CEO.Table – Ausgabe 72

Warum eine Space-Strategie für viele Firmen wichtig ist + Fusionsenergie: Tauziehen um Vormachtstellung + CEO.Index: Buy European

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Executive Summary

Die Wertschöpfungskette der Space Economy. Bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings aktivieren.

Space Economy: Darum brauchen Unternehmen jetzt eine Weltraumstrategie

Im All entsteht ein neuer Wirtschaftsraum, denn Launch-Kosten sinken rapide, es wird immer billiger, dorthin zu kommen. 2020 lag der Preis pro Kilo für den Transport von Gütern in den Low Earth Orbit (LEO) mit einer Ariane 5 Rakete bei 18.500 US-Dollar. Im SpaceX Falcon 9 kostet das Kilo 2026 bei optimaler Auslastung nur noch 1.500 US-Dollar. „Anfang der 2030er-Jahre dürften die Kosten bei 200 bis 300 Dollar liegen“, sagt Manfred Hader, Partner bei Roland Berger, Leiter des Teams Luft- und Raumfahrt & Verteidigung. „Wenn wir das erreicht haben, macht es wirtschaftlich Sinn, Material da hochzubringen. Dann werden quasi täglich neue Business-Modelle möglich.“

2024 hatte die globale Raumfahrtwirtschaft ein Volumen von 613 Milliarden US-Dollar, 2035 könnten es mehr als 1,8 Billionen US-Dollar sein. Das geht aus Daten der Space Foundation und einem Bericht des World Economic Forum hervor. Vorausschauende CEOs sollten sich laut Hader jetzt überlegen: Kann man sich bei anfangs noch limitierten Kapazitäten für Dienstleistungen im All jetzt schon in Stellung bringen? Und, noch wichtiger: Wie kann das, was man hier auf der Erde macht, weltraumfähig werden? „Ich denke da insbesondere an den deutschen Maschinenbau“, so Hader. „Man wird Anlagenbau und Robotik brauchen.“ Noch gäbe es niemanden, der sagt: Hier ist mein Konzept, Fabriken im All zu bauen. „Dabei ist das eigentlich das Feld für die deutsche Wirtschaft. Gute deutsche Mechatronik, mit der man jetzt punkten kann.“

So wächst der globale Weltraummarkt. Bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings aktivieren.

Die Orbitalökonomie erstreckt sich über vier Ebenen. Die Wertschöpfung läuft zunächst „upstream“, von der Erde ins All über die Produktion von Hardware für den Weltraum, von Startrampen über Raketen zu Satelliten und (perspektivisch) Raumstationen. Der „downstream“-Markt besteht aus Anbietern, die mit Daten aus dem All Navigation, Erdbeobachtung, Kommunikation möglich machen. Mit rund 408 Milliarden Euro Marktvolumen war der Downstream-Markt laut einer Roland-Berger-Studie im Jahr 2024 bereits deutlich größer als der Upstream-Markt (63 Milliarden). Bei einer prognostizierten Wachstumsrate von 9,3 Prozent könnte Upstream 2024 bei 264 Milliarden Euro, Downstream bei 1,7 Billionen Euro liegen.

  • Ground Economy
    Die Wertschöpfung der Raumfahrt beginnt auf der Erde und kommt hierher zurück, durch Zulieferer (Hard- und Software, Chips, Bodeninfrastruktur wie Launchpads und Spaceports) und über Datenverarbeitung und Anwendungen.

  • Launch Economy
    Raketen ermöglichen den Zugang zum All. 2024 gingen weltweit 295 Trägerraketen an den Start, 2025 schon 324 – allerdings nur acht aus Europa. „Wir haben nach wie vor eine Launcher-Krise“, urteilt Matthias Spott, Luft- und Raumfahrtingenieur, Unternehmer und New-Space-Investor. Europäische Firmen in diesem Segment seien den USA um zehn bis 15 Jahre hinterher. „Eine Aufholjagd, die kommerziell nur schwer zu gewinnen ist“, so der Experte. Wer in die Orbitalökonomie einsteigen will, wird nicht-europäisch dorthin reisen. Aber: „Aus Souveränitätsgründen brauchen wir eigene Launcher.“

