Wie retten Sie Mercedes, Herr Källenius?
Das geplante Verbrenner-Aus im Jahr 2035 kommt zu früh. Ola Källenius, CEO von Mercedes-Benz, drängt im Gespräch mit Julia Fiedler vom China.Table auf eine Verschiebung: „Wir sind voll committed und motiviert, um Elektromobilität erfolgreich zu machen.“ Källenius hält die EU-weiten Verbrenner-Aus-Ziele für zu starr und die Zeitspanne für zu kurz: „Neun Jahre sind zeitlich in der Autoindustrie fast gar nichts. Das ist quasi ein Produktlebenszyklus.“
[13:18]
Die Debatte um den Sozialstaat zwischen Union und SPD dauert an. Es geht vor allem um die Ausgestaltung des Bürgergelds. Die Arbeitsmarktökonomen Andreas Peichl vom ifo-Institut und Holger Stichnoth vom ZEW kritisieren im Table.Standpunkt fehlende Erwerbsanreize. Sie bemängeln die Transferentzugsrate, die dazu führen kann, dass sich Mehrarbeit finanziell nicht lohnt.
[01:31]
In Frankreich ist die Regierung wie erwartet in der Nationalversammlung gescheitert. Heute trifft sich der abgewählte Premier Bayrou mit Präsident Macron. Wie wird der Präsident entscheiden? Wird das Chaos in Frankreich so weitergehen? Helene Bubrowski fragt Cécile Boutelet von Le Monde.
[07:51]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Trotz Versöhnungsbierchen zwischen Friedrich Merz und Bärbel Bas geht die Sozialstaatsdebatte munter weiter. Union und SPD streiten um die mögliche Härte der möglichen Maßnahmen. Bei uns fordern Arbeitsmarktexperten ganz konkrete Dinge beim Bürgergeld. Die lernen Sie gleich kennen. Und Achtung, die CSU bekommt einen neuen Koordinator in der Bundesregierung. Auch dazu gleich mehr.
Sprecher 3: Wir reden über das Verbrenner aus und die Frage, ob es der Todesstoß für die Autoindustrie ist, jedenfalls die deutsche, oder eine sinnvolle Maßnahme, um grüne Innovationen zu erzwingen. Ola Kellenius, der Chef von Mercedes, hat eine eindeutige Meinung. Und unsere Kollegin Julia Fiedler hat mit ihm auf der IAA gesprochen und ihn gefragt, warum die deutschen Autobauer nicht auf Elektro umsteigen können oder ob sie das nicht wollen.
Sprecher 2: Die Autoindustrie braucht neue Strategien. Frankreich braucht eine neue Regierung. Gestern Abend hat Premier François Bayrou die Vertrauensfrage gestellt und wie erwartet verloren. Wie geht es jetzt weiter bei unseren Nachbarn? Das weiß bei uns immer wieder unsere Kollegin Cécile Boutelet.
Sprecher 3: Und warum Sie bald per WLAN ganz bequem Ihren Puls messen können, erfahren Sie auch bei uns. Wir sind am Puls der Zeit auch heute am 9. September.
Sprecher 2: Oh, Helénchen, sensationell.
Sprecher 3: Nun gab es den Geist von Würzburg und den Geist von Berlin und trotzdem streitet Schwarz und Rot weiter über die Frage Zukunft des Sozialstaats. Friedrich Merz, wir erinnern uns, hat gesagt, der Sozialstaat solle nicht geschliffen und auch nicht gekürzt werden und bekommt nun nicht nur Gegenwind von der SPD, sondern auch aus den eigenen Reihen, die sagen, Moment mal kürzen, das wollten wir doch eigentlich.
Sprecher 2: Was mir auffällt bei der Debatte, Helene, ist, dass jeder sich ja nur die Argumente nimmt, die er ohnehin in seinem Portfolio gerne nennen will. Also Sie, Bärbel Baas, spricht über das Existenzminimum des Regelsatzes, das das Verfassungsgericht natürlich vorgegeben hat, das gar keiner in Frage stellt. Er spricht über die zumutbare Arbeit und mögliche Transferentzugsraten. Jeder nimmt sich so seine Beispiele raus, um seine angebliche Meinung zu untermauern. Das ist nicht wirklich hilfreich. Linnemann immerhin, der Generalsekretär, hat eine Zahl genannt und über die muss man diskutieren. Nämlich der Haushalt von Bärbel Baas hat Stand jetzt 190 Milliarden Euro Etat. 2029 könnten es schon 220 Milliarden Euro sein. Das wäre ein Plus von 5 Prozent pro Jahr. Darüber darf man dann durchaus mal nachdenken.
