CEO.Table – Ausgabe 74

IPO‑Klima: Seltene Chance + Mittelstandsfinanzierung: Zugang schwieriger, Nachfrage hoch + CEO‑Leadership-Kolumne: Einprägsame Sätze wirken

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Executive Summary

IPO-Klima: Nicht nur für Rüstungsfirmen bietet sich eine seltene Chance

Die Volatilität im Markt steigt. Zur Darstellung von Grafiken und Karten aktivieren Sie bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings.

Bis zu zehn deutsche Börsengänge könnte es in diesem Jahr geben. Die Vorbereitungen dafür laufen: Der Aufzug- und Fahrtreppenhersteller TK Elevator prüft einen Börsengang bei einer angestrebten Bewertung von bis zu 25 Milliarden Euro – allerdings könnte das Unternehmen auch noch vom Wettbewerber Kone übernommen werden. Der deutsch-französische Panzerhersteller KNDS plant ein Doppellisting in Frankfurt und Paris bei einer Zielmarke von rund 20 bis 25 Milliarden Euro. Der Fahrzeugmarkt Mobile.de wurde schon vor Jahresfrist auf zehn Milliarden Euro taxiert.

Als weiterer Kandidat steht die – deutlich kleinere – Electrovac AG aus Salzweg bereit: Das Unternehmen, das hermetische Glas-Metall-Gehäuse für Rüstungs- und Industriekunden produziert, kündigte seinen Börsengang für das zweite Quartal an – mit zuletzt 98,2 Millionen Euro Jahresumsatz und einer Ebit-Marge von 12,2 Prozent in den vergangenen neun Monaten. Auch das Milliarden-Start-up DeepL aus Köln, das eine KI für Übersetzungen anbietet, steht auf den Watchlisten der Analysten, genauso wie der Mobilitätsanbieter Flix oder die Fintechs Bitpanda, Sumup und Raisin.

Im Fahrwasser von US-Mega-IPOs entsteht eine seltene Chance für europäische Unicorns. SpaceX hat Anfang April vertraulich bei der SEC Unterlagen eingereicht und strebt eine Bewertung von zwei Billionen US-Dollar an – es wäre der größte IPO der Geschichte. Die KI-Firmen OpenAI und Anthropic planen ebenfalls Börsengänge für 2026. Diese Mega-IPOs könnten in Summe so viel Kapital absorbieren wie alle US-Börsengänge der vergangenen zehn Jahre zusammen. „Besonders für Firmen mit KI im Geschäftsmodell gibt es starke Ausstrahlungseffekte“, sagt Martin Steinbach, Partner und Head of IPO and Listing Services bei EY, im Gespräch mit Table.Briefings.

Das IPO-Timing ist entscheidend – und gerade noch nicht ideal. Der VDAX-New, der die erwartete Schwankungsbreite des deutschen Aktienmarkts misst, notierte vor Redaktionsschluss am Dienstagabend bei 27,7 Punkten (siehe Grafik oben). Steinbachs Daumenregel ist eindeutig: „Die Volatilitätsindizes sollten unter 20 Punkten liegen, dann sind die Investoren nicht zittrig.“ Wer jetzt an die Börse geht, braucht also eine überzeugende Antwort auf die Frage nach dem Geschäftsmodell.

Defense liefert derzeit diese Antwort. „Jede Krise hat ihre Gewinner“, sagt Steinbach – und meint damit Unternehmen, die von steigenden Verteidigungsbudgets und geopolitischer Unsicherheit profitieren. Die Rüstungszulieferer Vincorion und die Gabler Group AG nutzten im März das Fenster: 345 Millionen Euro beziehungsweise 132,8 Millionen Euro Emissionserlös.

Zwei von drei Börsengängen im ersten Quartal 2026 kamen damit aus der Rüstungsbranche. Für Steinbach ist das kein Zufall. „Wer nicht jetzt Geld einsammelt – wann dann?“, sagt er. Sein Urteil ist klar: „Für viele kleine und mittlere Unternehmen in der Rüstungsindustrie ist jetzt das ‚once in a lifetime window'.“ Der deutsche IPO-Markt verzeichnete in drei Monaten so viele echte Erstnotizen wie im gesamten Jahr 2025 – mit einem Gesamtemissionsvolumen von 678 Millionen Euro.