  • Orbital Infrastructure
    Im LEO entsteht eine Infrastruktur aus Satelliten, Raumstationen und Servicing-Systemen, die Kommunikation, Daten und operative Dienste bereitstellen. Aktuell kreisen mehr als 10.000 Satelliten um die Erde, 2030 könnten es mehr als 100.000 sein. Monetarisiert wird über Daten, Zugang zu Infrastruktur sowie Wartung und Verlängerung von Satellitenlebenszyklen. Perspektivisch ist auch Datenspeicherung in Rechenzentren im All denkbar. „Bis 2030 werden wir die erste Generation kommerzieller Raumstationen hier sehen“, prognostiziert Spott.

  • In-Space Manufacturing
    Die Mikrogravitation eröffnet industrielle Möglichkeiten, die auf der Erde nicht existieren, von der Herstellung ultrapräziser Halbleiter bis zu neuartigen Medikamenten. Laut der Studie von Roland Berger könnten ab 2035 aus Laboren erste Fabriken werden. Auch das Thema Energiegewinnung im All ist eines der Zukunft, ebenso wie „Spacemining“ (Abbau von Rohstoffen auf Asteroiden oder dem Mond).

New Space habe in Europa bei Europas Top-Venture-Capital-Firmen hohe Priorität, sagt Peter Specht, Partner bei Creandum. Letzte Woche hat die schwedische Venture Capital Firma 40 Millionen US-Dollar in das Schweizer Start-up Pave Space investiert, das Fluggeräte baut, die Satelliten im All bewegen. Im Bereich orbitale Infrastruktur sehe er immense Opportunitäten, mehr als bei den Raketen-Launchern, so Specht. Aber auch der „Application Layer“, also Anwendungen für Daten und Erkenntnisse aus dem All in Kommunikation, Pharma oder Intelligence, sei für Investoren hoch spannend.

Die wichtigste Botschaft an Investoren, viel mehr aber noch an Unternehmer auf der Erde, ist: Nehmt das Thema ernst! Wer „weltraumfit“ werden will, muss bestimmte Prozesse beherrschen und braucht künftig wohl bestimmte Zertifizierungen. „Aber es beginnt damit, dass man sich diesem Thema gedanklich öffnet und es als einen der Märkte anerkenne, die es zu entwickeln gilt“, so der New-Space-Experte Spott. Auch Hubertus Bardt vom IW Köln mahnt: Hier geht es um reales Geschäft, das sind keine Science-Fiction-Geschichten. Wir müssen das ernst nehmen, infrastrukturell, politisch und wirtschaftlich.“ Und womöglich steckt im Weltraum ein Silberstreifen für die deutsche Wirtschaft: „Wir brauchen ja nicht nur echte Reformen und echte Verbesserung, sondern manchmal auch Dinge, auf die man schaut und sagt: ‚Das funktioniert ja.‘“ Das Aufkeimen der Space Economy sei eins davon.

Nach dem LEO geht es dann übrigens auf dem Mond. Im Table Space.Briefing erfahren Sie aktuell mehr über Nuklearstrom auf dem Mond. Um genug Energie für den Betrieb künftiger Stationen zu haben, setzen mehrere Raumfahrtakteure auf Atomtechnik. Warum die Reaktoren im Design Pilzen ähneln könnten, lesen Sie hier.

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CEO.Analyse

Energiehoffnung Kernfusion: Anbieter ringen um die Vorherrschaft

Der Wettbewerb um die industrielle Führungsrolle in der deutschen Kernfusions-Branche spitzt sich deutlich zu. Das lässt sich auch aus einer aktuellen Personalie ablesen: CEO Milena Roveda zieht sich nach drei Jahren von der Spitze des Kernfusions-Start-ups Gauss Fusion zurück.

