Klimaschutz: Wie Telekom und Co. ihre Scope-3-Emissionen senken wollen

Die vier Telekommunikationsfirmen mit eigenem Mobilfunknetz in Deutschland wollen die Emissionen von Zulieferern und Kunden reduzieren. Sie setzen dafür auch auf Kreislaufwirtschaft. Wie viel das tatsächlich bringt, ist allerdings unklar.

05. März 2026
Telekom-Konzernzentrale in Bonn. (picture alliance / Bonn.digital | Marc John)
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Die Emissionen zu senken, die Lieferanten und Kunden verursachen (Scope 3), ist für viele Unternehmen schwierig. Denn ihr Einfluss darauf ist begrenzt. Für die vier großen Telekommunikationsfirmen mit eigenem Mobilfunknetz in Deutschland liegt ein wichtiger Hebel dafür in der Kreislaufwirtschaft. Mit Blick auf ihre Lieferanten setzen alle auf einen nachhaltigen Einkauf. Kundenseitig richten sie den Fokus auf aufbereitete Geräte und die Wiederverwendung von Material. Unterschiede zwischen Telefónica, der Telekom, Vodafone und 1&1 bestehen bei weitergehenden Maßnahmen – und ihren jeweiligen Fortschritten bei der Klimaneutralität.

Die Telekom ist im eigenen Betrieb konzernweit klimaneutral, Telefónica in den Kernmärkten. Die Telekom hat ein wichtiges Ziel erreicht: Sie ist weltweit bei den eigenen Emissionen (Scope 1 und 2) klimaneutral. Das gab sie vergangene Woche bekannt. Der Konzern, zu dem unter anderem elf Landesgesellschaften in Europa und T-Mobile US gehören, hat seine Emissionen um 94 Prozent gesenkt. Den Rest kompensiert die Telekom mit Projekten zur Bindung von CO₂. An solchen Projekten gibt es teils viel Kritik. Die Telekom verweist aber auf „einen hohen wissenschaftsbasierten Standard“. Telefónica ist in seinen Hauptmärkten Deutschland, Spanien und Brasilien bei den eigenen Emissionen bilanziell ebenfalls klimaneutral. Weltweit hat der Konzern seine Scope-1- und Scope-2-Emissionen seit 2015 um ungefähr 91 Prozent reduziert. Von den restlichen Emissionen kompensiert er circa 37 Prozent mit CO₂-Zertifikaten. Außen vor bleiben dabei Telefónica zufolge Emissionen außerhalb des Kernmarkts.

Vodafone ist in Deutschland im eigenen Betrieb klimaneutral, 1&1 setzt stärker auf Kompensation. Vodafone hat seine eigenen Emissionen in Deutschland um 93 Prozent reduziert und gleicht den Rest aus. In Europa will das Unternehmen im eigenen Betrieb bis 2028 klimaneutral sein – auf seinem wichtigen Markt Afrika bis 2035. Hinterher ist im Vergleich mit seinen drei Wettbewerbern 1&1: Das Unternehmen will seine eigenen Emissionen erst bis 2030 um 42 Prozent senken. Auch dann erst will es die Restemissionen kompensieren.

Bis 2040 wollen Telefónica, Telekom und Vodafone auch in Scope 3 klimaneutral sein. Und damit würden sie das Ziel zehn Jahre früher erreichen als die EU, die das für 2050 anstrebt. Die Telekom und Vodafone haben sich Zwischenziele gesetzt. Die Telekom will ihre Scope-3-Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 2020 um 47 Prozent reduzieren – Vodafone im gleichen Zeitraum um 50 Prozent. Wie hoch die bisherigen Einsparungen in Scope 3 sind, teilen nicht alle Unternehmen auf Anfrage mit. Telefónica hat sie nach eigenen Angaben seit 2016 um 18 Prozent reduziert. Vodafone spricht von „deutlichen Fortschritten“, nennt aber keine Zahl. Die Telekom geht – über alle Scopes hinweg – von einem Rückgang um 38 Prozent seit 2020 aus. 1&1 hingegen veröffentlicht aktuelle Zahlen erst Mitte März im neuen Konzernbericht.

