50 Jahre Hayeks Entnationalisierung des Geldes

Staatliche Geldpolitik führt laut Hayek zwangsläufig zu Inflation und Krisen. Sein Gegenentwurf – privater Währungswettbewerb – blieb lange unbeachtet. Doch digitale Währungen geben seiner Vision neue Aktualität.

GS
16. Mai 2026

Vor 50 Jahren veröffentlichte Friedrich August von Hayek sein Buch Choice in Currency: A Way to Stop Inflation. Auf Deutsch: Entnationalisierung des Geldes. Am Anfang verweist Hayek auf einen Satz aus The Wealth of Nations von Adam Smith, dessen Erstveröffentlichung sich 2026 zum 250. Mal jährt: Die Herrscher hätten immer wieder das Vertrauen ihrer Untertanen missbraucht, indem sie aus Habgier den Metallgehalt ihrer Münzen reduzierten.

200 Jahre später beklagt Hayek in Entnationalisierung des Geldes, dass die Menschen den inflationären Geldpolitiken der Zentralbanken aus Unkenntnis sogar Beifall spenden, obwohl der Schaden immens ist. Nach Hayek können demokratisch gewählte Regierungen nicht im Allgemeininteresse handeln. Die Versuchung, allen möglichen Unzufriedenheiten mit der Manipulation der Geldmenge zu begegnen, sei zu groß.

Billiges Geld schaffe nicht nur durch Inflation große Ungerechtigkeiten. Es verzerre auch die relativen Preise, was Produktionsfaktoren in Investitionsprojekte ziehe, die auf Dauer nicht überlebensfähig seien. Das ziehe unweigerlich Krisen nach sich. Wir sollten gelernt haben, dass die Geldpolitik viel eher eine Ursache als ein Heilmittel von Depressionen ist, weil es viel einfacher ist, dem Geschrei nach viel billigem Geld nachzugeben“, merkt Hayek an.

Seine Lösung: Statt staatlichem Geldmonopol sollen private Banken eigene Währungen emittieren dürfen – gelockt von beträchtlichen Geldschöpfungsgewinnen, auch Seigniorage genannt. Da die Nutzer ihr Geld freiwillig wählen, entsteht ein Wettbewerb zwischen den privaten Banken. Die Banken mit den stabilsten Währungen setzen sich durch. Um Nutzer anzulocken, böten die Banken möglicherweise zusätzliche Dienstleistungen wie die Abwicklung des Zahlungsverkehrs für ihre Kunden an.

In verschiedenen Teilen der Welt könne es Institutionen geben, die durch den Ankauf von Fiat-Währungen oder durch Kreditvergabe Noten und Einlagen mit ihren eigenen Bezeichnungen schaffen, beispielsweise einen privaten Schweizer Dukaten. Die Banken verpflichten sich, die Menge ihrer Währung so zu regulieren, dass ihre Kaufkraft gemessen an einem Warenkorb konstant bleibt. Wenn private Währungen zu stark an Wert verlieren, werden die emittierenden Banken von den Nutzern abgestraft, indem sie ihre Bestände reduzieren.

Während Hayeks Idee vom privaten Währungswettbewerb in den letzten 50 Jahren wenig Resonanz gefunden hat, haben seit der Jahrtausendwende zunehmend expansive Geldpolitiken schwaches Wachstum und wachsende Ungleichheit mit sich gebracht. In der Öffentlichkeit dominiert hingegen das Narrativ, dass Politiker und Zentralbanken mit immer mehr Geld die Welt besser machen. Die überwiegend staatlich finanzierte Wissenschaft hat die negativen Effekte expansiver Geld- und Finanzpolitik bislang kaum erkannt.

Doch mit digitalem Gold, Kryptowährungen und Stablecoins sind private Alternativen zu den staatlichen Papierwährungen entstanden. Die Auswirkungen auf das globale Geld- und Finanzsystem werden davon abhängen, wie die USA und die EU auf den wachsenden Währungswettbewerb reagieren werden.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

Dieser Standpunkt spiegelt nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider.

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Letzte Aktualisierung: 16. Mai 2026