CEO.Table – Ausgabe 84

Privat-Credit-Markt wächst + DHL-CEO im Interview + Trump trifft Xi

Teilen
Kopiert!

Executive.Summary

Private Credit: Der Markt wächst – ist aber nicht für alle Mittelständler offen

Zu groß für kleine Banken und zu klein für große Banken – weil viele Mittelständler dieses Problem bei der Finanzierung haben, greifen sie immer häufiger auf Private-Credit-Fonds zurück. Die beginnen dort, wo übliche Hausbankkredite aufhören, und sind deshalb längst zu einer wichtigen Finanzierungsquelle geworden. Das Problem: Die Fonds, die diesen Markt bedienen, schauen derzeit besonders kritisch auf ihre Kreditnehmer – und das Kapital fließt zunehmend selektiv. Hinzu kommt: Die Bedingungen für Folgefinanzierungen werden schlechter.

Der europäische Private-Credit-Markt verwaltet bereits rund 450 Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 flossen 55 Milliarden Euro (65 Milliarden US-Dollar) in europäisch fokussierte Fonds, wie Sascha Steffen ermittelt hat. „Private Credit ist kein Nischenprodukt mehr. Aber die aktuelle Marktgröße bildet weder die strukturelle Chance noch das strukturelle Risiko ab“, so der Finanzprofessor an der Frankfurt School of Finance.

Private Credit funktioniert anders als ein klassischer Bankkredit. Statt einer Bank vergibt ein Fonds das Darlehen – oft in Zusammenarbeit mit Private-Equity-Fonds auf der Eigenkapitalseite –, etwa die deutschen Mittelstands-Kreditfonds von Rantum Capital und HF Debt, internationale Private-Credit-Plattformen mit starkem Deutschland-Bezug wie Berenberg, Invesco und Amundi sowie die in Deutschland verfügbaren Private-Debt-ELTIFs von Tikehau, StepStone und M&G. Das Kapital in den Fonds stammt meist von Versicherungen, Pensionskassen oder vermögenden Privatkunden. Vorteil für Unternehmen: schnellere Entscheidung, flexible Strukturen, oft nur ein Verhandlungspartner statt eines ganzen Bankenkonsortiums. Nachteil: Sie sind meist teurer.

Der strukturelle Rückenwind für Private Credit in Deutschland wächst – nicht zuletzt, weil Banken sich aus der direkten Kreditvergabe weiter zurückziehen. Für den Euroraum meldete die jüngste EZB-Umfrage, dass Banken ihre Kreditvergabe im ersten Quartal 2026 in allen Kreditkategorien deutlich verschärften; bei Firmenkrediten hält dieser Straffungstrend laut Bericht seit dem dritten Quartal 2023 an und für das zweite Quartal 2026 wurden weitere Einschränkungen erwartet.

Das Kapital ist da – es ist die Verteilung, die das Problem schafft. Nach Abschreibungen auf Softwareunternehmen in US-Portfolios – deren Geschäftsmodelle der Vormarsch Künstlicher Intelligenz unter Druck setzt – prüfen Fonds vor allem technologiegetriebene Geschäftsmodelle kritischer. Wer heute Kapital sucht und in diesem Bereich tätig ist, muss auch hierzulande damit rechnen, dass Fonds mit Blick auf KI Fragen stellen – insbesondere, weil das Geld in hiesigen Finanzierungen zu großen Teilen von US-Fonds bereitgestellt wird.

Die nächsten 18 Monate werden den europäischen Private-Credit-Markt zum ersten Mal ernsthaft testen – und mit ihm tausende Mittelständler, die zwischen 2021 und 2022 zu Niedrigzinskonditionen Kapital aufgenommen haben. „Die Jahrgänge 2021-22 nähern sich ihren Anschlussfinanzierungen 2026–27, möglicherweise vor dem Hintergrund höherer Finanzierungskosten“, warnt Steffen. Konkret heißt das: Wer damals zu günstigen Konditionen einen mehrjährigen Kredit aufgenommen hat, muss ihn jetzt in einem Markt verlängern, in dem die Risikoprämien wieder steigen und Fonds genauer hinsehen.

