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M&A-Markt 2026: Rückkehr zur Normalität

03. Januar 2026
2026 wird es wieder mehr Deals geben, sagen Experten. (IMAGO / Zoonar)

Private-Equity-Investoren stehen für 2026 mit prall gefüllten Kassen bereit. Julian Riedlbauer, Partner bei der Investmentbank Drake Star, spürt den Druck konkret: „Ich habe aktuell sicherlich 30 Prozent mehr Anfragen von Private-Equity-Fonds zur Besprechung der Pipeline 2026 als in den Vorjahren“, sagt er zu Table.Briefings. Sein Kernsegment sind Tech-Firmen mit Bewertungen bis zu 500 Millionen Euro – bei diesen Mandaten gebe es regelmäßig zwischen zehn und 15 Angebote.

Immer mehr Firmen sind reif für einen Verkauf, und Investoren brauchen ihre Returns. Die Bewertungen sind dabei von den Höchstständen deutlich zurückgekommen. Enterprise-Software-Firmen seien 2021 und 2022 mit 30 bis 50-mal dem jährlich wiederkehrenden Umsatz (Annual Recurring Revenue, ARR) bewertet worden, heute liege man zwischen acht und 15 Mal ARR, erklärt Riedlbauer. Firmen müssten ihre Umsätze also mehr als verdoppelt haben, um die Werte von vor einigen Jahren nur zu halten.

Das Ziel der meisten Deals ist ein weiterer Private-Equity-Verkauf. Riedlbauer schätzt, dass die meisten PE-Verkäufe an den nächsten Fonds gehen – nicht an strategische Käufer. „Es gibt einfach zu wenig europäische börsennotierte Technologie-Firmen, die als Käufer agieren könnten“, analysiert er. Selbst große Secondary-Runden wie die 1,2 Milliarden Euro für Trade Republic Ende 2025 ermöglichen es Firmen, länger privat zu bleiben. „Wir müssen die Grundgesamtheit der Tech-Firmen erhöhen, um dann am Ende auch mehr Unicorns und mehr große weltweit dominante Player zu erschaffen.“ Generell braucht es eine stärkere finanzielle Basis, glaubt Riedlbauer: „Unsere deutschen Technologie-Firmen brauchen mehr Kapital. Aber sie müssen dann auch akzeptieren, dass die Investoren Mitsprache- und Kontrollrechte erhalten.“

Deutschlands M&A-Markt zeigte sich zuletzt überraschend robust – zumindest beim Transaktionswert. Im dritten Quartal 2025 wurden laut Mergermarket 551 Deals in der DACH-Region angekündigt, 17,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Gesamtwert schoss jedoch um 66,4 Prozent auf 59 Milliarden Euro nach oben. Das Paradox: Während die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose auf magere 0,2 Prozent senkte und die Arbeitslosigkeit auf über drei Millionen Menschen kletterte, investieren ausländische Käufer massiv in deutsche Assets. US-Investoren führen mit 16,4 Milliarden Euro die Liste an – fast dreimal so viel wie deutsche Käufer selbst ausgaben.

Die größten Deals konzentrieren sich auf Infrastruktur und stabile Cashflows.

  • Der niederländische Staat verkaufte 46 Prozent der deutschen Tennet-Tochter für 9,5 Milliarden Euro an ein Konsortium aus dem Pensionsfonds ABP, dem Staatsfonds Government of Singapore Investment Corporation (GIC) und dem norwegischen Staatsfonds Norges Bank Investment Management.

  • Die Londoner Private-Equity-Gesellschaft CapVest sicherte sich für zehn Milliarden Euro (inklusive Schulden) 70 Prozent am Pharmakonzern Stada.

  • Ein Konsortium um GIC und das US-amerikanische Private-Equity-Haus TPG übernahm den Energiedienstleister Techem für 6,7 Milliarden Euro.

Die Deal-Pipeline bleibt mit 419 potenziellen Verkaufsprozessen gut gefüllt – Investoren setzen trotz schwacher Konjunktur auf die Substanz deutscher Mittelständler und Infrastruktur-Assets.

Der Ausblick für 2026 ist verhalten optimistisch. KPMG erwartet rund 800 Transaktionen mit einem Volumen von 38,2 Milliarden US-Dollar in Deutschland. 42 Prozent der Marktakteure rechnen mit steigenden M&A-Aktivitäten. Auf Käuferseite planen Unternehmen 13 Prozent mehr Deals, auf Verkäuferseite sogar 30 Prozent mehr. Lincoln International prognostiziert insgesamt 20 Prozent mehr M&A-Transaktionen mit deutschen Zielunternehmen.

Das IPO-Fenster öffnet sich langsam wieder. „2026 wird ein gutes IPO-Jahr“, sagt Mark Miller, Gründer und Managing Partner der M&A-Beratung Carlsquare, zu Table.Briefings. In den USA gab es 2024 deutlich mehr erfolgreiche Börsengänge als in Europa – diese neu kapitalisierten US-Plattformen werden wiederum zu aktiven Käufern im M&A-Markt auch in Deutschland. EY rechnet mit bis zu zehn deutschen Börsengängen 2026 – darunter Kandidaten wie TK Elevator, der deutsch-französische Panzerkonzern KNDS oder der Kleinanzeigenanbieter Mobile.de. Miller erwartet, dass spätestens im Herbst „die Zeit der schlechten Nachrichten zum Ende kommt und man wieder normales M&A-Geschäft macht“.

Application AI wird zum entscheidenden Wachstumstreiber. Miller sieht 2026 als „Jahr der Application AI", in dem aus Software-as-a-Service zunehmend Service-as-a-Software wird: Besonders im Legal-Tech-Bereich oder bei Callcenter-Automatisierung entstehen spannende Firmen, die gut wachsen. Der Fachkräftemangel treibe die Nachfrage nach Automatisierung an, die großen Sprachmodelle seien für alle verfügbar. „Wir können ein Leapfrogging schaffen, indem wir mit der KI viele Stufen überspringen in der Automatisierung“, sagt der M&A-Experte.

Deutschland profitiert als verlässlicher Standort vom neuen Narrativ. „Dieses ‚Boring is the new sexy' spielt uns hier in die Karten", analysiert Miller. Für US-amerikanische Investoren sei ein Investment in Deutschland mindestens so attraktiv wie in den USA, beim Zugang zu Talenten vielleicht sogar besser. Der Hauptgrund bleibe die Technologie. „Wenn unsere jungen Technologiefirmen erfolgreich werden, haben wir in Deutschland nicht genug Käufer“, warnt auch Miller allerdings. Das wertvolle Know-how drohe bei einem Verkauf ins Ausland abzuwandern. „Wir müssen es schaffen, Menschen hereinzubringen, die die notwendige Erfahrung haben – und die Firmen wirklich groß machen können.“

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Letzte Aktualisierung: 03. Januar 2026