CEO.Table – Ausgabe 75

Mittelständler drängen ins Rüstungsgeschäft + Flottenchefin: Hapag Lloyd in unsicheren Zeiten + Ludwig-Erhard-Gipfel: wachsende Zweifel

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Executive Summary

Autonome Kochrobotor-Conatiner - bitte Bilder Download erlauben

Mittelständler drängen ins Rüstungsgeschäft – aber nicht für alle geht der Plan auf

Der Mittelstand setzt verstärkt auf Rüstung. Im Februar 2025 zählte der Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) 265 Mitglieder – heute sind es über 540. Vor der „Zeitenwende“, dem Angriff Russlands auf die Ukraine, hatte der Verband lediglich 120 Mitgliedsunternehmen, fast alle im Bereich Rüstung angesiedelt. Das hat sich geändert. Auf der Mitgliederliste des BDSV stehen Unternehmensberatungen, Rechtsanwaltskanzleien, Software- und Elektronikfirmen und Maschinenbauer. Von den 540 Mitgliedern seien rund 80 Prozent Mittelständler, heißt es vom Verband.

Unternehmen wie Heidelberg Druckmaschinen erschließen den Markt. Als Hersteller von großen Maschinen für Printmedien braucht das Unternehmen in einer digitalen Welt neue Perspektiven – und glaubt, sie gefunden zu haben: Die deutschen Verteidigungsausgaben sollen bis 2030 auf etwa 180 Milliarden Euro steigen, EU-weit wurden 2025 rund 381 Milliarden Euro ausgegeben. „Defense wird für uns ein planbares, margenstarkes Geschäftsfeld mit direkten technologischen Synergien zu unserem Kerngeschäft“, sagt CEO Jürgen Otto zu Table.Briefings.

Im kommenden Jahr wolle er den Umsatz der Sparte Industry, in der das Verteidigungsgeschäft liegt, auf 100 Millionen Euro verdoppeln. „Mittelfristig sollen die Bereiche Defense und kritische Infrastruktur zu einem signifikanten Umsatztreiber werden.“ Es handele sich aber, betont Otto, um einen „strukturellen Wachstumspfad – nicht um eine rein kompensatorische Maßnahme.“

Es könnten sich also neue Marktchancen ergeben, dennoch warnen einige vor der Goldgräberstimmung. „Ich sehe eine Art Verzweiflung, die da aus der Industrie spricht“, sagt Patrick Kaczmarczyk vom Lehr­stuhl für Makroökonomik und Wirtschafts­politik an der Universität Mannheim. Die Militarisierung der Wirtschaft sei eine risikoreiche Wette mit niedriger gesamtwirtschaft­licher Rendite, Impulse für wirtschaftliches Wachstum entstünden kaum, so das Ergebnis seiner Studie. „Das Geld fließt vor allem in höhere Preise für Rüstungsgüter und weniger in zusätzlichen industriellen Output.“

Volkswirtschaftlich betrachtet sei die Rüstungsbranche zu klein, erklärt Kaczmarczyk. Weder könnten verlorene Industriearbeitsplätze noch rückläufige Auftragsvolumina kompensiert werden. Der Ökonom stellt fest: „Für den Mittelstand wird eine Hinwendung zur Rüstungsproduktion nicht die Lösung aller Probleme sein.“ Zudem gehe die Wette speziell für KMUs nicht auf. Fast die Hälfte des Sondervermögens etwa floss an Rheinmetall. „Konzerne mit Nähe zur Politik profitieren, bei den Kleinen kommt insbesondere kurzfristig so gut wie gar nichts an.“

Entwicklung der Mitgliedzahlen Rüstungsverband. Zur Darstellung von Grafiken und Karten aktivieren Sie bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings.