Bei Unternehmen mit starker Bonität hat sich die Verhandlungsmacht sogar verbessert. „2024 endete das Golden Age sehr abrupt. Die Banken sind zurück“, sagte Robert Scheer, Co-Head Private Credit Origination bei M&G, bereits vor einem Jahr auf der SuperReturn-Konferenz in Berlin. Für das Mid-Market-Segment, in dem M&G als Senior Direct Lender tätig ist, sei ein Margenrückgang von rund 100 Basispunkten zu beobachten. Starke Kreditnehmer haben damit mehr Spielraum, beide Finanzierungswege – Banken oder Privat – gegeneinander abzuwägen.

Viele mittelständische Unternehmen zögern derzeit mit Investitionen. Die generelle Verunsicherung, das zeigt eine Erhebung von Creditreform, sorgt für Zurückhaltung. Derzeit planen demnach 44,7 Prozent der Befragten ein Investitionsvorhaben. Das liegt zwar über dem niedrigen Vorjahreswert von 41,7 Prozent, bleibt aber deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre (siehe Grafik). Die Investitionsbereitschaft wird auch von strukturellen Schwächen am Standort Deutschland gebremst.

Mittelfristig könnte sich das Kapitalangebot verbreitern. Deutsche Versicherer verwalten laut Finanzprofessor Steffen rund 1,8 Billionen Euro. „Selbst eine Umschichtung von zwei bis drei Prozentpunkten in Private Credit erzeugt Kapitalflüsse, die das gesamte jährliche Fundraising des europäischen Marktes übersteigen“, rechnet er vor.

Teilen
Kopiert!

ANZEIGE

Alle reden über Pilotprojekte. Wir liefern AI Business Cases. PwC Deutschland. So you can.

Von Pilotprojekten zu profitablen Geschäftsmodellen: Mit einer datenzentrierten KI-Strategie transformieren Sie Ihr Unternehmen und schaffen messbare Ergebnisse. Entdecken Sie, wie ein strukturiertes AI Business Case Portfolio Wachstum, Profitabilität und Skalierung ermöglicht. Hier mehr erfahren.

Frage an

Moonfare-CEO: Wie ist deutsches Privat-Equity aufgestellt, Herr Pauls?

Weil Finanzierungen selektiver werden, rückt ein angrenzender Bereich stärker in den Fokus: Private Equity. Im Unterschied zum kreditbasierten Geschäft geht es hier um Beteiligungen und damit um eine andere Form der Kapitalbereitstellung – mit längeren Zeiträumen, höherem Risiko, aber auch größerem Einfluss auf die Unternehmensentwicklung.

Laut Steffen Pauls, CEO von Moonfare, beschleunigt sich die Bedeutung solcher Finanzierungsformen in Deutschland derzeit vor allem im familiengeführten Mittelstand. Wettbewerbsdruck, technologische Aufholprozesse sowie Energie‑ und Digitaltransformation führten dazu, dass sich viele Unternehmen zunehmend die Frage stellten, „ob sie diesen Weg noch alleine gehen können“. Private Markets gewinnen vor diesem Hintergrund an Gewicht – auch, weil klassische Kreditfinanzierungen schwieriger geworden sind. „Die Bedeutung von Private Markets wird weiter zunehmen. Die Zahl der IPOs sinkt, Unternehmen bleiben immer länger privat, und ein wachsender Teil der Wertschöpfung entsteht außerhalb der Börse“, sagt Pauls.