Sprecher 3: Das ist auch so fast der halbe Haushalt, jedenfalls wenn man die Haushalte der letzten Jahre zugrunde legt, ist schon eine immense Summe. Ja, du hast völlig recht. Natürlich war auch mein kleine Fisität über Friedrich Merz, der Sozialstaat wird nicht gekürzt. Dieser Satz aus dem Kontext gerissen, er hat natürlich gemeint, der Sozialstaat als solcher wird nicht infrage gestellt. So hat es der Regierungssprecher jetzt auch klargestellt. Wer würde auch den Sozialstaat infrage stellen? Grundlage ist. Die Frage ist aber, was bedeutet er konkret? Und dazu gehört übrigens auch das von dir erwähnte Existenzminimum. Natürlich hat das Bundesverfassungsgericht das 2019 entschieden, dass es das gibt und dass dazu nicht nur Wasser und Brot gehört, sondern auch ein bisschen kulturelle Teilhabe. Aber das kann man ja auch mal in Frage stellen, vielleicht hinterfragen, vielleicht entscheidet das Gericht künftig auch so etwas mal anders.
Sprecher 2: Der geschätzte Kollege Bastian Brinkmann von der Süddeutschen Zeitung, wahrlich kein neoliberales, rechtskonservatives, anti-SPD-Medium, schreibt in seinem Leitartikel, und das finde ich davon ruhig mal zitieren, wenn sich der Sozialstaat beschränkt, wird er günstiger und sozialer. Und diese These vertrete ich auch. Übrigens auch ein gewisser Wolfgang Schmidt, der da drunter gepostet hat, so sieht es die SPD. In Wahrheit sieht es die SPD aber nicht so. Sie wollen ja eigentlich nicht, dass weniger Geld ausgegeben wird, weil sie glauben, dass immer wenn man weniger Geld ausgibt für den Sozialstaat, dann ist es sofort eine schlimme Kürzung.
Sprecher 3: Die SPD, aber auch Teile der Union haben tatsächlich Angst vor der Kommunikation solcher Dinge. Es ist in Deutschland schwer möglich, irgendeine Leistung zurückzunehmen. Man kann Leistungen beibehalten. Die Nullrunde ist das Äußerste der Gefühle, dass man irgendwo mal sagt, wir können uns das derzeit nicht mehr leisten. Friedrich Merz hat es versucht und es gab sofort einen Aufstand. Ist sehr, sehr, sehr schwierig, weil die Leute sich auch so angewöhnt haben über die Jahre und Jahrzehnte, dass der Staat alles abpuffert und im Wesentlichen einfach ansprechbar ist, wenn irgendwo Not ist.
Sprecher 2: Und da Sie ja wissen, bei uns bei TableBread... Briefings lautet ja die Formel Tiefe statt These. Empfehle ich dringend einen Beitrag zweier sehr kluger Arbeitsmarktökonomen, nämlich Andreas Peichel vom IFO-Institut und Holger Stichnoth vom ZEW, die mal auf die richtigen Themen hinweisen. Nämlich, dass das Problem ist, dass die Erwerbsanreize für Bürgergeldempfänger eben nicht adäquat sind. Die sprechen sich dringend, und das tun viele Ökonomen für Änderungen bei der Transferentzugsrate aus. Das ist diese Rate, die den Prozentsatz beschreibt, um den Sozialleistungen bei steigenden Einkommen gekürzt werden. Das kann sogar dazu führen, dass du durch steigendes Einkommen auf bestimmte staatliche Leistungen verzichten musst und dann im Netto weniger hast als vorher im Bürgergeld. Und das ist ein dramatischer Anreizfehler. Ich empfehle dringend table.media slash Berlin diesen Gastbeitrag unserer Serie Die Zukunft des Sozialstaats.