Wie viele Emissionen sich mit Kreislaufwirtschaft sparen lassen, wissen die Unternehmen nicht. Die Spannbreite an möglichen Einsparungen sei laut Studien sehr groß, sagt Alexander Freudenberg, Projektleiter Kreislaufwirtschaft bei der Telekom. Aber die Telekom will es genauer wissen. Deswegen verknüpft sie den unternehmenseigenen Telco Circularity Score in diesem Jahr mit CO₂-Emissionen. Diese Bewertungsmetrik soll es der Telekom ermöglichen, dann ihre Fortschritte in der Kreislaufwirtschaft zu messen und zu steuern. Vodafone verfolge das Ziel, „einen wesentlichen Teil der geplanten Scope-3-Reduktionen über Zirkularität zu realisieren“.

Trotz unklarer Potenziale versprechen sich die Unternehmen wirtschaftliche Vorteile. So will Telefónica mithilfe der Kreislaufwirtschaft einen „zusätzlichen geschäftlichen Mehrwert“ schaffen. Robert Metzke, Leiter Unternehmensverantwortung bei der Telekom, sagt über Zirkularität: „Konsequenter Ressourcenschutz rechnet sich – ökologisch und ökonomisch.“ Ein Beispiel dafür dürfte eine Art interne Börse der Telekom sein, an der die Landesgesellschaften voneinander gebrauchte Mobilfunktechnik kaufen können. Dies habe nicht nur ökologische Vorteile, sondern spare auch Kosten und ginge schneller als über einen externen Marktplatz.

Die Unternehmen setzen vor allem auf den Einkauf, um Emissionen zu reduzieren. Damit zielen sie zum einen darauf ab, die Dekarbonisierung bei ihren Lieferanten voranzubringen. Zum anderen wollen sie dadurch die Energieeffizienz der verwendeten Geräte steigern. Dafür haben die vier Unternehmen spezielle Lieferantenprogramme. Allen fehlen jedoch noch CO₂-Daten in der Wertschöpfungskette. Dieses große Problem gehen Telefónica, Telekom und Vodafone auch in der Brancheninitiative Joint Alliance for Corporate Social Responsibility an.

Noch dominieren klassische Strategien wie Wiederverwendung und Recycling. Vodafone etwa habe „eines der größten Handyrecycling-Programme der Welt“, in dem für jedes verkaufte Neuprodukt ein Altgerät von Closing the Loop – einem niederländischen Sozialunternehmen – in ein zertifiziertes Recycling gegeben wird. Es verkaufe auch aufbereitete Smartphones, die bis zu 40 Prozent günstiger seien als Neugeräte. 1&1 gibt an, dass das Unternehmen über 60 Prozent seines Produktportfolios – etwa Smartphones – inzwischen als aufbereitete Alternative anbietet.

Telefónica setzt auf Recyclingmaterial, die Telekom auch auf gebrauchte Teile in neuen Geräten. Ein Beispiel für die „geschäftsrelevante Kreislaufwirtschaft“ im spanischen Konzern sei der neue HomeBox4‑Festnetz-Router, der einen deutlichen höheren Rezyklat-Anteil habe. Das Gerät sei auch leichter reparierbar. Die Telekom verwende beispielsweise im New Circuit Router die alte Platine eines Fairphone 2, sagt Alexander Freudenberg. Es ist ein Pilotprojekt. Zudem arbeitet der Konzern an einer höheren Quote von Recyclingmaterial in Rohren, die er für den Ausbau des Glasfasernetzes nutzt. Aktuell spart er damit acht Prozent Neumaterial ein.

Letztlich hänge der Erfolg der Bemühungen ein Stück weit auch von der Energiewende ab. Das betonen Telefónica und 1&1. So habe das Tempo der Dekarbonisierung der Energienetze einen Einfluss auf die Emissionen – was die Unternehmen nur bedingt beeinflussen können.

Hinweis: In einer früheren Fassung dieses Artikels hieß es fälschlicherweise, dass Telefónica im relativen Vergleich zur Telekom und Vodafone das Sechsfache seiner verbleibenden CO-Emissionen kompensiert. Der entsprechende Absatz wurde korrigiert.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026