Gauss Fusion hatte zuletzt ein umfassendes Konzeptdesign für ein kommerzielles Fusionskraftwerk vorgelegt. Auch aus Sicht der Wissenschaft war dies ein wichtiger technologischer Beitrag. Das 2022 gegründete Unternehmen wird von einem Konsortium privater Industrieunternehmen aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien getragen. Die Unternehmen haben Erfahrung im Bau von Komponenten für Kernfusionsreaktoren wie das EU-Projekt Iter gesammelt und sind angetreten, um Fusionskraftwerke zu industrialisieren.

In der Branche wird spekuliert, inwieweit der Führungswechsel bei Gauss Fusion mit einer zunehmenden Dynamik in der Fusionsbranche zusammenhängt. Treiber dieser Dynamik ist auch die politische Rahmensetzung: Mit den geplanten Fusions-Hubs des Bundesforschungsministeriums – deren Ausschreibung in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde – sollen neue Ökosysteme aus Industrie und Wissenschaft entstehen, die gezielt auf ein späteres Kraftwerksdesign hinarbeiten.

Die zugrunde liegende Roadmap sieht vor, dass Deutschland bei ausreichender Beschleunigung bis 2045 ein Fusionskraftwerk realisieren kann. Allerdings nur bei deutlich höherem Ressourceneinsatz und enger Verzahnung von Forschung und Industrie. Um die Community auf diesen Weg einzustimmen, veranstaltete Forschungsministerin Dorothee Bär in der vergangenen Woche einen Fusionskongress im BMFTR. Dort hatte sich der Abtritt von Roveda schon angekündigt, weil an ihrer Stelle kurzfristig Gauss-Fusion-Gründer und Verwaltungsratsvorsitzender Frank Laukien auf dem Podium gesessen hatte.

Durch die politischen Impulse hat sich der Standortwettbewerb zugespitzt. Besonders offensiv agiert hier der von Francesco Sciortino gegründete Gauss-Konkurrent Proxima Fusion: Gemeinsam mit RWE, dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) und dem Land Bayern treibt das Start-up konkrete Pläne für Demonstrations- und Kraftwerksprojekte in Garching und am ehemaligen AKW-Standort Gundremmingen voran. Letzteres dürfte für Gauss Fusion besonders schmerzhaft sein. Das Unternehmen hatte eine Studie bei der Universität München zu möglichen Kraftwerksstandorten in Auftrag gegeben, die ergeben hatte, dass alte AKW-Standorte besonders geeignet sind.

Gauss Fusion hat die größte Konkurrenz vor der eigenen Haustür. Genau wie Proxima Fusion ist auch Gauss Fusion bei München in der Nähe des IPP heimisch. Außerdem verfolgen beide Start-ups mit der Stellarator-Technologie, denselben Ansatz im Bereich der Magnetfusion. Als direkte Ausgründung aus dem Max-Planck-Institut hat Proxima es aber offensichtlich geschafft, wichtige politische Allianzen mit der Landesregierung zu schmieden. Während Wettbewerber wie Proxima Fusion sich klar im Rennen um die Hubs positionieren, blieb Gauss Fusion dahingehend zuletzt relativ zurückhaltend.

Es geht in dem Wettrennen derzeit vor allem um die beiden deutschen Start-ups in der Magnetfusion. Bei der Laserfusion hat Focused Energy mit Standort im hessischen Biblis und dem Rückhalt der Landesregierung die Nase im Wettkampf um öffentliche Gelder vorn. Wettbewerber Marvel Fusion aus München hat sich zu den Hubs noch nicht konkret geäußert – das Unternehmen baut einen Demonstrator in den USA und verfolgt eine internationalere Strategie.

Die frühere Gauss-CEO selbst hatte sich in die politische Debatte um die Kernfusion eingebracht. Roveda warnte wiederholt öffentlich davor, dass Deutschland und Europa den technologischen Vorsprung einbüßen könnten, wenn es nicht gelingt, wissenschaftliche Stärke in industrielle Führung zu übersetzen. Genau diese Verschiebung – hin zu Kapital, Infrastruktur und Industrie – könnte nun die nächste Phase des Sektors prägen. Europa gelinge es häufig nicht, „außergewöhnliche Ideen und wissenschaftliche Durchbrüche“ in industrielle Führung zu übersetzen, schrieb Roveda zu ihrem Abschied.