Gleichzeitig verweist er auf ein strukturelles Defizit. „Deutschland ist auf der Angebotsseite von Private Equity ein Entwicklungsland.“ Es fehle an großen heimischen Playern, wie sie in den USA, den nordischen Ländern oder auch in Frankreich und der Schweiz existieren. Strategisch relevante Bereiche wie KI‑Infrastruktur, Rechenzentren sowie Daten‑ und Verteidigungsinfrastruktur in Europa würden daher heute überwiegend von US‑Fonds finanziert. „Das sind künftig geopolitische Assets“, sagt Pauls. Dass diese nicht in europäischer Hand seien, bezeichnet er als „keine gute Entwicklung“. Alexander Wiedmann

Teilen
Kopiert!

CEO.Talk

Bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings aktivieren.

DHL-Chef: Briefgeschäft nur noch als Ergänzung zum Paket tragfähig

Die klassische Briefzustellung in Deutschland verliert für die DHL Group weiter an Bedeutung. „Dieser Rückgang ist ja nicht überraschend. Er kommt in Deutschland etwas später als in anderen Ländern“, sagte Konzernchef Tobias Meyer im Podcast Table.Today. 2025 sank das Briefvolumen um sieben Prozent, im ersten Quartal beschleunigte sich der Rückgang auf minus 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dafür verweist Meyer auch auf einen Sondereffekt: „Für das erste Quartal ist vor allen Dingen anzumerken, dass wir im Vorjahr die Bundestagswahl hatten.“ Klar ist für ihn dennoch: „Alleine Briefe flächendeckend täglich zuzustellen, das wird nicht mehr tragfähig sein.“

Der Briefdienst bleibt erhalten, steht aber zunehmend unter wirtschaftlichem Druck. „Es ist kein Klotz am Bein“, betonte Meyer. Ganz aufgeben will DHL ihn nicht. „Wir werden weiter einen qualitativ hochwertigen Briefdienst anbieten können, aber als Ergänzung des Paketgeschäftes“, sagte er. Voraussetzung dafür seien aber auch die regulatorischen Rahmenbedingungen. Entscheidend sei vor allem die Verzahnung: „Wenn wir das nicht über die Jahre enger mit dem Paketgeschäft verzahnt hätten, könnten wir das nicht zu den Preisen anbieten, die wir heute haben.“ Der Paketboom konnte das schwächelnde Briefgeschäft allerdings nicht vollständig ausgleichen, das operative Ergebnis (EBIT) im Unternehmensbereich Post & Paket Deutschland sank im ersten Quartal 2026 um 5,8 Prozent auf 264 Millionen Euro (siehe Grafik).

Bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings aktivieren.

Der Konzern stellt derweil seine Struktur neu auf. Auf der Hauptversammlung stimmten die Aktionäre mit großer Mehrheit einer Neuordnung zu: Das Deutschlandgeschäft Post & Paket wird ausgegliedert und künftig als eigenständige Tochter unter dem Namen Deutsche Post AG geführt, während der börsennotierte Konzern in DHL AG umfirmiert. Meyer wies dabei den Eindruck eines Bruchs zurück: „Deutsche Post ist nicht Geschichte – das ist eine falsche Wahrnehmung. Wir vollziehen im Grunde nur nach, was längst gelebte Praxis ist.“

Das Wachstum des Konzerns kommt zunehmend aus dem Ausland. Rund 80 Prozent des Umsatzes erzielt die DHL Group außerhalb Deutschlands. „Wir gucken eben dorthin, wo Wachstum ist, wo Handelsströme wachsen“, sagte Meyer. Wachstum sieht er vor allem außerhalb Europas: „Der Handel innerhalb Asiens, mit dem Mittleren Osten und mit Lateinamerika ist stark gewachsen.“ Gleichzeitig bleibe Europa ein zentraler Markt für den Konzern, während der boomende Onlinehandel das Paketgeschäft weiter antreibt.

Trotz geopolitischer Spannungen und globaler Unsicherheit wächst der weltweite Handel weiter – und davon profitiert auch DHL: 2025 erzielte der Konzern ein operatives Ergebnis von 6,1 Milliarden Euro. Meyer führt das auch auf die Organisationsform zurück: „Das funktioniert, weil wir uns bewusst entschieden haben, nicht alles zu zentralisieren. Diese Spezialisierung und starke lokale Aufstellung ermöglicht es uns, schnell und flexibel zu reagieren und gezielt dort zu wachsen.“ Im ersten Quartal diesen Jahres konnte der Konzern sein Operatives Ergebnis um 8,3 Prozent auf 1,483 Milliarden Euro steigern.