Um überhaupt wahrgenommen zu werden, setzen viele Quereinsteiger auf eine Mitgliedschaft im Rüstungsverband. Das erklärt den starken Mitgliederzuwachs. Auch Technisat ist diesen Weg gegangen, berichtet Geschäftsführerin Evelyn von Hellfeld. Das Unternehmen, 1987 mit TV-Satelliten- und Digitalreceivern gestartet, entschied sich, mit seiner EMS-Sparte (Fertigungsdienstleitungen für Elektronik) in das Rüstungsfeld vorzudringen.

Früher produzierte Technisat vor allem für den Fernsehsektor. Nach Einbruch des TV-Marktes fertigte das Unternehmen für die Automobilbranche, Medizin- und Netzwerktechnik – und auch Platinen für Drohnenhersteller. Jetzt beliefert Technisat unterschiedliche Zulieferer, also nicht direkt die Bundeswehr, was den Einstieg in das Geschäft erleichtert habe. Doch der Wettbewerb nehme zu: „Man spürt, dass viele ehemalige Automotive-Hersteller freie Kapazitäten haben und alle in diese Branche schielen.“

Schwer bleibt insbesondere der Zugang zum Beschaffungs- und Vergabesystem der Bundeswehr. Etwa sei es nicht leicht herauszufinden, was die Streitkräfte gerade genau brauchen, speziell an innovativen Lösungen. Das werde oft nicht öffentlich kommuniziert, berichtet ein Branchenexperte. Man wolle ja nicht, „dass Russland weiß, an welcher Stellen aufgerüstet wird“. Ein Blick auf die e-Vergabe-Plattform der Bundeswehr zeigt gleichermaßen, dass nicht nur Bedarf an klassischen Rüstungsgütern besteht. Es finden sich Aufträge zur Lieferung von Gaszählern und 22 großen Boots-Fendern, zur Wartung von Rollläden und Sonnenblenden oder die Pacht einer Kasernen-Kantine.

Potenziale sehen daher auch Firmen aus Bereichen, in denen es keine direkte Konkurrenz mit den Rüstungskonzernen gibt. Seit 2021 baut das Start-up Circus Group von Nikolas Bullwinkel Kochroboter. Zielgruppen waren erst Supermärkte, Tankstellen, Flughäfen, Krankenhäuser oder Konzern-Kantinen. Jetzt sind die US-Army, die Bundeswehr, die litauische und die ukrainische Armee Kunden. Das Unternehmen entwickelte neben seiner Indoor-Linie einen autonomen Kochroboter in einem stabilen Outdoor-Container, der bis zu 2.500 Essen pro Befüllung zubereiten kann.

Aktuell mache der Defense-Bereich 20 Prozent des Neugeschäfts aus, berichtet Bullwinkel. „Ich gehe aber fest davon aus, dass es im nächsten Jahr Richtung 40 bis 50 Prozent geht“, denn wenn ein Kunde wie die Bundeswehr erstmal überzeugt ist, kaufe sie hunderte Geräte für ihre Kasernen. Die Aussicht auf Wiedereinführung der Wehrpflicht macht dem Kochroboter-Hersteller große Hoffnung.

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CEO.Talk

Silke Lehmköster, Flottenchefin Hapag Lloyd - bitte Bilderdownload aktivieren

Fahren oder nicht? Wie die Flottenchefin Hapag-Lloyd durch unsichere Zeiten navigiert

Sechs Schiffe von Hapag-Lloyd, Deutschlands größter Reederei, sitzen seit dem 28. Februar im Persischen Golf fest. „Alles, was wir machen können, ist unsere Crews dort so gut wie möglich zu betreuen. Denn es gibt bekanntlich keine Alternative zur Straße von Hormus“, erzählt Silke Lehmköster, die Flottenchefin der Hamburger Reederei im Gespräch mit Table.Briefings.

