Ökonom Kolev fordert Veränderung: „Sonst werden die jungen Menschen dieses Land verlassen“

Immer mehr junge Menschen sehen ihre Zukunft nicht mehr in Deutschland, sagt Ökonom Stefan Kolev. Während andere Länder dynamischer wirken, wächst hier die Skepsis – mit Folgen für Arbeitsmarkt, Innovation und langfristiges Wachstum.

13. Mai 2026

Deutschlands Wirtschaft hat ihre Anziehungskraft verloren. Das beobachtet der Ökonom Stefan Kolev, wissenschaftlicher Leiter des Ludwig-Erhard-Forums für Wirtschaft und Gesellschaft. Er selbst ist in Sofia geboren, hat Bulgarien als 18-Jähriger verlassen. „Wenn ich heute mit 18-jährigen Bulgaren rede, sagen die alle: Deutschland ist nicht spannend“, berichtet Kolev im Podcast Table.Today.

Ab- und Zuwanderungsstatistiken zeigten, dass mittlerweile mehr Leute nach Bulgarien zurückgehen als nach Deutschland kommen, so Kolev. „Dieser Reiz, dieser Sexappeal der alten Bonner Republik für die Generation meiner Eltern oder eben der frühen Berliner Republik für mich, als ich mich in den 90ern entschieden habe, nach Deutschland zu gehen, ist komplett weg.“

Im Vergleich zu Deutschland sei Bulgarien zwar ärmer, aber die Wirtschaft sei dynamisch. In einem Zeithorizont von 40 oder 50 Jahren versprächen die jungen Menschen sich in Bulgarien Wachstum. „Hier sehen sie das nicht.“

Um Deutschland wieder ins Laufen zu kriegen, brauche es Arbeit, Kapital und Resilienz. Letzteres im Sinne von Mut zur Veränderung nach einer Niederlage. Zu lange verharre das Land schon in einem Status quo, findet der Ökonom. „Man hat die Bonner Republik noch im Auge, all diese guten, alten, bequemen Zeiten.“

Dabei brauche es Veränderung. „Ansonsten werden die jungen Menschen dieses Land verlassen.“ Im Zuge der Arbeit an einem Buch hat Kolev viel mit jungen Deutschen gesprochen. „Und es ist unglaublich beängstigend.“ Viele würden tatsächlich über Auswanderung nachdenken, andere über eine „innere Emigration“, bei der sie sich von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft zurückziehen. „Um die eigenen Kinder im Land zu halten, müssen wir heute resilient werden und lernen, mit Dynamik umzugehen.“

Das ganze Gespräch von Table-Chefredakteur Michael Bröcker mit Stefan Kolev hören Sie in unserem Podcast Table.Today. Nina Anika Klotz

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Letzte Aktualisierung: 13. Mai 2026