Ist Berlin das neue Hollywood, Herr Böhning?
Dauer: 18:05

Ist Berlin das neue Hollywood, Herr Böhning?

Björn Böhning war Juso-Chef und Staatssekretär im Arbeitsministerium. Vor zwei Jahren ist der SPD-Politiker auf die Arbeitgeberseite in der Privatwirtschaft gewechselt und vertritt seither rund 340 Unternehmen in der Film- und TV-Branche. Als Hauptgeschäftsführer der Produktionsallianz fordert er im Interview mit Michael Bröcker eine neue steuerpolitische Filmförderung. Die Verlagerung der Produktionen vor allem nach Osteuropa sei ein Problem, sagt Böhning. Auch die großen Streaming-Anbieter würden zunehmend nicht mehr in deutsche Produktionen investieren. 


Bundeskanzler Olaf Scholz will bei einer Regierungserklärung heute im Bundestag offenbar deutlich Position bei der inneren Sicherheit beziehen. Innerhalb der Ampelkoalition sind sich SPD und FDP offenbar einig darüber, Abschiebungen nach Afghanistan wieder aufzunehmen. Die Grünen zögern hier.


In Bonn bereiten Wissenschaftler aus der ganzen Welt die nächste Klimakonferenz vor. Welchen Sinn haben diese Vorbereitungstreffen? Wird es greifbare Ergebnisse geben?


Außenministerin Annalena Baerbock hat den Sammelband „Das Auswärtige Amt und die deutschen Kolonien“ vorgestellt.

Es ist die erste systematische Aufarbeitung der Verstrickungen des Auswärtigen Amts vor, während und nach der Kolonialzeit. 

Zu diesem Buch gibt es eine Spezial-Ausgabe des "Africa.Table"


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Transkript

Sprecher: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski. Achtung, Achtung, heute ist Donnerstag, der 6. Juni und Olaf Scholz wird um 9 Uhr sich zu Wort melden mit einer Regierungserklärung. Und angeblich, so heißt es, wird er klare Kante zeigen bei der inneren Sicherheit. Michael, bist du auch so aufgeregt wie ich? Bist du sicher, dass deine Informationen stimmen? Klartext, klare Kante, innere Sicherheit, Olaf Scholz? So wurde es in der SPD erzählt. Weiß ich nicht. Wir gucken gleich drauf, was da zu erwarten ist. Ein bisschen was haben wir schon gehört. Und auch, was die Koalitionspartner zum Thema Abschiebung nach Afghanistan denken. Das ist mein Thema heute. Michael, hast du auch eins mitgebracht? Ich bringe das Thema der Bundesstadt Bonn mit. Der Ort, an dem das UN-Klimasekretariat sitzt und wo 6000 Klimaexperten und Klimaschützer jetzt zusammenkommen. Und warum eigentlich? Warum ist diese Klimazwischenkonferenz so wichtig? Und was hat sie mit der Flut zu tun? Darüber müssen wir reden. Zu unserem Tischgespräch kommt heute Björn Böning, der ehemalige Juso-Chef, Staatssekretär von Andrea Nahles. Und jetzt vertritt er die Filmwirtschaft und er wird mit uns darüber reden, ob das Streaming eigentlich Chance oder Risiko ist. Und zum Nachtisch geht es um Afrika. Genauer gesagt geht es darum, dass das Auswärtige Amt sich jetzt auch den Schattenseiten der eigenen Geschichte stellt, selber aufarbeiten will, welche Rolle es eigentlich in der Kolonialzeit gespielt hat. Und Annalena Baerbock hat gestern...ein Buch vorgestellt, das sich diesen Fragen widmet. Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.Los geht's, gleich beginnt die Regierungserklärung des Bundeskanzlers und er will jetzt das tun, was er sich eigentlich von Anfang an vorgenommen hat, nämlich bei der inneren Sicherheit keine offene Flanke lassen, der Union das Spiel nicht allzu leicht machen und das ist natürlich nach der Messerattacke, nach der tödlichen Messerattacke von Mannheim nun allerhöchste Zeit. Ja und wir müssen über den Mann reden, der das getan hat, den afghanischen Flüchtling, der eigentlich hätte abgeschoben werden können. Und es gibt zu Recht natürlich jetzt auch Forderungen, dass wir über Afghanistan reden müssen, die ja immerhin hier eine Botschaft haben in diesem Land, aber wir offiziell keine Beziehung zu diesem Land hegen. Also was ist da eigentlich der Status? Und das wenige Tage vor der Europawahl, da mobilisiert man natürlich nochmal stärker. Und interessanterweise haben jedenfalls mal zwei der drei Ampelfraktionen zu dem Thema, das du gerade erwähnt hast, nämlich Abschiebung nach Afghanistan, ziemlich klar Stellung bezogen. Die FDP hat am Dienstag in ihrer Fraktionssitzung eigens ein Papier verabschiedet. Es ist sieben Seiten lang wirklich eng bedruckt, also ganz schön viel haben die da erarbeitet. Und da heißt es unter anderem, wir wollen erreichen, dass Straftäter und Gefährder wieder nach Afghanistan abgeschoben werden können. Die FDP-Fraktion steht da vollkommen geschlossen hinter. Wurden in den vergangenen Jahren und zwar seit 2021, seit der Machtergreifung der Taliban, hat es keine Abschiebung mehr gegeben. Und nun soll nach dem Willen von FDP und auch der SPD zumindest in die Tage,Afghanistan, die als sicher gelten, wieder Abschiebungen vorgenommen werden. Die Union will das sowieso. Herbert Reul hat es neulich bei uns im Podcast gesagt. Nur die Grünen tun sich damit schwer. Ja, Annalena Baerbock hat sich ja dazu geäußert, nachzulesen, natürlich auch im Berlin-Table. Also sie hat ein Interesse, dass die Täter, die solche Straftaten begehen, natürlich zurückgeführt werden. Man müsste die Regeln verschärfen. Aber, aber, aber, aber, wie soll man mit einem islamistischen Terrorregime zusammenarbeiten, mit dem wir ja gar keine Beziehung haben? Und das ist natürlich auch ein valider Punkt. Bei Abschiebungen gehören immer zwei Seiten zusammen. Auch muss es Behörden in dem Land geben, in das abgeschoben wird. Aber darüber hat sich die SPD zum Beispiel schon Gedanken gemacht. Dort, so heißt es aus der Fraktion, ist man sich schon im Klaren darüber, dass es alles nicht einfach ist. Allerdings zeigt das Beispiel Schweden, die ja auch nach Afghanistan abschieben, dass es sehr wohl möglich ist. Und eine Idee ist, nach Pakistan abzuschieben und dann es den Pakistanis zu überlassen, die Menschen nach Afghanistan zurückzubringen. Jedenfalls spüren wir das immer dann, wenn was passiert, der SPD-Kanzler sich daran erinnert, dass die Sozialdemokratie auch mal eine Partei der inneren Sicherheit war. Das passt zu Otto Schilly, der ja diese Woche bei den Seeheimern auf der Spargelfahrt war. Also vor den Wahlen erinnert sich die SPD an Law and Order und dann kommt am Ende aber doch nichts. Denn man muss mal eins sagen, es sind tausend Afghanen seit 2004 abgeschoben worden in Europa. Das ist fast nichts, muss man sagen. Also irgendwie ist dieses Thema und der Mann ist seit 2014 ein abgelehnter Asylbewerber. Also irgendwie kriegt...Ringen wir es auch bürokratisch, behördenmäßig nicht in den Griff. Ja, wollen wir mal sehen, was jetzt passiert. Tatsächlich hat Olaf Scholz jedenfalls in den vergangenen Monaten bei der inneren Sicherheit nicht unbedingt gezeigt, dass es ihm ein Herzensanliegen ist. Er hat, wir erinnern uns, für die Mietpreisbremse die Vorratsdatenspeicherung geopfert und damit eine aus Sicht der Sicherheitsbehörden sehr wichtige