Welche Erwartungen der DHL-Chef an das Geschäftsjahr 2026 hat, wo er Wachstumschancen für sein Unternnehmen sieht und wie der Konzern Künstliche Intelligenz im operativen Geschäft bereits erfolgreich einsetzt, hören Sie im ausführlichen Interview im Podcast Table.Today.

Teilen
Kopiert!

CEO.News

ZEW-Konjunkturerwartungen: Leichte Erholung, aber weiter im Minus

Der ZEW-Index, der die Erwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren zur wirtschaftlichen Entwicklung misst, ist im Mai 2026 um 7,0 Punkte auf minus 10,2 Zähler gestiegen. „Die Erwartungen hellen sich auf, verbleiben aber im negativen Bereich. Die Expertinnen und Experten hoffen auf ein baldiges Ende des Iran-Kriegs“, sagt ZEW-Präsident Achim Wambach und verweist zugleich auf Belastungen durch schwache Industrieproduktion, steigende Energiepreise und eine Inflation oberhalb von zwei Prozent.

In einzelnen Branchen verbessern sich die Aussichten, insbesondere in der Informationstechnologie sowie in der Metallproduktion und im Bau. Der Deutschland-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Robin Winkler, kommentiert: „Der ZEW-Index erholt sich im Mai leicht – eine positive Überraschung. Gleichwohl sind die Konjunkturerwartungen der Analysten weiterhin deutlich schlechter als vor Ausbruch des Irankrieges.“ Im Februar hatten die Erwartungen mit 58,3 Punkten noch im Plus gelegen. Für die zweite Jahreshälfte sehen Experten vorsichtiges Erholungspotenzial, sofern der Nahostkonflikt abklingt und die staatlichen Impulse wirken. Alexander Wiedmann

Teilen
Kopiert!

Ökonom Kolev fordert Veränderung: „Sonst werden die jungen Menschen dieses Land verlassen“

Deutschlands Wirtschaft hat ihre Anziehungskraft verloren. Das beobachtet der Ökonom Stefan Kolev, wissenschaftlicher Leiter des Ludwig-Erhard-Forums für Wirtschaft und Gesellschaft. Er selbst ist in Sofia geboren, hat Bulgarien als 18-Jähriger verlassen. „Wenn ich heute mit 18-jährigen Bulgaren rede, sagen die alle: Deutschland ist nicht spannend“, berichtet Kolev im Podcast Table.Today.

Ab- und Zuwanderungsstatistiken zeigten, dass mittlerweile mehr Leute nach Bulgarien zurückgehen als nach Deutschland kommen, so Kolev. „Dieser Reiz, dieser Sexappeal der alten Bonner Republik für die Generation meiner Eltern oder eben der frühen Berliner Republik für mich, als ich mich in den 90ern entschieden habe, nach Deutschland zu gehen, ist komplett weg.“

Im Vergleich zu Deutschland sei Bulgarien zwar ärmer, aber die Wirtschaft sei dynamisch. In einem Zeithorizont von 40 oder 50 Jahren versprächen die jungen Menschen sich in Bulgarien Wachstum. „Hier sehen sie das nicht.“

Um Deutschland wieder ins Laufen zu kriegen, brauche es Arbeit, Kapital und Resilienz. Letzteres im Sinne von Mut zur Veränderung nach einer Niederlage. Zu lange verharre das Land schon in einem Status quo, findet der Ökonom. „Man hat die Bonner Republik noch im Auge, all diese guten, alten, bequemen Zeiten.“