Die 39-Jährige ist verantwortlich für 300 Frachter und deren Crews. Zudem ist sie Leiterin des Krisenstabs des Hamburger Unternehmens, der in diesen Tagen jeden Morgen um 8.30 Uhr zusammenkommt und den Blick auf die Lage am Persischen Golf richtet. Mehrmals täglich telefoniert Lehmköster, die selbst als Kapitänin einige Jahre zur See gefahren ist, mit den Crews, um Informationen auszutauschen. Hapag-Lloyd stünde dafür im Austausch mit verschiedenen Militärdiensten und der Deutschen Marine, erzählt sie. Dennoch sei die Lage schwer einzuschätzen.

In der Regel haben große Frachtschiffe Frischwasser und Proviant für vier Wochen an Bord. Da die Crews nun aber schon länger vor Hormus liegen, mussten sie bereits von kleineren Booten nachversorgt werden. „Außerdem haben wir das Internetvolumen vergrößert, damit unsere Besatzungen jederzeit mit Familien und Freunden in Kontakt sein können. Und wir haben psychologische Unterstützung angeboten.“ Denn, so Lehmköster, bei mittlerweile 42 Tagen vor Anker gelte: „Der größte Feind an Bord ist die Monotonie und dagegen müssen wir ankämpfen.“

Der Feind der Reederei an Land sind durch die Krise am Golf entstehende Fahrzeitverlängerungen, fehlende Containerkapazitäten und steigende Treibstoffkosten. Letzteres ist kein neues Thema: Seit Ende 2023 fahren die Schiffe der Hapag-Lloyd-Flotte statt durch das Rote Meer um Afrika herum – ein um Vielfaches längerer und damit teurerer Weg. „Wir trainieren unsere Crews, so effizient wie möglich zu fahren“, sagt Lehmköster. Das heißt, wie auf der Straße auch: Sie sollen langsamer fahren. Mit den aktuellen Treibstoffkosten habe das Problem aber „eine neue Dimension“ erreicht. Und das hat Folgen: „Am Ende des Tages werden wir an unsere Kunden herantreten müssen, weil wir das Ungleichgewicht bei den Brennstoffkosten nicht allein tragen können.“

Alternativen, das heißt alternative Kraftstoffe für Frachtschiffe, gibt es – aber nicht kurzfristig. Man könne die Maschinen nicht einfach umrüsten, erklärt Lehmköster. Stattdessen setze man beim Bau neuer Schiffe auf solche, die aktuell mit Flüssiggas, Methanol oder perspektivisch mit Biomethan fahren können. „Dann haben wir wirklich ein grünes Schiff“, so die Flottenchefin. Bis dahin allerdings werden noch Monate, eher Jahre vergehen. Dass sich die ganz akuten Probleme der Kapitänin, Blockaden und Krisen, früher lösen, bleibt zu hoffen.

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CEO.News

Ludwig-Erhard-Gipfel: Fehlendes Programm, prominente Absagen, wachsende Zweifel

In rund zwei Wochen, vom 28. bis 30. April, startet der Ludwig‑Erhard‑Gipfel am Tegernsee und noch immer halten sich die Organisatoren bedeckt, was das konkrete Programm und die Rednerliste betrifft. Auf Nachfrage von Table.Briefings heißt es: „Ein offizielles Programm inklusive Speakernamen liegt aktuell noch nicht vor.“ Auch Hintergrundgespräche für Journalistinnen und Journalisten im Vorfeld des Gipfels, die ursprünglich geplant waren, soll es nun doch nicht geben. Offizielle Einladungen, die Table.Briefings vorliegen, enthalten ebenfalls keine Angaben zu Top-Gästen. Dort heißt es lediglich: „Mit Ihrer Zusage lösen Sie unser Versprechen ein, dass unsere Gäste im Publikum nicht minder interessant sind als die auf der Bühne“. Und selbst Redner, die eine Teilnahme planen, kennen die Details des Programms noch nicht.

