Hightech-Agenda: Wo Deutschland im globalen Technologiewettbewerb steht

18 Milliarden Euro will die Bundesregierung für die Hightech-Agenda bereitstellen. In einer neuen Serie beleuchtet Table.Briefings mit exklusiven Daten des Wissenschaftsverlags Elsevier, wie gut Deutschland in den einzelnen Schlüsseltechnologien positioniert ist.

04. Februar 2026
Forschungsministerin Dorothee Bär und Bundeskanzler Friedrich Merz beim Startschuss für die Hightech-Agenda
Kündigten zum Start der Hightech-Agenda im Herbst ambitionierte Ziele an: Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). (picture alliance/dpa/POOL AFP | Tobias Schwarz)

Im vergangenen Juli hat das BMFTR die Hightech-Agenda (HTA) veröffentlicht. In Rekordtempo wurde das Strategiedokument vom Kabinett verabschiedet. Unterstützung gab es auch von Bundeskanzler Friedrich Merz, der bei der Auftaktveranstaltung im Oktober ambitionierte Ziele ankündigte. Man wolle in wichtigen Technologiefeldern den Anschluss an das internationale Spitzenfeld behalten, oder diesen wiederherstellen.

Die Bundesrepublik solle wieder zum „Top-Technologieland“ werden, machte Forschungsministerin Dorothee Bär diesen Anspruch auch im September 2025 im Forschungsausschuss deutlich.

Überblick zum Start der HTAD-Serie. In den kommenden Wochen soll der sogenannte Roadmapping-Prozess zur HTAD Fahrt aufnehmen. Gemeinsam mit den Stakeholdern will das BMFTR Ziele und Maßnahmen adressieren und Zeitpläne aufstellen. In einer Artikelserie wird der Research.Table in den kommenden Wochen die einzelnen Schlüsseltechnologien und ihre Besonderheiten näher betrachten, an dieser Stelle zunächst aber einen Überblick zur gesamten HTAD geben.

Wie viel Budget ist für die HTAD eingeplant? 18 Milliarden Euro sind in der gesamten Legislaturperiode für die Hightech-Agenda vorgesehen – zehn davon stammen aus dem Sondervermögen. Der Rest wird über den Kernhaushalt des BMFTR finanziert. Kritik gab es vor allem an der intransparenten Aufteilung der Mittel in verschiedene Haushalte.

Wo liegen die inhaltlichen Schwerpunkte? Mit dem eingeplanten Budget will man vor allem die sechs Schlüsseltechnologien stärken, die in der Agenda definiert und als Schlüssel zu wirtschaftlichem Erfolg und Souveränität gesehen werden: Künstliche Intelligenz (KI), Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion und klimaneutrale Energie und Technologien für klimaneutrale Mobilität. Zusätzlich sollen strategische Forschungsfelder wie Luft- und Raumfahrt, Gesundheits- oder Sicherheitsforschung stärker berücksichtigt werden.

Wie wurden diese ausgewählt? Expertinnen und Experten waren beeindruckt von der Geschwindigkeit, mit der es das Haus von Dorothee Bär geschafft hatte, nach der Wahl die HTAD vorzulegen. Positiv bewertet wurde auch die strukturierte Herleitung inklusive einer SWOT-Analyse der einzelnen Technologiefelder. Leise Kritik gab es teilweise an den Themen „Technologien für die klimaneutrale Mobilität“ oder „Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung“. Der Vorwurf hier: Beide Bereiche seien eher Forschungsfelder und keine Schlüsseltechnologien. Ob Fusion sich zu einer Schlüsseltechnologie entwickle, sei noch unklar – dazu sei sie noch zu weit von der Anwendung entfernt.

Was nicht oder nur am Rande auftaucht. Wenn man die HTAD beispielsweise mit der ehemaligen Hightech-Strategie oder Analysen zu Forschungsstärken in Deutschland vergleicht, fällt auf, dass Themen wie Photonik, Materialforschung oder auch der Bereich Sicherheitsforschung und Cybersecurity fehlen.

Warum die Schnelligkeit entscheidend war. Die beschleunigte Fertigstellung der HTAD erwies sich als entscheidender Vorteil für Dorothee Bär bei den Haushaltsverhandlungen zum Sondervermögen. Durch die frühe Sichtbarkeit – zu einer Zeit, in der die Regierung noch in der Findungsphase war – wurde auch Bundeskanzler Friedrich Merz auf die HTAD aufmerksam.

Wie gut ist Deutschland bei den Schlüsseltechnologien positioniert? Daten des Wissenschaftsverlags Elsevier, die für diese Serie Table.Briefings exklusiv vorliegen, zeigen, dass Deutschland vor allem im Bereich Quantentechnologien (Rang drei weltweit) mit Blick auf die Gesamtzahl der Publikationen gut abschneidet. Aber auch bei Fusion, klimaneutraler Energieerzeugung (Rang 4) und bei den Technologien für eine klimaneutrale Mobilität (Rang 4) findet sich Deutschland in den oberen Rängen. Potenzial nach oben gibt es noch bei der Mikroelektronik (Rang 6) und in der KI (Rang 5).

