CEO.Table – Ausgabe 79

Private Equity in Deutschland verändert sich + Deutsch-kanadische KI-Hoffnungen + Zweifel am Dollar als Leitwährung

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Executive.Summary

Private Equity in der DACH-Region: Starkes Wachstum beim Volumen. Zur Darstellung von Grafiken und Karten aktivieren Sie bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings.

Deutschlands Wirtschaft schrumpft – und Private-Equity-Investoren kaufen

Zwei aufeinanderfolgende Jahre mit rückläufigem Bruttoinlandsprodukt, eine Industriebasis unter Druck, ein Energiesystem im Umbau: Wer die makroökonomischen Daten liest, könnte meinen, der Standort sei für Risikokapital unattraktiv. Der am Mittwoch veröffentlichte PwC-Branchenreport zum Private-Equity-Markt erzählt eine andere Geschichte. Im deutschsprachigen Raum stieg das gesamte Deal-Volumen im vergangenen Jahr um 69 Prozent auf 88,3 Milliarden Euro – auch wenn die Zahl der Transaktionen um drei Prozent sank (siehe Grafik).

Bewertungslücken zwischen Käufern und Verkäufern haben Transaktionen zuletzt zwar erschwert. Laut einer KPMG-Studie nennen sie 84 Prozent der Unternehmenskäufer als größtes Abschlusshindernis. Aber das ändert sich gerade. „Das Umfeld beginnt sich spürbar zu verbessern. Das niedrigere Zinsniveau und zunehmend flexible Dealstrukturen tragen dazu bei, dass sich diese Lücke schließt und die Marktaktivität wieder anzieht“, sagt Blackrock-Deutschlandchef Dirk Schmitz zu Table.Briefings.

Der Markt konzentriert sich auf größere Wetten in Sektoren, die operativen Umbau erlauben und ihn belohnen. Dazu gehören etwa industrielle Fertigung, KI-Unternehmens­software, Energiewende-Infrastruktur sowie Healthcare als konsolidierbarer Plattformsektor. Bei reinen Unternehmensübernahmen (Buyouts) im deutschsprachigen Raum sank die Transaktionszahl laut PwC-Report um acht Prozent auf 430 Deals – der aufgewandte Betrag stieg gleichzeitig um 56 Prozent auf 60,9 Milliarden Euro (siehe Grafik unten).

Der Blackrock-Deutschlandchef teilt den Optimismus. „Wir blicken – trotz geopolitischer Unsicherheiten – konstruktiv auf den europäischen Markt und sehen insbesondere in Deutschland Chancen.“ Zuletzt habe es mehrere Deals gegeben, etwa eine Beteiligung an einer 100-Millionen-Finanzierungsrunde beim Cloud-Start-up Osapiens. Am Dienstag dieser Woche haben Blackrock Real Estate und Kauri CAB Digital Infrastructure zudem die Gründung eines Joint Venture zur Entwicklung eines Hyperscale-Rechenzentrums bei Frankfurt am Main angekündigt.

Buyouts in Europa: Deutschland im unteren Mittelfeld. Zur Darstellung von Grafiken und Karten aktivieren Sie bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings.

Große Chancen verspielt werden in Deutschland laut Schmitz währenddessen, weil privates Kapital bislang nur unzureichend den Weg in Wachstum, Innovation und den Mittelstand findet. Über zehn Billionen Euro schlummern auf europäischen Sparkonten. Der Blackrock-Deutschlandchef sieht darin ein wesentliches Problem: „Ein Großteil des europäischen Sparvermögens liegt noch immer in Bankeinlagen, weil viele Menschen den Kapitalmarkt noch nicht nutzen.“

Zwar gibt es neue Regularien – aber wann diese ihre Wirkung zeigen, ist noch nicht absehbar. Mit der weiterentwickelten ELTIF-Regulierung – dem European Long-Term Investment Fund – erhalten Privatanleger nun einen praktikablen Zugang zu Private Equity, Infrastruktur und Private Debt. Investitionen in die Realwirtschaft eröffneten, so Schmitz, „langfristigen Sparern neue Chancen für den Vermögensaufbau und die private Altersvorsorge.“ Wie viel vom Sparvermögen tatsächlich in Private Equity fließen kann, ist umstritten. Fidelity International schätzt 4,8 Billionen Euro als mobilisierbar – unter optimistischen Annahmen.

