SRH-Chef Christof Hettich über private Hochschulen: Deutsche Bildung zu verkaufen, ist doch nicht verwerflich

Das gemeinnützige Stiftungsunternehmen SRH Holding schreibt mit Privathochschulen schwarze Zahlen. Im Interview erläutert der Vorstandsvorsitzende Christof Hettich, wie das gelingt und warum er eine wettbewerblichere Hochschulpolitik fordert.

16. Oktober 2025
Christof Hettich, Vorstandsvorsitzender der SRH Holding
Wünscht sich mehr Wettbewerb im Hochschulbereich: Christof Hettich, Vorstandvorsitzender der SRH-Holding, ein im Bereich Gesundheit und Bildung tätiges Stiftungsunternehmen. (SRH Holding)
Das Briefing Nr. 1 für Wissenschaftspolitik. Jetzt Research.Table 30 Tage kostenlos testen!

Die in Heidelberg ansässige SRH Holding betreibt neben Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen und Fachschulen auch private Hochschulen wie die SRH University und die EBS Universität. Das sei „finanziell durchaus attraktiv“, sagt der Vorstandsvorsitzende Christof Hettich im Gespräch mit Table.Briefings. „Wir schreiben im Hochschulbereich schwarze Zahlen, auch wenn er nur ein Zehntel des Umsatzes ausmacht.“

Das Geld sei frei erwirtschaftet – durch Studiengebühren und Drittmittelprojekte. Denn bei der SRH, ein gemeinnütziges Stiftungsunternehmen, gebe es keinen Dritten, der Verluste ausgleicht, wie es an anderen privaten Hochschulen oft der Fall ist. „Auch die EBS Universität für Wirtschaft und Recht, die wir vor sechseinhalb Jahren in einem Zustand übernommen haben, in dem sie erhebliche Verluste gefahren hat, haben wir sukzessiv dahin gebracht, dass sie jetzt Cashflow neutral ist“, sagt Hettich.

Zum wirtschaftlichen Erfolg trage bei, dass viel reinvestiert werden kann. „Die Besonderheit ist, dass wir anders als ein herkömmliches Unternehmen keine Gesellschafter haben, deren Interessen wir bedienen müssen.“ Es gebe keine Ausschüttung an andere. „Das Geld, das wir erwirtschaften – der Umsatz der SRH beträgt 1,45 Milliarden Euro pro Jahr –, können wir in unsere Bereiche reinvestieren.“

Auch der Fokus auf Internationalisierung zahle sich aus. „Aufgrund der demografischen Entwicklung haben wir uns frühzeitig auch um ausländische Studieninteressierte gekümmert. Dort, wo wir besonders konsequent waren, in Berlin beispielsweise, haben wir Riesenerfolg“, berichtet Hettich. Der Unterricht dort werde auf Englisch angeboten. Der Ausländeranteil liege zwischen 65 und 80 Prozent.

„Deutsche Bildung wird geschätzt“, sagt Hettich. Er habe nie verstanden, „dass man in Deutschland kein Problem damit hat, Autos, Maschinen oder Waffen zu verkaufen“, aber dass man zögere, deutsche Bildung zu verkaufen. „Das ist ethisch doch nicht verwerflich. Die Studierenden kommen meist aus Ländern, in denen es üblich ist, für Bildung zu bezahlen.“ In Großbritannien etwa sei Bildung schon lange ein Wirtschaftsfaktor. Dort habe die private Bildung einen erheblichen Anteil am Inlandsbruttosozialprodukt: 20 Milliarden Pfund jährlich. „Deutschland hinkt in diesem Wirtschaftszweig massiv hinterher. Dabei trägt er ideal dazu bei, Fachkräfte zu rekrutieren.“

Hettich betrachtet private Hochschulen als wichtige Alternativen zu staatlichen Hochschulen. „Grundsätzlich bin ich ein Befürworter von staatlichen Hochschulen. Grundlagenforschung sehe ich zuvorderst als staatliche Aufgabe – die lässt sich nicht durch Studiengebühren kompensieren.“ Aber er sei auch für Wettbewerb. „Im Bereich Lehre scheint mir, dass es sich die staatlichen Hochschulen mitunter sehr gemütlich gemacht haben.“ Auch das Beamtenrecht begünstige nicht gerade Dynamisierung und Veränderungsfähigkeit. „Wenn bei uns jemand stinklangweilige Veranstaltungen anbietet, können wir eingreifen. Das Beamtenrecht würde das nicht erlauben.“

Insgesamt plädiert er in der Hochschullehre für „eine gute Mischung“ privater und staatlicher Angebote. „Ich würde mir aber wünschen, dass die öffentliche Hand in Zukunft nicht grundsätzlich selbst Kapazitäten aufbaut, wenn Bedarf für bestimmte Fächer besteht. Denn oft gibt es an privaten Hochschulen bereits Kapazitäten.“ Als Beispiel nennt er das Fach Medizin, das in Deutschland mittlerweile auch von privaten Hochschulen angeboten wird. „Statt teure weitere Medizinstudienplätze an öffentlichen Universitäten einzurichten, könnte der Staat Stipendien für das Studium an privaten Hochschulen vergeben.“ Eine andere Möglichkeit sei ein Darlehen, von dem ein Teil erlassen wird, wenn die Absolventen zum Beispiel Landarzt werden. Hettich: „Die öffentliche Hand wäre gut beraten, nicht von vornherein Kooperation auszuschließen.“

Wie hoch die Studiengebühren an den SRH-Hochschulen sind, was Hochschullehrer dort verdienen und was hinter dem didaktischen Konzept CORE steckt, lesen Sie im vollständigen Interview hier.

Christof Hettich (Jahrgang 1959) ist seit 2015 Vorstandsvorsitzender der SRH Holding, die nach eigenen Angaben eines der größten Bildungs- und Gesundheitsunternehmen in Deutschland ist. Der promovierte Rechtsanwalt ist Honorarprofessor an der SRH University for Applied Sciences Heidelberg, war bis 2014 Lehrbeauftragter der Universität Heidelberg im Bereich „Corporate Restructuring“ und ist Lehrbeauftragter sowie Universitätsratsvorsitzender der EBS Universität für Wirtschaft und Recht.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026