Iran: Wie Mossad und CIA einen Sturz des Regimes befördern wollen

Im Krieg gegen den Iran haben die USA und Israel bislang einige taktische Erfolge erzielt. Das strategische Ziel, das Regime in Teheran zu stürzen, scheint jedoch zum jetzigen Zeitpunkt eher Wunschdenken zu sein – trotz massiver geheimdienstlicher Infiltration.

YM
04. März 2026
Bei den Protesten im Januar wurden 32.000 Menschen getötet. Seit Kriegsbeginn meidet die iranische Bevölkerung jedoch aus Angst weitere Proteste. (picture alliance / SIPA | MAHSA/MEI)
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Die Zusammenarbeit der Geheimdienste der USA und Israels im Krieg gegen den Iran ist beispiellos. Ein ehemaliger hochrangiger Mossad-Beamter sagt, dass die Kooperation sogar die zwischen den Vereinigten Staaten und ihren engsten Partnern in der Five-Eyes-Allianz (Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland) übertreffe. Seitens Israels sind neben dem Mossad das Amt für Militärische Aufklärung (Aman), die Fernmeldeaufklärung sowie die Cyber-Einheit 8200 involviert, auf US-Seite die CIA, die US-Militärgeheimdienste sowie die National Security Agency.

Jahrelang gelang es dem israelischen Geheimdienst, den Iran zu infiltrieren. Dieser ist damit zu einem tief unterwanderten Staat geworden, wie sich schon im Zwölftagekrieg 2025 zeigte: Nur weil umfassendes Wissen über hochrangige Kommandeure der Revolutionsgarde und Atomwissenschaftler vorhanden war, konnten etliche von ihnen bei Angriffen der israelischen Luftwaffe getötet werden.

Dasselbe gilt für das Zusammentragen von Informationen über den Obersten Führer Ali Chamenei. Jedes noch so kleine Detail zu ihm und seiner Mitarbeiter wurde gesammelt, einschließlich Schuhgrößen, Fahrzeuge, Telefone und SIM-Karten. Die Sicherheits- und Verkehrskameras rund um das Gelände seiner Residenz wurden gehackt. Praktisch jedes digitale Gerät, darunter sogar Haushaltsgeräte, wurde zum Ziel der Informationsbeschaffung. Chamenei blieb am vergangenen Samstag in seinem Büro, obwohl er wusste, dass er Ziel eines Attentats werden könnte.

Dieser Fehler führte schnell zur Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, den Krieg zu beginnen. Gemäß der vereinbarten Arbeitsteilung wurde die Mission, das Anwesen des Obersten Führers zu bombardieren, der israelischen Luftwaffe übertragen. Die US-Luftwaffe hätte den Angriff selbst durchführen können, war jedoch gehemmt. Seit den 1970er Jahren haben die USA aufgrund von Beschränkungen durch den Kongress und durch Gesetze die Ermordung von Führern souveräner Staaten vermieden, selbst wenn sie Führer von Terrororganisationen ins Visier genommen haben. Israel unterliegt keinen solchen Beschränkungen.

Die Nutzung einer taktischen Gelegenheit ist jedoch selten ein Rezept für die Erreichung eines strategischen Ziels. Die Entscheidung, in den Krieg zu ziehen, basierte auf der Annahme, dass die Eliminierung von Chamenei zu einem Regimesturz durch die Bevölkerung oder interne Kreise führen würde. Diese Strategie steht auf wackeligen Beinen. Möglicherweise glaubte Trump, dass der Iran Venezuela ähneln würde, welches sich nach der Entführung von Präsident Nicolás Maduro zu einem Vasallenstaat der USA entwickeln könnte.

Bislang gibt es jedoch keine Anzeichen dafür im Iran. Die Massen protestieren nicht, vor allem aus Angst vor den brutalen Sicherheitskräften des Regimes, die im Januar 32.000 Menschen getötet haben. Das politische, militärische und religiöse Establishment währenddessen scheint sich zusammenzuschließen.

Washington und Tel Aviv spielen Berichten zufolge nun mit der Idee, Milizen unter den ethnischen Minderheiten des Iran anzustacheln und zu bewaffnen. Das Land mit rund 100 Millionen Einwohnern umfasst arabische, kurdische, sunnitische Belutschen, Turkmenen und Aserbaidschaner. Der Mossad und die CIA haben bereits in der Vergangenheit diese Minderheiten für eine Art „Fremdenlegion“ rekrutiert, etwa während des Zwölftagekriegs 2025. Viele von ihnen lehnen das von Persern dominierte Zentralregime ab, und einige unterhalten bewaffnete Organisationen, die gewalttätige Operationen und Sabotageakte durchführen. Ob sie jedoch einen Bürgerkrieg auslösen würden, ist fraglich.

Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass der Iran bereit ist, sich zu ergeben oder Kompromisse einzugehen. Trotz massiver Bombardierungen hält er dem Krieg bislang stand. Teherans Gegenoffensiven gelten nicht nur Israel, sondern auch US-Verbündeten in der Region. Wie der frühere Mossad-Beamte sagt: „Dieser Krieg könnte kompliziert werden, insbesondere für Israel und die Vereinigten Staaten, wo die Mehrheit der Bevölkerung ihn ablehnt.“

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026