitteln aus dem ELC-Element 3 (Prime Launch Service) oder aus britischen Mitteln, die für die ELC „To Be Distributed“ bereitgestellt wurden, getroffen“, teilt die Agentur mit. Die zweite Phase der ELC-Ausschreibung werde Mitte Februar veröffentlicht. „Die Esa spricht allen von diesen Entwicklungen betroffenen Mitarbeitern von Orbex ihr Mitgefühl aus“, heißt es abschließend. Die Agentur werde „weiterhin entschlossen die bevorstehenden europäischen kommerziellen Startdienste unterstützen und deren Einsatz und Ausbau vorantreiben“. Ralf Nestler

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026