Überlebt diese SPD? Mit Rudolf Scharping.
Rudolf Scharping sieht Handlungsdruck bei der SPD und der Union: Die Koalition werde „zum Teufel gejagt", wenn sie nicht handle. Den Satz von SPD-Chefin Bärbel Bas, niemand wandere in die Sozialsysteme ein, nennt Scharping im Gespräch mit Michael Bröcker unverblümt einen Fehler. [06:03]
Altkanzler Gerhard Schröder soll im Ukraine-Krieg vermitteln, wenn es nach Wladimir Putin geht. Warum bringt der russische Präsident überhaupt einen Vermittler ins Gespräch? Wäre Schröder der richtige Mann? [01:46]
Die DHL Group hat im vergangenen Jahr operativ 6,1 Milliarden Euro verdient – trotz der Spannungen im Welthandel. CEO Tobias Meyer ist davon überzeugt, dass die Strategie aufgeht, auf regionale Teams zu setzen: „Das funktioniert deshalb, weil wir uns auch ganz bewusst entschlossen haben, nicht alles zu zentralisieren. […] Diese Spezialisierung und starke lokale Ausrichtung hat es uns ermöglicht, eben sehr schnell und flexibel zu reagieren und eben auch dort zu wachsen." [11:14]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Kann der Altkanzler Gerhard Schröder Bewegung bringen in den festgefahrenen Friedensprozess in der Ukraine? Das schlägt natürlich der russische Präsident Wladimir Putin vor und hat damit eine kleine neue Nachricht auch in die Berliner Republik hineingesetzt. Was wirklich dahinter steckt, dazu gleich mehr.
Sprecher 3: Wir müssen über die SPD sprechen, der es schlecht geht. Nicht nur in Sachsen-Anhalt liegt sie gerade mal bei 7 Prozent. Im Bund sind es nur noch 13 Prozent. Warum trauen immer weniger Menschen dieser Partei? Warum trauen sie ihr nicht mehr zu, die Probleme zu lösen? Muss sich die SPD neu erfinden und was folgt daraus für die Koalition? Darüber sprechen wir mit dem ehemaligen Verteidigungsminister und dem SPD-Urgestein Rudolf Scharping.
Sprecher 2: Neulich kam bei uns ein Brief zu Weihnachten. Leicht verspätet aus Kanada an. Die Deutsche Post, ja, sie ist jetzt auch nicht mehr die allerschnellste. Und der Name dürfte auch bald Geschichte sein. Denn die Deutsche Post will nur noch DHL Group heißen. Der Grund liegt auf der Hand. Das klassische Briefgeschäft nimmt ab. Die Paketauslieferung wird immer wichtiger. Im letzten Jahr wurden allein in Deutschland 4,5 Milliarden Pakete verschickt. Tendenz steigen. Wie sieht die Zukunft der Post aus? Das wollte Alex Wiedmann, unser Kollege vom CEO-Table, mit Tobias Mayer, dem Vorstandsvorsitzenden der DHL Group, wissen.
Sprecher 3: Das Essen ist in Frankreich nicht nur besser, sondern sogar auch günstiger. Jedenfalls für die Studenten in dem Nachbarland. Ein Euro soll es nur noch kosten, das hat die Regierung beschlossen. Warum das ein Vorbild für Deutschland sein könnte, auch darüber reden wir an diesem Montag, den 11. Mai.
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Sprecher 2: Der Krieg in der Ukraine, der neigt sich tatsächlich dem Ende. Das zumindest sagt der russische Präsident, der diesen Krieg angezettelt hatte. Geht es nach ihm, soll es bald zu echten Friedensverhandlungen kommen und er soll ein alter Freund helfen.
Sprecher 3: Ja, von Gerhard Schröder ist die Rede. Er soll nach den Vorstellungen Putins eine Vermittlerrolle einnehmen. Die Debatte hatten wir ja schon mal in Deutschland. Damals waren alle dagegen, außer Bündnis Sarah Wagenknecht und AfD. Heute kann sich auch die SPD das durchaus vorstellen. Jedenfalls gibt es keine klare Ablehnung aus der Partei.