Sprecher 3: Die Frage, die hinter allem steht, ist auch, wie die Koalition zusammenarbeitet. Wie oft hat man jetzt schon beschworen, künftig nicht mehr öffentlich zu streiten? Wie oft ist das schon schiefgegangen? Nun hofft die CSU, es richten zu können, schlichten zu können, ausgerechnet die CSU. In der Koordinierungsrunde, die die Koalitionsausschüsse vorbereitet, soll künftig auch ein neues Mitglied sitzen der CSU. Bisher waren es vor allem Björn Böning für die SPD und Thorsten Frei, Kanzleramtschef für die CDU und Alexander Dobrindt. Künftig ist ein neuer Mann und wer das ist, das verrät unsere Kollegin Sarah Sievert. Sie hat es exklusiv erfahren. Sarah, wer ist dieser Mann und was hat die CSU mit?
Sprecher 4: mit ihm in dieser Region vor.
Sprecher 5: Sebastian Wüste heißt der Mann, den die CSU künftig in diese Runden schicken wird. Das ist ein langjähriger Mitarbeiter und enger Vertrauter von dem Innenminister Alexander Dobrindt, der schon zu seiner Zeit als CSU-Landesgruppenchef im Bundestag sein Strategiechef war und dann quasi mit ihm ins Innenministerium rübergewechselt ist. Die CSU hatte ja zunächst in dieser Frühkoordinatorrunde gar keinen Vertreter entsandt. Also als die Idee aufkam in den Koalitionsverhandlungen und die SPD sagte, Mensch, das Modell hat doch in der Ampel schon ganz gut funktioniert, gab es von Seiten der CSU große Bedenken. Die Ampel sei ja eigentlich kein positives Beispiel für irgendwas. Die CDU fand das aber gut und deswegen hatte man sich dann darauf geeinigt, gut, dann geht für die Union eben Thorsten Frei in diese Frühkoordination und für die SPD Björn Böning, der als Staatssekretär im... Finanzministerium angesiedelt ist. Und dann hat die CSU aber relativ schnell gemerkt, dass die Kommunikation doch nicht so smooth wie, wie sie sich das erhofft hatte. Und gleich beim ersten Koalitionsausschuss gemerkt, dass sie nicht ganz eingebunden war. Da ging es um die Stromsteuersenkung und Söder und Dobrindt haben sich da übergangen gefühlt und dann gleich direkt geäußert, so geht es nicht weiter, wir brauchen dann doch einen Vertreter in dieser Runde. Und bis man sich dann auf jemanden geeinigt hatte, hat das zunächst Alexander Dobrindt selbst gemacht und Söder hat seine vertraute Carolina Gernbauer entsandt. Das ist die Bevollmächtigung. des Freistaates Bayern im Bundesrat. Und die zwei haben das dann vorerst zusammen gemacht. Und jetzt soll eben Sebastian Wüste für Dobrindt übernehmen, beziehungsweise für die CSU übernehmen. Aber, und das ist ganz interessant, Söder will Carolina Gernbauer trotzdem weiter in diesen Runden behalten. Das heißt, die CSU sitzt künftig sogar mit zwei Koordinatoren am Tisch.
Sprecher 6: Voici le résultat du scrutin pour l'approbation 194 contre 364. L'Assemblée nationale n'a pas approuvé la déclaration de politique générale. Conformément à l'article 50 de la Constitution, le Premier ministre doit remettre au président de la République la démission du gouvernement.
Sprecher 3: Frankreich steht erneut vor einer Neubildung der Regierung.
Sprecher 2: Failed State fällt mir dazu ein. Helene, ist unser Nachbarland schon unregierbar oder ist das jetzt so ein Wake-up-Call, wo selbst die Franzosen irgendwann mal denken, vielleicht glauben wir auch mal einer Regierung und lassen sie mal ein paar Jahre arbeiten?
Sprecher 3: Failed State würde ich natürlich nie sagen, schon aus Liebe zu unserem Nachbarland. Stimmt es einfach in keiner Hinsicht. Frankreich hat da auch eine andere Tradition als Deutschland. Die Erschütterung über die Entzweihung der Ampel konnten die Franzosen ja gar nicht so nachvollziehen, weil es in Frankreich dann doch häufiger mal vorkommt, dass eine Regierung keine Mehrheit mehr hat, dass ein Regierungschef zurücktritt. Der starke Mann im Staat, bisher waren es alles Männer, ist bekannt. In der Maßen der Präsident und der ist noch bis 2027 im Amt.
