Der Arbeitsmarkt kühlt spürbar ab

Mehr als drei Millionen Arbeitslose und ein drastischer Rückgang offener Stellen: Der deutsche Jobmarkt schwächelt massiv aufgrund von Konjunktursorgen und geopolitischen Schocks.

20. Mai 2026

Schwächesignale: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland stieg in den vergangenen Wochen, zugleich schreiben Unternehmen weniger neue Stellen aus. Das zeigen aktuelle Daten der Jobplattform Indeed und der Bundesagentur für Arbeit.

Im ersten Quartal 2026 ist die Zahl der offenen Stellen im Euroraum insgesamt um 5,6 Prozent gesunken. In Deutschland lag der Rückgang der Stellenausschreibungen auf dem Jobportal Indeed bei 4,6 Prozent. Betroffen sind nahezu alle Branchen: In 34 von 36 Berufsgruppen ging die Nachfrage zurück, im Einzelhandel sowie in Bildung und Erziehung jeweils um 13,2 Prozent.

Die Anzahl der offenen Stellen geht in vielen Ländern Europas zurück. Zur Darstellung von Grafiken und Karten aktivieren Sie bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings.

Ein Trend, der in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit schon lange zu beobachten ist. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 ist nach dieser die Zahl der offenen Stellen in Deutschland um 26 Prozent zurückgegangen. Besonders betroffen sind Berufseinsteiger: Die Zahl der ausgeschriebenen Einstiegspositionen lag 2025 laut dem Jobportal Stepstone 42 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt.

Parallel steigt die Arbeitslosigkeit. Im April überschritt die Zahl der Erwerbslosen laut Bundesagentur für Arbeit erstmals seit 15 Jahren wieder die Marke von drei Millionen. Insgesamt ist sie in 42 der vergangenen 48 Monate gestiegen. Gleichzeitig berichten Arbeitsmarktforscher, dass Arbeitslose länger ohne Job bleiben.

Ökonomen sehen darin eine Folge der wirtschaftlichen Schwäche und eine geopolitisch angespannten Lage. „Noch zu Jahresbeginn gab es die berechtigte Hoffnung, dass der europäische und insbesondere der deutsche Stellenmarkt seine Schwächephase bald überwindet“, so die Ökonomin Virginia Sondergeld vom Indeed Hiring Lab. „Doch der geopolitische Schock des Iran-Krieges hat länderübergreifend zu Absenkungen von Konjunktur- und Arbeitsmarktprognosen geführt.“ Seit dem hätten viele Firmen geplante Einstellungen auf Eis gelegt.

Auch der Ausbildungsmarkt schwächelt ungewöhnlich: Statt des üblichen saisonalen Anstiegs sank das Angebot im ersten Quartal um 3,7 Prozent. Gleichzeitig stieg die Nachfrage: Der Anteil entsprechender Suchanfragen lag bei drei Prozent, nach 2,7 Prozent im Vorjahr.

Ob und wann sich die Lage verbessert, ist laut Ökonomin Sondergeld ungewiss: „Die Zeichen stehen derzeit weiterhin eher auf Abwarten als auf Aufbruch.“ Nina Anika Klotz

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Letzte Aktualisierung: 20. Mai 2026