Sprecher 2: Zwei Dinge, die spielen damit natürlich jetzt eine Rolle. Erstens ist offenbar Wladimir Putin der Meinung, dass er diesen Krieg auch nicht weiter fortsetzen kann oder will. Vielleicht wird er zu diesen Äußerungen gezwungen. Und natürlich setzt er da in der Friedens- oder Kriegskoalition, je nachdem aus welcher Perspektive man auf die Bundesregierung schaut, natürlich auch einen kleinen Spaltpilz rein. Denn die mützenicht Truppen in der SPD fänden das nicht schlecht, wenn man endlich mal wieder direkt mit Putin verhandelt. Bei der Union und auch im Seeheimatteil der Sozialdemokraten dürfte das gar nicht gut ankommen.
Sprecher 3: Ja, tatsächlich hat sich Ralf Stegner explizit dazu geäußert und hat gesagt, wenn es jemandem wie Schröder gelingen würde, wäre es fahrlässig, das auszuschlagen. Also Schröder jetzt doch wieder einer von den Sozialdemokraten, einer von dem sich ja andere dann sehr scharf abgrenzen wollen. Also ich halte Gerhard Schröder ehrlich gesagt für den falschen Mann an dieser Stelle.
Sprecher 2: So oder so muss sich die Bundesregierung, und das tut sie hinter den Kulissen immer wieder, auch mal in Gesprächen, auch sogar der Außenminister Johann Wadephul, mit der Frage beschäftigen, wer würde denn im Falle der Fälle mit Wladimir Putin oder seinen Kreml-Vertrauten eigentlich verhandeln, wenn es jetzt zu ernsthaften Friedensgesprächen auch mit Europa käme. Man muss sich diese Frage schon stellen. Natürlich könnte es auch Zwischenhändler geben. Auch ein Armin Laschet wurde mal genannt, der früher immer eine durchaus engere Kooperation mit Russland immer wieder mal. Auch das Wort geredet hat, aber als Vorsitzender eines Bundestagsausschusses auch nicht geeignet. Der Ex-Kanzler ist parteiisch, er ist befreundet mit Putin, er wollte sich nie wirklich von ihm distanzieren. In diversen Interviews haben wir es versucht, habe ich es übrigens auch noch vor zwei Jahren versucht, da war nichts zu machen mit ihm, ich bin ein Freund von ihm und ich werde mich von ihm nicht distanzieren, hat er immer wieder gesagt. Also ist er natürlich nicht der ehrliche Makler, den man dann vielleicht irgendwann braucht.
Sprecher 3: Deswegen sollte uns schon skeptisch machen, dass die Russen ihn vorschlagen. Man fragt sich, warum überhaupt einer von den Politpensionären diese Rolle einnehmen sollte. Also das tun wir in anderen Konflikten nun auch nicht.
Sprecher 2: Ja, Jimmy Carter hat diverse Friedensverträge ausgehandelt.
Sprecher 3: Ja, okay, aber diese alten Seilschaften, ob die jetzt wirklich der richtige Weg sind, am Ende geht es doch auch jetzt nicht um irgendeine Form von Vertrauensbildung, sondern wir müssen auf den Tisch schauen, wie die Lage ist und dann argumentieren. Und das können erstens Diplomaten, die das jedenfalls mal vorbereiten können, oder Abgesandte der Regierung, Regierungsvertreter, ein Außen. Minister kann das machen. Also warum man da jetzt auf Laschet oder Schröder zurückgreift, die wahrlichen diplomatischen Fragen große Fehler gemacht haben, also halte ich für ziemlich abwegig.
Sprecher 2: Ja, jedenfalls zeigt es, dass der Druck auf Putin groß ist oder größer geworden. Die wirtschaftliche Lage in Russland ist schwierig. Die Inflation steigt 74 von 85 Regionen Russlands. Offiziell inklusive der besetzten Gebiete melden inzwischen ein Budgetdefizit. Diese Regionen kommen aber unter anderem zum Beispiel für die Vertragsprämien neu rekrutierter Soldaten auf. Also auch da ist vielleicht der Nachwuchs auf dem Schlachtfeld schwer zu gewinnen. Und dann muss man irgendwann über ein Ende dieses Krieges nachdenken. Gerd Schröder wollte sich übrigens nicht äußern, auch auf mehrfache Anfragen vieler Journalisten hin nicht. Das heißt natürlich nichts, denn er hat ja selber immer wieder schon mal hinter den Kulissen gesagt, er wäre gerne ein solcher Vermittler, aber müsste dann natürlich auch einen offiziellen Auftrag bekommen.