Sprecher 2: Bevor jemand jetzt hier Frexit schreibt, also die Zinsen für Staatsanleihen der französischen Staatsanleihen steigen weiter von 3,13% im Mai auf jetzt 3,45% für 10-jährige Anleihen. So fing es damals ja auch bei manchen südeuropäischen Ländern an, die Schuldenkrise Frankreichs bedarf eines... Schröder-Moment, wenn ich das so sagen darf, ein Schröder-Moment. In Frankreich sind die dazu in der Lage?
Sprecher 3: Es ist in Frankreich deutlich schwieriger. Wir haben darüber gesprochen, wie schwierig es in Deutschland ist, irgendetwas zu kürzen. Bei den Franzosen ist sofort viel mehr Emotion im Spiel, auf den Straßen, die Wut, die Radikalität auch der französischen Gewerkschaften. Die haben eine weniger starke... Mitgliedschaft, aber umso radikaler sind sie dann. Da geht dann schon sehr, sehr schnell die Post ab.
Sprecher 2: Aber Helene, lass uns doch mal gucken, ob vielleicht unsere Kollegin in Frankreich uns irgendwie erklären kann, wie es da jetzt wirklich weitergeht.
Sprecher 3: Ja, wir haben Cécile Boutellet gefragt, unsere Kollegin von Le Monde, sie ist Korrespondentin. In Berlin und kann deshalb so gut Deutsch. Und wir haben sie gefragt, was Macron jetzt machen wird. Wird er die Nationalversammlung auflösen oder wird er einen Nachfolger finden für den Regierungschef? Es wäre dann ja schon der dritte innerhalb kürzester Zeit.
Sprecher 7: Emmanuel Macron hat angekündigt, sich einige Tage zu nehmen, bevor er seine Entscheidung trifft. Natürlich hat er die Möglichkeit, die Nationalversammlung aufzulösen und Neuwahlen auszurufen. Doch dieses Szenario... gilt als riskant. Umfragen zeigen, dass der Rassemblement National von Marine Le Pen derzeit die stärkste Kraft wäre. Damit könnte eine rechte Mehrheit entstehen, die Macron unbedingt vermeiden will. Deshalb tendiert er klar zu einer anderen Lösung, nämlich zur Ernennung eines neuen Premierministers. Diese Person muss allerdings in der Lage sein, zwischen den zerstritten politischen Lagern zu vermitteln. Ob Macron jemanden findet, der diese Rolle ausfüllen kann, bleibt offen.
Sprecher 3: Und dann wollten wir von Cécile noch wissen, ob Macron bis 2027 wirklich noch so weitermachen kann mit einer so instabilen Regierung.
Sprecher 7: Ja, das ist eine berechtigte Frage. Nach der gescheiterten Regierung von Michel Barnier letztes Jahr und François Bayrou bleibt es höchst fraglich, dass es mit einer anderen Person besser laufen wird. Es ist gut möglich, dass der nächste Premierminister nur die Aufgabe erhält, den Staatsaushalt zu verabschieden. Aber er droht wiederum, nach wenigen Monaten zu scheitern. Diese strukturelle Instabilität dürfte bis zu den Präsidentschaftswahlen in etwa 20 Monaten andauern. Alle Parteien bereiten sich schon jetzt auf diesen Wahltermin vor, auch wenn fraglich bleibt, ob das alte Parteisystem, das Frankreich seit 1958 Stabilität gebracht hat, hat, noch einmal eine Rolle spielen wird.
Sprecher 3: Und wir in Deutschland wollen natürlich noch wissen, was das Chaos in Frankreich für die deutsch-französischen Projekte bedeutet, insbesondere natürlich die Unterstützung der Ukraine, aber auch die gemeinsamen Rüstungsvorhaben.
Sprecher 7: Ja, viele hätten gedacht, dass die politische Krise in Paris auch die deutsch-französische Zusammenarbeit lähmt. Doch eigentlich ist das Gegenteil passiert. Beim Ministerrat in Toulon Ende August wurde ein detailliertes wirtschaftspolitisches Programm beschlossen, dass auch Themen wie Energieverteidigung und die Unterstützung der Ukraine bleiben auf der Agenda. Möglich ist das vor allem, weil engagierte Minister ihre Arbeit fortsetzen. Einige könnten auch im nächsten Kabinett bleiben. Gleichzeitig ist Macrons Einfluss geschwächt und seine Schwierigkeit, Europa politisch voranzubringen, ist geringer denn je. Klar ist, Paris braucht die Unterstützung Berlins, wenn europäische Projekte schnell umgesetzt werden sollen. Auch für Berlin drängt die Zeit. Es ist eher unwahrscheinlich, dass der nächste französische Präsident Europa so stark im Zentrum seiner Politik stellen wird wie Macron seit 2017.