Wenn der Sektor stark genug ist, spielen allgemeine Marktbedingungen eine untergeordnete Rolle. „Weil zahlreiche Staaten mit Blick auf die geopolitische Lage ihre Verteidigungsbudgets erhöhen, sind europäische Rüstungsunternehmen in den Fokus von Kapitalmarktinvestoren gerückt“, sagt Dirk Menker, PwC-Experte für Kapitalmarkttransaktionen. Demgegenüber war das erste Quartal in Sachen Kapitalerhöhungen sehr ruhig: Lediglich drei Unternehmen besorgten sich auf diesem Weg frisches Kapital und spielten dabei 94 Millionen Euro ein. „Wer nicht dringend Geld benötigt, wird im aktuellen, durch hohe Volatilität gekennzeichneten Marktumfeld Kapitalerhöhungen gegebenenfalls eher verschieben“, so Menker.

Der deutsche IPO-Markt ist noch nicht warm gelaufen. „Mit Blick auf die aktuelle geopolitische Lage mag Abwarten eine sinnvolle Option sein. Durch die langen Vorlaufzeiten eines IPOs ist es dennoch empfehlenswert, die internen Vorbereitungen auf einen Börsengang voranzutreiben“, findet Menker. So schaffe man die Möglichkeit, eine Transaktion zügig durchziehen zu können, sobald sich ein geeignetes Zeitfenster auftut.

Dividenden – so spendabel sind die Dax-Konzerne. Zur Darstellung von Grafiken und Karten aktivieren Sie bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings.

Das Umfeld bleibt selektiv, aber nicht verschlossen. Hohe DAX-Dividenden signalisieren starke Unternehmensgewinne und Kapitalmarktvertrauen (siehe Grafik), was das allgemeine Börsenklima aufhellt und die Bewertungsbereitschaft institutioneller Investoren auch für Neuemissionen erhöht – sofern die Ausschüttenden gleichzeitig Wachstumsperspektiven glaubhaft kommunizieren.

Wer sich für einen Börsengang positioniert, muss nach EY-Partner Martin Steinbach in jedem Fall hausgemachte Risiken ausschließen und Kapitalmarkt-ready sein. „Der Prospekt muss vorbereitet werden, die aktuellen Financials müssen verfügbar und die Governance muss geregelt sein. Und in der Peergroup sollte es nicht gerade Gewinnwarnungen gegeben haben“, sagt Steinbach. Als europäischen Erfolg im ersten Quartal nennt er den Börsengang der Czechoslovak Group (CSG) – ein Rüstungskonzern – mit 3,8 Milliarden Euro Volumen: „Da schaut die Welt auf Europa.“

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CEO.Talk

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Mittelstandsfinanzierung: Fintech Iwoca weitet Kreditlinie auf 350 Millionen Euro aus

Der Zugang zu Bankkrediten für kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland wird schwieriger, während der Bedarf an Finanzierung hoch bleibt. Laut der KfW-ifo-Kredithürde nahmen im vierten Quartal 2025 rund 37,8 Prozent der KMU eine restriktive Kreditvergabe wahr, der höchste Wert seit Beginn der Erhebung. Gründe sind unter anderem die schwache Konjunktur, strukturelle Probleme der Wirtschaft und externe Risiken, die Banken zu einer vorsichtigeren Vergabepolitik veranlassen.

Der Bedarf an kurzfristiger Liquidität bleibt dennoch hoch. Fabian Platzen, General Manager Deutschland beim deutsch-britischen KMU-Finanzierer Iwoca, beziffert das jährliche Finanzierungsvolumen kleiner und mittlerer Unternehmen in Deutschland auf etwa 70 bis 100 Milliarden Euro. Viele Betriebe finanzierten größere Lagerbestände vor oder überbrückten Liquiditätsspitzen, berichtet er im Gespräch mit Table.Briefings. Unternehmen hielten ihre Lager häufiger gut gefüllt, um Risiken in Lieferketten und Beschaffung abzufedern.

Der Mittelstand weicht deshalb zunehmend auf alternative Kreditgeber aus. Nach Informationen von Table.Briefings hat Iwoca seine Refinanzierung für das Deutschlandgeschäft auf 350 Millionen Euro ausgeweitet und damit den Kreditrahmen gegenüber 2024 verdoppelt. Das von Iwoca verwaltete Kreditbuch in Deutschland wuchs binnen eines Jahres auf mehr als 275 Millionen Euro. Allein in den ersten beiden Monaten dieses Jahres zahlte der Anbieter knapp 100 Millionen Euro an neue und bestehende Kunden aus. Platzen erwartet, dass die aktuelle Refinanzierungslinie bereits im dritten Quartal vollständig ausgeschöpft sein wird.