Dabei brauche es Veränderung. „Ansonsten werden die jungen Menschen dieses Land verlassen.“ Im Zuge der Arbeit an einem Buch hat Kolev viel mit jungen Deutschen gesprochen. „Und es ist unglaublich beängstigend.“ Viele würden tatsächlich über Auswanderung nachdenken, andere über eine „innere Emigration“, bei der sie sich von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft zurückziehen. „Um die eigenen Kinder im Land zu halten, müssen wir heute resilient werden und lernen, mit Dynamik umzugehen.“

Das ganze Gespräch von Table-Chefredakteur Michael Bröcker mit Stefan Kolev hören Sie in unserem Podcast Table.Today. Nina Anika Klotz

Teilen
Kopiert!

DAX 40: Wenig Transparenz beim Zertifikatekauf

Die im größten deutschen Aktienindex gelisteten Unternehmen legen nur wenige Informationen zu ihren freiwillig erworbenen CO2-Zertifikaten offen. Zudem sind die Projekte, die sich identifizieren lassen, häufig nicht klimawirksam. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Unternehmens Senken, das Käufer von CO2-Zertifikaten berät, und der britischen Agentur Sylvera, die Daten und Ratings zum Zertifikatemarkt anbietet. Der Bericht lag Table.Briefings vorab vor.

Für ihre Betrachtung zogen die Autoren die CSRD-Reports von 39 DAX-Unternehmen für 2025 heran und recherchierten in weiteren öffentlichen Quellen. Dabei stellten sie fest, dass sich lediglich 55 Prozent der Zertifikate zurückverfolgen lassen. Zudem fiel mehr als die Hälfte der identifizierten Zertifikate durch das Bewertungsraster von Sylvera. „Ich war überrascht, dass wir so wenig Informationen in den CSRD-Reports gefunden haben“, sagt Senken-Gründer Adrian Wons. Denn anders als vor fünf Jahren gebe es inzwischen die Infrastruktur, „um es richtig zu machen“. Unternehmen könnten auf Beratungen, Ratings, Guidelines und hochwertige, klimawirksame Projekte zurückgreifen. Warum Transparenz zudem kein Garant für Qualität ist, lesen Sie im ESG.Table. Marc Winkelmann

Teilen
Kopiert!

Hightech-Agenda: Wo die Chancen und Risiken für Deutschlands Forschung zu Mikroelektronik liegen

Mikroelektronik gilt heute als wichtige geopolitische Schlüsseltechnologie, da Chips für die digitale Wirtschaft unverzichtbar sind. Die Corona-Krise zeigte die Abhängigkeit Europas von internationalen Lieferketten deutlich auf. Europa produziert nur etwa zehn Prozent der weltweiten Halbleiter, Deutschland rund drei Prozent. Deshalb fördern die EU und Deutschland den Ausbau der Branche durch Strategien wie den European Chips Act. In der Forschung ist Deutschland international gut positioniert, besonders durch Standorte wie das „Silicon Saxony“ in Dresden, auch wenn China den Bereich klar dominiert.

Probleme bestehen vor allem beim Transfer von Forschung in wirtschaftliche Wertschöpfung. Deutschland ist zwar Europas wichtigster Standort für Halbleiterproduktion, konzentriert sich jedoch vor allem auf Chips für die Automobil- und Machinenbauindustrie. Hochleitungschips werden hauptsächlich in Taiwan und Südkorea hergestellt. Die Hightech-Agenda soll deshalb Chip-Design, Forschung und Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie stärken. Chancen liegen in gezielter Förderung und europäischer Zusammenarbeit, Risiken vor allem in Fachkräftemangel und Rohstoffabhängigkeiten. Die ganze Analyse lesen Sie im Research.Table. Markus Weisskopf

Teilen
Kopiert!

