Rückblick auf die MSC 2026: Der Mond wird zur neuen Frontlinie der Sicherheitspolitik

Esa-Chef Josef Aschbacher nennt ihn eine „strategische Infrastruktur“. Deutschland spielt dabei eine besondere Rolle: Die Mondfrage ist ein Lackmustest für die Technologieführerschaft. Auch die europäischen Programme mit Fokus auf die Erde werden zunehmend wichtig.

TK
18. Februar 2026
Esa-Generaldirektor Josef Aschbacher spricht auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2026
Esa-Chef Josef Aschbacher forderte auf der MSC mehr europäische Entschlossenheit für eigene Kapazitäten in der Mondfrage. (BMFTR/Hans-Joachim Rickel)
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Der Mond ist auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) endgültig aus der wissenschaftlichen Nische in den Kern der Sicherheitslogik gerückt. Auf der Space Night des BDI definierte Esa-Generaldirektor Josef Aschbacher den Mond als „strategische Infrastruktur“: Präsenz dort bedeute Zugriff auf den cislunaren Raum – das künftige Operationsfeld für Kommunikation, Navigation, Rohstoffe und militärische Aufklärung. In diesem Raum ist fast jede Fähigkeit Dual-Use, also zivil und militärisch nutzbar. Es gehe nicht mehr nur um Prestige, sondern um die Handlungsfreiheit und Resilienz moderner Industriestaaten.

Wettlauf um die „Filetstücke“am Südpol. Das Panel „Warum der Mond die nächste Grenze ist“ verdeutlichte die neue Dringlichkeit. Besonders der lunare Südpol ist umkämpft: Hier liegen Regionen mit nahezu dauerhafter Sonneneinstrahlung und potenziellen Wassereisvorkommen. Jonathan Eastwood vom Imperial College London warnte vor der Entstehung faktischer Ausschlusszonen durch Erstnutzer, noch bevor verbindliche internationale Regeln für die Zusammenarbeit greifen. Thomas Reiter, Abteilungsleiter Raumfahrt im BMFTR, betonte: Eine nachhaltige Präsenz erfordere eine robuste Infrastruktur – von Energie und Habitaten bis zur Betankung im Orbit. Die Entwicklung von Technologien zur Vor-Ort-Ressourcennutzung sei dabei nicht nur der Schlüssel für das All, sondern liefere auch die Blaupausen für die Kreislaufwirtschaft auf der Erde.

Europas Souveränität am Scheideweg. Für das um das Ressort Raumfahrt gewachsene BMFTR ist die Mondfrage ein Lackmustest für deutsche Technologieführerschaft. Europa liefert mit dem Esa-Servicemodul für Orion und den Gateway-Beiträgen zwar zentrale Bausteine zum Artemis-Programm der Nasa. Doch die Budgetlinie „Exploration“ blieb nach der Esa-Ministerratskonferenz im November 2025 hinter den Erwartungen zurück. Aschbachers Fazit in München war deutlich: Europa verfüge über die technische Exzellenz, doch es mangele an der finalen politischen Entschlossenheit für eigene, unabhängige, auch astronautische Kapazitäten. Trotz des kooperativen Tenors gegenüber Partnern wie Japan oder Indien ist der Mond das Testfeld dafür, ob Europa strategische Autonomie nur proklamiert oder industriell auch liefert. 

Auch erdbezogene Programme werden für die Sicherheitspolitik wichtiger. Darauf wies der Generaldirektor der EU-Weltraumagentur EUSPA, Rodrigo da Costa, hin. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz hob er besonders den operativen Start des GovSatCom-Hubs Mitte Januar hervor. Die Plattform bündelt verfügbare staatliche Satellitenkommunikationskapazitäten von fünf EU-Mitgliedstaaten und stellt sie allen 27 Mitgliedern zur Verfügung. Fast 20 Staaten hätten bereits eine zuständige nationale Behörde eingerichtet, um den Dienst nutzen zu können, sagt er im Gespräch mit SpaceWatch.Global. Perspektivisch soll GovSatCom auch an die europäische Konnektivitätskonstellation Iris² angebunden werden.

Hochpräzise Positionierung. Beim Navigationssystem Galileo verwies da Costa auf den hochpräzisen Positionierungsdienst, der Genauigkeit im Submeter-Bereich ermögliche – eine Voraussetzung etwa für autonomes Fahren. Zudem sei seit vergangenem Sommer der OSNMA-Dienst verfügbar, eine Art digitales Wasserzeichen im Galileo-Signal, das Nutzer vor Spoofing-Angriffen schütze. Neue digitale Fahrtenschreiber in Lkw würden bereits mit dieser Technologie ausgestattet. Auch der verschlüsselte öffentliche regulierte Dienst (Galileo PRS) für staatliche und sicherheitsrelevante Nutzer stehe kurz vor einer ersten operativen Einsatzfähigkeit, sagte da Costa.

Hoffnung auf den Mehrjährigen Finanzrahmen. Mit Blick auf den nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) der EU zeigte sich der EUSPA-Chef optimistisch. Der Vorschlag der Europäischen Kommission unter Kommissar Andrius Kubilius sei ambitioniert – sowohl finanziell als auch regulatorisch. Neben der Fortführung von Galileo, Copernicus und GovSatCom sehe der Entwurf auch Elemente vor, die über bestehende Programme hinausgingen. Dazu gehört auch ein möglicher europäischer staatlicher Erdbeobachtungsdienst namens EOGS.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026