Iwocas Geschäftsmodell setzt auf schnelle Kreditentscheidungen zu einem höheren Preis. „Wir vergeben Kredite direkt auf Basis tagesaktueller Kontoinformationen und warten nicht auf Jahresabschlüsse“, sagt Platzen. Viele Mittelständler erstellen ihre Abschlüsse erst im Frühjahr. Für diese Geschwindigkeit zahlen Unternehmen allerdings häufig höhere Zinsen als bei klassischen Bankkrediten. Genaue Angaben zu den Zinssätzen macht Iwoca nicht. Nach Angaben des Unternehmens liegt die Genehmigungsquote bei Iwoca unter 50 Prozent, die Ausfallquote im mittleren einstelligen Prozentbereich.

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Einladung: Klimaschutz und Nachhaltigkeit - Standortvorteil oder Wettbewerbsnachteil? 16. April 12:00-13:15 Uhr Table.Briefings Café & digital. Kostenlos anmelden

CEO.News

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp - bitte Bilderdownload erlauben

Commerzbank weist Vorwürfe zurück, nicht gesprächsbereit zu sein

Die Unicredit treibt ihre Pläne zur Übernahme der Commerzbank weiter voran und hat für den 4. Mai eine außerordentliche Hauptversammlung angesetzt. Dort soll eine Kapitalerhöhung beschlossen werden, um neue Aktien für das geplante Übernahmeangebot zu schaffen. Geplant ist einer Mitteilung der italienischen Bank vom Donnerstag vor Ostern zufolge die Ausgabe von maximal 470 Millionen Stammaktien. Ziel ist es, den Anteil der ihnen gehörigen Commerzbank-Aktien auf über 30 Prozent auszubauen, ohne aber eine Kontrollmehrheit anzustreben.

Bislang hielt Unicredit rund 29 Prozent. Die Bank hatte die 30-Prozent-Schwelle bisher bewusst nicht überschritten. Durch die Aktienrückkäufe rutscht die Unicredit-Beteiligung aber immer näher an die Grenze heran, da sich die Gesamtzahl der Aktien im freien Umlauf reduzierte. Mitte März hat die Unicredit dann ein freiwilliges Übernahmeangebot für den Frankfurter Dax-Konzern angekündigt. Doch: „Beim derzeitigen Bewertungslevel ist eine Übernahme wirtschaftlich nicht attraktiv“, sagte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp im Gespräch mit Table.Briefings.

Die Commerzbank weist die am Karfreitag laut gewordenen Vorwürfe der UniCredit zurück, sie verweigere Gespräche über eine mögliche Übernahme. Die Bank betont, sie habe mehrfach Austausch angeboten, kritisiert jedoch ein zu niedriges Angebot sowie mangelnde Abstimmung seitens der Italiener. Eineinhalb Jahre zieht sich das Übernahmedrama schon und eine einvernehmliche Lösung scheint derzeit weiterhin nicht in Sicht. Nina Anika Klotz

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Für fünf Milliarden US-Dollar: Gilead übernimmt Münchner Start-up Tubulis

Der US-Pharmakonzern Gilead Sciences übernimmt das Münchner Biotech Tubulis für möglicherweise fünf Milliarden US_Dollar. Vereinbart sind 3,15 Milliarden US-Dollar sofort sowie bis zu 1,85 Milliarden US-Dollar an erfolgsabhängigen Zahlungen, heißt es in einer Pressemitteilung des High-Tech Gründerfonds, einem frühen Investor des Biotech-Start-ups.

Tubulis wurde 2019 gegründet und hat seinen Sitz in Planegg bei München. Das Unternehmen entwickelt Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) für die Krebstherapie und arbeitet an mehreren Wirkstoffkandidaten, darunter Programme gegen Eierstock- und Lungenkrebs.

Gilead baut mit der Übernahme sein Onkologiegeschäft weiter aus. Der Konzern setzt verstärkt auf innovative Krebstherapien wie ADCs und ergänzt damit bestehende Programme und Partnerschaften, um seine Pipeline in Bereichen mit hohem medizinischem Bedarf zu stärken. Nina Anika Klotz

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Automarkt in Deutschland wächst: Elektroautos überholen Benziner bei Neuzulassungen

Auf dem deutschen Pkw-Markt sind im März deutlich mehr Fahrzeuge neu zugelassen worden als im Vorjahresmonat. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts wurden 294.161 Pkw neu registriert, ein Plus von 16 Prozent gegenüber März 2025. „Neben dem schwachen Vorjahresniveau unterstützte der zusätzliche Arbeitstag im März dieses Jahres das Wachstum der Neuzulassungen“, teilt der Verband der Automobilindustrie VDA mit.