Sprecher 8: Indeed statt Ausreden.
Sprecher 9: In meinem Möbelhaus verkauft die Controllerin jetzt die Wasserbetten. Liquidität ist ihr Fachgebiet, oder?
Sprecher 8: Find lieber die richtigen Mitarbeitenden und sichert dir 75 Euro Startguthaben. Auf indeed.com slash Guthaben. Es gelten die AGB.
Sprecher 2: Die deutschen Autobauer, sie kämpfen gegen die E-Mobilität, nicht nur aus China. Heute startet in München die IAA, die weltgrößte Automesse und die Aufholjagd der deutschen Autobauer. Sie soll jetzt endlich beginnen. Aber bitte übrigens mit Verbrenner. Das Aus soll gekippt werden. Das sagt zumindest der Mercedes-Benz-CEO Ola Kellenius. Er hat sich gestern mit unserer Kollegin Julia Fiedler vom China Table über die Strategie der deutschen Autobauer und den Konkurrenzdruck aus dem Ausland unterhalten.
Sprecher 10: Herr Kelenius, erstmal vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben, mit mir zu sprechen heute. Jetzt haben Sie in einem Schreiben an die Kommission vom 27. August, an die EU-Kommission, in Ihrer Rolle als Präsident des Europäischen Automobilherstellerverbands ACEA gefordert, gemeinsam mit Kleber, dass Sie die Einhaltung der starren Ziele für 2035, das Verbrenner aus, in der heutigen Welt für schlicht nicht mehr umsetzbar halten. Warum glauben Sie, dass das nicht zu schaffen ist?
Sprecher 11: Es gibt keine Industrie, die mehr investiert in Dekarbonisierung in Europa. europäische Automobilindustrie. Wir haben in den letzten Jahren hunderte von Milliarden investiert in Elektromobilität, auch Ladeinfrastruktur und alle Enabling Factors, um Elektromobilität erfolgreich zu machen. Und wir sind gerade dabei, und man sieht es ja hier auch mit den verschiedenen Launches hier auf der IA in München, Wir sind gerade dabei, weitere 250 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren zu investieren. So wir sind voll committed und motiviert, um Elektromobilität erfolgreich zu machen. Und wir unterstützen uneingeschränkt die EU-Ziele, 2050 CO2-neutral zu sein. Das muss man vorab sagen. Gleichzeitig denke ich, ist es auch absolut legitim, nach einer Regulierung, die vor fünf, sechs Jahren gesetzt wurde, zu schauen, wo steht der Markt jetzt? Wie weit ist es? Bewegen sich alle 27 Länder in Europa in der gleichen Geschwindigkeit? Ein gutes Beispiel ist Ladeinfrastruktur. Von den 27 Ländern, würde ich sagen, haben fünf, sechs oder sieben richtig gut angefangen. Deutschland ist ein Land davon. Aber circa 20 Länder sind ganz am Anfang. Glauben wir, dass in neun Jahren wir bei 100 Prozent aller Kaufwünsche landen werden. Oder müssen wir vielleicht hier und dort umsteuern? Klagenhybride sind unglaublich populär. Das ist richtig. Dieses Segment wächst und da hast du mit längeren an Reichweiten jetzt die Möglichkeit, von Montags bis Freitag CO2-frei zu fahren und vielleicht dann gelegentlich für die längere Reise hast du auch den Verbrenner da. Dieses ganze Segment der Hybridisierung würde ja in neun Jahren verschwinden. Neun Jahre ist zeitlich in der Autoindustrie fast gar nichts. Das ist quasi ein Produktlebenszyklus. So die Investitionen für dieses würde jetzt schon aufhören.
Sprecher 10: Jetzt scheinen Ihre Vorstellungen jetzt in Berlin nicht unbedingt nur auf Taubeohren zu stoßen. Können Sie bestätigen, dass Sie im Auftrag des Kanzlers sogar dieses Verbrenner aus verhandeln sollen oder verhandeln werden?