Die Veranstaltung der Weimer Media Group geriet zuletzt in den Fokus, weil angeblich mit exklusivem Zugang zu Bundesministern geworben wurde. Die Weimer Media Group wies die Vorwürfe zurück. Infolge der Berichterstattung über die Kritik an der Veranstaltung erklärte der parteilose Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, seine Anteile an der Weimer Media Group vorläufig ruhen zu lassen. Die Geschäftsführung hatte er bereits vor seinem Amtsantritt niedergelegt.

Dennoch haben inzwischen mehrere prominente politische Gäste ihre Teilnahme abgesagt. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche wird ebenso wenig teilnehmen wie Vizekanzler Lars Klingbeil und Forschungsministerin Dorothee Bär. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat darüber hinaus seine Schirmherrschaft für den Ludwig‑Erhard‑Gipfel 2026 ausgesetzt und seine Teilnahme abgesagt.

Auch aus der Wirtschaft bleiben frühere Teilnehmer der Veranstaltung fern. Siemens‑Chef Roland Busch, der 2024 noch am Ludwig‑Erhard‑Gipfel teilgenommen hatte, wird in diesem Jahr nicht vor Ort sein. Siemens teilt auf Anfrage mit: „Eine Teilnahme von Herrn Busch oder von anderen Mitgliedern des Vorstands der Siemens AG am diesjährigen Ludwig‑Erhard‑Gipfel ist derzeit nicht geplant.“ Ebenso werden Stefan Kapferer, CEO des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, sowie Stefan Rummel, CEO der Messe München, die im vergangenen Jahr am Gipfel teilgenommen hatten, in diesem Jahr nicht an den Tegernsee reisen. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen rieten Mitarbeiter mehrerer Dax‑CEOs ihren Chefs von einer Teilnahme am Gipfel ab. Ein Auftritt sei aus ihrer Sicht wenig vorteilhaft. In den Chefetagen habe man einen Reputationsgewinn durch eine Teilnahme nicht erkannt.

Hinzu kommt eine wachsende Zurückhaltung auf Sponsorenseite. „Wir haben bei der Festlegung unserer Sponsoringaktivitäten für 2026 bereits im vergangenen Oktober den Ludwig‑Erhard‑Gipfel nicht erneut in unsere Pläne aufgenommen“, erklärt die Unternehmensberatung Roland Berger. Andere Unternehmen verweisen hingegen auf bestehende Vertragsbindungen. Die Warburg Bank teilt mit: „Wir sind auf Basis eines mehrjährigen Vertrags auch 2026 Partner des Ludwig‑Erhard‑Gipfels.“ Auch Audi betont eine bestehende Zusammenarbeit: „Im Rahmen einer bereits bestehenden Kooperations‑ und Mobilitätspartnerschaft unterstützen wir die diesjährige Veranstaltung mit Fahrzeugen für den Shuttleservice.“

Ob und wie sich die prominenten Absagen, das fehlende Programm und die Zurückhaltung von Sponsoren auf die Nachfrage auswirken, bleibt bislang unklar. Zum Stand des Ticketverkaufs äußern sich die Organisatoren ebenfalls nicht. Alexander Wiedmann

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Gespräche über Zusammenschluss zwischen Aleph Alpha und kanadischem Milliardenunternehmen Coherence

Deutschland und Kanada wollen das globale KI-Rennen nicht komplett an die USA und China abgeben. Die Heidelberger Firma Aleph Alpha und das kanadische Unternehmen Cohere verhandeln über einen Zusammenschluss. Der Deal würde ein politisch wichtiges Zeichen setzen. Dabei ginge es nicht nur um leistungsfähige KI-Modelle und globale Skalierung, sondern auch um zentrale Fragen der Souveränität für Deutschland und Europa, wie das Bundesdigitalministerium (BMDS) Table.Briefings bestätigte.

