Iran-Krieg: Asiatische Staaten besorgt wegen Auswirkungen auf Wirtschaft und Sicherheitspolitik

Asiatische Volkswirtschaften fürchten vor allem höhere Energiepreise durch eine Eskalation im Iran. Ein länger andauernder Konflikt könnte dort Inflation und Wirtschaftswachstum erheblich beeinträchtigen.

03. März 2026
Das unverzichtbare tägliche China-Briefing. Jetzt China.Table 30 Tage kostenlos testen!

Asiatische Staaten blicken weiterhin besorgt auf die Entwicklungen im Iran. Die Region ist vor allem wegen ihrer hohen Abhängigkeit in der Energieversorgung verwundbar. Ein sehr großer Teil der Öl- und LNG-Importe asiatischer Volkswirtschaften stammt aus dem Golf. Entsprechend würde eine Eskalation vor allem über höhere Energiepreise wirken, warnen Ökonomen der Investmentbank Natixis in einer aktuellen Analyse am Dienstag. Ein solcher Schock würde „vor allem die energieimportierenden Volkswirtschaften Asiens treffen“ und dort Inflationsdruck erzeugen.

Entscheidend ist laut Natixis die Dauer und Intensität des Konflikts. Ein kurzer, begrenzter Preisschub wäre für die meisten asiatischen Volkswirtschaften verkraftbar. Sollte es jedoch zu einer länger anhaltenden Störung der Energieflüsse – etwa rund um die Straße von Hormus – kommen, könnten die Effekte deutlich größer ausfallen. In diesem Risikoszenario würde der Konflikt „spürbare negative Auswirkungen auf Wachstum, Außenbilanzen und Inflation in Asien“ entfalten und damit die geldpolitischen Spielräume in der Region merklich einengen.

Für Indien geht der Konflikt weit über den Ölmarkt hinaus: Zwar importiere Indien rund die Hälfte seines Rohöls durch die Straße von Hormus, doch diesmal seien auch Exportmärkte, Finanzflüsse und Wechselkursstabilität bedroht, schreibt Bloomberg-Analyst Andy Mukherjee. Die Vereinigten Arabischen Emirate, die ein wichtiges Ziel für indische Elektronik-Exporte sind, sind durch Angriffe direkt betroffen, und die Logistikkosten für den Handel steigen dadurch deutlich. 

Ein weiterer zentraler Faktor sind die Rücküberweisungen indischer Arbeitskräfte aus dem Golf, von denen rund demnach neun Millionen Menschen abhängig sind. Die zunehmende Instabilität gefährdet die Geldflüsse, die einen wichtigen Beitrag zum Devisen‑ und Binnenkonsum leisten.

Auch sicherheitspolitische Effekte für die Region werden in den Staaten diskutiert: Japanische Abgeordnete trafen sich zu Beginn der Woche in Tokio mit Regierungsbeamten, um über Evakuierungspläne, Energiereserven und die rechtliche Grundlage des US-Vorgehens zu sprechen. Hinter den Detailfragen stand eine strategische Sorge: Was passiert mit der Abschreckung in Asien, wenn Washington militärische Ressourcen in den Nahen Osten verlagert? Besonders akut ist dies für Japan und Südkorea mit großen US-Stützpunkten sowie für Taiwan, das sich durch China bedroht sieht.

Politiker und Experten warnen vor den Risiken einer längeren US-Bindung im Nahen Osten. Der taiwanische Abgeordnete Chen Kuan-ting sagte Reuters, man hoffe, die Operation bleibe „schnell und begrenzt“ und Ressourcen könnten „rasch nach Asien zurückverlagert werden“. Andernfalls könne ein längerer Konflikt „Stabilität und Frieden im Indo-Pazifik“ gefährden. Der Militäranalyst Bryan Clark vom US-Thinktank Hudson Institute betonte: „Die US-Marine ist stark überdehnt“, und die Flotte sei „nicht ausreichend, um in jedem Einsatzraum dauerhaft präsent zu sein“, was im Ernstfall zu einer geringeren US-Präsenz in Asien führen könnte.

Strategisch stellt sich damit die Frage, ob Washington seine Priorität im Indo-Pazifik – die Eindämmung Chinas – durchhalten kann. Zwar sehen manche Analysten kurzfristig auch Nachteile für Peking, doch je länger der Nahostkonflikt dauert, desto größer könnte Chinas Spielraum werden. Eine japanische Regierungsquelle formulierte das Dilemma gegenüber Reuters so: Die Strategie laute, „Iran im Nahen Osten einzudämmen und anschließend Ressourcen auf den Umgang mit China zu verlagern“ – entscheidend sei jedoch, „ob am Ende genügend Ressourcen für diese Verlagerung übrig bleiben“. Amelie Richter

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026