Bei den Antriebsarten zeigte sich im März vor allem bei Elektroautos ein starkes Wachstum. Laut Kraftfahrt-Bundesamt verteilen sich die Neuzulassungen wie folgt:

  • Batterieelektrische Pkw (BEV): 70.663 Fahrzeuge (plus 66,2 Prozent), Marktanteil 24 Prozent

  • Plug-in-Hybride (PHEV): 29.996 Fahrzeuge (plus 13 Prozent), Marktanteil 10,2 Prozent

  • Hybridfahrzeuge (ohne Plug-in): 87.850 Fahrzeuge (plus 17,4 Prozent)

  • Benziner: 66.959 Fahrzeuge (minus 4,9 Prozent), Marktanteil 22,8 Prozent

  • Diesel: 37.664 Fahrzeuge (minus 0,6 Prozent), Marktanteil 12,8 Prozent

Einen Einfluss des aktuellen Iran-Konflikts auf die Zulassungszahlen sieht der VDA derzeit nicht. Zwischen Bestellung und tatsächlicher Zulassung eines Fahrzeugs liege in der Regel ein mehrmonatiger Zeitraum, sodass mögliche Auswirkungen geopolitischer Entwicklungen kurzfristig nicht in den Daten sichtbar seien. Ob steigende Energie- und Kraftstoffpreise infolge des Konflikts im weiteren Jahresverlauf zusätzliche Nachfrage nach Elektroautos auslösen, bleibe abzuwarten. Für das Gesamtjahr rechnet der VDA weiterhin mit rund 2,9 Millionen Pkw-Neuzulassungen in Deutschland, was einem Plus von etwa zwei Prozent entsprechen würde. Bei Elektro-Pkw erwartet der Verband einen Anstieg auf rund eine Million Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb. Alexander Wiedmann

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Industrie 4.0: China hängt die DACH-Region zunehmend ab

Beim Innovationstempo geht die Schere zwischen China und Europa immer weiter auf. Das zeigt das Industrie-4.0-Barometer der Unternehmensberatung MHP. Während der strategische Fokus in Deutschland, Österreich und der Schweiz weiterhin primär auf der defensiven Erhöhung der Wirtschaftlichkeit liegt – also Effizienz und Kostensenkung – wird in China konsequent digitalisiert. Neun von zehn Unternehmen beschäftigen einen Chief Information Officer, der die digitale Infrastruktur strategisch plant.

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In 71 Prozent der chinesischen Unternehmen sind KI-Lösungen bereits fest im Produktionsalltag verankert. Im DACH-Raum liegt dieser Wert bei gerade einmal 37 Prozent. Dabei nutzen chinesische Firmen die KI nicht nur zur Analyse, sondern auch für die automatisierte Steuerung in der Produktion. 40 Prozent setzen auf eine vollständig KI-gestützte Entscheidungsfindung in Echtzeit – im DACH-Raum sind es nur sechs Prozent. Wo China uns voraus ist, und wo im DACH-Raum trotzdem noch gewachsene Wettbewerbsvorteile schlummern, lesen Sie im China.Table. Christian Domke Seidel

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Online-Handel: Wie sich chinesische Plattformen verändern sollen

Mit neuen Leitlinien treibt Peking einen tiefgreifenden Umbau seines Online-Handels voran. Plattformen sollen sich demnach stärker an Qualität statt am Preiswettbewerb orientieren, der Aufbau international wettbewerbsfähiger Marken wird gezielt gefördert und der stationäre Handel enger in digitale Plattform-Ökosysteme eingebunden. Gleichzeitig setzt die Regierung massiv auf den Ausbau des grenzüberschreitenden Handels. Während China damit seine Integration in globale Märkte aktiv gestaltet, wächst in Europa die Sorge vor steigenden Wettbewerbsverzerrungen. Warum diese neue Strategie den Druck auf den europäischen Einzelhandel weiter verschärfen könnte, lesen Sie im China.Table. Amelie Richter