Banken ziehen sich aus der Unternehmensfinanzierung zurück und Private Credit füllt diese Lücke zunehmend. Am Markt für private Kredite häufen sich allerdings die Probleme, nachdem vor rund einem halben Jahr zwei durch Private-Credit-Fonds finanzierte Unternehmen in die Insolvenz gerutscht waren. Softwarefirmen könnte die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz empfindlich treffen und die Rückzahlung von Krediten negativ beeinflussen. Aus Schmitz’ Sicht ist es zwar für einzelne Unternehmen eine schwierige Phase und Bewertungen müssten – genau wie die weitere Kredit-Exposure – einer Prüfung unterzogen werden. Trotzdem sehe Blackrock den Trend zu privaten Kreditfonds weiterhin als ungebrochen an.

Der Mittelstand ist zunehmend auf die Unterstützung durch Private-Equity-Fonds angewiesen. „Nach drei Jahren Wirtschaftsschwäche hat der deutsche Mittelstand einen großen Finanzierungsbedarf“, sagt Klaus-Heiner Röhl, Mittelstandsexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Weil Unternehmen weniger Gewinne thesaurieren könnten, stiegen Private Equity und Fremdkapital als Finanzierungsquellen. Immerhin: Die Branche bewege sich: „Private-Equity-Gesellschaften öffnen sich zunehmend mittelständischen Unternehmen“, so Röhl.

Das Kapital ist demnach vorhanden – es erreicht aber nicht immer die richtigen Unternehmen. Röhl sieht Aufholbedarf vor allem bei innovativen Mittelständlern in Nachfolge- und Transformationssituationen: „Es gibt genug Geld im Markt, aber es gelangt noch nicht immer an die richtigen Stellen. Wachstumsunternehmen haben es oft schwer, Kapitel zu finden.“

Erschwerend wirkt die Börse als – in Deutschland kaum vorhandener – Exitkanal. „Die deutsche Börsenregulierung hat es nie geschafft, einen IPO für Unternehmen einfach zu machen.“ Schweden mache vor, dass es auch mit weniger Bürokratie gehe – bei einem Achtel der Bevölkerung gebe es dort mehr viele Börsengänge als hierzulande.

Hinzu kommt: Der Private-Equity-Markt bleibe stark von außen geprägt. Es fehlten nationale Großinvestoren, stattdessen dominieren US-Fonds, während chinesische Kapitalgeber hauptsächlich Tech-Investments suchten.

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CEO.Talk

Rolf Schumann (Co-CEO Schwarz Digits) nimmt an der Pressekonferenz zur deutsch-kanadischen Partnerschaft für souveräne KI im Haus der Bundespressekonferenz teil.

Schwarz-Gruppe hat große Hoffnung auf deutsch-kanadisches „AI-Powerhouse“

Diese Fusion zweier Tech-Unternehmen ist besonders: Zur Bekanntgabe des Zusammenschlusses des kanadischen KI-Unternehmens Cohere mit dem deutschen Aleph Alpha luden Bundesdigitalminister Karsten Wildberger und sein kanadischer Amtskollege Evan Solomon ein. Sie verkündeten den Start eines „deutsch-kanadischen AI-Powerhouse“.

Ziel ist ein eigenes Large Language Modell (LLM) – nicht aus den USA, nicht chinesisch, sondern „souverän“. Eine KI für den öffentlichen Sektor und Unternehmen sowie für alle stark regulierten und sicherheitsrelevanten Bereiche: Behörden, Verteidigung, Finanzbranche, Energieversorgung, Gesundheitswesen, Telekommunikation. Der „globale AI-Champion“ solle „sicher, souverän, wettbewerbsfähig“ und eine „echte Alternative – made in Germany, made in Canada“ sein, so Wildberger.

Die Erwartungen sind riesig. Auch Aidan Gomez, Gründer und CEO von Cohere, Samuel Weinbach, Co-Founder von Aleph Alpha, und Rolf Schumann, Co-CEO von Schwarz Digits waren in der Bundespressekonferenz. Schwarz Digits, die IT- und Digitalsparte der Schwarz-Gruppe (u.a. Lidl, Kaufland), hält als strategischer Ankerinvestor seit Anfang des Jahres rund 20 Prozent der Anteile von Aleph Alpha.