Sprecher 11: Wir sprechen nicht für die Politik, aber wir sind ein... Denkpartner für die Politik. Und da tauschen wir uns auch aus mit den führenden Regierungen in Europa.
Sprecher 10: Jetzt möchte ich mal ganz kurz auf China blicken. Die Zahlen von Mercedes in China sind schlecht. Woher nehmen Sie den Glauben, dass es dort besser werden wird? Denn Sie haben ja sehr, sehr starke Konkurrenz dort auf dem chinesischen Markt. Sind das ganz andere Fahrzeuge als so ein Mercedes, aber die Preise sind sehr niedrig, die Kunden bekommen das, was sie wollen, deswegen kaufen sie eben auch diese Fahrzeuge. Woran hakt es für Mercedes in China? Denn sie sind ja schon sehr aktiv, sie entwickeln auch vor Ort, sie haben sich eigentlich schon sehr gut darauf eingestellt.
Sprecher 11: Mercedes-Benz ist der führende. Premium-Anbieter in China. So im relativen Spiel haben wir uns sehr gut behauptet. Gleichzeitig ist es richtig, dass der chinesische Markt, auch wenn man sieht, kommend aus Covid heraus, dass die Wirtschaft befindet sich auch in einer Phase, wo die manche Dinge restrukturieren und wo das dynamische Wachstum, was wir fast ununterbrochen 20 Jahre plus hatten, nicht sich so ergibt. Dazu kommt auch eine unglaublich hohe Wettbewerbsintensität, wo mehr als 100 Unternehmen, Marktteilnehmer in diesem Markt sind. Da muss man intelligent managen, wo sage ich, okay, wo verteidige ich Marktanteil, wo bin ich stark, wo kann ich wachsen. Und da haben wir uns sehr gut behauptet im relativen Spiel. Oben sind wir absoluter Marktführer, also uneingeschränkt absoluter Marktführer und haben unsere Marktposition sehr gut behauptet, teilweise Marktanteile ausgebaut. Am untersten Ende des Portfolios, da ist die höchste Wettbewerbsintensität. Da entscheiden wir von Fall zu Fall, wo es sich lohnt. Aber das Wichtigste ist Innovation, Vorwärtsspielen mit der Produktoffensive, die wir gestartet haben. Für alle diese Produkte, unter anderem den GLC, den wir hier zeigen, gibt es jetzt... Für China angepasste Varianten und wir bringen die größte Produktoffensive eigentlich je in den nächsten drei Jahren auch in den chinesischen Markt, um dort weiter wachsen zu können.
Sprecher 10: Ein kleines Stückchen weg vom Thema E-Auto und hin zum Thema autonomes Fahren. BYD baut beispielsweise sein intelligentes Fahrsystem God's Eye jetzt in fast alle Fahrzeuge serienmäßig ein, auch wenn man das jetzt hier beispielsweise natürlich nicht verwenden kann, weil es eben auch nicht zugelassen ist. Wo befinden Sie sich da aktuell?
Sprecher 11: Klare Botschaft. Mercedes ist mit vorne dabei und in einzelnen Dimensionen sind wir das führende Unternehmen. Aber natürlich immer mit Mercedes Sicherheit im Kopf. Wir haben die längste Erfahrung von allen Herstellern bei Fahrassistenzsystemen, weil wir die ersten vor 30 Jahren waren oder über 30 Jahren waren, die Fahrassistenzsysteme. Erfunden haben. Wir waren auch die Ersten, die ein Level-3-System eingeführt haben, angefangen hier in Deutschland, wo er tatsächlich zu der Computer fährt und auch die Verantwortung übernimmt. Wir haben ein sehr tiefes Verständnis dafür, was es heißt und was sicher ist und was nicht sicher ist. Aber ganz spannend ist, und das fing ja schon mit dem CLA an, der im Markt ist, jeder neue Mercedes, Hat ein Supercomputer an Bord, hat Sensorik rund um das ganze Auto und hat einen KI-basierten Software-Stack. Das heißt, die Gene ab jetzt in jedem Mercedes automatisiert zu fahren, ist da und kann over the air auch downgeloadet werden. Dann ist die Frage, in welcher Region ist was erlaubt? Und da hat man den größten Envelope in China, deswegen aus dem Stand, glaube ich, sind wir der erste Nicht-Chinese, der das jetzt in den Markt dort gebracht haben. Und in den anderen Märkten werden wir das, was regulatorisch erlaubt ist, den Kunden bieten.