Es soll eine neue Firma mit Standorten in Deutschland und Kanada entstehen. Die Gespräche finden auf Initiative von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) statt. Die Bundesregierung ist bereit, Ankerkunde des fusionierten Unternehmens zu werden und es mit Behördendigitalisierung zu beauftragen, wie das Handelsblatt zuerst berichtete. Bundeskanzler Friedrich Merz soll in die Pläne eingeweiht sein.

Die Bundesregierung setzt auf Souveränität als Alleinstellungsmerkmal. Das fusionierte Unternehmen solle auf europäischer Infrastruktur betrieben werden – ohne Zugriff durch Drittstaaten. Als möglicher Partner gilt die Schwarz Gruppe, die bereits im Aufsichtsrat von Aleph Alpha sitzt und auch personell deutlichen Einfluss beim KI-Start-up ausübt. Bei KI geht es nicht nur um leistungsfähige Modelle, Anwendung und Skalierung, sondern auch um zentrale Fragen der Souveränität, lässt sich Wildberger zitieren.

Auf dem Papier ergänzen sich beide Unternehmen – in der Praxis ist das Kräfteverhältnis eindeutig. Cohere erzielte zuletzt Jahresumsätze von rund 240 Millionen US-Dollar und wurde im Sommer 2025 mit 6,8 Milliarden US-Dollar bewertet. Zu den Investoren zählen SAP, die Deutsche Telekom und Nvidia. Aleph Alpha dagegen stagniert: Der Umsatz lag 2024 bei rund 40 Millionen Euro, die letzte Bewertung von etwa 446 Millionen Euro liegt mehr als zwei Jahre zurück. Zuletzt baute das Unternehmen Stellen ab; Mitgründer Jonas Andrulis trat im Januar als CEO zurück, wie Table.Briefings vorab berichtete.

Cohere-Chef Aidan Gomez ist einer der Autoren des wegweisenden Transformer-Papiers „Attention Is All You Need“ aus dem Jahr 2017, das die technologische Grundlage aller modernen großen Sprachmodelle legte – von ChatGPT bis zu Coheres eigenem Modell „Command“. Zu den Co-Autoren des Papiers zählt auch Jakob Uszkoreit, der bei Google in Berlin arbeitet.

Die Gespräche zwischen Cohere und Aleph Alpha sind nicht die einzige politisch-wirtschaftliche Verknüpfung beider Länder. Kanada plant, bis zu zwölf U-Boote anzuschaffen. Die deutsche Werft TKMS hat sich mit dem Modell 212 CD beworben. Aus Berliner Regierungskreisen heißt es, die KI-Allianz könnte Kanadas Entscheidung beeinflussen – zumal Ottawa angesichts des aggressiven Kurses der USA ohnehin die Partnerschaft mit Europa vertiefen will. Auf Digitalminister-Ebene funktioniert die europäisch-kanadische Annäherung offenbar gut: Karsten Wildberger und sein Amtskollege Evan Solomon seien in regelmäßigem und freundschaftlichem Austausch, wie Table.Briefings erfuhr. Alex Hofmann und Leonard Schulz

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Notfall-Szenarien: Lufthansa erwägt Streckenschließungen bei weiterem Kerosinpreisanstieg

Infolge des Iran-Krieges hadern europäische Airlines derart mit den rasant gestiegenen Kerosinkosten, dass sie Flugzeuge bereits am Boden lassen, etwa in Italien. Der Preis für Flugbenzin ist auf Rekordwerte von 239 Dollar pro Barrel geklettert, Flughäfen haben mit der Rationierung des Treibstoffs begonnen. Eine Sprecherin der Lufthansa betonte auf Anfrage von Table.Briefings allerdings, dass man rund 80 Prozent des Kerosinbedarfs für das laufende Jahr zum Vorkrisenniveau eingekauft habe und damit gegen Schwankungen sehr gut geschützt sei, ganz anders als US-Airlines.