Es sei eine Fusion, kein Exit, betont Schumann im Gespräch mit Table.Briefings. „Wir freuen uns hier finanziell unterstützen zu dürfen“, formuliert Schumann es. Im Rahmen einer bevorstehenden Finanzierung von Cohere wird Schwarz Digits als Lead-Investor 500 Millionen Euro in Form einer strukturierten Finanzierung geben. „Für uns war das einfach der nächste logische Schritt.“

Schwarz Digits sehe sich hier nicht als ein klassischer VC-Investor, sagt Schumann. Es geht ihm um mehr. „Wir haben von Anfang an die Vision erkannt: Wir brauchen unabhängige KI-Exzellenz und souveräne Digitalität.“ Aleph Alpha sei mehrfach totgesagt worden. Trotzdem hätten sie immer wieder Geld gegeben. „Weil wir den USP klar gesehen haben.“ Das, und das große Talent, das am deutschen KI-Pionier arbeitet. „Eine zentrale Frage war für uns immer: Wie können wir die Talente hier halten?“

Für die Schwarz Digits ist das Investment in die Verschmelzungs-Firma auch strategisch. Um die viel beschworene Souveränität und Unabhängigkeit von US-amerikanischen Tech-Firmen zu garantieren, soll die transatlantische KI-Firma auf Stackit setzen – die Cloud-Plattform der Schwarz-Gruppe. Stackit werde das „technische Rückgrat dieser transatlantischen KI-Initiative“, so Schumann.

Bei der Fusion kommen ungleiche Partner zusammen. Cohere wurde im Rahmen der letzten Finanzierung im Sommer 2025 mit 6,8 Milliarden Dollar bewertet, Aleph Alpha bei der letzten Runde vor zwei Jahren mit 446 Millionen Euro. Nicht bestätigt ist die in den Medien kursierende Bewertungssumme des deutsch-kanadischen Powerhouse von 20 Milliarden Dollar. Dennoch: „Das ist keine Geschichte, in der ein Unternehmen das Land verlässt“, beteuert Kanadas KI-Minister Solomon. Das fusionierte Unternehmen habe eine „doppelte Staatsbürgerschaft“, erklärt sein deutscher Amtskollege Wildberger.

Was einerseits ein privatwirtschaftlicher Deal ist, hat anderseits politische Tragweite. Man könnte aus den Entwicklungen der vergangenen Woche herauslesen: Er wurde sogar von der Politik eingefädelt. Schumann bestätigt das nicht: „Es war viel mehr so, dass alle mit allen gesprochen haben und klar war, was als Nächstes passieren musste.“

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CEO.News

Joe Kaeser bei einer Veranstaltung von Table-Briefings

Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser: „Es gibt kein langfristig tragbares Energiekonzept der Bundesregierung“

Mit Energie fange alles an, sagte Joe Kaeser, Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens Energy und Daimler Truck, beim High-Level-Roundtable zu nachhaltiger Energie von Table.Briefings vergangene Woche. Auch sein Impuls zum Auftakt des Abends begann mit Energie und blieb dabei: Eine gute Energiepolitik sei essenziell für die Wirtschaft, so der ehemalige Siemens-Chef. Um sie aber zu gestalten, brauche es erstmal eine sinnvolle Industriepolitik.

„Es gibt keinen ganzheitlichen Plan und kein langfristig tragfähiges Energiekonzept der Bundesregierung“, so Kaeser. Ein solcher aber sei dringend nötig. Um ihn erstellen zu können, müsse Deutschland sich klar darüber werden, wie die industrielle Zukunft des Landes aussehen soll, welche Bereiche man fördern wolle – und auch, welche nicht. Kaeser sprach von einer „Agenda 2030“. Denn die meisten Innovationszyklen seien nun mal länger als Legislaturperioden. Eine Energiestrategie brauche einen Horizont von mindestens zehn Jahren.

