CSR-Richtlinie: VDMA fordert Entschlackung der Berichtspflichten

Von Sarah Brückner
Sarah Brückner ist Abteilungsleiterin Umwelt und Nachhaltigkeit beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).
Sarah Brückner ist Abteilungsleiterin Umwelt und Nachhaltigkeit beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Manchmal wäre weniger mehr – auch auf dem Feld der Nachhaltigkeit. Die EU will deutlich mehr Unternehmen verpflichten, über Maßnahmen zu berichten, die für mehr Nachhaltigkeit sorgen. Sicherstellen soll dies die CSR-Richtlinie. Die EU plant hier ein weiteres umfassendes Regelwerk.

Auf Papier klingt das gut – aber in der betrieblichen Praxis wird die CSR-Richtlinie mit ihren vielen bis aufs Kleinste ausformulierten Vorgaben die meisten mittelständischen Betriebe überfordern. Damit wird sie lediglich dem Berufsstand der Berater Aufträge sichern. Der VDMA plädiert deshalb für einen risikobasierten Ansatz, der dort ansetzt, wo Unternehmen noch Einfluss haben, um zu qualifizierten Informationen zu gelangen.

Die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) hat erste Entwürfe für die Berichtsanforderungen vorgelegt. Diese konnten bis vergangene Woche öffentlich kommentiert werden. Der finale Vorschlag soll Ende des Jahres an die Kommission übermittelt werden. Die dort festgehaltenen Standards würden dann als delegierte Rechtsakte direkt von der Kommission verabschiedet. Gerade der Mittelstand muss nun also hoffen, dass die EFRAG die Rückmeldungen aus der Konsultation bei der Überarbeitung der Vorschläge berücksichtigt. Sicher ist das leider nicht.

Berichterstattung muss Mehrwert schaffen

Das „Weniger ist mehr“-Prinzip ist in den Entwürfen der EFRAG jedenfalls nicht zu finden. Und das ist im Hinblick auf verschiedene Punkte problematisch: Das Ziel einer guten Berichterstattung sollte darin bestehen, sowohl für die berichtende Organisation als auch für die Nutzer der Berichte einen Mehrwert zu schaffen. Das bedeutet, dass Prioritäten gesetzt werden, welche Informationen wesentlich sind und wirklich benötigt werden – und welche nicht. Sind die Anforderungen zu streng, besteht das Risiko, dass die Berichterstattung auf die Befolgung von Vorschriften fokussiert, anstatt Nutzern und Erstellern Mehrwert zu bieten. Das Ziel „Greenwashing verhindern“ könnte dadurch konterkariert werden.

Selbst für Unternehmen mit langjähriger Erfahrung in der Anwendung internationaler ESG-Berichtsstandards wird die Umsetzung mit großen Herausforderungen einhergehen. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Daten für die gesamte Wertschöpfungskette erhoben werden sollen. Die Lieferkette umfasst bei vielen Unternehmen Tausende von Lieferanten. Für die große Zahl mittelständischer Unternehmen, die erstmals unter die CSR-Berichtspflicht fallen, werden die Anforderungen in dieser Form nicht umsetzbar sein. Weder haben sie die Expertise, noch werden sie am Markt die Experten dafür finden.  

Vor allem Berater und Prüfer profitieren von den Standards

Insgesamt sollten die Offenlegungsanforderungen daher inhaltlich deutlich eingegrenzt werden – insbesondere für mittelständische Unternehmen. Es sollte außerdem zwingend darauf geachtet werden, dass die europäische Nachhaltigkeitsberichterstattung an den globalen Mindeststandards ausgerichtet wird, die vom International Sustainability Standards Board (ISSB) ausgearbeitet werden. Ein europäischer Sonderweg wäre hier kontraproduktiv.

In den bisherigen Entwürfen sehen wir eine große Gefahr, dass im Wesentlichen Beratungsunternehmen und Prüfer von den Standards profitieren, indem sie neue lukrative Aufträge akquirieren können. Sie werden jedoch keine Aussage über die Richtigkeit der Nachhaltigkeitsangaben machen können, sondern nur über den geprüften Prozess zur Erhebung und Überwachung der Berichtsangaben.

Deswegen spricht sich der VDMA – als Vertreter von rund 3500 Unternehmen der Investitionsgüterindustrie – mit Nachdruck dafür aus, die CSR-Berichtsanforderungen zu entschlacken. Die zumeist kleinen und mittelständischen Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus tragen mit ihren Produkten vielfach zur Nachhaltigkeit bei, etwa wenn auf den Anlagen Müll sortiert oder wiederaufbereitet wird. Das muss auch weiterhin ihre Hauptaufgabe sein – nicht das Erstellen von Berichten. Der Fokus sollte darauf liegen, mit den CSR-Berichten Mehrwert zu generieren. Sonst gilt die Weisheit von John Naisbitt: „Wir ertrinken in Informationen und hungern nach Wissen.“

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