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CEO.Presseschau

Handelsblatt

DeepL: Die fragwürdigen Geschäftszahlen der deutschen KI-Hoffnung

Das deutsche KI-Übersetzungs-Start-up DeepL strebt Berichten zufolge einen Börsengang an. Eine Recherche offenbart jedoch zweifelhafte Finanzprognosen, prognostizierte operative Verluste und interne Kulturkonflikte. Ehemalige Manager kritisieren eine US-geprägte Wachstumslogik und fehlende Transparenz, da das Unternehmen seine Bilanzen seit 2022 nicht mehr veröffentlicht hat.
The Wall Street Journal

Startup wettet darauf, dass KI auch Wall-Street-Analysten ersetzen kann

Das Unternehmen ProCap Financial des Krypto-Influencers Anthony Pompliano startet einen neuen Dienst, der KI-generierte Analyseberichte für Einzelinvestoren erstellt. KI-Agenten sollen den Markt scannen, Trends analysieren und Berichte verfassen, die schneller und günstiger als von Menschen erstellte sein sollen. Die Berichte werden keine spezifischen Kauf- oder Verkaufsempfehlungen enthalten.
Financial Times

Europas Aufrüstung trifft auf die Realität: die Geschichte eines gescheiterten Fregattenprojekts

Deutschlands Fregattenprojekt F126, vergeben an die niederländische Werft Damen, ist zu einem Beschaffungsdesaster geworden. Softwareprobleme, Verzögerungen und massive Kostensteigerungen führten zu Spannungen. Berlin erwägt nun, Damen den Auftrag zu entziehen. Der Fall offenbart grundlegende Probleme in der europäischen Rüstungskooperation und der schwerfälligen deutschen Bürokratie.
WirtschaftsWoche

XXXLutz: Die sagenhafte Expansion des Möbelhändlers

Der Möbelhändler XXXLutz ist durch Zukäufe zum zweitgrößten Möbelkonzern Europas nach Ikea aufgestiegen und strebt die Marktführerschaft an. Trotz eines schrumpfenden Gesamtmarktes expandiert das Unternehmen weiter, unter anderem durch die geplante Übernahme von Porta. Die Marktmacht und der Umgang mit Lieferanten führten bereits zu Interventionen des Bundeskartellamts.
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CEO.Picks

Martin Schweinsberg, Associate Professor of Organizational Behavior an der ESMT Berlin - Bitte den Bilder Download aktivieren

Aggressive Führung killt Verhandlungsergebnisse – ruhige Führung gewinnt

Forschung belegt: Aggressive Führung führt in Verhandlungen oft zum Scheitern. Ruhige Führung, die auf Vertrauen setzt, erzielt nachhaltigere Ergebnisse.

Führungskräften wird oft gesagt, dass Durchsetzungskraft zum Erfolg führt: bei Verhandlungen, in Besprechungen und um Karriere zu machen. Meine Forschung zeichnet ein differenzierteres Bild.

Wütende Verhandlungspartner erzielen keine besseren Ergebnisse, sondern gar keine, weil ihre Gegenüber den Verhandlungstisch verlassen. Meine Forschung mit Jeremy Yip von der Georgetown University zeigt, dass wütende Verhandlungspartner als egoistisch wahrgenommen werden und man sich zurückzieht.

Verhandlungsabbrüche sind weit verbreitet: Fast ein Drittel der Verhandlungen endet ohne Einigung, wie Stefan Thau (INSEAD), Madan Pillutla (Indian School of Business) und ich in unserer Forschung zeigen. Die Hauptursachen? Verhaltensweisen, die viele noch mit starker Führung verwechseln: extreme Forderungen, Dominanzverhalten und Wut.

Das gilt nicht nur für Verhandlungen. Stellen Sie sich eine aggressive Führungskraft vor, die Sie kennen. Wie sehr bringt sie ihre Aggression tatsächlich weiter? Als Anderson et al. (2020) Karrieren über 14 Jahre hinweg verfolgten, stellten sie fest: Rücksichtslose Persönlichkeiten (egoistisch, manipulativ, aggressiv) erzielten gegenüber ihren freundlicheren Kollegen keinerlei Karrierevorteil.

Wenn also Aggression nicht hilft, was dann? Es gibt auch Führungskräfte, die durch Substanz statt durch Lautstärke vorankommen. Führungskräfte, die Vertrauen verdienen, nachhaltige Beziehungen aufbauen und Stakeholder einbinden. Dies sind „freundliche und ruhige Führungskräfte“. Die Forschung zeigt, dass sie nicht durch ihre Freundlichkeit behindert werden, sondern durch Organisationen, die Aggression mit Kompetenz verwechseln.