Auch der Relative Aktivitätsindex spiegelt dieses Bild gut wider, macht deutlich, dass Deutschland bereits jetzt in den ausgewählten Schlüsseltechnologien spezifische Stärken hat und ebendort auch Schwerpunkte setzt.

Der Relative Field Activity Index (RAI) zeigt, wie groß der Anteil der Veröffentlichungen einer Institution oder eines Landes in einem bestimmten Fachgebiet ist – im Vergleich zum weltweiten Anteil der Veröffentlichungen in diesem Fachgebiet. Ein Wert von 1,0 bedeutet, dass die Forschungsaktivität der Institution oder des Landes in diesem Bereich genau dem weltweiten Durchschnitt entspricht.

Schwächere Performance im Transfer. Beim Blick auf weitere Indikatoren zeigt sich, dass Deutschland in der Mikroelektronik zwar einen im Vergleich zu Großbritannien und Frankreich relativ hohen Publikationsoutput hat, die Zitationen in Patenten im Vergleich zu Großbritannien aber deutlich zurückliegen. Auch bei den Fusionstechnologien zeigt sich dieses Bild. Bei den Technologien für eine klimafreundliche Mobilität liegt Deutschland dagegen auch bei diesem Indikator – wie auch bei den Zitationen in Policy Papers – vorn.

Generell schneidet Deutschland bei den Patenten im internationalen Vergleich deutlich schlechter ab als bei den Publikationen.

Welche Institutionen werden bei der HTAD besonders wichtig? Die Auswertungen von Elsevier zeigen, dass bei den Hochschulen vor allem die großen technischen Universitäten eine gewichtige Rolle spielen – wenn man sich den Forschungsoutput und den nach Forschungsfeld gewichteten Zitationsindex anschaut. Besonders hervor stechen das KIT, die RWTH Aachen und die TU München (TUM). Bei der Biotechnologie unter den ersten drei sind neben der TUM die Universität Heidelberg und die LMU. Bei der Mikroelektronik ist die TU Dresden vorn.

Welche Vorhaben wurden schon auf den Weg gebracht? Hier nennt das BMFTR beispielsweise den Aktionsplan Kernfusion oder auch die Mikroelektronikstrategie. Abseits von Papieren wurden bisher vor allem bereits geplante Maßnahmen in den Schlüsseltechnologien umgesetzt, wie beispielsweise der Start des Produktionsforschungsbetriebs Dezember 2025 in der Forschungsfertigung Batteriezelle (FFB) in Münster.

Wie geht es jetzt weiter? „Im Januar und Februar führt das BMFTR in Abstimmung mit anderen Ressorts sogenannte Partnerdialoge durch“, heißt es auf der HTAD-Webseite. Zu Quantentechnologien, KI, Fusion, Batterieforschung und zu Biotechnologie fanden diese bereits statt. Weitere seien in Planung, schreibt das BMFTR auf Anfrage von Table.Briefings. Damit starten auch die Roadmapping-Prozesse. Laut Staatssekretär Matthias Hauer sollen diese noch im ersten Halbjahr 2026 abgeschlossen sein. Im Frühjahr soll es nochmal eine größere Konferenz zur HTA geben. An Konsultationen beteiligen kann man sich bereits jetzt – zum Beispiel in den Bereichen Mikroelektronik oder Batterieforschung.

Werden neue Förderformate eingeführt? „Wenn man versuchen würde, die Hightech-Agenda nur mit klassischer Forschungsförderung voranzutreiben, wäre die Wahrscheinlichkeit groß, dass Ziele nicht erreicht werden“, sagte Ralf Lindner vom Fraunhofer ISI Table.Briefings. Er plädiert dafür, sich beispielsweise an der Moonshot-orientierten Förderung in den USA zu orientieren. Hier werden Ziele wie die Senkung der Kosten für sauberen Wasserstoff innerhalb eines Jahrzehnts auf 1 US-Dollar pro Kilogramm ausgegeben. Die Förderung wird dann auf dieses Ziel ausgerichtet und, wenn Zwischenziele nicht erreicht werden, auch abgebrochen.

Monitoring: Wie wird die Zielerreichung überwacht? Das BMFTR möchte ein 360-Grad-Monitoring-System aufsetzen, „um im Bedarfsfall nachzusteuern und die HTAD im Sinne einer lernenden Agenda weiterzuentwickeln“. Geplant ist ein digitales Dashboard, das die aktuelle Leistungsfähigkeit des Forschungs- und Technologiesystems inklusive der Entwicklungen der priorisierten Schlüsseltechnologien sowie den Fortschritt bei den Technologie-Roadmaps visualisieren und jederzeit abrufbar machen soll.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit dem BMWE aus? Kritische Berichte gab es, nachdem Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nicht an der Auftaktveranstaltung zur HTAD im Oktober teilgenommen hatte. Traditionell haben die beiden Häuser nicht die beste Beziehung. Zum Start der schwarz-roten Koalition stritten sich Bär und Reiche lange über die Aufteilung des Innovationsbereichs. Nun sind große Teile der Innovationsförderung in den Unternehmen oder auch die Exist-Gründungsförderung beim BMWE verblieben. Spätestens wenn es um den Transfer geht, braucht Bär also Reiches Unterstützung.

Letzte Aktualisierung: 07. Mai 2026