Gespräche über Zusammenschluss zwischen Aleph Alpha und kanadischem Milliardenunternehmen Coherence

Deutsche und kanadische KI-Unternehmen verhandeln über einen strategischen Zusammenschluss. Die Bundesregierung unterstützt das Vorhaben und will als erster Kunde agieren, um die europäische Souveränität in der KI-Forschung zu stärken.

11. April 2026
Karsten Wildberger
Whatsapp-Buddy seines kanadischen Gegenüber: Bundesdigitalminister Karsten Wildberger. (picture alliance / photothek.de | Juliane Sonntag)

Deutschland und Kanada wollen das globale KI-Rennen nicht komplett an die USA und China abgeben. Die Heidelberger Firma Aleph Alpha und das kanadische Unternehmen Cohere verhandeln über einen Zusammenschluss. Der Deal würde ein politisch wichtiges Zeichen setzen. Dabei ginge es nicht nur um leistungsfähige KI-Modelle und globale Skalierung, sondern auch um zentrale Fragen der Souveränität für Deutschland und Europa, wie das Bundesdigitalministerium (BMDS) Table.Briefings bestätigte.

Es soll eine neue Firma mit Standorten in Deutschland und Kanada entstehen. Die Gespräche finden auf Initiative von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) statt. Die Bundesregierung ist bereit, Ankerkunde des fusionierten Unternehmens zu werden und es mit Behördendigitalisierung zu beauftragen, wie das Handelsblatt zuerst berichtete. Bundeskanzler Friedrich Merz soll in die Pläne eingeweiht sein.

Die Bundesregierung setzt auf Souveränität als Alleinstellungsmerkmal. Das fusionierte Unternehmen solle auf europäischer Infrastruktur betrieben werden – ohne Zugriff durch Drittstaaten. Als möglicher Partner gilt die Schwarz Gruppe, die bereits im Aufsichtsrat von Aleph Alpha sitzt und auch personell deutlichen Einfluss beim KI-Start-up ausübt. Bei KI geht es nicht nur um leistungsfähige Modelle, Anwendung und Skalierung, sondern auch um zentrale Fragen der Souveränität, lässt sich Wildberger zitieren.

Auf dem Papier ergänzen sich beide Unternehmen – in der Praxis ist das Kräfteverhältnis eindeutig. Cohere erzielte zuletzt Jahresumsätze von rund 240 Millionen US-Dollar und wurde im Sommer 2025 mit 6,8 Milliarden US-Dollar bewertet. Zu den Investoren zählen SAP, die Deutsche Telekom und Nvidia. Aleph Alpha dagegen stagniert: Der Umsatz lag 2024 bei rund 40 Millionen Euro, die letzte Bewertung von etwa 446 Millionen Euro liegt mehr als zwei Jahre zurück. Zuletzt baute das Unternehmen Stellen ab; Mitgründer Jonas Andrulis trat im Januar als CEO zurück, wie Table.Briefings vorab berichtete.

Cohere-Chef Aidan Gomez ist einer der Autoren des wegweisenden Transformer-Papiers „Attention Is All You Need“ aus dem Jahr 2017, das die technologische Grundlage aller modernen großen Sprachmodelle legte – von ChatGPT bis zu Coheres eigenem Modell „Command“. Zu den Co-Autoren des Papiers zählt auch Jakob Uszkoreit, der bei Google in Berlin arbeitet.

Die Gespräche zwischen Cohere und Aleph Alpha sind nicht die einzige politisch-wirtschaftliche Verknüpfung beider Länder. Kanada plant, bis zu zwölf U-Boote anzuschaffen. Die deutsche Werft TKMS hat sich mit dem Modell 212 CD beworben. Aus Berliner Regierungskreisen heißt es, die KI-Allianz könnte Kanadas Entscheidung beeinflussen – zumal Ottawa angesichts des aggressiven Kurses der USA ohnehin die Partnerschaft mit Europa vertiefen will. Auf Digitalminister-Ebene funktioniert die europäisch-kanadische Annäherung offenbar gut: Karsten Wildberger und sein Amtskollege Evan Solomon seien in regelmäßigem und freundschaftlichem Austausch, wie Table.Briefings erfuhr. Alex Hofmann und Leonard Schulz

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Letzte Aktualisierung: 11. April 2026