Iran-Krieg: Diese Schäden drohen für Klima und Umwelt

Die ökologischen Folgen des Konflikts sind noch nicht erfasst, gelten aber als groß. Die Erfahrung zeigt, dass die größten Emissionen erst beim Wiederaufbau auftreten. Die Angriffe treffen eine Region, die gegenüber dem Klimawandel bereits sehr verletzlich ist.

16. März 2026
Iran Tehran Explosions March Smoke and flames rise at the site of airstrikes on an oil depot in Tehran on March 7, 2026. The United States and Israel launched strikes against Iran on February 28, prompting Iranian retaliation with missile attacks across the region and intensifying concerns about disruption to global energy and transport.
Angriff auf ein Öldepot in der Nähe von Teheran am 7. März. (IMAGO / Middle East Images)
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Der aktuelle Iran-Krieg zieht weitreichende Schäden auch für die Umwelt und das Klima nach sich. Auch wenn konkrete Zahlen im aktuellen Kampfgeschehen nicht zu erheben sind, birgt der Konflikt laut einer Analyse des britischen Thinktanks Conflict and Environment Observatory ein enormes „Risiko für akute und langfristige Schäden“.

Dazu gehören neben menschlichen Opfern auch Schadstoffe aus dem Einsatz von Waffen und etwa durch Brände in Ölterminals. Auch massive Treibhausgas-Emissionen, die Bedrohung von Trinkwasseranlagen und eine Verschärfung der Wasserkrise im Iran werden registriert. Als indirekte Folgen gelten der verstärkte Einsatz von Kohle statt Gas in Importländern und hohe CO-Emissionen beim Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur in der Zukunft.

Bis zum 10. März untersuchten die Analysten des Thinktanks 232 Angriffe auf ihre Umwelteffekte. Darunter sind kriegerische Handlungen im Iran, Irak, Israel, Kuwait, Jordanien, Zypern, Bahrain, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Oman und Aserbaidschan. Dabei wurden Attacken auf Raketenstützpunkte, Flugplätze, Marineeinrichtungen und Schiffe, Waffendepots, militärische Produktionsstätten, Öl- und Gasanlagen sowie Raffinerien geprüft.

Eine Studie zum Gaza-Krieg legt nahe: Die meisten Treibhausgase entstehen bei Konflikten nicht durch die militärischen Aktionen, sondern beim Wiederaufbau. Laut der Untersuchung über „die versteckten Klimakosten des Israel-Gaza-Krieges“ verursachten dort bis Januar 2025 die Emissionen aus Jets, Drohnen, Militärfahrzeugen oder Explosionen 1,3 Millionen Tonnen CO-Äquivalente. Der Bau von Verteidigungsanlagen, aber vor allem der geplante Wiederaufbau nach dem Krieg werde die Emissionen des Konflikts aber schätzungsweise um ein Vielfaches auf 33,2 Millionen Tonnen CO-Äquivalente ausweiten, heißt es in der Untersuchung unter Federführung der Queen Mary University of London, die in der Fachzeitschrift One Earth erschienen ist.

Im Iran-Krieg kommt ein Wechsel des Brennstoffs hinzu. Experten gehen davon aus, dass Länder wie China durch den Engpass an Gas aus dem Persischen Golf verstärkt auf Kohle mit höheren direkten CO-Emissionen setzen werden. Auch Indien steht vor der Alternative, mehr heimische Kohle einzusetzen, wenn der Gas-Nachschub ausbleibt. Wie hoch die Umwelt- und Klimaschäden aus diesem „Fuel-Switch“ sein werden, hängt vor allem von der Länge des Konflikts ab.

Die Dauer des Kriegs bestimmt auch den Preis für Öl und Gas. Zieht der Konflikt sich hin und bleiben die fossilen Energien teuer, könne das weltweit den Ausbau der Erneuerbaren als Ersatzenergien vorantreiben, spekulieren viele Experten. Allerdings könnte der Ausbau von Wind und Sonne auch gebremst werden: Höhere Energiepreise führten zu Inflation, die wiederum höhere Zinsen nach sich ziehen würde. In der Folge würde auch der Ausbau der Erneuerbaren teurer als bisher, so die Warnung.

Die Experten der Queen Mary University rechnen derzeit an einer ersten aktuellen Studie zu den Auswirkungen des Iran-Kriegs. Als sicher gilt aber, dass die Angriffe auf Öl- und Gasanlagen sowie Raffinerien derzeit die Region schwer belasten. Fossile Kraftstoffe, Schwermetalle und PFAS seien in die Böden eingetragen worden, Brände hätten Schadstoffe wie Dioxine und Furane freigesetzt. Israels Attacken auf vier Ölanlagen in und um Teheran am 7. und 8. März hätten in der Metropole mit etwa neun Millionen Einwohnern zu „schwarzem Regen“ und belasteter Luft geführt. Ähnliche Folgen hatten iranische Drohnenangriffe auf die Raffinerie Ras Tanurah in Saudi-Arabien am 2. März und auf den Fujairah-Hafen in den Vereinigten Arabischen Emiraten am 3. März.

Attacken auf Entsalzungsanlagen zeigten die enorme Verwundbarkeit der ohnehin unter dem Klimawandel leidenden Region. Als „eklatante und verzweifelte Kriminalität“ bezeichnete der Iran angebliche Angriffe der USA auf eine Entsalzungsanlage auf der Insel Qeshm in der Straße von Hormus. Kurze Zeit später attackierte das Land offenbar selbst eine Entsalzungsanlage in Bahrein mit Drohnen. Der Iran leidet im sechsten Jahr in Folge unter extremer Dürre. Das Regime kündigte deshalb bereits im Januar eine Verlegung der Hauptstadt in die südliche Küstenregion Makran an. Ende 2025 warnte die iranische meteorologische Organisation, dass Großstädten wie Teheran, Tabriz und Mashhad der „Wassertag Null“ drohe. Das ist der Moment, in dem die Behörden Wasser rationieren müssen.

Da militärische Emissionen bei der Klimabilanzierung in internationalen Abkommen nicht auftauchen, gibt es diesbezüglich eine „erhebliche Berichterstattungslücke“ auch im Pariser Klimaschutzabkommen, kritisieren die Forscher der Queen Mary University of London. Unter Berufung auf die nationale Sicherheit verschwiegen die Militärs gerne ihre Treibhausgasemissionen. Dabei gehöre der Sektor mit einem Anteil von 5,5 Prozent an der weltweiten Emissionen zu den weltweit größten Klimasündern, schätzten Forschende auf der Grundlage der nur spärlich zur Verfügung stehenden Daten.

„Das Verständnis der Umweltauswirkungen von Konflikten ist unerlässlich, wenn wir die Treiber des Klimawandels vollständig berücksichtigen wollen“, sagt Frederick Otu-Larbi, Koautor der Londoner Untersuchung. Er forderte die vollständige obligatorische Berichterstattung von direkten und indirekten Emissionen von kriegerischen Konflikten: „Mehr Transparenz bei den Militäremissionen trägt dazu bei, dass diese Auswirkungen nicht mehr übersehen werden.“

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026