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EU-Innovationspolitik: „So wie Europa ist, kann es nicht bleiben“

Die Hamburger Senatorin für Wissenschaft und Forschung, Katharina Fegebank (Grüne), ist beeindruckt von den Visionen, die Mario Draghi und Enrico Letta für Europa haben. Sie wirbt für mehr Vielfalt in der Wissenschaft, neuen europäischen Ehrgeiz und mehr gemeinsames Handeln.

26. September 2024

Hat Europa künftig noch einen Platz an der Weltspitze? Unsere Freiheit und unser Wohlstand hängen davon ab, welchen Weg Europa jetzt einschlägt und ob Wissenschaft und Forschung dabei die Richtung vorgeben. Die neue EU-Kommission steht vor großen Aufgaben. Spätestens seit Mario Draghis Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit der EU ist klar: Europa muss erheblich innovativer werden, um im globalen Wettbewerb mitzuhalten.

Die neue Kommission ist in einer grundlegend veränderten geopolitischen Lage. Wir erleben den Aufstieg autoritärer und nationalistischer Regierungen. Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und seine Folgen haben uns die Gefahren einseitiger wirtschaftlicher Abhängigkeit schmerzlich erfahren lassen. Immer deutlicher tritt China als Systemrivale Europas auf. Und egal, wer das Rennen ins Weiße Haus gewinnt: Als Stabilitätsgarant Europas befinden sich die USA auf dem Rückzug.

Europa muss in die eigene Souveränität investieren

Höchste Zeit für Europa, in die eigene Souveränität zu investieren. Dabei sollte uns klar sein: So wie Europa jetzt ist, kann es nicht bleiben. Und zwar nicht, weil es jetzt schlecht ist, sondern zu wenig ehrgeizig. Zu wenig selbstbewusst. Zu wenig auf die eigenen Stärken bedacht. Was wir brauchen, ist der Mut und die Bereitschaft, selbst Veränderungen anzustoßen.

Drei Punkte, die aus meiner Sicht klarmachen, was wir dringend benötigen:

  1. Europa muss endlich Ernst machen mit dem Anspruch, global führender Forschungsstandort zu sein. Das heißt: klotzen, nicht kleckern. Europas Zukunft sollte uns für das nächste Forschungsrahmenprogramm 200 Milliarden Euro auf sieben Jahre wert sein, also doppelt so viel wie heute. Wie auch Mario Draghi zu Recht fordert. Damit könnten wir die gewaltigen Potenziale in Europa heben und die Lücke auf dem Top-Markt für Spitzentalente schließen.

Mehr Vielfalt: Reine Transferorientierung bringt nicht weiter

  1. Europas Stärke liegt in seiner Vielfalt, und diese Vielfalt müssen wir auch in der Forschungs- und Innovationspolitik fördern. Deshalb braucht es die Balance: Mehr Fokus – und zugleich Einseitigkeiten vermeiden. Wir brauchen Grundlagenforschung ebenso wie Transfer. Die Entwicklung der mRNA-Impfstoffe etwa baute auf jahrzehntelanger Grundlagenforschung auf und hat klar gezeigt: Mit reiner Transferorientierung kommen wir nicht weiter. Wir brauchen nachhaltige Schlüsseltechnologien, Quantencomputing und KI ebenso wie Life Science, Klima- und Demokratieforschung. Denn zukunftsfähig zu sein, heißt nicht nur, über die richtigen Technologien zu verfügen. Wir müssen auch wissen, nach welchen Maßstäben sie anzuwenden sind. Wir müssen verstehen, wie Biodiversität verloren geht und was wir dagegen tun können. Und warum es Wissenschaft immer schwerer fällt, Gehör zu finden – gerade beim Thema Klimawandel. Innovationsfähig ist nur, wer Antworten auf diese Fragen hat.