Ermittlungsmethode. Jetzt spitzt sich die Lage natürlich, die Sicherheitslage zu, auch kurz vor der EM. Da muss er und will er zeigen, dass ihm das Thema am Herzen liegt. So viel wissen wir schon. Es wurde gemunkelt in der SPD, dass der Kanzler eine Überraschung bereit hat. Das ist ja auch seine typische Vorgehensweise. Er verrät im Vorfeld eben nicht genau die Maßnahme, die er greifen wird. Das war ja auch bei der berühmten Zeitenwende-Rede so, sondern überrascht nicht nur die Bevölkerung, die Journalisten, sondern auch seine eigene Partei und Fraktion mit einer Idee, auf die vielleicht vorher noch keiner gekommen ist. Also wir werden ganz gespannt um 9 Uhr lauschen, was er zu sagen hat. Von Afghanistan zurück nach Deutschland, genauer nach Bonn, wo die turnusmäßige Klimazwischenkonferenz stattfindet. Sie bereitet den COP29, also den Weltklimagipfel in Baku in Aserbaidschan vor. Und es geht vor allem darum, Klimaschutzmaßnahmen zu finanzieren für den globalen Süden. Denn dort erlebt man das fast täglich, was wir jetzt wieder erlebt haben, nämlich Flutkatastrophen, Dürrekatastrophen. Also dass die Klimafolgen tatsächlich das Leben erheblich beeinträchtigen. Und Antonio Guterres, der UN-Generalsekretär, hat ein Statement gesendet zu der Konferenz in Bonn. Da hören wir mal ganz kurz.Like the meteor that wiped out the dinosaurs, we are having an outsized impact. In the case of climate, we are not the dinosaurs. We are the meteor. We are not only in danger, we are the danger. But we are also the solution. Und in Bonn begrüßen wir jetzt Bernhard Pötter, den Ressortleiter unseres Climate Table. Er ist dort zusammen mit 6000 Wissenschaftlern, Politikern, Klimaexperten und Diplomaten und diskutiert über das Weltklima. Es ist die jährliche Zwischenkonferenz zur COP in Bonn. Hallo Bernhard. Hallo Lena nach Berlin. Ja, einer der Knackpunkte, so ist auch bei euch im Climate Table zu lesen, ist ja die Finanzierung des weltweiten Klimaschutzes. Gibt es da schon Andeutungen von einem Durchbruch? Die Konferenz hat zwar gerade erst begonnen, aber vielleicht zeichnet sich ja schon irgendwas ab. Nein, man kann nicht davon sprechen, dass es hier in irgendeiner Weise sich was abzeichnet. Das Maximale, was wir hier mitnehmen, ist ein Kompromiss darüber, worüber man eigentlich redet und was man in einem halben Jahr in Baku auf der Konferenz entscheiden muss. Also wie viel Geld soll ab 2025 die Weltgemeinschaft, vor allem die Industrienationen, für den Klimaschutz in den armen Ländern bereitstellen? Bisher sind das 100 Milliarden Dollar im Jahr. Das muss deutlich mehr werden, denn die Schäden und die Anforderungen für die Jährige...Energiewende sind deutlich höher, aber es ist überhaupt nicht klar, wie viel Geld insgesamt, also wie diese Nummer aussieht. Es ist auch nicht klar, wer bezahlen soll und muss, wie bezahlt wird, ob das Steuergeld ist oder ob das über zum Beispiel neue Steuern geht. Und es ist auch nicht klar, wer genau das Geld wofür bekommen soll. Das werden wir hier nicht klären, aber mit ein bisschen Glück haben wir hier sozusagen einen Fahrplan und eine genaue Bezeichnung, worüber in den nächsten drei, vier Monaten noch verhandelt werden muss, um dann in Baku bei der COP29 zu einem Ergebnis zu kommen. Tja, viele offene Fragen und mit ein bisschen Glück ein Fahrplan. Das klingt nach, ehrlich gesagt, nicht so viel. Lieber Bernhard, was bringen diese Treffen denn überhaupt? 