Sprecher 3: Da sehe ich jetzt Friedrich Merz nicht als denjenigen, der diesen Auftrag je erteilen würde, zum Glück. Aber wenn wir jetzt merken oder wenn die Welt merkt bzw. Die Russen merken, dass sich ein Angriffskrieg eben doch nicht lohnt, sondern dass das auch dem Angreifer massiv schadet, dann wäre vielleicht für die Zukunft ein bisschen was gewonnen für den Weltfrieden.
Sprecher 2: Verantwortung für Deutschland, so heißt die Überschrift des Koalitionsvertrags von Union und SPD im Bund. Aber immer mehr Menschen haben nach einem Jahr Regierungszeit das Gefühl, dass diese beiden eben nicht ihrer Verantwortung gerecht werden. So schlecht wurde selten eine Bundesregierung nach einem Jahr bewertet. Statt der angekündigten, dringend benötigten Reform gibt es immer wieder Knirsch und Knatsch. Und man ist sich nur bei den Nebenthemen wirklich einig. Die Partei SPD ist besonders unter Druck, nur noch 12 bis 13 Prozent in den bundesweiten Umfragen. Ein Desaster. Kann diese Koalition doch noch das Vertrauen der Deutschen zurückgewinnen? Und überlebt die SPD diese Koalition überhaupt? Das wollten wir von dem ehemaligen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, dem SPD-Verteidigungsminister unter Gerhard Schröder und dem kurzzeitigen SPD-Chef Rudolf Scharping wissen. Schön, dass Sie heute da sind. Guten Tag, lieber Herr Scharping.
Sprecher 5: Guten Tag.
Sprecher 2: Nach 35 Jahren SPD-Regentschaft in Ihrem Heimatland Rheinland-Pfalz ist jetzt die CDU am Ruder und die Koalition steht. Was denken Sie über Rheinland-Pfalz?
Sprecher 5: Das ist grundsätzlich die Entwicklung der Demokratie. Das ist schmerzhaft, aber... Ich denke, das wird eine sehr erfolgreiche Koalition. Alle Zeichen sprechen dafür, der Vertrag, die Personen und die ganzen Umstände. Die SPD in Rheinland-Pfalz hat 12, 13, 14 Prozent mehr geholt als im Bund. Mehr geht eigentlich in einem Land nicht.
Sprecher 2: Warum ist das eigentlich so? der Bund derzeit so dramatisch schlecht abschneidet im Vergleich auch zu manchen Ländern, wo das Vertrauen in die SPD noch halbwegs intakt ist.
Sprecher 5: Ja, das ist ja nicht nur eine Frage des Vertrauens in die SPD, aber ganz grundsätzlich, die Koalition muss mehr liefern.
Sprecher 2: Was meinen Sie genau?
Sprecher 5: Ja, Ergebnisse. Absichtserklärungen alleine reichen nicht. Und Ergebnisse dort, wo den Menschen zu Recht wirtschaftliche, außenpolitische Sicherheitsfragen und anderes auf die Nägel brennt. Schauen Sie mal, diese Koalition hat es geschafft, das Thema Migration deutlich zu verändern und auch, sagen wir mal, zu entschärfen. Sie hat da einen sehr guten Minister, der das konsequent betreibt. Man muss da nicht mit allem einverstanden sein, aber so stille Schaffer wie Herr Dobrindt oder auch Frau Hubisch im Justizministerium, die tun einer Regierung gut.
Sprecher 2: Innerhalb der SPD hat man das Gefühl, weiß man nicht so genau, was man mit dieser großen Koalition machen soll. Will man die Reformbewegung in dieser Regierung sein oder hat man Angst, dann die letzten Treuen auch noch zu verlieren?