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CEO.News

Krankenkassenreform: „Wir haben genug Geld im System“

Die Vorstandsvorsitzende der AOK, Carola Reimann, ist zuversichtlich, dass die Versicherten durch die GKV-Reformmaßnahmen nicht zusätzlich belastet werden. „Wenn man alle relevanten Maßnahmen auf der Ausgabenseite umsetzt, dann braucht es meiner Ansicht nach keine Leistungskürzungen und es braucht auch keine zusätzlichen Belastungen der Versicherten wie zum Beispiel Zuzahlungen oder die Streichung der Mitversicherung von Ehegatten“, sagte Reimann im Podcast Table.Today. „Ich bin der Meinung, wir haben genug Geld im System, man muss bei den Ausgaben ansetzen.“

Die Versicherten seien in den letzten Jahren in Vorleistung gegangen mit immer höheren Zusatzbeiträgen. Sie lobt die Vorschläge der Finanzkommission Gesundheit vom Montag als „umfängliches, gut fundiertes, solides Maßnahmenpaket“. Die Kommission adressiere die größten Kostentreiber – die Krankenhäuser, der ambulante Bereich, die Arzneimittel – und habe wirksame Vorschläge vorgelegt. Reimann fordert, dass die Vorschläge nun auch schnell umgesetzt werden. „Die eigentliche Arbeit kommt jetzt und da muss Politik natürlich Mut und Entschlossenheit beweisen“, sagt die ehemalige niedersächsische Gesundheitsministerin im Podcast von Table.Briefings. Helene Bubrowski

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Dreistelliger Millionenbetrag: Uber kauft Berliner Start-up Blacklane

Uber übernimmt das Berliner Chauffeur-Start-up Blacklane. Der Vertrag wurde am Wochenende unterschrieben, wie Table.Briefings aus dem Umfeld der Verhandlungen erfahren hat. Der Kaufpreis liegt nach Insider-Informationen im „höheren dreistelligen Millionenbereich“. Blacklane und Uber heben den Deal bestätigt.

Der Deal bringt Blacklane wieder zurück zu den Anfängen. Gründer Jens Wohltorf hatte sich bei der Gründung im Jahr 2011 Uber zum Vorbild genommen, fokussierte sich dann aber auf das Gegenteil des Massengeschäfts: Chauffeure in der Mercedes E-Klasse, Abholung am Gate, Service für Geschäftsreisende.

Für Uber ist der Zukauf ein wichtiger Wachstumsschritt. Der US-Anbieter verschafft sich auf dem Weg Zugang zu mehr als 500 Städten in über 60 Ländern im hochmargigen Chauffeurdienst-Geschäft. Das Manager Magazin hatte zuvor über die laufenden Gespräche berichtet.

Die Übernahme ist Teil einer offensiven Luxusstrategie. Erst Mitte März startete der von CEO Dara Khosrowshahi geführte Konzern mit „Uber Elite“ einen eigenen Premiumdienst mit professionellen Chauffeuren und Luxusfahrzeugen in Kalifornien – vorerst nur auf Einladung. Blacklane soll diesen Vorstoß nun global beschleunigen. Vorab gebuchte Fahrten über „Uber Reserve“ gehören bereits zu den am schnellsten wachsenden Bereichen des Mobility-Geschäfts, das 2025 knapp 30 Milliarden US-Dollar Umsatz erzielte.

Der Deal fällt in einen Übernahmewettlauf mit Konkurrent Lyft. Der hatte 2025 zunächst die europäische Taxi-App Freenow und dann den britischen Chauffeurdienstleister TBR Global Chauffeuring für 110 Millionen US-Dollar gekauft. Lyft bezifferte den globalen Markt für Luxustransporte auf mehr als 54 Milliarden Dollar.