6.000 Menschen kommen zusammen und mit einem so mageren Ergebnis. Warum macht man das? Ja, das ist eine gute Frage. Was bringen diese Konferenzen? Gegenfrage. Hat schon mal jemand diese Frage gestellt bei den 723 Friedenskonferenzen in Nahost? Natürlich bringen diese Konferenzen, dass man miteinander im Gespräch bleibt, dass man sich millimeterweise aufeinander zubewegt, weil es sonst überhaupt keine andere Möglichkeit gibt, diese Sachen zu klären. Sag mal, abgesehen vom Weltklima machst du dir, so habe ich gehört, auch Sorgen um deine Schuhe, denn der Rhein steigt und steigt. Bedroht nun auch die Fußgänger in Bonn. Was hat das mit der Konferenz zu tun? Ist das Thema, das war ja im Vorfeld nicht absehbar, gibt es da Reaktionen, dass man sagt, das zeigt doch jetzt den Handlungsbedarf? Naja, die Leute, die hier sind, denen muss man das nicht erklären, weil die natürlich von morgens bis abends mit dem Thema zu tun haben. Tatsächlich,hat der Rhein hier knapp die Kante erreicht. Die Freunde, bei denen ich hier bin, die Bernd Bonner sagen, das ist noch kein Hochwasser. Für mich als Flachländer ist das schon ziemlich hochwasserig. Und natürlich wird hier mit Erstaunen und Verwunderung und Ärger auf das geguckt, was teilweise darüber erklärt wird, über die Flutkatastrophe in Süddeutschland, in Bayern, wenn dann der Ministerpräsident von Bayern sagt, das sei jetzt nicht vorhersehbar. Wo hier die Leute versammelt sind, die nun wirklich seit Jahren und Jahrzehnten genau das vorhersagen, Klimawandel heißt mehr Regen, stärkere Regenereignisse, gerade hier in Deutschland. Und natürlich bei geringer Vorsorge so eine solche Überflutung. Also das wird hier mit sehr viel Stirnrunzeln, aber natürlich auch mit Achselzucken, weil es ist ja alles nicht neu. Das weiß man, dass dieses Thema einfach ignoriert und verdrängt wird.Und nun begrüßen wir zum Tischgespräch sehr herzlich Björn Böning, den ehemaligen Juso-Chef, der jetzt die Interessen der Filmwirtschaft vertritt. Und Michael Bröker hat mit ihm unter anderem über das Streaming gesprochen. Herzlich willkommen, erste Male bei uns im Podcast. Es wurde auch Zeit, lieber Björn Böning. Ja, hallo, guten Morgen. Schlägt die Wirtschaftskrise auch bei Ihnen durch? Ja, schon seit letztem Jahr haben wir gemerkt, dass die Kosten natürlich wie überall extrem steigen, bei uns auch. Und insbesondere haben wir eine Situation, dass wir europaweit nicht mehr so wettbewerbsfähig sind, aufgrund der besseren Förderstrukturen anderswo. Und dementsprechend haben wir ein tiefes Tal, das wir durchstreiten. 23 fing das an, 24 ist nochmal schlimmer geworden. Liegt auch daran, dass die Streamer und auch die TV-Sender weniger in Deutschland investieren. Und das merken wir natürlich. Lassen Sie uns über Stream und TV reden. Also die Aufträge, die Ihre Mitgliedsfirmen bekommen, sind die inzwischen mehrheitlich aus der Streaming-Welt? Nein, wir haben nach wie vor einen Großteil der Aufträge aus dem klassischen TV-Bereich. Dahingehend sind die Zahlen der Streamer immer noch sehr gering. Und man muss auch sagen, auch rückläufig. Viele Streamer haben ja beispielsweise ihre Produktion in Deutschland eingestellt. Paramount Plus, Sky produzieren gar nichts mehr in Deutschland. Warum? Weil es eine Entscheidung getroffen worden ist in den USA, dass man am deutschen Markt nicht mehr in deutsche Inhalte investieren muss, sondern...lediglich US-Ware hier ausspielen kann. Und das findet statt und das ist natürlich tragisch. Aber wenn ich so im