Sprecher 5: Zunächst einmal, ich kann nicht erkennen, dass es Streit zwischen dem Kanzler und dem Vizekanzler gibt. Was ich erkenne, ist, dass es unterschiedliche politische Standpunkte gibt, dass darüber diskutiert wird und das ist in einer Demokratie auch normal. Ich bin da eigentlich ganz zuversichtlich. Übrigens auch, was meine Partei angeht, unter einer Voraussetzung, Sie muss die Themen konsequent und mit einer Perspektive bearbeiten, die weiter ist als das, sagen wir mal, Stopfen von aktuellen Notlagen. Und dazu gehört eine sehr klare Analyse und dann eben eine zuversichtliche Herangehensweise an Themen. Ich nenne Ihnen mal ein Beispiel.
Sprecher 2: Ja, bitte.
Sprecher 5: Wir haben eben über Migration geredet und wir betrachten das immer und zu Recht auch aus, ich sage ausdrücklich, auch aus der Perspektive Sicherheit. Wenn ich mir jetzt aber mal die Fachkräfte angucke, die uns fehlen. Und im Bereich innere Sicherheit, im Bereich Pflege, im Bereich Logistik, dann würde ich sagen, Leute, lasst uns die Perspektive weitern. Wir werden Migration brauchen, wenn wir unseren Wohlstand erhalten wollen. Aber es muss eine Migration in unser Beschäftigungssystem sein, muss unsere Wirtschaftskraft und Innovationskraft stärken. Dann geht es gut. Das muss man offensiv vertreten. Da fehlt es mir im Moment ein bisschen.
Sprecher 2: Aber lieber Herr Scharping, Ihre Parteivorsitzende hat gerade gesagt, es gibt keine Einwanderung in die Sozialsysteme.
Sprecher 5: Das war ein Fehler.
Sprecher 2: Also es stimmt inhaltlich nicht aus Ihrer Sicht?
Sprecher 5: Ich sage, es war ein Fehler, aber Fehler passieren. Und was mir in der öffentlichen Debatte auffällt, ist, wir reden ja sehr viel über Dinge, die nicht so gut laufen oder manchmal auch schief gehen. Wir reden viel zu wenig über Dinge, die hervorragend klappen und gelingen. Und wir machen uns nicht wirklich klar, dass man nicht jahrelang von der Substanz... leben kann, um dann sehr kurz und sehr schnell und hoppla hopp die Dinge wieder in Ordnung gebracht zu haben. Die Bahn ist dafür ein gutes Beispiel, aber nun gut, lassen wir es mal einfach so stehen.
Sprecher 2: Glauben Sie, dass man erstmals vergleicht mit einem Reformprogramm auch am Ende an der Wahlurne gewinnen kann und dafür sogar geschätzt wird vom Wahlvolk?
Sprecher 5: Jedenfalls wird die Koalition zum Teufel gejagt, wenn sie nicht handelt. Wenn sie handelt, hat sie eine Chance, wachsendes Vertrauen zu erwerben oder verlorenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen.
Sprecher 2: Besser hätte man das nicht beschließen können. Die Teufel-Analogie wird sicherlich im Kanzleramt und im Vizekanzleramt gehört. Ich bedanke mich sehr für dieses Gespräch, lieber Herr Scharping.
Sprecher 5: Aber herzlich gerne. Bis bald mal wieder.
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Sprecher 3: Der Weltwirtschaft geht es schlecht und trotzdem boomt der Aktienmarkt. Denn trotz Krisen, Krieg und Zöllen wächst der weltweite Handel und davon profitiert ein DAX-Konzern besonders, nämlich die DHL Group. Das Unternehmen konnte 2025 sein operatives Ergebnis auf 6,1 Milliarden Euro steigern. Und von der klassischen deutschen Post ist dabei nicht mehr viel übrig geblieben. Rund 80 Prozent des Umsatzes erzielt die DHL Group inzwischen im Ausland. Auf der Hauptversammlung in der vergangenen Woche am 5. Mai stimmten die Aktionäre mit großer Mehrheit dafür, das Deutschlandgeschäft auszugliedern. Damit wird die klassische Post künftig eine eigene Tochter sein, die weitergeführt wird, während der Gesamtkonzern unter dem Namen DHL AG firmiert. Was bedeutet das für den Wirtschaftsstandort? Wo verdient die DHL Group auch in Zukunft ihr Geld und in welchen Regionen gibt es überhaupt noch Wachstum? Darüber hat unser Kollege Alexander Wiedmann aus dem CEO-Table mit Tobias Mayer, dem Vorstandsvorsitzenden der DHL Group, gesprochen.