„Energie ist der Enabler, nicht das Ergebnis“, so Kaeser. „Das Ergebnis ist Wohlstand. Und den wiederum schafft die Wirtschaft.“ Der ehemalige Siemens-Chef schickte zudem einen Appell in Richtung Gesellschaft und Politik: „Die Wirtschaft wird als das fünfte Rad in diesem Land gesehen“, sagte Kaeser. Er habe annähernd alle Länder dieser Erde bereist und festgestellt: „Nirgendwo bekommt die Wirtschaft in Gesellschaft und damit auch der Politik so wenig Respekt wie in unserem Land.“ Die Gesellschaft müsse ihre Haltung ändern, „sonst werden irgendwann die Lichter ausgehen“. Nina Anika Klotz

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Die Tech-Eliten und Trump: Warum Palantirs Manifest ein Symptom für den Rechtsruck der US-Techkonzerne ist

Ein 22-Punkte-Manifest, das der US-Datenanalysekonzerns Palantir in dieser Woche auf X veröffentlicht hat, liest sich wie eine Aufforderung zu einer neuen politischen Verortung der US-amerikanischen Tech-Branche.

Gefordert wird darin unter anderem eine stärkere Ausrichtung der Technologie auf geopolitische Konkurrenz, militärische Handlungsfähigkeit und nationale Interessen. Künstliche Intelligenz sei ein strategisches Instrument, kultureller Pluralismus eher eine Schwäche. Wörtlich heißt es dort etwa: „Das Silicon Valley steht in einer moralischen Schuld gegenüber dem Land, das seinen Aufstieg ermöglicht hat. Die Ingenieurselite des Silicon Valley hat die ausdrückliche Pflicht, sich an der Verteidigung der Nation zu beteiligen.“

Zentrale Akteure des Silicon Valley positionieren sich politisch neu. Der Historiker Thomas Zimmer beschreibt diese Entwicklung als tiefgreifenden Wandel. In seiner aktuellen Kolumne für Table.Briefings schreibt er: „Die Anführer des Silicon Valley haben sich nach rechts bewegt und unterstützen nun den Trumpistischen Angriff auf die freie Gesellschaft.“ Gleichzeitig wandern immer mehr Unternehmen auch geografisch aus dem kalifornischen Silicon Valley in republikanisch regierte Bundesstaaten wie Texas oder, im Fall von Palantir, Florida ab.

Der Palantir-CEO Alexander C. Karp beschreibt Technologie und Apps nicht mehr als Konsumgut oder Werkzeuge für die Gesellschaft, sondern als Machtressource im Wettbewerb rivalisierender Staaten. Fortschritt werde dort vor allem in Kategorien von Stärke, Wehrfähigkeit und Durchsetzungsvermögen gedacht. Das hat Karp ausführlich in seinem Buch The Technological Republic beschrieben. Die 22 Thesen sind eine Kurzzusammenfassung dieses Manifests.

Der frühere Anspruch, mit Innovation gesellschaftlichen Fortschritt zu erzeugen, werde zunehmend durch eine Sprache der Macht, Konkurrenz und Ordnung ersetzt. Das Palantir-Manifest, so Zimmers Überzeugung, sei deshalb mehr als ein Einzeltext. Es stehe für eine Strömung, in der sich technologische Führungsansprüche mit einer deutlichen Skepsis gegenüber pluralistischer Demokratie verbinden.

Warum Kritiker vor einem erweiterten Machtanspruch der Branche warnen und wo diese ihre Wurzeln hat, lesen Sie im Research.Table. Tim Gabel

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Kreislaufwirtschaft: Wie sich die Finanzierungslücke schließen lässt

82 Milliarden Euro pro Jahr – so viel müsste die EU bis 2040 zusätzlich in die Kreislaufwirtschaft investieren, um ihre Zirkularitätsziele zu erreichen. Das zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Analyse von EU-Kommission und Europäischer Investitionsbank (EIB). Auf der Jahreskonferenz der European Circular Economy Stakeholder Platform diskutierten Fachleute am Mittwoch in Brüssel, wie sich die Lücke schließen lässt.

Den Großteil der jährlich 120 Milliarden Euro trägt bereits der Privatsektor – mehr als 90 Prozent. Die EU steuert nur ein Prozent ihres Budgets bei. Die größten Lücken klaffen beim zirkulären Design und am Lebensende der Produkte: Dem Bausektor fehlen jährlich 18 Milliarden Euro, Batterien und Fahrzeugen zehn Milliarden.