Freundes- und Bekanntenkreis mich umhöre, dann schauen diese Freunde ja auch meistens internationale Produktionen bei Amazon oder Netflix und ganz wenige deutsche. In der Tat, wir müssen auch aus Deutschland heraus für den internationalen Markt produzieren wollen. Das war lange Zeit ja wenig möglich, weil man in deutscher Sprache produziert hat. In Deutsch sprechen auf der Welt nicht so viele Leute. Das heißt, man musste immer eine Übersetzung herbeiführen. Und das hat die deutsche Produktionswirtschaft nicht so international orientiert. Und da müssen wir umdenken. Denn durch die Plattform ist es eben möglich, 600, 700, 800 Millionen Abonnenten, Abonnentinnen zu erreichen. Und das bedeutet auch für die Produkte etwas. Interessant ist ja, worüber wir auch reden wollten, die Politik, die Filme fördert, die Filmwirtschaft fördert massiv in den einzelnen Ländern, aber auch die Bundesregierung, die jüngst ein Filmfördergesetz vorgelegt hat, das sie aber noch nicht ganz zufriedengestellt hat. Worum geht es da genau? Ja, wir brauchen eine Filmförderungsreform, die uns auf die europäische Landkarte der Produktion widersetzt. Man muss sagen... Es gibt eigentlich zwei Entwicklungen in Europa. Die eine ist die eher osteuropäische Entwicklung, durch die einen starken Steueranreiz, teilweise 30, 40 Prozent Filmförderung, dafür gesorgt haben, dass große Produktionen eben an Deutschland vorbei nach Osteuropa gegangen sind, nach Tschechien, nach Polen, nach Ungarn. Und wir haben eben eine Förderung von etwa 16 Prozent. Das ist ungefähr die Hälfte dessen, was in Europa die Regel ist.Und das Zweite ist, es gibt Länder wie Frankreich, wie Spanien, Italien, die haben eine sogenannte Investitionsverpflichtung. Das heißt, die verpflichten die Streamer in französischsprachige Produkte, spanischsprachige Radio-Produktionen zu investieren. Sonst bekommen sie gar keine Lizenz. Und dürfen dort nicht senden? Sonst müssen sie eine Abgabe leisten. Und das hat einfach damit zu tun, dass die Länder... Weil sie es als Standortpolitik verstehen. Als Standortpolitik, aber auch als Beitrag zur kulturellen Vielfalt. Man hat in Europa lange diskutiert über diese Möglichkeit und hat gesagt, okay, wir wollen nicht nur sozusagen verlängerte Arm der US-Industrie sein, sondern wir wollen schon auch unsere kulturellen Produktionen zur Geltung bringen lassen. Bei uns ist Claudia Roth zuständig, die Kulturstaatsministerin, die was aus ihrer Sicht zu viel Hochkultur macht und die Film- und Fernsehbranche nicht im Blick hat? Doch, sie hat die richtigen Vorschläge gemacht, aber es reicht ja nicht immer, die richtigen Vorschläge zu machen, sondern man muss jetzt auch die drei Säulen, die sie vorgeschlagen hat, neues Filmfördergesetz, Steueranreiz von 30 Prozent und Investitionsverpflichtung von 20 Prozent jetzt auch zur Geltung bringen. Das heißt, man muss jetzt innerhalb der Bundesregierung mal hopp machen, nämlich sich einigen und die politische Botschaft aussenden, dass diese Reform auch kommt. Andernfalls werden wir weiter diesen Attentismus erleben, dass Produktionen verschoben werden in eine Zeit, wo sie vielleicht besser gelingen. Man könnte ja auch fragen, warum kann eine gute Produktion nicht einfach komplett ohne staatliche Hilfen funktionieren? Wenn sie gut ist, wird sie gekauft und das nennt sich Marktwirtschaft. Ja, das stimmt, aber man weiß immer vorher nicht, ist eine Produktion erfolgreich oder nicht. Es gibt ein paar Faktoren, wie...Du