Sprecher 8: Tobias Mayer.
Sprecher 9: Guten Morgen.
Sprecher 8: Herr Mayer, wann haben Sie Ihren letzten Brief verschickt?
Sprecher 9: Ich verschiebe sehr regelmäßig Briefe, sowohl zu dienstlichen Anlässen, aber auch zu privaten. Ich finde das immer nach wie vor eine sehr schöne Geste, eben auch was Physisches selber zu erhalten.
Sprecher 8: Die Zahl der verschickten Briefe ist aber geringer geworden. 2025 sank die Briefmenge um 7% gegenüber dem Vorjahr. Jetzt im ersten Quartal waren es sogar minus 13%. Ist das Briefgeschäft alleine überhaupt noch profitabel für Sie?
Sprecher 9: Also dieser Rückgang ist ja nicht überraschend. Kommt in Deutschland etwas später als in anderen Ländern. Das hängt auch damit zusammen, dass wir eben später und etwas zaghafter digitalisieren. In anderen Ländern ist das noch viel weiter fortgeschritten, dass wir eben eine Substitution haben, sowohl bei der Briefkommunikation, also beispielsweise den Behördenschreiben, aber auch im werblichen Bereich. Für das erste Quartal ist vor allen Dingen anzumerken, dass wir im Vorjahr die Bundestagswahl hatten. Und das bedingt zu größten Teilen den stärkeren Rückgang. Zu Ihrer Frage Profitabilität, also wenn wir das nicht, glaube ich, auch sehr weitsichtig über die Jahre enger mit dem Paketgeschäft verzahnt hätten, könnten wir das nicht zu den Preisen anbieten, die wir heute haben.
Sprecher 8: Wird die tägliche Briefzustellung langfristig faktisch abgeschafft, weil es sich einfach nicht mehr lohnt?
Sprecher 9: Also wir werden, glaube ich, und wenn die Regulatorik das zulässt, weiter einen qualitativ hochwertigen Briefdienst anbieten können, aber als Ergänzung des Paketgeschäftes. Denn alleine Briefe flächendeckend täglich zuzustellen, das wird nicht mehr tragfähig sein. Das Paketgeschäft wächst und das ist der Vorteil. Urteil, den wir hier haben. Und Deutschland ist mit der größte, mit Großbritannien der größte E-Commerce-Markt in Europa. Ist natürlich auch geografisch zentral gelegen. Insofern sind wir sehr froh, dass wir in diesem Paketmarkt vertreten sind und das auch nutzen können, um weiter einen qualitativ hochwertigen Briefdienst anzubieten.
Sprecher 8: 80 Prozent ihres Umsatzes sehen Sie rundabout im Ausland. Was heißt das für den Wirtschaftsstandort Deutschland, für das Label Germany?
Sprecher 9: Ja gut, wir sind ein Unternehmen, was jetzt seit Jahrzehnten im Weltmarkt tätig ist und wir gucken eben dorthin, wo Wachstum ist, wo Handelsströme wachsen, wo es neue Möglichkeiten gibt, Waren zu distribuieren, also zu verteilen. Über Lagerhaltung und eben dann die letzte Meile. In unterschiedlichen Formen machen wir das und sind damit im Ausland erfolgreich gewachsen, was für ein Unternehmen mit tiefen deutschen Wurzeln, glaube ich, erstmal ein gutes Zeichen ist.
Sprecher 8: Das ist ein gutes Zeichen, sagen Sie auch andere DAX-Konzerne erwirtschaften ihre Gewinne eher im Ausland. Beunruhigt sich das nicht auch ein wenig?
Sprecher 9: Nein, das beunruhigt mich überhaupt nicht. Global aufgestellt zu sein, ist manchmal anstrengend, weil man ist dann auch bei jeder Krise irgendwie dabei. Aber es hat natürlich auch Vorteile, weil wir Zugriff auf Wachstumsmärkte haben, die es in Deutschland so nicht gibt.