Der Pick stammt von Martin Schweinsberg, Associate Professor an der ESMT Berlin, wo er Persuasion, Power & Politics unterrichtet. Er hat zum Thema freundliche Führung „The Quiet Power Playbook“ geschrieben. Die CEO.Picks sind eine Kooperation zwischen der ESMT und Table.Briefings.

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CEO.Leadership

Einprägsame Sätze wirken

Der Kommunikations-Experte Benedikt Göttert empfiehlt sogenannte „memetischen Sätze“, um Strategie eindrücklich zu vermitteln. Hier erklärt er, wie diese klingen.

Strategien erklären, wohin ein Unternehmen will. Sprache entscheidet, ob Menschen folgen. Besonders wirksam sind dabei nicht allein Argumente, Slogans oder Claims, sondern Sätze, die sich festsetzen, wiederholt werden und Orientierung geben: memetische Sätze.

Der Begriff „Meme“ geht auf den Evolutionsbiologen Richard Dawkins zurück. Er beschrieb Meme nicht als Internetphänomen, sondern als „Gene der Gedanken“: kulturelle Replikatoren, die sich durch Variation und Selektion verbreiten. Gute Witze sind klassische Beispiele. Niemand erzählt sie wortgleich, und doch bleiben sie erkennbar. Hat man sie einmal gehört, wird man sie kaum wieder los.

In der öffentlichen Kommunikation nehmen solche Meme oft die Form „memetischer Sätze“ an. Berühmte Beispiele sind Churchills „I have nothing to offer but blood, sweat, and tears“, Kennedys „Ich bin ein Berliner“ oder Apples „Think different“. Diese Sätze erklären wenig – und ordnen doch alles. Sie verdichten zentrale Attribute eines größeren Narrativs: Zumutung, Standhaftigkeit, Innovation. Ihre Wirkung entsteht durch Wiederholung und Anschlussfähigkeit, nicht durch Originalität.

Auch heute wirken sie: Olaf Scholz’ „Wir erleben eine Zeitenwende“ griff die Unsicherheit der Zeit, in der er das sagte, auf, aber ohne alles zu erklären. Der Satz wird variiert weitergetragen. In der Arbeitswelt lassen sich solche memetischen Verdichtungen ebenfalls beobachten. Über wie viele Managerkarrieren wird ein Satz wie „Never change a winning team“ wohl schon entschieden haben? Begriffe wie „Anti-perks“ kritisieren performative Benefits und bündeln ein verbreitetes Bedürfnis nach echter Wertschätzung statt Symbolik. Sie wirken, weil sie ein latentes Attribut benennen – nicht weil sie verordnet wurden. Solche Formulierungen entfalten Kraft, weil sie nicht isoliert stehen, sondern Attribute eines Narrativs verdichten.

Tragfähige Narrative basieren auf wenigen stabilen Schlüsselattributen, oft nur drei oder vier. Zu jedem braucht es memetische Sätze, die alle ein- und dasselbe Prinzip in verschiedenen Situationen erklären. Sie tauchen idealerweise überall auf: in Reden, Interviews, Meetings. Nicht wortgleich, aber sinngleich. Erst dieser Kanon trägt das Narrativ. Ein Beispiel aus dem Silicon Valley: Der alte Glaubenssatz „Wer Software kann, kann keine Hardware“ wurde nicht argumentativ widerlegt, sondern sprachlich aufgelöst. Memetische Sätze wie „Es wächst zusammen, was zusammengehört“ verdichten dabei Integration statt Gegensatz.

Wo diese Verdichtung fehlt, bleibt Führung erklärungsbedürftig. Inhalte mögen anschlussfähig sein, aber ohne memetische Träger setzen sie sich nicht durch. Denn: Strategien kann man ausarbeiten. Aber Narrative müssen sprechen. Ungeeignete memetische Sätze erkennen Sie übrigens ganz einfach: Sie verschwinden von allein.

Benedikt Göttert berät CEOs und Unternehmen bei der Entwicklung strategischer Narrative in Zeiten der Transformation. Als Mitgründer von Serviceplan Berlin baute er den Standort zum integrierten Haus der Kommunikation aus. In seiner Kolumne schreibt er über Führung in Zeiten widersprüchlicher Erwartungen.

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