nimmst einen berühmten Schauspieler, du nimmst eine berühmte Regisseurin, da kann man ungefähr auch gestalten oder hast einen tollen Inhalt, wo du weißt, Batman wird immer irgendwie geguckt. Aber letztlich bei der Großteil der Filme weißt du es vorher nicht, auch bei der Serie nicht. Und insofern ist es schon sinnvoll, dass es eine Förderung gibt, die eben ein Stück weit eine Wirtschafts- und eine Kulturförderung ist. Das ist auch in allen europäischen, auch internationalen Ländern ganz normal. Vielen Dank für den Besuch. Ich danke auch. Einen schönen Tag. Die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte verändert die Koordinaten bundesrepublikanischer Erinnerungskultur. Eine kritische Beschäftigung mit der Kolonialzeit und ihren Folgen ist neben die Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich, dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust getreten. So lauten die beiden ersten Sätze eines neuen Buches, das ich Ihnen hier zum Nachtisch sehr ans Herz legen möchte. Es hat den Titel Das Auswärtige Amt und die Kolonien und ist eine Aufarbeitung, eine kritische Selbstbetrachtung und Betrachtung des Auswärtigen Amts, das ja in der Vergangenheit nicht nur zur Zeit des Nationalsozialismus, sondern auch davor in der Kolonialzeit durchaus Flecken auf der eigenen Geschichte hat. Und es ist aus meiner Sicht allerhöchste Zeit, dass die Aufarbeitung jetzt stattfindet und zwar durch Wissenschaftler, nicht nur aus Deutschland, sondern auch der Blick aus Afrika. Das ist natürlich ganz wichtig, den auch in diesem Buch.Buch aufzunehmen, das die Außenministerin Annalena Baerbock gestern Nachmittag präsentiert hat. Wir können unsere Vergangenheit nicht ändern. Aber wir können unsere Geschichte im Lichte unserer heutigen Kenntnisse reflektieren. Und gemeinsam mit unseren Partnern und Helden für die Gegenwart und vor allen Dingen für unsere Zukunft ziehen. Die deutsche Kolonialpolitik war geprägt von Unrecht und Gewalt. Es war eine Politik, die menschenverachtend und rassistisch war. Und für die das Auswärtige Amt damals klar verantwortlich ist. In dem Buch ist klar benannt, dass das Auswärtige Amt eine Mitverantwortung für Gewalt und Verbrechen in den deutschen Kolonien zukommt und dass eine Aufarbeitung dieser Taten nicht erfolgt ist. Ab 1949, so ist zu lesen, prägten Indifferenz und Ignoranz, Passivität und Relativierung die bundesdeutsche Politik gegenüber den ehemaligen Kolonien im globalen Süden. Das hat sich heute verändert, nicht nur im Diskurs, die Forschung des Postkolonialismus, die durchaus auch, wie wir jetzt in der Debatte um den Krieg in Gazastreifen sehen, ihre Schattenseiten hat, ist aber natürlich in der Sache sehr, sehr wichtig, diesen Blick zu wagen. Und den wagt jetzt eben auch das Auswärtige Amt. Mein Kollege David Renke vom Africa Table war bei der Buchvorstellung dabei.und hat alles, was Sie zu dem Buch wissen müssen, für den Africa Table in einer Spezialausgabe aufgeschrieben, die Sie heute ab 6 Uhr bekommen können. Schauen Sie doch mal rein. Und damit verabschiede ich mich von Ihnen. Morgen ist Freitag, der 7. Juni. Dann ist schon die erste Juniwoche um. Wie die Zeit verfliegt, der Sommer steht vor der Tür. Es soll auch wieder wärmer werden. Machen Sie es gut und wenn Sie möchten, schreiben Sie uns doch Ihre Kommentare unter podcast.table.media. Wir freuen uns drauf. Bis morgen. Ihre Helene Bubrowski. Table Today. Mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.