Für die Investoren dürfte der Exit lukrativ sein. Zu den größeren Anteilseignern zählen Mercedes-Benz, das Family-Office Alstin von Carsten Maschmeyer und die aus St. Gallen und Berlin stammende Venture-Capital-Firma b2venture. Insgesamt flossen rund 220 Millionen US-Dollar in den Aufbau der Firma. 2023 erzielte Blacklane erstmals Gewinn bei knapp 240 Millionen Euro Umsatz und wuchs seitdem nach eigenen Angaben jährlich um 20 bis 30 Prozent. Die Übernahme steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen und soll bis Ende 2026 abgeschlossen werden.

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Ökonomen: BIP‑Prognose deutlich nach unten korrigiert

Der anhaltende Krieg im Iran hat inzwischen auch Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Die führenden Wirtschaftsinstitute wollen nach Informationen von Table.Briefings ihre Prognose für das Wachstum im laufenden Jahr deutlich nach unten korrigieren. Wie zuvor das Handelsblatt berichtete, rechnen sie für 2026 nur noch mit einem Plus von rund 0,6 Prozent, etwa halb so viel wie noch im Herbst, als die Institute von 1,3 Prozent Wachstum ausgegangen waren. Die Gemeinschaftsprognose von DIW Berlin, dem ifo Institut, dem Kiel Institut für Weltwirtschaft, dem IWH Halle und dem RWI Essen wird heute dem Bundeswirtschaftsministerium übergeben.

Die Forscher führen die Korrektur auf die anhaltende geopolitische Unsicherheit, höhere Inflation und eine schwächere globale Nachfrage zurück. Im März lagen die Preise in Deutschland nach einer vorläufigen Schätzung des Statistischen Bundesamts 2,7 Prozent oberhalb des Vorjahresniveaus, nachdem die Teuerungsrate im Februar noch auf 1,9 Prozent gefallen war. „Die heutigen Inflationsdaten zeigen, dass eine erste Inflationswelle klar auf dem Weg ist“, kommentiert Carsten Brzeski, Chefvolkswirt, von der ING.

Laut einer aktuellen ifo-Studie erwarten 90 Prozent der Industrieunternehmen Beeinträchtigungen durch den Iran-Krieg. Als Hauptgrund nennen 78 Prozent der Firmen die stark gestiegenen Energiepreise. Zudem rechnen 36 Prozent mit Einschränkungen bei Schifffahrtswegen sowie Lieferschwierigkeiten bei Vorprodukten und Rohstoffen.16 Prozent der Unternehmen befürchten darüber hinaus Belastungen im Luftfrachtverkehr. Knapp ein Viertel stellt sich auf eine sinkende Nachfrage in wichtigen Exportmärkten ein. Alexander Wiedmann

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Lebensmittelpreise steigen, Entlastung ist strittig

Angesichts höherer Energiepreise müssen sich Verbraucher darauf einstellen, in den kommenden Monaten mehr für Lebensmittel auszugeben. Transport und Verarbeitung sind energieintensiv, und die Wirtschaft wird die zusätzlichen Kosten weitergeben. In welcher Höhe, sei aber schwer vorhersehbar, sagt der Göttinger Ökonom Stephan von Cramon-Taubadel. Hohe Dünger- und Dieselkosten im Getreideanbau machten sich dagegen erst später bemerkbar.

Wirtschaft und Politik ringen um mögliche Entlastungsmaßnahmen. Eine Sitzung der Energiepreis-Taskforce im Bundestag verlief am Freitag ohne konkrete Ergebnisse zu Lebensmittelpreisen. Weiter im Gespräch ist die Absenkung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes auf Grundnahrungsmittel. Sie könnte Teil der Entlastungsmaßnahmen sein, sofern die Koalition eine Erhöhung des regulären Satzes beschließt. Was Branchenverbände fordern, lesen Sie im Agrifood.Table. Julia Dahm