Sprecher 10: Was braucht die Industrie hier in Deutschland oder in Europa, damit wir auf diesem Turf sozusagen dauerhaft weiter mithalten können, führend sind, während ja in China sehr schnell entwickelt wird, da vielleicht die Regularien zum Teil eben auch ein bisschen laxer sind? Was brauchen wir hier in Deutschland und in Europa, damit wir, wenn wir hier in zehn Jahren bei der IAA sind, sehen, okay, Mercedes ist weiter vorneführend mit dabei?
Sprecher 11: Das ist ja technologisch vielleicht das spannendste Feld überhaupt. Und Mercedes wird da massiv investieren und wir werden vorne mit dabei sein. Aber was bräuchte man in Europa? Wenn du ein Produkt entwickelst, was du nicht verkaufen kannst, dann entsteht kein Markt. Also was wir in Europa brauchen, ist überlegt, durchdacht, zwischen uns und Regulator eine Diskussion mehr und mehr von dieser Technologie. Auch zu den Kunden auf die Straße bringen zu können, was sonst passiert ist in anderen Regionen.
Sprecher 10: Vielen Dank, Herr Kalenius, für das Gespräch.
Sprecher 11: Ich danke.
Sprecher 3: Michi Mick war noch was.
Sprecher 2: Wir müssen mal über deinen und meinen Puls reden. Wie ist der eigentlich gerade bei dir?
Sprecher 3: Meiner ist ja immer sehr niedrig.
Sprecher 2: Ja, ist so. Du bist generell so eine, ne? Wahrscheinlich so unterzuckert, unterkühlt. Ich bin ganz ruhiges Wasser.
Sprecher 3: Nein, ich habe eine... Ich bin ganz ruhiges Wasser. Ich habe wirklich einen extrem niedrigen Blutdruck. Ich weiß nicht, ob du das schon weißt, aber das ist so, dass ich, wenn ich in der Sauna bin oder in der Badewanne war, mir meistens kurz schwarz vor Augen wird. Ich muss sagen, es ist etwas besser geworden als noch vor 20 Jahren. Irgendwie hilft das Alter da.
Sprecher 2: Kann man da was machen, wie so den ganzen Tag Lakritz essen oder viel Zucker?
Sprecher 3: Weiß ich nicht, aber als ich in den Schwangerschaften, wo man im Arzt regelmäßig der Blutdruck gemessen wurde, war es immer so, dass die Sprechstundenhilfen sagten, sind Sie gerade erst aufgestanden, lagen Sie stundenlang? Ich war aber gerade mit dem Fahrrad sieben Kilometer dahin gehetzt. Also es ist schon irgendwie komisch mit meinem Körper. Aber was soll ich dazu sagen?
Sprecher 2: Das erklärt deine sehr ruhige, souveräne Art, wie du auch hier Table führst. Aber darüber wollen wir heute gar nicht reden, Helene. Denn künftig, gute Nachrichten für dich, reicht bereits ein WLAN-Signal, um deinen Puls und damit ja die Frequenz deines Herzschlags zu testen. Du brauchst keine Uhr mehr oder keine Klinikapparatur, die irgendwie an deinem Körper dran ist, sondern ein WLAN-Signal. Das neue Verfahren hat die Universität Kalifornien in Santa Cruz erdacht. Es heißt Pulse FI, logischerweise.
Sprecher 3: Da muss ich jetzt natürlich klarstellen, dass der Puls, so wichtig er ist, mit dem Blutdruck gar nichts zu tun hat. Nur für alle, die sich jetzt schon aufregen und da einen zu hohen Blutdruck kriegen. Es hat mit dem Herzen zu tun. ist doch, Michael, das, was am Ende zählt.
Sprecher 2: Deswegen, ich wollte am Ende zum Herzen kommen und dass unser Herz möglichst lange, stetig, angemessen pulsiert. Kann man da auch pulsieren sagen eigentlich?
Sprecher 3: Angemessen pulsieren ist schön, vielleicht auch manchmal besonders schnell.
Sprecher 2: Tschüss, bis morgen. Table Today, 5 Uhr.
Sprecher 3: Tschüss.