Bayerns Start-up-Boom: Wie Deeptech, Defense und Dual Use den Innovationsstandort München stärken

Bayern verzeichnet einen Rekord bei Start-up-Gründungen. Besonders im Raum München wächst das Ökosystem schnell – dazu tragen unter anderem Dual Use- und Deeptech-Start-ups sowie ein funktionierendes Transfersystem an Hochschulen bei.

18. März 2026
Der Schriftzug und das Logo vom Unternehmen Helsing an einem großflächigen Banner in München. (picture alliance/dpa | Matthias Balk)
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Bayerns Start-up-Szene wächst so stark wie noch nie. Im vergangenen Jahr wurden im Freistaat 785 neue Start-ups gegründet – ein Plus von 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt Bayern deutlich über dem bundesweiten Wachstum von 29 Prozent. Insgesamt gibt es inzwischen rund 4.400 Start-ups in dem Bundesland. Bezogen auf die Einwohnerzahl liegen nur die Stadtstaaten Berlin und Hamburg davor. Das zeigt der erstmals veröffentlichte „Startup & Scaleup Monitor 2026“ der IHK für München und Oberbayern und des Startup-Verbands.

Ein zentrales Merkmal des bayerischen Ökosystems ist die enge Verzahnung mit Hochschulen. Mehr als jedes zweite Start-up im Freistaat wird demnach von einer Universität oder Hochschule unterstützt. Diese fördern Gründungen durch Netzwerke, Inkubatoren und Acceleratoren – und treiben damit Innovationen schneller in den Markt. Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, sieht darin einen entscheidenden Standortvorteil: Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit seien Start-ups „kein Nice-to-have, sondern ein unverzichtbarer Motor für Innovationen, Investitionen und nachhaltiges Wachstum“.

Kleiner Wermutstropfen für Bayern: Mit nur 17 Prozent Gründerinnen liegt man unter dem ohnehin niedrigen Bundesschnitt von 20 Prozent. „Strukturelle Barrieren bremsen das Potenzial von Frauen in der Startup-Szene bislang deutlich aus”, heißt es in dem IHK-Bericht.

Der Gründungsschwerpunkt liegt auf technologiegetriebenen Geschäftsmodellen. Besonders stark vertreten sind Softwareentwicklung sowie technologie- und produktionsnahe Start-ups. Rund 39 Prozent aller bayerischen Start-up-Aktivitäten entfallen auf die Landeshauptstadt und ihr Umland, wo aktuell etwa 2.445 Start-ups aktiv sind. Damit bildet die Region nach Berlin das zweitgrößte Start-up-Ökosystem Deutschlands. Besonders stark wächst der Deeptech-Bereich – vor allem in den Sektoren Weltraum, Sicherheit und Verteidigung.

Ein Schwerpunkt des Berichts liegt auf dem Bereich Defense Tech. München wird hier als europaweit führender Rüstungsstandort ausgewiesen, der stark von Dual Use-Technologien geprägt ist. Der Anteil solcher Start-ups am Rüstungsökosystem liegt bei 37,3 Prozent – deutlich über dem bundesweiten Wert von 24,1 Prozent. Dagegen entwickeln in München nur etwa vier Prozent der Start-ups primär militärische Produkte (bundesweit: 1,7 Prozent). „Das war in diesem Ausmaß noch nicht klar“, sagt IHK-Co-Autor Bernhard Eichiner zu Table.Briefings.

Innovationen entstehen also häufig zunächst für zivile Anwendungen und werden später auch im Sicherheits- oder Verteidigungsbereich relevant. Beispiele für solche Dual Use-Technologien reichen von Erdbeobachtungssatelliten zur Waldbrandüberwachung über Drohnen zur Umweltbeobachtung bis zum polizeilichen Messen von Bevölkerungsströmen bei Demonstrationen. Die autonome Logistik, bei der die Landeshauptstadt mit ihrer starken Automobil- und Logistikindustrie sowie internationalen Tech-Konzernen führend ist, sei ein weiteres Betätigungsfeld, sagt Eichiner.

Am offensichtlichsten zeigt sich der Defense Tech-Boom bei den Investitionen. 66 Prozent aller europäischen Investitionen von 2023 bis 2025 gingen nach München. Und allein im vergangenen Jahr flossen über eine Milliarde Euro in Münchner Start-ups und Scale-ups, die auch im Bereich Defense tätig sind. Die bestfinanzierten Defense Scale-ups in Bayern (Helsing, Quantum Systems und Arx Robotics) sitzen alle in München. Programme an den Universitäten wie der Palladion Defence Accelerator oder der ESA Business Accelerator Germany fördern gezielt Ausgründungen aus Forschung und Deeptech. Auch durch derartige Initiativen habe sich die Zahl der Defense Start-ups in München von 2024 zu 2025 von rund 30 auf etwa 60 Unternehmen verdoppelt, sagt Bernhard Eichiner. Katharina Horban/Tim Gabel

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026