Sprecher 8: Krise, Zölle und dennoch haben sie 2025 ihr operatives Ergebnis auf 6,1 Milliarden Euro steigern können. Wie funktioniert das eigentlich?
Sprecher 9: Ja, das war sicherlich durchaus ein spannendes und auch anstrengendes Jahr. Das funktionierte halt dadurch, dass wir relativ flexibel und schnell reagiert haben auf das, was sich in der Welt verändert hat. Und das funktioniert deshalb, weil wir uns auch ganz bewusst entschlossen haben, nicht alles zu zentralisieren. Vielleicht auch nicht immer auf die von dem einen oder anderen so stark gewünschten Kostensynergien zu achten, sondern wir haben viele sehr erfahrene lokale Management-Teams bei DHL in allen Teilen der Welt. Also diese Spezialisierung und starke lokale Ausrichtung hat es uns ermöglicht, eben sehr schnell und flexibel zu reagieren und eben auch dort zu wachsen, wo Wachstum war. Weil auf der anderen Seite haben wir gerade natürlich im Handel auf dem Transpazifik China, USA herbe Rückgänge.
Sprecher 8: Wo war denn Wachstum? Was waren Ihre Wachstumsregionen 2025?
Sprecher 9: Also es war vor allen Dingen der Handel aus China heraus, der nicht in die USA geht. Auch der Handel mit Europa ist weiter gewachsen. Der innerasiatische Handel ist sehr stark gewachsen. Der Handel Asiens mit dem Mittleren Osten ist stark gewachsen, der Handel Asiens mit Südamerika ist stark gewachsen. Also das für E-Commerce und die lokale Distribution war das auch beispielsweise der Mittlere Osten, aber auch vor allen Dingen Lateinamerika. Mexiko sind wir beispielsweise sehr stark vertreten, in Brasilien. Und auch in den USA. Die USA haben als Volkswirtschaft nach wie vor nicht nur eine große Größe, sondern sondern auch eine deutlich stärkere Dynamik als Europa und Deutschland. Und auch dort sind wir gerade mit unserem Geschäftsfeld DHL Supply Chain stark gewachsen.
Sprecher 8: 2026 wird nicht ein weniger anstrengendes Jahr. Zölle, jetzt kommt noch der Krieg im Iran dazu. Was erwarten Sie für dieses Jahr? Sie gelten ja auch ein bisschen als Frühindikator für die Weltwirtschaft. Wie geht es da weiter?
Sprecher 9: Mit den Zöllen, das bleibt ja ein Auf und Ab. Im Moment haben wir auch Elemente des Ups, also in dem Sinne, dass wir weniger Zölle haben. Sie wissen das des Supreme Court, aber jetzt... Gerade das Court of International Trade haben Zölle als rechtswidrig anerkannt. Die werden jetzt in Teilen rückabgewickelt.
Sprecher 8: Die Unsicherheit bleibt ja bestehen, oder?
Sprecher 9: Klar, aber dass wir weniger Zölle haben in die USA, ist natürlich für viele der Handelsströme jetzt erstmal nicht schlecht. Gleichzeitig haben wir die Herausforderung im Mittleren Osten. Da vor allen Dingen jetzt in dieser Phase die Energieversorgung, es wird ja viel darüber geredet, Europa ist ein Dieselkontinent, dementsprechend produzieren wir wenig Kerosin selbst. Das wird traditionell importiert. Das ist etwas, was uns natürlich umtreibt. Das ist auch ein Thema an vielen asiatischen Flughäfen. Ich glaube, wir sind ja als Unternehmen gut aufgestellt, aber als Bürger und mit Blick auf die Weltwirtschaft macht man sich schon etwas Sorgen.
Sprecher 8: Aber als Unternehmen haben Sie Sorge, dass Kerosin knapp wird und Sie dann nicht mehr alle Pakete ausliefern? Fahren können.
Sprecher 9: Also ich glaube, wir sehen uns da wirklich sehr gut aufgestellt. Wenn das jetzt noch über Monate geht, wird es sicherlich Engpässe geben. Letztendlich ist eben wichtig, dass man auch den Markt zulässt, das zu regeln. Dass bei höheren Preisen dann Dinge nicht mehr genutzt werden, die halt diskretionär sind, dass der eine oder andere sich vielleicht dann doch Gedanken macht, ob man den Urlaubsflug noch machen muss oder andere Dinge, die eben nicht essentiell sind, dann aufgrund der hohen Preise wegfallen und damit auch die Nachfrage zurückgeht.
