Immer mehr Krebstote: China reagiert mit noch mehr Forschung

In China steigt die Zahl der Krebserkrankungen im Vergleich zum Westen überproportional. Dieser negative Trend stieß in China eine schnellere Entwicklung neuer Medikamente und Diagnoseverfahren an. Davon profitiert auch der Rest der Welt.

21. Januar 2024
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China hat ein Krebsproblem. Die Zahl der Krebstoten in China ist zwischen 2005 und 2020 um 21,6 Prozent auf jährlich fast 2,4 Millionen angestiegen, wie aus einer neuen Studie des staatlichen Chinesischen Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) hervorgeht. Seit 2010 ist Krebs demnach die häufigste Todesursache in der Volksrepublik.

Neben den steigenden Todeszahlen sind dies die wichtigsten Erkenntnisse der im Dezember 2023 veröffentlichten Untersuchung:

  • Die Gesamtzahl der verlorenen Lebensjahre aller Krebspatienten zusammen stieg um vier Prozent auf 56,6 Millionen.

  • Die drei häufigsten tödlichen Krebsarten für beide Geschlechter sind seit langem Lungenkrebs, Leberkrebs und Magenkrebs, daran hat sich nichts geändert. Bei den Männern blieben Speiseröhrenkrebs und Darmkrebs die viert- und fünfthäufigste Todesursache. Bei den Frauen stieg Darmkrebs zur vierthäufigsten Todesursache auf und Brustkrebs zur fünftgrößten. Der Speiseröhrenkrebs verlor dagegen bei weiblichen Todesfällen etwas an Bedeutung.

  • Bei Kindern und Jugendlichen waren Leukämie und Hirntumore die häufigsten Krebstodesursachen. Bei Erwachsenen mittleren Alters waren es Lungen-, Leber- und Brustkrebs und bei älteren Menschen über 60 Jahren Lungen-, Leber- und Magenkrebs.

  • In städtischen Gebieten sind die Mortalitätsraten für fast alle Krebsarten zurückgegangen. In ländlichen Gebieten stiegen sie dagegen bei etwa der Hälfte aller Krebsarten an.

  • Die Krebsbelastung in China nähert sich zunehmend der in den hoch entwickelten Ländern an. Besonders besorgniserregend ist laut der Studie jedoch, dass die Sterblichkeitsrate in China deutlich über dem Weltdurchschnitt und dem der wohlhabenden Länder liegt.

Peking ist nicht untätig

China hat seit langem die höchste Zahl an Krebstoten weltweit. Die CDC-Forschenden warnen indes davor, dass die Mortalitätsraten des Landes aufgrund der begrenzten Datenlage möglicherweise sogar noch unterschätzt wurden. Sie fordern die chinesische Regierung auf, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Krebslast zu verringern. Dazu gehören die Förderung von kostengünstigen Krebsfrüherkennungs- und Impfprogrammen sowie die Umsetzung einer strikten Tabakkontrollpolitik.

Vor allem aber geben wissenschaftliche Durchbrüche Anlass zur Hoffnung, dass China nicht nur mittelfristig seine eigenen Probleme in den Griff bekommt, sondern auch einen Beitrag zur Lösung des globalen Krebsnotstands leisten kann.

Der Westen profitiert von Chinas wissenschaftlichen Durchbrüchen

Ebenfalls erst vor wenigen Wochen stellte Dizal, ein biopharmazeutisches Unternehmen aus der Provinz Jiangsu, ein neues, vielversprechendes Medikament vor. Sunvozertinib zeigt gute Ergebnisse bei der Behandlung einer bestimmten Art von Lungenkrebs. In einer Phase-2-Studie mit 104 Patienten im fortgeschrittenen Krankheitsstadium zeigte Sunvozertinib eine deutlich höhere Wirksamkeit als alle bisherigen Kandidaten.

Vielversprechende Forschung

Es gibt eine Vielzahl ähnlicher Meldungen zu erfolgversprechenden Medikamenten aus China. So machten Forschende dort auch Fortschritte bei der Entwicklung und Anwendung von KI-basierten Bilderkennungssystemen, die in der Onkologie eingesetzt werden. Auch diese werden ihren Weg in den Westen finden. Gerade erst hat die DAMO Academy, ein Forschungsinstitut der Alibaba Group, ein neues KI-gestütztes Tool vorgestellt, das frühe Anzeichen von Bauchspeicheldrüsenkrebs erkennen kann. Das Tool mit dem Namen PANDA kann auf CT-Scans noch genauer als Radiologen erkennen, ob ein Patient erkrankt ist.

Untätig ist Peking nicht. Gesundheitspolitiker haben es sich zum Ziel gesetzt, die Gesamtüberlebensrate von Krebspatienten bis 2025 um zehn Prozent zu erhöhen. Die vorzeitige Sterblichkeit durch nichtübertragbare Krankheiten einschließlich Krebs will man dagegen bis 2030 um 30 Prozent senken.

Chinesische Unternehmen haben Fortschritte bei der Entwicklung neuer Medikamenteerzielt. Manche von diesen werden nun auch im Westen eingesetzt; so hat die Zulassung des Medikaments Toripalimab in den USA kürzlich für Aufsehen gesorgt. Das von Shanghai Junshi Biosciences entwickelte Medikament wurde im Oktober von der US Food and Drug Administration (FDA) zur Behandlung des Nasopharynxkarzinoms (NPC) zugelassen. Das ist eine aggressive Krebsart, die hinter der Nase im oberen Teil des Rachens beginnt. Toripalimab ist das erste und derzeit einzige von der FDA zugelassene Medikament zur Behandlung dieser Krebsart.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026