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Energieeffizienz bekommt noch nicht den Stellenwert, den sie in der Energiewende verdient

Von Andreas Löschel

Neben den erneuerbaren Energien ist die Energieeffizienz ein zentrales strategisches Element der Energiewende. Weniger fossile Energien durch höhere Energieeffizienz bieten durch die Reduzierung von Kosten, Umweltschäden und Importabhängigkeiten wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorteile. In der Industrie sowie in Haushalten kann eine forcierte Verbesserung der Energieeffizienz dazu beitragen, die Energiekosten trotz steigender Energie- und CO2-Preise zu stabilisieren und damit die Bezahlbarkeit von Energie zu gewährleisten. Das Ziel der Steigerung der Energieeffizienz findet entsprechend durchweg die höchste Zustimmung bei Befragungen: etwa 90 % der Haushalte befürworten das Ziel einer höheren Energieeffizienz. Trotzdem erhält die Energieeffizienz bislang oft noch nicht den Stellenwert, den sie in der Energiewende verdient.

Zwar wurde in der Vergangenheit mit einem ganzen Bündel politischer Maßnahmen versucht, Anreize für mehr Energieeffizienz und für die Einführung energiesparender Technologien zu schaffen. Die Fortschritte blieben jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Diese sogenannte Energieeffizienzlücke kann auf wirtschaftliche, verhaltensbezogene oder institutionelle Hindernisse zurückzuführen sein. Eine Effizienzwende muss diese Probleme adressieren, um erfolgreich zu sein. Dies gilt insbesondere für die Industrie, die mit fast 30 % des Endenergieverbrauchs einen großen Energieverbraucher darstellt. Zwar ist auch der Endenergieverbrauch der Industrie seit 2008 um etwa 15 % gesunken, jedoch werden bislang große Potenziale zur Steigerung der Energieeffizienz nicht genutzt. Dies gilt insbesondere für die Bereiche Prozesswärme, mechanische Energie und Raumwärme. Hier sollten sich Investitionen doch eigentlich lohnen.

Von besonderer Bedeutung für die Wirtschaftlichkeit der Investitionen sind die Energiepreise. Steigende Energiepreise schaffen Anreize, in energiesparende Technologien zu investieren, um die Kosten für Strom, Brennstoffe und Wärme in der Industrie zu senken. Und zwar ohne, dass es umfangreicher zusätzlicher und politisch unsicherer Förderinstrumente und Technologieprogramme bedarf. Es gilt: Deutschland wird auch in Zukunft ein Land mit hohen Energiepreisen bleiben. Die Sperrung der Straße von Hormus hat Öl- und Gaspreise massiv ansteigen lassen und Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern offengelegt. Aber auch Strompreise werden hoch bleiben. Zwar haben heimischer Wind- und Solarstrom nahezu keine variablen Kosten, die Systemkosten des zukünftigen Stromsystems werden jedoch hoch ausfallen. Schließlich braucht es umfangreiche Investitionen in Übertragungs- und Verteilnetze, in steuerbare Kraftwerke sowie in Flexibilitätsoptionen wie Batterien, Elektrolyseure und Nachfragemanagement. Dies eröffnet natürlich vielfältige Möglichkeiten für unternehmerische Investitionen in Energieeffizienz, aber auch für die Nutzung erneuerbarer Energien und eben für mehr Flexibilität, die zwingend Digitalisierung erfordern.

Sinnvolle Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen scheitern häufig auch am Mangel an Informationen, Wissen und Bewusstsein. Je besser ein Unternehmen über den Energieverbrauch und die verfügbaren energiesparenden Technologien informiert ist, umso eher gelingt es, die Energieeffizienzlücke zu schließen. In Energieeffizienznetzwerken helfen fachlicher Austausch und eine qualifizierte interne oder externe Energieberatung dabei, taugliche Maßnahmen für den eigenen Betrieb zu entwickeln, spezifische Energieverbrauchs- oder Energieeffizienzziele festzulegen und passende Förderprogramme zu identifizieren. Weitere Managementpraktiken wie die Nutzung eines Energiemanagementsystems, das Energieverbräuche digital erfasst, analysiert und optimiert, oder strukturierte interne Entscheidungsprozesse zur Bewertung von Investitionsprojekten unterstützen die Identifizierung und das Heben von Potentialen. Hier gilt es anzusetzen: Energieeffizienz ist kein Selbstzweck, sondern kann Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz sichern.

Autor: Prof. Dr. Andreas Löschel ist Inhaber des Lehrstuhls für Umwelt-/Ressourcenökonomik und Nachhaltigkeit an der Ruhr-Universität Bochum sowie Wissenschaftler am RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

Wie gelingt eine Effizienzwende, die Energie und Strom gezielt einspart und industrielle Prozesse deutlich effizienter macht? Dieses Table.Forum zeigt, warum Effizienz zu einem entscheidenden Hebel für Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und die Modernisierung zentraler Infrastrukturen wird – und welche digitalen und strukturellen Ansätze den Wandel beschleunigen können.

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