  1. Wir müssen Europa zur echten Forschungsunion machen. Enrico Letta hat dazu – zuletzt vergangene Woche beim Hamburg Science Summit – noch einmal seinen mutigen Vorschlag betont: Forschung und Innovation als fünfte Freiheit im Binnenmarkt neben Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital. Damit Forschung und Innovation wirklich zur zentralen Grundlage für wirtschaftliches Wachstum in der EU werden, brauchen wir noch mehr: Mehr gemeinsame Datennutzung – zum Beispiel Medizindaten für bessere Therapieansätze, mehr gemeinsame große Infrastruktur und mehr offene Gespräche darüber, wie öffentliche Hand und Privatwirtschaft den globalen Wettbewerb gemeinsam angehen können.

„Wenn wir unsere Stärken bündeln, kommen wir auf Erfolgskurs“

Wohin also geht Europas Reise? Ich bin davon überzeugt: Wenn wir als Europäerinnen und Europäer füreinander einstehen, wenn wir Hindernisse als gemeinsame europäische Herausforderungen angehen und noch intensiver als bisher unsere Stärken bündeln, dann kommen wir wieder auf Erfolgskurs. Als Senatorin in Hamburg sehe ich jeden Tag, was Europa alles kann: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen Teilen der Welt arbeiten hier über Institutionengrenzen interdisziplinär und vernetzt zusammen.

Unsere Science City Hamburg Bahrenfeld ist ein europäisches Projekt, in dem Start-ups mit der Spitzenforschung zusammenarbeiten und dafür nur die Straße überqueren müssen. Wo mit dem weltstärksten Röntgenlasermikroskop PETRA IV europäische Technologiesouveränität, Grundlagenforschung und Anwendung in der Privatwirtschaft zusammenkommen soll. Ich erlebe in Hamburg einen besonderen Spirit. Menschen, die sich für gemeinsame Projekte begeistern. Die kooperativ und wagemutig Grenzen überwinden. Die damit Neues entdecken und Innovatives schaffen. Das ist, wofür die Idee Europa steht. Und das ist, was Europa jetzt braucht.

  1. Europas Stärke liegt in seiner Vielfalt, und diese Vielfalt müssen wir auch in der Forschungs- und Innovationspolitik fördern. Deshalb braucht es die Balance: Mehr Fokus – und zugleich Einseitigkeiten vermeiden. Wir brauchen Grundlagenforschung ebenso wie Transfer. Die Entwicklung der mRNA-Impfstoffe etwa baute auf jahrzehntelanger Grundlagenforschung auf und hat klar gezeigt: Mit reiner Transferorientierung kommen wir nicht weiter. Wir brauchen nachhaltige Schlüsseltechnologien, Quantencomputing und KI ebenso wie Life Science, Klima- und Demokratieforschung. Denn zukunftsfähig zu sein, heißt nicht nur, über die richtigen Technologien zu verfügen. Wir müssen auch wissen, nach welchen Maßstäben sie anzuwenden sind. Wir müssen verstehen, wie Biodiversität verloren geht und was wir dagegen tun können. Und warum es Wissenschaft immer schwerer fällt, Gehör zu finden – gerade beim Thema Klimawandel. Innovationsfähig ist nur, wer Antworten auf diese Fragen hat.

  2. Wir müssen Europa zur echten Forschungsunion machen. Enrico Letta hat dazu – zuletzt vergangene Woche beim Hamburg Science Summit – noch einmal seinen mutigen Vorschlag betont: Forschung und Innovation als fünfte Freiheit im Binnenmarkt neben Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital. Damit Forschung und Innovation wirklich zur zentralen Grundlage für wirtschaftliches Wachstum in der EU werden, brauchen wir noch mehr: Mehr gemeinsame Datennutzung – zum Beispiel Medizindaten für bessere Therapieansätze, mehr gemeinsame große Infrastruktur und mehr offene Gespräche darüber, wie öffentliche Hand und Privatwirtschaft den globalen Wettbewerb gemeinsam angehen können.

Letzte Aktualisierung: 24. Juli 2025