Sprecher 8: Die Inflation steigt, die Benzinpreise steigen, der Ölpreis steigt. Was erwarten Sie für dieses Jahr? Geschäftsjahr 2026, das sind ja schon nochmal mehr Belastungen als im Vorjahr?
Sprecher 9: Also wir sind generell, was die Planung angeht, in den letzten zwei Jahren gut damit gefahren, etwas konservativ zu sein. Insofern kommen wir jetzt nicht von einem Niveau, wo wir uns da erträumt hätten, dass Europa mit 4% wächst und die Welt mit 6% oder ähnliches. Wir sind da deutlich konservativer reingegangen. Insofern werden unsere Erwartungen jetzt eher bestätigt. Wir haben natürlich eine Wachstumsstelle in Europa und vor allen Dingen in Deutschland. Das ist so und auch wenn wir weltweit vertreten sind und weltweit Umsätze haben, haben wir nach wie vor einen Schwerpunkt in Europa. Und das ist schon für die Wachstumsdynamik des Konzerns, auch gegenüber unseren globalen Wettbewerbern, durchaus eine Herausforderung.
Sprecher 8: Welche Wachstumschancen sehen Sie für Ihr Unternehmen? Was ist der nächste Step?
Sprecher 9: Also wir haben ja innerhalb des Handels... Bereiche, Industriesektoren, von denen wir fest überzeugt sind, dass sie weiter stark wachsen werden. Das ist beispielsweise die Medizintechnik und die Pharmazeutika. Das liegt schlichtweg daran, dass sie solche Waren nur an wenigen Standorten in der Welt herstellen können und dass sie zunehmend eben nicht nur nachgefragt werden, wir haben die Alterung der Bevölkerung, was zu mehr Nachfrage in diesem Bereich führt, aber sie haben auch immer spezialisiertere Produkte zugeschnitten auf spezifische Krankheiten, die teils auch nur einzelne oder eben kleinere Gruppen haben. Da gibt es also einen Aufwuchs an Nachfrage nach wirklich qualitativ hochwertigen Speziallogistik. Und das ist ein Beispiel, was eben auch relativ resilient ist gegen geopolitische Spannungen und Zölle.
Sprecher 8: Eine Frage, die wir jedem CEO stellen, ist, wo setzen Sie KI heute schon produktiv ein, dass es zu einer wirklichen Produktivitätssteigerung kommt?
Sprecher 9: Also es gibt viele Fälle, wo wir das natürlich, viele Bereiche, wo wir das ausprobieren, wo es wirklich auch schon skaliert und sichtbar ist, ist im Kundenservice, das gibt es bei vielen, aber bei uns vor allen Dingen in der Verzollung. Die Verzollung ist traditionell extrem aufwendig und mühsam, Dokumente zusammenzusuchen, Produktbeschreibungen, die wir von Kunden teils kriegen, aber es ist eben... Logischerweise auch immer eine länderspezifische Anwendung. Auch in Europa haben wir zwar einen einheitlichen Zollkodex, aber die Auslegung ist ja dann immer so eine Sache. Selbst innerhalb von Deutschland gibt es da einiges an Unterschieden. Auf diese spezifischen Anforderungen dann zu reagieren, da ist die KI extrem hilfreich, weil sie halt Informationen gut zusammentragen kann aus Dokumenten, aber auch beim Thema Konsistenzprüfung wirklich gut Mehrwert leistet, um unsere Spezialisten dann darauf hinzuweisen, wenn es Inkonsistenzen beispielsweise gibt.
Sprecher 8: KI als Antwort auf die Bürokratie, kann man das so sagen?
Sprecher 9: Ja gut, das hat ja in Europa eine gewisse Tradition, dass wir die Produktivitätsvorschritte durch IT, durch Bürokratie kompensieren. Ist ja jetzt auch nichts Neues.
Sprecher 8: Vielen Dank für das Gespräch, Tobias Mayer.
Sprecher 9: Danke Ihnen.