CEO.Presseschau

WirtschaftsWoche

Trotz Übernahme durch Kodi: Mäc Geiz meldet Insolvenz an – 183 Filialen auf dem Prüfstand

Der Non-Food-Discounter Mäc Geiz hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet, obwohl er erst im Februar von Kodi übernommen wurde. Als Gründe werden Konsumzurückhaltung und hohe Kosten genannt. Der Betrieb der 183 Filialen läuft zunächst weiter, sie stehen aber auf dem Prüfstand. Filialschließungen und strukturelle Anpassungen sind geplant.
manager magazin

Carl Zeiss Meditec: Medizintechnik-Konzern will bis zu 1000 Stellen streichen

Der Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec plant den Abbau von bis zu 1000 Stellen weltweit bis 2028/29. Grund sind schleppende Geschäfte und ein deutlicher Umsatzrückgang. Das Sparpaket soll das Ergebnis um über 200 Millionen Euro verbessern und beinhaltet die Verlagerung von Tätigkeiten in kosteneffizientere Länder sowie den Ausbau der Produktion in China.
Financial Times

Führender EZB-Vertreter attackiert deutschen Widerstand gegen UniCredit-Gebot für die Commerzbank

Der scheidende EZB-Vizepräsident Luis de Guindos kritisiert den deutschen Widerstand gegen das Übernahmeangebot von UniCredit für die Commerzbank. Solche staatlichen Eingriffe widersprächen dem Geist des EU-Binnenmarktes. Er befürwortet grenzüberschreitende Fusionen, um im Wettbewerb mit US-Banken zu bestehen und den fragmentierten deutschen Bankensektor zu modernisieren.
Bloomberg

Siemens Energy profitiert vom Stromhunger

Siemens Energy profitiert vom KI-Hype und der damit verbundenen hohen Nachfrage nach Rechenzentren. Gasturbinen sind besonders gefragt, da sie schnell Strom liefern können. Das Unternehmen beschleunigt sein Aktienrückkaufprogramm um 1 Milliarde Euro. Auch das Netzgeschäft boomt und ist laut Finanzchefin in großen Teilen bis 2030 und darüber hinaus ausverkauft.
Teilen
Kopiert!

CEO.Personnel

Süddeutsche Zeitung

Milan Nedeljković: Das ist der Neue an der Spitze von BMW

Milan Nedeljković, bisheriger Produktionsvorstand, wird neuer CEO von BMW und folgt auf Oliver Zipse. Der 57-jährige promovierte Maschinenbauer gilt als kommunikativ, nahbar und entschlossen. Als erster nicht in Deutschland geborener Chef des Konzerns muss er die neue Modell-Generation „Neue Klasse" zum Erfolg führen und die Gewinnziele erreichen.
Handelsblatt

Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller: „Corona war nichts dagegen“

Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller bezeichnet im Interview die wirtschaftliche Lage in Deutschland als die dramatischste seit Kriegsende. Sie fordert von der Regierung eine klare Strategie, schnellere Reformen (Rente) und kritisiert die Bürokratie. Einer Reichensteuer steht sie offen gegenüber, sofern das Geld in Bildung investiert wird. Deutschlands industrielle Basis sei in Gefahr.
finanzen.net

Delivery Hero-Aktie dreht ins Plus: CEO kündigt Rückzug an

Niklas Östberg, CEO und Mitgründer von Delivery Hero, wird bis spätestens zum 31. März 2027 von seinem Posten zurücktreten. Der Aufsichtsrat will die Suche nach einem Nachfolger bis Ende 2026 abschließen. Bis zur Übergabe bleibt Östberg im Amt und leitet den strategischen Überprüfungsprozess. Die Aktie des Unternehmens stieg nach Bekanntwerden der Nachricht.
Teilen
Kopiert!

CEO.Standpunkt

Gipfeltreffen: China will Zeit gewinnen, Trump will glänzen

Der Gipfel zwischen Trump und Xi trifft auf eine Welt im Krisenmodus. Während beide Seiten nach außen Stärke zeigen, wird in Peking und Washington um wirtschaftliche Abhängigkeiten, Technologie und geopolitischen Einfluss gerungen.