Es bestehe derzeit keine Kerosinknappheit an deutschen Drehkreuzen. Dennoch bereite man sich auf weitere Preissteigerungen vor, ein mögliches Szenario sei die Streichung unprofitabler Strecken oder „eine vorzeitige Ausflottung älterer Flugzeuge“, so die Sprecherin. In einem Szenario würde die konzernweite Kapazität um 2,5 Prozent reduziert, was der Stilllegung von rund 20 Flugzeugen entspräche; ein weiteres sähe eine Kapazitätsreduktion von fünf Prozent und die Stilllegung von 40 Flugzeugen vor. Die Ticketpreise sind bereits angehoben worden.

Bei Condor sieht die Lage anders aus. Weil die Flotte deutlich kleiner ist als die der Lufthansa und auf der Langstrecke ausschließlich neuere Flugzeugmodelle mit geringerem Treibstoffverbrauch zum Einsatz kommen, macht sich Condor‑CEO Peter Gerber derzeit keine Sorgen mit Blick auf eine mögliche Kerosinknappheit. Michael Bröcker, Alexander Wiedmann

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Mehr von Table.Briefings

Climate.Table: Wie die Wirtschaftsministerin die Energiewende schlechtrechnet. In einem Gastbeitrag für die FAZ hat sich Katherina Reiche zum Umstieg auf erneuerbare Energien bekannt, zugleich aber deren bisherigen Erfolge relativiert und die hohen Kosten betont. Mehrere Zahlen, mit denen sie dabei argumentiert, sind falsch oder irreführend. Einen Faktencheck lesen Sie hier.

China.Table: Warum Peking auf Bio-Manufacturing setzt. In Chinas 15. Fünfjahresplan zählt Bio-Manufacturing zu den Schlüsselbereichen. Man will Fleisch aus Zellkulturen, Materialien aus Spinnenseide oder Treibstoff aus Industrieabgasen gewinnen. Wie Europa in diesem Bereich aufgestellt ist, und wie es auf Chinas Industriepolitik reagieren sollte, lesen Sie hier.

Space.Table: Planet Labs sucht Fachleute in Berlin. Die Satellitenfirma steht derzeit im Fokus, weil sie einer US-Anordnung nachkam, keine Aufnahmen mehr aus denen vom Iran-Krieg betroffenen Gebieten zu veröffentlichen. Wie die Firma ihre Produktionskapazitäten für die „Pelican“-Flotte verdoppeln will, lesen Sie hier.

Europe.Table: Europaparlament fordert Abgabe für Digitalkonzerne. Berichterstatter des Europaparlaments fordern eine neue Abgabe für Digitalkonzerne für eine faire Besteuerung. Weitere Vorschläge zur Finanzierung des EU-Haushalts sind eine Abgabe auf Online-Glücksspiel, eine auf Krypto-Kapitalgewinne und höhere Einnahmen aus dem CO₂-Grenzausgleichsmechanismus. Was dem Vorstoß im Weg steht, lesen Sie hier.

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CEO.Presseschau

Bloomberg

Bessent und Powell rufen Bank-CEOs wegen Anthropics neuem KI-Modell zu dringendem Treffen

US-Finanzminister Scott Bessent und Fed-Chef Jerome Powell haben Wall-Street-Führungskräfte zu einem dringenden Treffen einberufen. Grund sind Bedenken, dass das neueste KI-Modell "Mythos" von Anthropic eine neue Ära von Cyber-Risiken einleiten könnte. Das Modell soll Schwachstellen in wichtigen Systemen autonom identifizieren und ausnutzen können.
WELT

Koalitionsstreit um Entlastungen: Reiche attackiert SPD

Innerhalb der Koalition verschärft sich der Streit über Verbraucherentlastungen bei hohen Spritpreisen. Wirtschaftsministerin Reiche (CDU) kritisiert SPD-Vorschläge als "teuer, wirkungsschwach und verfassungsrechtlich fragwürdig" und lehnt eine Übergewinnsteuer ab. SPD-Chef Klingbeil will damit eine Mobilitätsprämie finanzieren. Kanzler Merz dämpft die Erwartungen auf schnelle Entscheidungen.
Reuters