Sprecher 3: Lieber Mick, war noch was?
Sprecher 2: Gute Nachrichten aus Frankreich. Alle Studierenden in Frankreich können jetzt für 1 Euro Mittagessen. Die Regierung hat nämlich beschlossen, dass überall landesweit in den Mensen mindestens ein Gericht für nur einen Euro angeboten werden muss. Das kostet bis 2027 insgesamt 125 Millionen Euro, soll aber die Studenten finanziell entlasten, die in einer Umfrage gerade angegeben hatten, dass jeder Zweite aus finanziellen Gründen auf das Essen mittags in der Universität verzichtet.
Sprecher 3: Ein Vorbild für Deutschland, nicht nur was die günstigen Preise angeht, sondern insbesondere was die Qualität des Essens angeht. Ich bin ja in Frankreich sowohl ein Jahr zur Schule gegangen, als auch habe ich dort zwei Jahre studiert und muss sagen, das ist schon ein großer Unterschied. Ich erinnere mich, das Schulessen gab es immer Vorspeise, Hauptgericht, Nachtisch und die Vorspeise bestand zum Beispiel aus einer Artischocke mit Vinaigrette, die diese Schüler dann abzupften. Und also das dauert ja ganz schön lange. Das ist irgendwas anderes als hier diese Currywurst oder ähnliches, das sich hier die Schüler reinschieben. Abgesehen mal davon, dass es natürlich viel gesünder ist, aber auch die Zeit, die sie sich zum Essen nehmen. Alles war irgendwie auch nett hergerichtet und es war einfach nicht zu vergleichen. Auch mit diesem, ich bin ja noch zu Zeiten zur Uni gegangen, als das Mensa-Essen in so Tabletts serviert wurde, wo so Ausfräsungen waren, wo man also einfach von oben das Essen reingespritzt wurde. Und ich habe ja einen deutsch-französischen Studiengang gemacht. französischen Kommilitonen waren wirklich entsetzt darüber, was die deutschen Mensen da zu bieten haben. Also wahrscheinlich ist es mittlerweile besser, ich hoffe es zumindest, aber sicherlich noch nicht so gut wie unsere Freunde en France.
Sprecher 2: Ein Euro, also das wird garantiert keine Tüte Pommes sein. Das ist man bei den kulinarischen Freunden in Frankreich nicht gewohnt zu einem Essen. Insofern gute Nachrichten. Wir freuen uns, wenn Sie morgen auch bei uns wieder dabei sind. Das ist mindestens so deliciös bei uns hier, was wir hier zu bieten haben. Table Today ab 5 Uhr. Bis dahin. Ciao, ciao.
Sprecher 3: Salut.
Sprecher 10: That's what I need. Well, I need a dollar, dollar, dollar. That's what I need. Said I need a dollar, dollar, dollar. That's what I need. And if I share with you my story, would you share your dollar with me? Bad times are coming and I reap what I done sowed. Well, let me tell you something, all that glitters ain't gold. It's been a long old trouble, long old troublesome road. And I'm looking for somebody to come and help me carry this load. I need a dollar, dollar, dollar, that's what I need. Well, I need a dollar, dollar, dollar, that's what I need. Well, I don't know if I'm walking on solid ground. Cause everything around me is falling down. And all I want is for someone to help me. Well, I need a dollar, dollar, dollar, that's what I need. Said I need a dollar, dollar, dollar, that's what I need. Well, I need a dollar, dollar, dollar, that's what I need. And if I share with you my story, would you share your dollar with me? Come on, share your dollar with me.
Sprecher 6: Ingrid und Indite präsentieren Jobs, bei denen man sich keinen Fehler erlauben darf. Heute Friseurin.
Sprecher 11: Etwas nachschneiden bitte. Nur die Spitzen. Was ist das? Heckenschere. Viel effizienter. Die ist für Büsche. Ganz genau. Ingrid!
Sprecher 6: Das ist ein Job für Premium-Stellenanzeigen. Mit richtigen Profis wäre das nicht passiert. Vertrau Ingrid, versuch Indeed und finde qualifizierte Talente mit Premium-Stellenanzeigen. Mach's dir Indeed einfach. Jetzt auf indeed.de slash recruiting.