Deutschlands Wirtschaft schrumpft – und Private-Equity-Investoren kaufen

Trotz schwacher Konjunktur legt der DACH-Private-Equity-Markt zu: PwC meldet 2025 mehr Volumen, doch mehrere zentrale Marktthesen sind fraglich.

25. April 2026
Private Equity in der DACH-Region: Starkes Wachstum beim Volumen. Zur Darstellung von Grafiken und Karten aktivieren Sie bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings.

Zwei aufeinanderfolgende Jahre mit rückläufigem Bruttoinlandsprodukt, eine Industriebasis unter Druck, ein Energiesystem im Umbau: Wer die makroökonomischen Daten liest, könnte meinen, der Standort sei für Risikokapital unattraktiv. Der am Mittwoch veröffentlichte PwC-Branchenreport zum Private-Equity-Markt erzählt eine andere Geschichte. Im deutschsprachigen Raum stieg das gesamte Deal-Volumen im vergangenen Jahr um 69 Prozent auf 88,3 Milliarden Euro – auch wenn die Zahl der Transaktionen um drei Prozent sank (siehe Grafik).

Bewertungslücken zwischen Käufern und Verkäufern haben Transaktionen zuletzt zwar erschwert. Laut einer KPMG-Studie nennen sie 84 Prozent der Unternehmenskäufer als größtes Abschlusshindernis. Aber das ändert sich gerade. „Das Umfeld beginnt sich spürbar zu verbessern. Das niedrigere Zinsniveau und zunehmend flexible Dealstrukturen tragen dazu bei, dass sich diese Lücke schließt und die Marktaktivität wieder anzieht“, sagt Blackrock-Deutschlandchef Dirk Schmitz zu Table.Briefings.

Der Markt konzentriert sich auf größere Wetten in Sektoren, die operativen Umbau erlauben und ihn belohnen. Dazu gehören etwa industrielle Fertigung, KI-Unternehmens­software, Energiewende-Infrastruktur sowie Healthcare als konsolidierbarer Plattformsektor. Bei reinen Unternehmensübernahmen (Buyouts) im deutschsprachigen Raum sank die Transaktionszahl laut PwC-Report um acht Prozent auf 430 Deals – der aufgewandte Betrag stieg gleichzeitig um 56 Prozent auf 60,9 Milliarden Euro (siehe Grafik unten).

Der Blackrock-Deutschlandchef teilt den Optimismus. „Wir blicken – trotz geopolitischer Unsicherheiten – konstruktiv auf den europäischen Markt und sehen insbesondere in Deutschland Chancen.“ Zuletzt habe es mehrere Deals gegeben, etwa eine Beteiligung an einer 100-Millionen-Finanzierungsrunde beim Cloud-Start-up Osapiens. Am Dienstag dieser Woche haben Blackrock Real Estate und Kauri CAB Digital Infrastructure zudem die Gründung eines Joint Venture zur Entwicklung eines Hyperscale-Rechenzentrums bei Frankfurt am Main angekündigt.

Buyouts in Europa: Deutschland im unteren Mittelfeld. Zur Darstellung von Grafiken und Karten aktivieren Sie bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings.

Große Chancen verspielt werden in Deutschland laut Schmitz währenddessen, weil privates Kapital bislang nur unzureichend den Weg in Wachstum, Innovation und den Mittelstand findet. Über zehn Billionen Euro schlummern auf europäischen Sparkonten. Der Blackrock-Deutschlandchef sieht darin ein wesentliches Problem: „Ein Großteil des europäischen Sparvermögens liegt noch immer in Bankeinlagen, weil viele Menschen den Kapitalmarkt noch nicht nutzen.“

Zwar gibt es neue Regularien – aber wann diese ihre Wirkung zeigen, ist noch nicht absehbar. Mit der weiterentwickelten ELTIF-Regulierung – dem European Long-Term Investment Fund – erhalten Privatanleger nun einen praktikablen Zugang zu Private Equity, Infrastruktur und Private Debt. Investitionen in die Realwirtschaft eröffneten, so Schmitz, „langfristigen Sparern neue Chancen für den Vermögensaufbau und die private Altersvorsorge.“ Wie viel vom Sparvermögen tatsächlich in Private Equity fließen kann, ist umstritten. Fidelity International schätzt 4,8 Billionen Euro als mobilisierbar – unter optimistischen Annahmen.

Banken ziehen sich aus der Unternehmensfinanzierung zurück und Private Credit füllt diese Lücke zunehmend. Am Markt für private Kredite häufen sich allerdings die Probleme, nachdem vor rund einem halben Jahr zwei durch Private-Credit-Fonds finanzierte Unternehmen in die Insolvenz gerutscht waren. Softwarefirmen könnte die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz empfindlich treffen und die Rückzahlung von Krediten negativ beeinflussen. Aus Schmitz’ Sicht ist es zwar für einzelne Unternehmen eine schwierige Phase und Bewertungen müssten – genau wie die weitere Kredit-Exposure – einer Prüfung unterzogen werden. Trotzdem sehe Blackrock den Trend zu privaten Kreditfonds weiterhin als ungebrochen an.

Der Mittelstand ist zunehmend auf die Unterstützung durch Private-Equity-Fonds angewiesen. „Nach drei Jahren Wirtschaftsschwäche hat der deutsche Mittelstand einen großen Finanzierungsbedarf“, sagt Klaus-Heiner Röhl, Mittelstandsexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Weil Unternehmen weniger Gewinne thesaurieren könnten, stiegen Private Equity und Fremdkapital als Finanzierungsquellen. Immerhin: Die Branche bewege sich: „Private-Equity-Gesellschaften öffnen sich zunehmend mittelständischen Unternehmen“, so Röhl.

Das Kapital ist demnach vorhanden – es erreicht aber nicht immer die richtigen Unternehmen. Röhl sieht Aufholbedarf vor allem bei innovativen Mittelständlern in Nachfolge- und Transformationssituationen: „Es gibt genug Geld im Markt, aber es gelangt noch nicht immer an die richtigen Stellen. Wachstumsunternehmen haben es oft schwer, Kapitel zu finden.“

Erschwerend wirkt die Börse als – in Deutschland kaum vorhandener – Exitkanal. „Die deutsche Börsenregulierung hat es nie geschafft, einen IPO für Unternehmen einfach zu machen.“ Schweden mache vor, dass es auch mit weniger Bürokratie gehe – bei einem Achtel der Bevölkerung gebe es dort mehr viele Börsengänge als hierzulande.

Hinzu kommt: Der Private-Equity-Markt bleibe stark von außen geprägt. Es fehlten nationale Großinvestoren, stattdessen dominieren US-Fonds, während chinesische Kapitalgeber hauptsächlich Tech-Investments suchten.

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Letzte Aktualisierung: 25. April 2026