Themenschwerpunkte


EU-Handelsbeziehungen beschränken Chinas Unterstützung für Russland

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  • Drei gegensätzliche strategische Interessen prägen Chinas Haltung in der Ukraine-Krise:
    • 1) Verfolgung einer geopolitischen Annäherung an Russland
    • 2) Sicherung eines stabilen internationalen Umfelds zur Wahrung der chinesischen Handelsinteressen, insbesondere gegenüber der EU
    • 3) Wahrung des Grundsatzes der Souveränität
  • Die Unvereinbarkeit dieser Interessen hat zu einer uneinheitlichen Reaktion geführt, bei der Peking die russische Position stillschweigend unterstützt, aber gleichzeitig versucht, seine Handelsbeziehungen zu den wichtigsten Partnerländern zu schützen.
  • Peking wird höchstwahrscheinlich versuchen, die Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland abzumildern, indem es seine Energieimporte erhöht (beide Länder haben sich bereits auf den Bau neuer Pipelines geeinigt), russischen Unternehmen einen besseren Zugang zum chinesischen Markt gewährt (zum Beispiel durch ein Abkommen für Weizen) und weitere Schritte zur „Entdollarisierung“ der Finanzbeziehungen unternimmt, die explizit darauf abzielen, die Auswirkungen der internationalen Sanktionen zu verringern.
  • Das strategische Kalkül hinter der Unterstützung Moskaus basiert dabei jedoch nicht auf wirtschaftlichen Interessen, da der Handel mit Russland nur 2,4 Prozent des gesamten chinesischen Warenhandels ausmacht, sondern vielmehr um eine ideologische Haltung und die Hoffnung, eine Beziehung zu stärken, die Peking dabei hilft, sich der internationalen Hegemonie der USA zu widersetzen.
  • Die stillschweigende Unterstützung Pekings für Russland hat ihren politischen Preis: Chinas geopolitische Annäherung an Russland hat die Wahrnehmung des Landes in der EU als sicherheitspolitischer Akteur in Europa weiter getrübt.
  • Insgesamt machen jedoch auch offizielle chinesische Erklärungen wie die außenpolitischen Äußerungen des Außenministers Wang Yi am Rande der Tagungen des Nationalen Volkskongresses deutlich, dass Peking die Handelsbeziehungen mit der EU nicht gefährden möchte, da der Handel mit der EU im Jahr 2021 13,7 Prozent des gesamten chinesischen Außenhandels ausmachte.
  • Einige chinesische Finanzinstitute wie die ICBC und andere Geschäftsbanken haben ihre Kontakte zu sanktionierten Unternehmen bereits eingeschränkt, was die Grenzen der chinesischen Unterstützung für Russland verdeutlicht.

Sinolytics ist ein europäisches Beratungs- und Analyseunternehmen, das sich auf China spezialisiert hat. Es berät europäische Unternehmen bei der strategischen Ausrichtung und den konkreten Geschäftsaktivitäten in der Volksrepublik.

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