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CEO.Presseschau

Handelsblatt

Rüstung: Rheinmetall schließt Kampfdrohnen-Partnerschaft mit Boeing

Rheinmetall und Boeing Australia haben eine Partnerschaft geschlossen, um der Bundeswehr eine Langstrecken-Kampfdrohne anzubieten. Ziel ist es, die MQ-28 Ghost Bat für die geplante Beschaffung bis 2029 zu liefern. Rheinmetall agiert dabei als Systemintegrator. Mitbewerber sind Airbus und das Start-up Helsing. Die Boeing-Drohne gilt als bereits erprobt.
FAZ

Wirtschaftliche Lage: Das Gespenst der Deindustrialisierung

Ein Forschungsprojekt von Ifo, IW und Bertelsmann-Stiftung relativiert die Debatte um die Deindustrialisierung. Zwar schrumpft die Industrie seit 2017 und verliert Marktanteile, vor allem die Autoindustrie steckt in einer Krise. Jedoch sei der Industrieanteil international noch hoch und viele Branchen zukunftsfest. Deutschlands Stärke liege künftig eher in der Entwicklung als in der Produktion.
The Wall Street Journal

Den Kursrückgang kaufen? Dieser KI-Agent erledigt das für Sie

Die Brokerage-Firma Public führt eine Funktion ein, mit der Kunden KI zur Automatisierung von Anlagetaktiken und zur Ausführung von Trades nutzen können. Die KI-Agenten können beispielsweise schützende Puts kaufen oder Stop-Loss-Orders hinzufügen. Nutzer definieren die Strategie und Parameter, die KI trifft keine eigenständigen Entscheidungen. Auch Wettbewerber wie Robinhood haben ähnliche Tools entwickelt.
Handelsblatt

Verbrenner-Aus: Sixt-Chef warnt vor EU-Elektroquote und teureren Mietwagen

Sixt-Chef Konstantin Sixt kritisiert die Pläne der EU, Unternehmensflotten schneller zu elektrifizieren, als "Verbrenner-Aus durch die Hintertür". Er warnt, dass mangelnde Ladeinfrastruktur, geringe Kundennachfrage und höhere Kosten für E-Autos zu teureren Mietwagen führen könnten. Die Quote ignoriere reale Marktgegebenheiten und sei ein Beispiel für Planwirtschaft.
Bloomberg

Nur drei Firmen verursachen Europas Aktienverluste von 420 Milliarden Euro

LVMH, SAP und Novo Nordisk sind für über die Hälfte der Verluste von 420 Mrd. Euro bei europäischen Aktien in diesem Quartal verantwortlich. Ihr Kurssturz um rund 30% ist auf Branchenabschwünge und neuen Wettbewerb zurückzuführen. Im Gegensatz dazu legte der Chipausrüster ASML zu, angetrieben von der KI-Nachfrage.
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Mehr von Table.Briefings

Research.Table: Aufholjagd im Bereich KI-Robotik. Die Verbindung mit KI treibt die Robotik voran, große Entwicklungssprünge stehen bevor. Deutschland könnte in der Forschung Maßstäbe setzen, sagen Experten. Was sie vorschlagen, lesen Sie hier.

Asia.Table: Energieschock in Asien. Der Iran-Krieg im Nahen Osten trifft Asien härter als andere Regionen. Sinkende Ölreserven und wachsende Unsicherheit in zentralen Volkswirtschaften zeigen, wie stark die Abhängigkeit vom Nahen Osten ist. Welche globalen Risiken daraus entstehen, lesen Sie hier.

ESG.Table: Welche Chancen der digitale Produktpass bietet. Ab kommenden Jahr müssen Textilhersteller ihren Kunden erste Informationen zur Fertigung und Herkunft offenlegen. Das erhöht den Aufwand von Unternehmen. Zugleich ergeben sich aus der Transparenz neue Möglichkeiten. Welche das sind, lesen Sie hier.

Climate.Table: Katherina Reiche beharrt auf Redispatch-Vorbehalt. Demnach sollen Erneuerbare in besonders stark belasteten Netzgebieten bei Abregelungen zehn Jahre lang keine Entschädigungszahlungen mehr bekommen. Was der Bundesverband Erneuerbare Energien davon hält, lesen Sie hier.

