Security.Table Table.Standpunkt Israel

Deutschlands neue Schutzmacht heißt Israel

Ein kontinuierlicher Wissenstransfer zwischen Israel und Deutschland, etwa durch die Schaffung von German-Israeli Defense Tech Hubs, sei notwendig, um angesichts der rasanten militärtechnischen Entwicklungen Schritt zu halten, schreibt Carsten Ovens von Elnet in Berlin.

CO
22. Februar 2026
Carsten Ovens ist CEO des European Leadership Network (Elnet) in Berlin (Elnet)

Als Russland Anfang Januar zum zweiten Mal die neuartige ballistische Mittelstreckenrakete Oreschnik gegen die Ukraine einsetzte, richtete sich der Blick vieler Experten auf Brandenburg, zum Luftwaffenstützpunkt Holzdorf. Dort war nur wenige Wochen zuvor die Erstbefähigung des israelischen Arrow-3-Systems festgestellt worden. Deutschland verfügt mit ihm über eine unter seinen europäischen Nato-Partnern einzigartige Fähigkeit zur Abwehr der neuen russischen Bedrohung. 80 Jahre nach dem Holocaust trägt ein Abwehrsystem aus Israel zum Schutz Deutschlands und seiner Nachbarn bei.

Die strategische Dimension des Projekts macht deutlich, dass die einst geheime deutsch-israelische Rüstungskooperation längst keine Einbahnstraße mehr ist. Deutschland profitiert ebenso von israelischen Heron-Drohnen oder Schutzsystemen für Panzer und Regierungsflieger, wie Israel von deutschen U-Booten oder Getrieben für Merkava-Panzer.

In Zeiten geopolitischer Verwerfungen und wachsender Rufe nach europäischer Souveränität hat die Zusammenarbeit mit Israel enormes Potenzial. Das registrieren auch immer mehr europäische Parlamentarier, wie der aktuelle Israel Survey des European Leadership Network (Elnet) zeigt. In der Langzeitbetrachtung (2022 bis 2025) sprechen sich überdurchschnittlich viele Teilnehmer für eine engere Kooperation mit Israel aus. Das gilt insbesondere für die Bereiche Terrorismusabwehr, Verteidigung und Innovation. Dabei hat die Bedeutung der Verteidigungskooperation stark zugenommen: Während 2022 lediglich 24 Prozent der befragten Abgeordneten eine engere militärische Zusammenarbeit mit Israel befürworteten, stieg dieser Wert 2025 auf 57 Prozent. Die Gründe liegen auf der Hand.

Wer die Gefahr russischer ballistischer Mittelstreckenraketen für zu abstrakt hält, braucht nur in den Himmel über Europa zu schauen. Im Jahr 2025 erfasste allein das Bundeskriminalamt mehr als 1.000 verdächtige Drohnenüberflüge in Deutschland. Kleine Drohnen stören den Flugverkehr, spähen militärische und kritische Infrastruktur aus und beobachten ukrainische Soldaten, die bei uns ausgebildet werden – und das alles weitgehend ungehindert.

Mit vergleichbaren Bedrohungen ist Israel seit zwei Jahrzehnten konfrontiert. Zum Ende des Zweiten Libanonkrieges 2006 drangen erstmals vier Hisbollah-Drohnen mit Sprengstoff in den israelischen Luftraum ein. In Israel begann daraufhin das Rennen um Detektions- und Neutralisationsmöglichkeiten, sogenannte Counter-Unmanning Aircraft Systems (CUAS). Von diesen Erfahrungen will nun auch die Bundesregierung profitieren. So bekräftigte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bei seinem Besuch Jerusalems zu Beginn des Jahres nicht nur die Vertiefung der Zusammenarbeit im Cyberbereich zum Aufbau eines deutschen „Cyberdomes“, sondern auch eine engere Kooperation bei der Drohnenabwehr.

Angesichts der rasanten Entwicklung der Drohnentechnologie sollte Deutschland aber nicht nur von Israels Technik und Taktik lernen – sondern vor allem auch von der bemerkenswerten Geschwindigkeit, mit welcher das Land seine Fähigkeiten immer wieder an neue Bedrohungen anpasst.

Ein Blick in die Ukraine unterstreicht, wie wichtig das ist. Wurden 2024 noch rund 70 Prozent der Drohnen auf beiden Seiten des Konflikts durch „Mamming“, also durch Störsignale, neutralisiert, gerät der einstige Goldstandard inzwischen ins Wanken. Drahtgelenkte Drohnen und Systeme, die in der Endanflugphase auf Künstliche Intelligenz setzen, entziehen sich zunehmend dieser Form der Abwehr. Ein kontinuierlicher Wissenstransfer zwischen Israel und Deutschland, etwa durch die Schaffung von German-Israeli Defense Tech Hubs, könnte den entscheidenden qualitativen Vorsprung gegenüber Russland und anderen Gegnern sichern. Das gilt für die Drohnenabwehr, aber auch für andere Zukunftstechnologien wie die militärische Nutzung von Künstlicher Intelligenz oder die Cyberverteidigung.

Carsten Ovens ist CEO des European Leadership Network (ELNET) in Berlin.

Hinweis: Standpunkte spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.

Letzte Aktualisierung: 22. Februar 2026