Der am Mittwoch beginnende Gipfel zwischen Donald Trump und Xi Jinping findet in einer Phase tiefer geopolitischer und wirtschaftlicher Verwerfungen statt. Ein Ende des Iran-Krieges und die Öffnung der Straße von Hormus sind nicht absehbar. Selbst bei sofortigem Waffenstillstand wären monatelange Lieferkettenstörungen zu erwarten.

Beide Seiten stehen innenpolitisch und wirtschaftlich unter erheblichem Druck. In den USA haben steigende Benzinpreise und eine wachsende Teuerungsrate Trumps Beliebtheitswerte auf rund 33 Prozent gedrückt. Der Ausgang der Zwischenwahlen im November 2026 ist für die Republikaner zunehmend ungewiss.

China kämpft nach wie vor mit den Auswirkungen des Immobilienkollapses der letzten Jahre. Das Exportvolumen stieg zwar im April 2026 unerwarteterweise um über 14 Prozent an. Doch die Wirtschaft ist zunehmend auf den Export angewiesen, denn der Binnenkonsum ging stark zurück. Das führt jedoch zu immer größeren Widerständen in vielen Ländern, die von chinesischen Produkten aller Art überschwemmt werden. Trotz großzügiger Ölreserven steigen in China die Preise und die Vorräte nehmen rasch ab.

Sowohl China als auch die USA wissen um die Bedeutung persönlicher Gipfeldiplomatie. Seit ihrem Treffen in Südkorea im Oktober 2025 haben sich die bilateralen Beziehungen etwas beruhigt. Doch die Konfliktfelder bleiben: Zollpolitik, Künstliche Intelligenz, Chips und Halbleiter, Robotics, Automobilindustrie – in all diesen Bereichen betrachten sich beide Seiten mit Argusaugen.

Das Wettrennen um die Technologie der Zukunft ist in vollem Gange. Dass China bei vielen Seltenen Erden und ihrer Verarbeitung deutlich die Nase vorn hat, verstärkt dies zusätzlich.

Belastet wird das Verhältnis auch durch die Kriege in der Ukraine und im Iran. Washington versucht, China von der immer stärkeren Unterstützung von Russlands Militärmaschine abzuhalten. Das State Department belegte vor wenigen Tagen drei große chinesische Firmen mit Sanktionen, die Satelliteninformationen über die Position amerikanischer Schiffe und Militärbasen im Nahen Osten an den Iran weitergegeben haben. Die Trump-Administration geht davon aus, dass letztlich der chinesische Staat hinter diesen Firmen steckt oder ihre Aktivitäten zumindest politisch duldet.

In China wird die erratische und widersprüchliche Außenpolitik Trumps mit Kopfschütteln und Unverständnis betrachtet. Gleiches gilt für die Kriegsführung im Iran, die die Führung in Peking überrumpelt hat. Mit chirurgischen Schlägen hatte man gerechnet, nicht mit einem Flächenbrand.

Europa könnte die historische Stunde nutzen, ein glaubwürdiges Angebot zu unterbreiten. Denn die Enttäuschung der Golfstaaten über die USA, die das lang eingeübte Petrodollarsystem zumindest untergräbt, wird in Peking sehr aufmerksam verfolgt. Angebote an die Staaten am Golf werden folgen.

Im Grunde ist Peking seit der Großen Rezession von 2008/09 davon überzeugt, dass die USA sich auf dem absteigenden Ast befinden. Angesichts der inkohärenten Politik Trumps scheint sich dieser Prozess aus chinesischer Sicht beschleunigt zu haben. Es ist daher davon auszugehen, dass Xi auf dem bevorstehenden Gipfel eine harte Verhandlungsführung an den Tag legen wird.

Trump ist sich der Schwäche seiner eigenen Politik und seines Führungsstils nicht bewusst. Er glaubt nach wie vor, in der globalpolitisch stärksten Position zu sein, nicht nur gegenüber dem Iran und anderen Ländern, sondern auch gegenüber China. Zudem ist Trump stark von Inszenierung, Komplimenten und oberflächlicher Ehrerbietung beeinflussbar. Auch weiß er, dass er sich vor dem Hintergrund der anstehenden Zwischenwahlen und der wirtschaftlichen Belastungen des Iran-Krieges kaum einen weiteren Handelskrieg mit China leisten kann.