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CEO.Picks

KI: Warum der beste Ingenieur zum größten Hindernis wird

Im vergangenen Jahr erklärte mir ein CEO aus Süddeutschland, warum sein Unternehmen KI braucht: erfahrene Fachkräfte gehen in Rente, die Produktivität sinkt, Nachwuchs fehlt. Der ROI war klar, das Budget wurde freigegeben. Nachmittags traf ich die Ingenieure, die mit dem System arbeiten sollten. Einer sagte: „Ich werde meinen Job verlieren, wenn das funktioniert.“ Gelächter. Er meinte es ernst. Das ist kein Einzelfall, sondern ein Muster.

Aktuelle Bitkom-Daten zeigen, dass die KI-Einführung im deutschen Mittelstand ins Stocken gerät. Das liegt nicht an fehlender Technologie oder Finanzierung, sondern an fünf kulturellen Barrieren:

Erstens: Prozesskonservatismus. „Never change a running system“ ist im DACH-Raum keine Floskel, sondern Doktrin.

Zweitens: asymmetrisches Risiko. Wo ein einzelner Fehler große Schäden verursachen kann, ist die Ablehnung von KI, die mit Wahrscheinlichkeiten arbeitet, rational.

Drittens: Identitätsbedrohung. Der Status erfahrener Fachkräfte basiert auf schwer ersetzbarer Expertise. Ihre Digitalisierung wird als Entwertung wahrgenommen.

Viertens: Silos. KI benötigt horizontale Datenflüsse in Organisationen, die vertikal aufgestellt sind.

Fünftens: kein Wachstumsnarrativ. Wird KI nur als Kostensenkung kommuniziert, hören Mitarbeitende vor allem eines: weniger von euch.

Erfolgreiche Unternehmen positionieren KI nicht als Ersatz, sondern als Skalierung von Erfahrung. Aus den erfahrensten Fachkräften werden diejenigen, die das System mitgestalten und trainieren. Identifizieren Sie daher vor jeder Initiative, wer ein Interesse daran hat, dass sie scheitert. Und gestalten Sie die Rolle so, dass ihr Erfolg vom Gelingen des Projets abhängt.

Omar Fergani ist Fellow am DEEP – Institute for Deep Tech Innovation an der ESMT Berlin und leitet den Bereich AI & Compute. Die CEO.Picks sind eine Kooperation zwischen der ESMT und Table.Briefings.

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CEO.Index

Wer profiliert sich mit „Buy European“?

„Buy European“ – unter diesem Banner will die EU-Kommission Europas Abhängigkeit von den USA und China reduzieren. Spätestens seit Trumps zweiter Amtszeit ist das Thema omnipräsent. Doch welche DAX-CEOs werden in dieser Debatte von den großen LLMs als relevante Stimmen wahrgenommen? Metrix.AI hat Gemini, ChatGPT und Perplexity über zwei Wochen hinweg täglich mit 28 Fragen konfrontiert und die Antworten ausgewertet.

Siemens-CEO Roland Busch führt mit 16,9 Prozent Erwähnungen. Busch positioniert sich seit Monaten pointiert – etwa mit seiner Warnung, Europa dürfe seine Innovationsgeschwindigkeit nicht drosseln, um eine Souveränität zu schaffen, die am Ende nur auf dem Papier existiert. Hinter ihm SAP-Chef Christian Klein mit 14,5 Prozent – der mit einer Investition von 20 Milliarden Euro in eine europäische Sovereign Cloud Fakten schafft, die Debatte aber gleichzeitig als „zu emotional“ einordnet.

Auf Platz drei: Oliver Blume, CEO von Volkswagen, mit 11,0 Prozent. Gemeinsam mit Stellantis fordert Blume einen CO₂-Bonus für in Europa produzierte E-Autos und füllt „Buy European“ damit am konkretesten mit Leben. Sieben DAX-Unternehmen erhalten null Erwähnungen – darunter Zalando, Symrise und Porsche SE.

Sachar Klein ist Gründer und Geschäftsführer der Kommunikationsberatung hypr.

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