Zirkuläre Geschäftsmodelle brauchen politische Vorgaben, um Kapital anzuziehen. „Produkte, die nicht kreislauffähig gestaltet sind, müssen ökonomisch unrentabel werden“, sagte Andrei Geica vom Impact-Investmentfonds Sporos. Andrew Morlet von Standard Chartered forderte einheitliche Definitionen und harmonisierte Berichtsstandards. Banken müssten zudem ihre Risikomodelle überarbeiten – Langzeitrisiken linearer Modelle wie die Ressourcenverfügbarkeit seien dort kaum abgebildet.

Die Kommission setzt auf die Nachfrageseite. Mindesteinsatzquoten für Recyclingmaterial und verpflichtende zirkuläre Beschaffung sollen Investitionen anschieben. Im kommenden Quartal will Brüssel den „Circular Economy Act“ vorstellen, der einen Binnenmarkt für Sekundärmaterial schaffen soll.

Warum weltweit jedes Jahr 25 Billionen Euro an Wert durch lineares Wirtschaften verloren gehen – und was nutzungsbasierte Geschäftsmodelle für die Umsätze von Unternehmen bedeuten, lesen Sie im ESG.Table. Nicolas Heronymus

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Wertschöpfung: Deutsche Wirtschaft verliert durch Temu und Shein jährlich 2,4 Milliarden Euro

Wie der Handelsverband Deutschland (HDE) berichtet, verliert die deutsche Wirtschaft jährlich 2,4 Milliarden Euro an Wertschöpfung, vor allem durch günstige Produkte der Plattformen Temu und Shein. Besonders stark betroffen ist der Einzelhandel mit einem Verlust von 1,3 Milliarden Euro. Laut einer Studie des Institut der deutschen Wirtschaft liefern die Anbieter täglich etwa 460.000 Pakete nach Deutschland und verstoßen dabei teilweise gegen EU-Vorschriften, beispielsweise durch Steuern. Dadurch fehlen dem Staat jährlich rund 429 Millionen Euro an Einnahmen und es gehen über 40.000 Arbeitsplätze verloren.

Der HDE sieht darin einen unfairen Wettbewerb zulasten europäischer Händler und fordert strengere Kontrollen sowie Regulierung, etwa durch den Zoll und verpflichtende EU-Ansprechpartner für die Plattformen. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass viele Käufe auf diesen Webseiten spontan erfolgten: Etwa die Hälfte der Käufer hätte die Produkte auch anderswo zum gleichen Preis gekauft und rund 19 Prozent wären sogar bereit gewesen, mehr zu zahlen. Weiteres dazu lesen Sie im China.Table. Lina Falk

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AccelerateEU: So will die Kommission die Energiepreise senken

Die Europäische Kommission wollte mit dem Programm „AccelerateEU“ Maßnahmen gegen hohe Energiepreise und für Versorgungssicherheit vorstellen, hat jedoch zentrale Punkte wie eine EU-weite Übergewinnsteuer vorerst gestrichen. Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera erklärte, dass es derzeit keine Einigung für eine gemeinsame Steuerlösung gebe. Die Hormus-Krise verkompliziert die Lage erheblich. Die EU rechnet damit, dass sich insbesondere die Preise für Flüssiggass (LNG) langfristig nicht wie erhofft stabilisieren werden, auch wegen Schäden an Anlagen etwa in Katar.

Statt direkter Eingriffe setzt die Kommission vor allem auf Koordination und Transparenz. Ein geplantes „Fuel Observatory“ etwa soll Engpässe bei Treibstoffen sichtbar machen. Klimakommissar Wopke Hoekstra lehnt eine Aussetzung des CO2-Handels im Interview mit Table.Briefings ab, zeigt sich aber offen für eine Reform der Energiesteuern. Zudem betont die EU, unabhängig von russischen Energieimporten bleiben zu wollen. Die Maßnahmen im Detail lesen Sie im Europe.Table. Manuel Berkel

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CEO.Presseschau

FAZ

Die Milliardenpläne des Finanzinvestors Mutares

Der Finanzinvestor Mutares verschiebt den Börsengang des Autozulieferers Amaneos auf bis zu 2028. Als Grund werden die angespannte Marktlage sowie interne Entwicklungen genannt; ein paralleler Verkauf wird geprüft. Zudem plant Mutares die Sanierung eines neu erworbenen Chemiegeschäfts von Sabic. An einem Standort in Spanien droht die Schließung.
manager magazin

Lieferando-Mitgründer verkauft Start-up Talon.One für 750 Millionen Euro – Mega-Exit in Berlin

Christoph Gerber, Mitgründer von Lieferando, verkauft sein Software-Start-up Talon.One für 750 Millionen Euro an den niederländischen Paymentkonzern Adyen. Die Firma entwickelt Marketing- und Rabattaktionen für Großkunden wie H&M oder Adidas. Der Verkauf ist einer der größten der deutschen Start-up-Szene in den letzten Jahren. Gerber und sein Co-Gründer Sebastian Haas bleiben an Bord.
Handelsblatt

Unternehmen: Siemens Energy steigt zum drittwertvollsten Dax-Konzern auf

Siemens Energy profitiert vom weltweiten Stromhunger und hebt nach einem starken Quartal die Jahresprognose an. Im zweiten Quartal 2025/26 stieg der Auftragseingang um fast 30 Prozent auf 17,8 Milliarden Euro, der Gewinn nach Steuern verbesserte sich auf 835 Millionen Euro. Der Aktienkurs ist in den letzten zwölf Monaten um über 170 Prozent gestiegen.
Süddeutsche Zeitung

Deutsche Autobauer in Peking: Warten auf die Auferstehung

Deutsche Autobauer wie VW, Mercedes und BMW kämpfen auf dem chinesischen Markt gegen sinkende Verkaufszahlen und einen Imageschaden. Auf der Peking Motor Show präsentieren sie neue Modelle und eine an lokale Kundenwünsche angepasste Strategie, um verlorenen Boden gutzumachen. Dennoch bleibt die Konkurrenz durch einheimische Marken stark und der Weg zurück an die Spitze ungewiss.
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CEO.Personnel

Handelsblatt

Medien: RTL stellt Geschäftsführung neu auf

Nach der Übernahme von Sky Deutschland besetzt RTL die Geschäftsführung neu. Elke Walthelm und Michael Radelsberger von Sky treten in die Geschäftsführung ein, um die Integration und das Pay-Geschäft zu leiten. Julia Kloke wird neue Finanzchefin. Stephan Schmitter bleibt CEO mit dem Ziel, im Streaming-Markt gegen US-Wettbewerber zu konkurrieren. Die EU-Kommission hat die Übernahme genehmigt.
FashionNetwork

Puma verstärkt Führungsteam mit ehemaligem Adidas-Manager

Puma ernennt Laurent Fricker zum 1. Juni zum Vice President für den Bereich Sportstyle. Fricker kommt nach 20 Jahren von Adidas, wo er zuletzt die Geschäfte von Adidas Originals auf europäischer Ebene leitete. Mit der Personalie will Markenchefin Maria Valdes ihr Team gezielt mit erfahrenen Führungskräften aus dem Adidas-Umfeld ausbauen. Das Sportstyle-Segment ist Pumas wichtigster Umsatztreiber.
Lebensmittel Zeitung

Spielwaren: Mattel besetzt EMEA-Leitung für Consumer Products neu

Der Spielwarenhersteller Mattel hat Jessica Kelly zur neuen Leiterin für Consumer Products in der EMEA-Region ernannt. Ab dem 1. Mai übernimmt die Managerin aus den eigenen Reihen die Gesamtverantwortung für das Lizenzgeschäft. Sie folgt auf Ruth Henriquez. Für die DACH-Region bleibt Natalie Berling-Noé zuständig und berichtet an Kelly.
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CEO.Finance

Gefährdet Donald Trump den Weltleitwährungsstatus des Dollars?

Seit dem Bretton-Woods-System profitiert der US-Dollar von Netzwerkeffekten und einem liquiden Finanzmarkt. Steigende Staatsschulden und Trumps disruptive Politik nähren jedoch Zweifel. Welche Alternativen wirklich infrage kommen.

Die dominierende Rolle des Dollars als Weltleitwährung geht auf die Gründung des Bretton-Woods-Systems 1944 zurück. Als wirtschaftlicher Sieger des Zweiten Weltkriegs konnten die USA den Dollar ins Zentrum des neuen Weltwährungssystems rücken. Da die Peripherie-Länder die Wechselkurse gegenüber dem Dollar stabilisieren mussten, mussten sie Dollarreserven halten. Wenn die USA die Zinsen senkten und deshalb Kapital in die Peripherieländer floss, mussten die Zentralbanken an der Peripherie Dollar kaufen, um die Wechselkurse zu stabilisieren.

Die Europäer waren neidisch. Frankreichs Finanzminister Valéry Giscard d’Estaing sprach von einem exorbitanten Privileg, das den USA unter anderem hohe Militärausgaben ermöglichte, die die politische Vormachtstellung in der westlichen Welt sicherten. Nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems 1973 blieb der Dollar außerhalb von Europa die Weltleitwährung, was auch an sogenannten Netzwerkeffekten liegt. Da die meisten Akteure auf der Welt für ihre internationalen Güter- und Finanztransaktionen Dollar nutzen, ist der Dollarmarkt besonders liquide – und damit Transaktionen in Dollar kostengünstig!

Zudem steht hinter dem Dollar der freie und damit hoch entwickelte US-Finanzmarkt. Der bietet breit gefächerte Anlagemöglichkeiten bei günstigen Transaktionskosten. Das Rückgrat des US-Finanzmarkts sind die US-Staatsanleihen als – bisher! – sicherste aller Rendite bringenden Anlageformen.

Doch die Zweifel am Dollar als Weltleitwährung wachsen. Die Staatsverschuldung der USA ist seit der Jahrtausendwende aufgrund von Kriegen, Finanzkrisen und hohen Sozialausgaben immens angestiegen. Umfangreiche Staatsanleihekäufe der Fed haben den Dollar unter Abwertungsdruck gebracht und damit viele Länder außerhalb Europas an den Kosten beteiligt. Große Halter von Treasuries wie Russland und China haben sich zurückgezogen beziehungsweise ziehen sich zurück. Trump bewirkt mit nicht ausreichend gegenfinanzierten Steuersenkungen und hohen Militärausgaben, dass die Schuldenlasten von rund 39 Billionen Dollar noch weiter ansteigen. Sein disruptives Auftreten erhöht das Misstrauen.

US-Dollar als Leitwährung: China reduziert seine Bestände kontinuierlich. Zur Darstellung von Grafiken und Karten aktivieren Sie bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings.

Als Konkurrent zum Dollar als Weltleitwährung wird der chinesische Yuan gehandelt. Doch Chinas Finanzsystem ist nicht frei, sondern wird von Staatsbanken dominiert und ist hinter Kapitalverkehrskontrollen abgeschottet. Das zieht keine internationalen Anleger an. Prominente Vertreter der EU und der EZB haben den Aufstieg des Euro zur neuen Weltleitwährung in die Diskussion gebracht. Doch der Euroraum ist fragil und die Staatsverschuldung in Europa steigt, was Zweifel an der Stabilität des Euros weckt.

Hingegen gilt Gold mehr denn je als sicherer Hafen bei wachsenden globalen Schuldenlasten. Auch Bitcoin bringt die notwendigen Eigenschaften für eine Währung mit, die im Gegensatz zum Dollar nicht politisch beeinflussbar ist. Der steile Anstieg der Preise von Gold und Bitcoin gegenüber dem Dollar zeugt von einem deutlichen Vertrauensverlust in die Weltleitwährung.

Die Attacken von Trump gegen die Zentralbank Fed kündigen für viele Beobachter einen weiteren Wertverlust an. Andererseits hat Trump mit Kevin Warsh als neuen Präsident einen geldpolitischen Falken ernannt, der die führende Rolle des Dollars im Weltwährungssystem auf Dauer sichern könnte – wie es als Ziel im Wahlprogramm der Republikaner stand.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

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CEO.Economics

Entscheidet sich an der Zapfsäule die Zukunft unseres Landes?

„Das ist nicht unser Krieg“ – außer an der Zapfsäule. Ernsthaft? Seit Wochen beherrschen die hohen Kraftstoffpreise die öffentliche und die politische Diskussion. Ich bin mir nicht sicher, ob das Strategie oder Ignoranz ist.

Der Krieg im Iran und die Auswirkungen in der Region bergen die Gefahr, zu ernsthaften gesamtwirtschaftlichen Schäden in Deutschland zu führen. Hierzulande hingegen diskutieren wir (und jetzt auch in dieser Kolumne) weiterhin vor allem über die massiv gestiegenen Kraftstoffpreise – einem sehr kleinen Ausschnitt des Gesamtproblems.

Aber selbst diese mit Scheuklappen geführte Diskussion unterliegt drei zentralen Irrtümern:

  1. Die Kraftstoffkosten seien untragbar hoch geworden.

  2. Die Preise für Benzin und Diesel seien für die Konsumenten dominierend.

  3. Die hohen Preise könne die Politik einfach wegsubventionieren.

Die nominalen Kraftstoffkosten liegen im Bereich historischer Höchststände. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass sich die realen Kosten der (verbrennerbasierten) Automobilität auf demselben Niveau befinden. Über viele Jahre sind die Kraftstoffpreise in etwa im Einklang mit der allgemeinen Preisentwicklung gestiegen.

Gleichzeitig ist der durchschnittliche Verbrauch der Fahrzeugflotte über die Jahre leicht gesunken – wenngleich seit 2002 nur um neun Prozent von 8,1 auf 7,4 Liter je 100 Kilometer. Zusammengenommen kommt man seit vielen Jahren mit preisbereinigt rund acht Euro 100 Kilometer weit (Preisbasis 2020). Aktuell liegen wir bei gut neun Euro. Das ist spürbar, aber nicht extrem viel mehr. Wer es in diesen Wochen mal ausprobiert hat: Es ist ein Leichtes, diesen Euro durch eine angepasste Fahrweise einzusparen. Die Gesamtkosten kann man drücken, indem man auf die eine oder andere Fahrt verzichtet. In den ersten Monaten des Jahres 2026, muss ein Arbeitnehmer im Durchschnitt 35 Minuten arbeiten, um sich 100 Kilometer Autofahren leisten zu können – genauso lange wie vor 15 Jahren.

Die Bedeutung der Ausgaben für Benzin und Diesel für die privaten Haushalte wird in der aktuellen Diskussion massiv überschätzt. Der Anteil der Ausgaben für Kraftstoffe an all ihren Konsumausgaben beträgt nur rund drei Prozent. Das ist ähnlich viel wie für Alkohol und Tabak. Selbst für Vielfahrer bewegt sich die Mehrbelastung bezogen auf den gesamten Konsum im Nachkommabereich. Echte Einschränkungen ergäben sich erst, wenn der Sprit an den Tankstellen teilweise ausgehen sollte. Aber da sind wir (noch) nicht.

Die aktuellen Vorhaben der Bundesregierung, um die Preise an der Tankstelle zu senken, suggerieren, die gestiegenen Kosten ließen sich wegsubventionieren. Das geht leider nicht. Die gestiegenen Preise bedeuten einen realen Einkommenstransfer hin zu den ölexportierenden Ländern. Für Deutschland ist das in Summe ein unabwendbarer Wohlstandsverlust. Punkt. Subventionen bedeuten nur, dass die Kosten innerhalb Deutschlands individuell anders verteilt werden.

Die wirklichen ökonomischen Effekte des Iran-Kriegs liegen jenseits der Zapfsäule und können auch mittelfristig gravierend sein. Das gilt besonders für die privaten Haushalte:

  • Die Herstellung vieler Lebensmittel ist sehr energieintensiv. Hier dürften die Preise steigen. Das belastet das Haushaltsbudget dreimal so stark wie bei Benzin und Diesel.

  • Zieht die Inflation insgesamt an, reduziert das die Realeinkommen und damit die Konsummöglichkeiten in der Breite – also auch für die übrigen 97 Prozent der Konsumausgaben.

  • Die schwache konjunkturelle Erholung könnte nicht nur eine Delle erhalten, sondern zum Erliegen kommen. Dann würden sich auf dem ohnehin angespannten Arbeitsmarkt Beschäftigungschancen und Möglichkeiten für Lohnsteigerungen verringern.

  • Hinzu kommen negative Vermögenseffekte durch die Kursverluste an den Finanzmärkten. Da kommt auch bei kleinen Vermögen schnell mehr zusammen als ein paar Tankfüllungen.

Der Preisanstieg der vergangenen Wochen war sehr dynamisch. Man könnte also leicht auf die Idee kommen, mit kurzfristigen Eingriffen etwas ausrichten zu wollen. Die Wirtschaftspolitik aber sollte die langen Linien im Blick haben – in den Maßnahmen wie in der Analyse.

Michael Böhmer ist Chefvolkswirt und Managing Partner des Forschungs- und Beratungsunternehmens Prognos.

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