Schweizer Terra Quantum plant Börsengang an der Nasdaq über SPAC bei einer Bewertung von 3,25 Milliarden Dollar

Das deutsch-schweizerische Quantentechnologie-Unternehmen Terra Quantum plant für dieses Jahr einen Börsengang an der Nasdaq. Die Notierung soll durch eine Fusion mit einer US-SPAC erfolgen und bewertet das Unternehmen mit 3,25 Milliarden US-Dollar. Zu den Kunden zählt die U.S. Air Force. Die Mittel sollen in Wachstum, Produktentwicklung und Akquisitionen fließen.

The New York Times

Wer ist Satoshi Nakamoto? Meine Suche nach der Enttarnung des Bitcoin-Schöpfers

Ein Journalist beschreibt seine Recherche zur Identität des Bitcoin-Erfinders Satoshi Nakamoto. Nach einer einjährigen Untersuchung von Schriften und Hintergründen verdichtet sich der Verdacht auf den britischen Kryptographen Adam Back. Sprachliche Analysen, Backs auffälliges Verhalten in einem Interview und seine Expertise in C++, verteilten Systemen und Kryptographie stützen diese Theorie.
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CEO.Personnel

Emma Delaney, die langjährige BP-Managerin, soll voraussichtlich neue Vorstandsvorsitzende des österreichischen Energiekonzerns OMV werden. Der Nominierungsausschuss schlug die 52-jährige Irin als Nachfolgerin von Alfred Stern vor. Sie soll das Amt zum 1. September 2026 antreten. Die Zustimmung des Aufsichtsrats gilt als Formsache. (Börsen-Zeitung)

Stefano Gabbana ist als Vorsitzender von Dolce & Gabbana zurückgetreten und prüft Optionen für seine Beteiligung. Dies geschieht vor Verhandlungen mit den Gläubigerbanken des Unternehmens über die Refinanzierung von 450 Millionen Euro Schulden. Die Kreditgeber fordern eine Kapitalspritze von bis zu 150 Millionen Euro. Alfonso Dolce, Bruder des Mitgründers, übernimmt den Vorsitz. (Bloomberg)

Sophie Knapp rückt nach dem Tod von Firmengründer Friedrich Knapp an die Spitze der Modekette New Yorker auf und wird Co-CEO neben dem bisherigen Vorstandschef Jonas Gnauck. Während Gnauck weiterhin die operative Gesamtverantwortung trägt, wirkt Knapp künftig maßgeblich an der strategischen Ausrichtung des Unternehmens mit. Parallel dazu wird auch der Aufsichtsrat im Sinne der Familie neu aufgestellt, um die geplante Expansion voranzutreiben. (Manager-Magazin)

Björn Walther, CFO von Condor, kündigte an, sich aus persönlichen und familiären Gründen im Laufe des laufenden Kalenderjahres zurückzuziehen. Ein Nachfolger steht bislang nicht fest. Alexander Wiedmann

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CEO.Finance

Die Kriegsfinanzierung der USA aus historischer Sicht

Krieg ist teuer. Die ersten sechs Tage des US‑Angriffs auf den Iran kosteten rund 11,3 Milliarden US-Dollar. Anders als in früheren Kriegen haben die USA bereits heute hohe Staatsschulden. Wie haben sie frühere Kriege finanziert?