Hinzu kommt die offene Frage, wie lange der US-Dollar als Leitwährung noch fungieren wird. Gerüchte, dass der Iran mögliche Mautgebühren für die Straße von Hormus in Renminbi erheben will, mögen symbolischer Natur sein. Das Modell des Petrodollars, in dem die Golfstaaten ihre Gewinne in US-Staatsanleihen investieren im Gegenzug zu militärischem Beistand, hat jedoch massiv an Glaubwürdigkeit eingebüßt.

All dies bedeutet, dass Trump sich letztlich in einer unterlegenen Verhandlungsposition gegenüber China befindet. Auch wenn die Wahrnehmung der US-Delegation, die am Mittwochabend in Peking eintreffen wird, eine andere ist. Doch wie in vielen anderen Bereichen ist auch die Politik Trumps gegenüber China von Wunschdenken und mangelndem Realitätsbezug geprägt.

Klaus W. Larres ist Richard M. Krasno Distinguished Professor und lehrt als Professor für Geschichte und Internationale Beziehungen an der University of North Carolina at Chapel Hill. Er arbeitete unter anderem als leitender Politikberater an der deutschen Botschaft in Peking für Botschafter Michael Clauß. Tim Wenniges ist stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Unternehmer Baden-Württemberg e. V. Zuvor leitete er unter anderem die Konrad-Adenauer-Stiftung in China.

Dieser Standpunkt spiegelt nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider.

Teilen
Kopiert!

CEO.Picks

Was wissen Aufsichtsräte wirklich über Risiken?

Aufsichtsräte sollen Risiken kontrollieren – doch oft fehlt ihnen die Grundlage dafür. Eine neue Studie macht deutlich, warum quantitative Risikodaten entscheidend für wirksame Kontrolle und gute Governance sind.

Aufsichtsräte tragen die Verantwortung für die Risikoüberwachung, doch diese ist nur so gut wie die Informationen, die das Management bereitstellt. Eine neue Studie von Forschern der ESMT Berlin, Wharton und INSEAD gibt seltene Einblicke in das, was Aufsichtsräte tatsächlich erhalten.

Die meisten Aufsichtsräte bekommen nur ein unvollständiges Bild. Nahezu alle Unternehmen berichten über bekannte Risiken, aber weniger als die Hälfte liefert quantitative Kennzahlen, und weniger als vier von zehn teilen formale Risikolimits mit. Aufsichtsräte erkennen, dass Risiken gemanagt werden, können aber nicht beurteilen, wie gut.

Die Implikationen für Führungskräfte sind konkret:

  • Erstens: Risikoberichterstattung ist eine strategische Entscheidung, keine Formalität. Ob Führungskräfte Risikomanagement als wertschöpfende Funktion oder als Compliance-Pflicht betrachten, ist der stärkste Prädiktor für den Informationsstand des Aufsichtsrats.

  • Zweitens: Berichte nicht kürzen. Umfassendere Berichterstattung führt konsistent zu besseren Governance-Ergebnissen, und zwar ohne Informationsüberlastung.

  • Drittens: Quantitative Daten sind unverzichtbar. Aufsichtsräte ohne Kennzahlen, Limite und Toleranzen sind strukturell eingeschränkt, unabhängig davon, wie ausgereift das Risikomanagement im Unternehmen ist.

Diese Lücke zu schließen, ist keine Formalität, sondern eine Frage guter Unternehmensführung.

Hami Amiraslani ist Assistant Professor of Accounting an der ESMT Berlin. Die CEO.Picks sind eine Kooperation zwischen der ESMT und Table.Briefings.

Teilen
Kopiert!

Briefings wie CEO.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden