DAFG: Wie die HAWs sich eine neue Agentur für Forschung und Transfer vorstellen

Die Hochschulen für angewandte Wissenschaften fordern klare Entscheidungen zur neuen Forschungs- und Transferarchitektur. Ihr Positionspapier zeigt, wie Transferbooster und DAFG aufgebaut werden sollen.

19. November 2025
Jörg  Bagdahn
Hofft auf schnelle Entscheidungen: Jörg Bagdahn, Sprecher der Mitgliedergruppe HAW in der HRK.
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Nach dem offiziellen Ende der Dati wollen die HAWs die Diskussion um Forschung und vor allem Transfer wieder intensivieren. In einem Positionspapier skizzieren sie ihre Vorstellungen für die Umsetzung des Koalitionsvertrags. Dort verspricht die schwarz-rote Regierungskoalition eine Dachmarke „Initiative Forschung & Anwendung“ mit den folgenden drei Säulen zu schaffen:

  • die Programme ZIM, IGF und INNO-KOM

  • „Transferbooster“ mit den Transferprogrammen des BMBF inklusive Dati-Pilot unter Konsortialführerschaft der HAW

  • Deutsche Anwendungsforschungsgemeinschaft (DAFG) mit den Programmen „Forschen an HAW“ und „FH Personal“.

DAFG analog zu DFG. Die HAWs betrachten in ihrem Papier die Säulen zwei und drei. Sie schlagen darin eine DAFG analog zur DFG vor – perspektivisch mit einer ähnlichen Mittelausstattung. Beim Transfer soll die Bundesregierung zahlreiche – aus Sicht der HAWs nahezu identische – Programme zusammenlegen und daraus den im Koalitionsvertrag genannten Transferbooster bauen. Damit sollen regionale Cluster gefördert werden, die schnell und bürokratiearm die Gelder vor Ort verteilen.

Wie man sich die Transferbooster vorstellt. In der Transferbooster-Säule wollen die HAWs eine zentrale Rolle spielen. Regionale Innovationsökosysteme sollen unter ihrer Führung mehrere „parallele“ Programme der Innovationsförderung in Regionen bündeln. Innovative Hochschule, die im Dati-Pilot enthaltenen InnovationsSprints und InnovationsCommunities, die Cluster und Bündnisse in den Förderlinien WIR!, RUBIN und T!Raum seien letztlich sehr ähnliche Programme, die sich „nur in Nuancen unterscheiden“, erklärt Jörg Bagdahn im Gespräch mit Table.Briefings. Eine Bündelung könnte die Effektivität der Mittel steigern und ein großer Beitrag zum angestrebten Bürokratieabbau sein, sagt der Sprecher der Mitgliedergruppe HAW in der HRK.

Es braucht flexiblere Strukturen und schnellere Entscheidungen. Durch die Verlagerung von einzelnen Förderentscheidungen hin zu den Innovationsclustern könnten Prozesse schlanker und schneller werden. Dort könnten beispielsweise Projekte auch flexibler beendet werden, wenn diese nicht funktionieren. Natürlich brauche es ein funktionierendes Controlling, eine Evaluation anhand von konkreten Meilensteinen und Kriterien, aber grundsätzlich müsse eine langfristige Förderung von Clustern möglich sein, um nachhaltige Strukturen aufzubauen, meint Bagdahn, der Präsident der Hochschule Anhalt ist.

Wie die dritte Säule, die DAFG, aufgebaut werden soll. Die seitens der Koalition geplante DAFG soll ein Instrument zur Förderung der anwendungsorientierten Forschung an den HAWs werden. Die Förderrichtlinien „Forschung an HAWs“ und „HAW-Personal“ sollen laut Koalitionsvertrag in der DAFG aufgehen.

Folgende Forderungen richten die HAWs in ihrem Positionspapier für den Aufbau der DAFG an die Politik:

  • „Die DAFG ist eine eigenständige Organisation unter der Federführung der HAWs, wird institutionell gefördert und in den Pakt für Forschung und Innovation (PFI) integriert.“

  • „Die Programmatik ist auf anwendungsorientierte Forschung ausgerichtet und wird von der DAFG eigenständig festgelegt.“

  • „Antrags- und Genehmigungsverfahren sollen entsprechend der Dynamik von anwendungsorientierter Forschung möglichst schlank gehalten werden. Die Verfahren sollen sich an SPRIND-Programmen mit möglichst kurzen Laufzeiten zwischen Antragstellung und Mittelauszahlung („Time-to-Money“) orientieren.“

  • „Die Finanzierung orientiert sich langfristig am DFG-Volumen, beginnend mit etwa fünf Prozent des DFG-Volumens.“

HAW-Forschung auf 150 Millionen Euro aufstocken. Starten würde die DAFG mit einer deutlich höheren finanziellen Ausstattung als das aktuelle „Forschung an HAWs“-Programm. Schon seit längerem fordern HAW-Vertreter dafür eine Aufstockung von derzeit rund 65 Millionen auf 150 Millionen Euro. Jörg Bagdahn verweist auf die aktuell niedrigen Bewilligungsquoten von rund 15 Prozent in dem Programm. Tatsächlich seien diese noch deutlich geringer, denn: Pro Hochschule und Jahr sind lediglich drei Anträge überhaupt zugelassen. Viele Anträge scheitern also bereits in den HAWs selbst.

Wichtig ist Bagdahn das Thema Schnelligkeit. Aktuell liege man bei rund 18 Monaten von der Antragstellung bis zu den ersten Geldflüssen. Länder, die im Innovationsranking deutlich vor Deutschland liegen, seien hier deutlich schneller. „In Südkorea dauerte es nur drei Monate, bis wir nach der Antragstellung das Geld hatten.“ Hier könne man auch Konzepte der Gründungskommission der Dati übernehmen, die bereits gute Vorschläge erarbeitet habe.

Ausweitung von FH-Personal auf den Mittelbau gefordert. Beim Programm „FH Personal“, das in „HAW-Personal“ umbenannt werden soll, schlagen die HAWs vor, die Förderschwerpunkte anzupassen. Neben der Förderung von professoralem Personal soll auch der wissenschaftliche Mittelbau profitieren können. Damit würde dieses Programm „auch einen konstruktiven und konfliktlösenden Beitrag zur anstehenden Debatte des WissZeitVG“ leisten und die im Positionspapier des Wissenschaftsrates „Personalstrukturen im deutschen Wissenschaftssystem“ empfohlenen Stellenkategorien aufgreifen.

Dazu hatten die HAWs in ihrem Konzept Zukunftsvertrag Forschung an HAWs 2024 bereits einen Vorschlag unterbreitet. Demnach könnten durch eine jährliche Finanzierung von 150 Millionen Euro rund 1.300 wissenschaftliche und wissenschaftsnahe Dauerstellen geschaffen werden.

Nicht nochmal lange Diskussionen. In einem Punkt sind sich jedenfalls alle einig: Nachdem die Dati offiziell gescheitert ist, muss etwas passieren – und zwar schnell. Man könne nun nicht nochmal zwei Jahre diskutieren, bis man Entscheidungen trifft, meint nicht nur Jörg Bagdahn.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026