Den amerikanischen Bürgerkrieg (1861–1865) finanzierten sowohl die Nord- als auch die Südstaaten mit höheren Steuern, Kriegsanleihen und ungedecktem Papiergeld – Greenbacks im Norden und Greybacks im Süden. Allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

In den Nordstaaten durften mit dem National Banking Act (1863) Banken einheitliche nationale Banknoten ausgeben, wenn sie diese mit US-Staatsanleihen absicherten. Das erhöhte die Nachfrage nach Kriegsanleihen. Der wirtschaftlich schwächere Süden verließ sich hingegen stärker auf Papiergeld, weshalb eine deutlich höhere Inflation die Bevölkerung demoralisierte. Am Ende des Krieges war die Staatsverschuldung von 1,5 auf gut 30 Prozent des BIP angewachsen. Die Anleihen des Nordens wurden zurückgezahlt und die Greenbacks stabilisiert. Die Greybacks des Südens waren durch Inflation entwertet, die Anleihen der Südstaaten wurden für null und nichtig erklärt.

Die Teilnahme am Ersten Weltkrieg (1917–1918) finanzierten die USA zu circa einem Drittel mit höheren Steuern, zu zwei Dritteln mit Staatsanleihen (Liberty Bonds). Die 1913 gegründete Federal Reserve Bank hielt das Zinsniveau niedrig, sodass die Banken Kredite für den Kauf der Liberty Bonds vergeben konnten. Die Preise stiegen moderat. Bei Kriegsende standen bei Banken, Haushalten und Unternehmen Anleihen im Gegenwert von rund 30 Prozent des BIP aus (nach drei Prozent bei Kriegseintritt).

Ab 1922/23 hielt die Fed die Zinsen tief, sodass ein kreditfinanzierter Boom – die „Roaring Twenties“ – den Anteil der Staatsverschuldung am BIP auf gut 16 Prozent sinken ließ. Doch die Kreditschwemme zog eine Spekulationsblase nach sich, deren Platzen in die Weltwirtschaftskrise führte. Die große Depression ließ die Schuldenquote bis zum Kriegseintritt 1941 auf rund 40 Prozent des BIP anschwellen.

Den Zweiten Weltkrieg finanzierten die USA zu einem großen Teil mit War Bonds, wobei der patriotische Druck auf die Bevölkerung zum Kauf groß war. Die Fed kaufte in Abstimmung mit dem Finanzministerium Staatsanleihen, um die Zinsen niedrig zu halten. Sie versorgte die Geschäftsbanken mit ausreichend Liquidität, damit auch diese Staatsanleihen kaufen konnten. Die Staatsverschuldung stieg auf über 120 Prozent des BIP.

Nach Kriegsende hielt die Fed die Zinsen auf die Staatsanleihen niedrig, während die Liberalisierung des Welthandels und marktwirtschaftliche Reformen in Deutschland und Japan das Wachstum erhöhten. Die sogenannte finanzielle Repression ließ die Schulden als Anteil am BIP immer weiter sinken. Eine strenge Regulierung verhinderte Übertreibungen auf den Finanzmärkten.

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Als in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre der Vietnamkrieg die Staatsverschuldung der USA wieder nach oben trieb, kauften die Fed und andere Zentralbanken US-Staatsanleihen. Die daraus resultierende weltweite Inflation hielt trotz Wirtschaftskrise die Staatsverschuldung als Anteil am BIP bei rund 30 Prozent.

Seit der Jahrtausendwende haben die Kriege in Afghanistan und Irak, die Folgen der Finanzkrise sowie ausufernde Sozialausgaben Billionen verschlungen. Hoch entwickelte Finanzmärkte und der Leitwährungsstatus des Dollars kombiniert mit einer expansiven Geldpolitik der Fed haben die hohen Staatsschulden dabei einfach gemacht.

Doch da weltweit das Misstrauen gegen den Dollar als Weltleitwährung wächst, sind der Finanzierung der hohen Schulden mithilfe der Fed Grenzen gesetzt. Ein frühes Ende des Iran-Kriegs könnte die Chancen erhöhen, dass Donald Trump sein Ziel der Sicherung des Weltleitwährungsstatus des Dollars noch erreichen kann.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

Dieser Standpunkt spiegelt nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider.

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