Drei KI Probleme des Mittelstands und warum sie vor allem ein Führungsproblem sind

PD
22. April 2026
Für Philipp Depiereux sind Führung, Tempo und konkretes Handeln für sinnvolle KI im Mittelstand entscheidend. (Philipp Depiereux)

Wenn ich mit Geschäftsführern über KI spreche, höre ich fast immer dieselben drei Sätze. Sie klingen vernünftig, sind aber in Wahrheit oft Ausreden. Und sie kosten Unternehmen wertvolle Zeit.

Problem 1: „Wir warten, bis die Technik reif ist.“

Das ist die teuerste Ausrede von allen.

Die KI wird nicht irgendwann plötzlich fertig sein. Sie wird jeden Monat besser. Wer heute wartet, verpasst nicht nur die nächste Version, sondern Lernkurve, Erfahrung und Tempo.

Zwei Wettbewerber, gleiche Branche. Der eine startet heute, der andere diskutiert noch. Nach zwei Jahren hat der Erste Teams trainiert, Prozesse angepasst, Produktivität gewonnen. Der Zweite steht am Anfang.

Lösung: Kein Strategietheater. Kein Foliensatz. Kein Konzeptpapier. Ein konkretes Problem auswählen, ein kleines Team freimachen und in sechs Wochen einen funktionierenden Anwendungsfall bauen.

Problem 2: „Unsere Daten sind nicht gut genug.“

In vielen Unternehmen stimmt das.

Stammdaten unsauber, Informationen in Silos, Systeme sprechen nicht miteinander. Ohne klare Datenbasis wird KI nicht skalieren.

Genau hier beginnt die nächste Ausrede. Schlechte Daten sind kein Grund, nicht mit KI zu starten. Wer wartet, bis intern alles perfekt bereinigt und dokumentiert ist, wird noch sehr lange warten.

Lösung: Das eine tun, aber das andere nicht lassen. In Nischen, wo schnell Nutzen entsteht, mit KI starten: Meetings protokollieren, Wissenstransfer, Angebotsprozess. Gleichzeitig die Stammdaten aufräumen, Silos aufbrechen und sichere Schnittstellen zu KI etablieren. Das dauert lang und ist teuer – muss aber sein.

Problem 3: „Die IT macht das schon.“

Das ist ein Denkfehler.

Wer KI in eine Abteilung abschiebt, bekommt vielleicht Demos und Tooltests. Aber keine echte Veränderung. Denn KI verändert nicht nur Systeme, sondern Entscheidungen, Rollen, Abläufe und ganze Geschäftsmodelle.

Lösung: Der CEO muss das Thema selbst treiben. Abteilungsübergreifend, mit klaren Prioritäten und Verantwortlichkeiten – und der Erwartung an alle Führungskräfte, selbst zu testen, zu lernen und umzusetzen.

Der Mittelstand hat dafür beste Voraussetzungen: Kundennähe, Fachwissen, starke Prozesse und hohe Umsetzungsstärke. Was fehlt, ist meist nicht Technologie. Sondern Klarheit, Priorität und Tempo.

Mein Vorschlag: Setzen Sie sich diese Woche eine Stunde mit Ihrem Führungsteam zusammen. Benennen Sie einen konkreten Prozess, ein echtes Schmerzthema und einen Verantwortlichen. Und dann starten Sie. Jetzt.

Philipp Depiereux ist Unternehmer, Digitalbeirat von Knauf und Tchibo Coffee Service – und Co-Autor von „Mut zur KI“ (Gabal).

Dieser Standpunkt spiegelt nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider.

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Letzte Aktualisierung: 22. April 2026