So grundlegend verändert KI das Geschäftsmodell von SAP

SAP ändert sein Geschäftsmodell grundlegend und führt ein „Outcome-basiertes“ Abrechnungssystem ein – es wird nicht mehr nach Nutzern, sondern nach Ergebnis bezahlt. Bringt das den Turnaround?

21. März 2026
SAP-CEO Chrstian Klein: Könnte er die Zeit 17 Jahre zurückdrehen, „hätte die SAP alles Recht der Welt, bei Cloud-Rechenzentren zu gewinnen.“ (Sarah Schaefer)

Will SAP wieder zu den wertvollsten Softwarefirmen der Welt aufschließen, muss der größte Umbau der Firmengeschichte zügig gelingen. CEO Christian Klein steht vor zentralen Aufgaben: Er stellt die Führung neu auf, auch weil Produktvorstand Muhammad Alam geht. Er muss eine tiefgreifende KI-Modernisierung des Produktportfolios vorantreiben. Und er muss sich immer intensiver gegen neue Anbieter wie Anthropic aus den USA behaupten, die massiv in den Enterprise-Markt drängen. Nachdem SAP zuletzt aus den globalen Top 50 gerutscht ist und das Unternehmen an einem einzelnen Börsentag rund 30 Milliarden Euro an Wert eingebüßt hat, entscheidet nun vor allem, ob Kunden die KI-Strategie mittragen – Gleiches gilt für das Ökosystem von IT-Dienstleistern und Beratern. Klein macht das Thema KI deshalb zur Chefsache, die Zuständigkeit für den Vertrieb hat er unlängst abgegeben.

Zwei Drittel aller neuen SAP-Verträge enthalten KI-Komponenten – und SAP-Chef Christian Klein kündigt an, das Geschäftsmodell des wertvollsten deutschen Konzerns mit Blick auf KI grundlegend umzubauen. Statt wie bisher pro Nutzer abzurechnen, soll der Umsatz künftig „Outcome-basiert“ fließen: Je schneller ein KI-Agent den Quartalsabschluss erledigt, desto mehr zahlt der Kunde. „Unser Geschäftsmodell wird sich sehr stark ändern“, sagt Klein im Gespräch mit Table.Briefings. Der Wandel birgt ein Risiko: Nur wenn die Kunden den Wert der einzelnen Agenten sehen, sind sie zahlungsbereit.

SAP soll eine Plattform sein, auf der alle großen KI-Modelle laufen. Von Anthropic bis Mistral können SAP-Kunden unterschiedliche KIs nutzen, beschreibt Klein den Ansatz. Den entscheidenden Unterschied sieht er in den Unternehmensdaten: Ein KI-Agent könne zwar Finanzdokumente auslesen. „Aber er wird nie eine Ertragsrechnung simulieren können, weil er die Daten gar nicht hat.“ SAP bringe die strukturierten Geschäftsdaten mit der Leistung der großen Sprachmodelle zusammen – und liefere die Prozesslogik, die kein externes Modell kenne.

Der Kurssturz der vergangenen Monate beunruhigt Klein nicht. „Vor fünf Jahren war es ähnlich, als wir die Cloud-Transformation gestartet haben“, sagt Klein. Damals sei der Kurs um 30 Prozent eingebrochen. Bei der Hausmesse Sapphire in wenigen Wochen will er neue KI-Produkte vorstellen und damit die nächste Wachstumsphase einleiten.

Dass SAP teuer ist, weiß Klein – und verweist auf sein Cloud-Modell als Lösung. Telekom-Chef Tim Höttges hatte sich öffentlich über die Kosten beschwert. Kleins Entgegnung: Nicht SAP sei teuer, sondern die regelmäßigen Upgrade-Zyklen für eigens betriebene Systems, bei denen Großkonzerne Hunderte Millionen Euro zahlen müssten. In der Cloud entfielen diese Kosten – noch immer ist in der Wirtschaft allerdings zu hören, dass SAP-Kunden den Wechsel auf die Cloud scheuten. Immerhin: KI-Tools könnten Datenmigrationen künftig zusätzlich beschleunigen, sagt Klein.

In der deutschen Souveränitätsdebatte hält Klein dagegen. Deutschland habe „die souveränste Cloud, die wir jemals auf der Welt gebaut haben“ – souveräner als alles, was SAP in den USA oder Asien betreibe. Sein Unternehmen sei selbst auf die Infrastruktur der US-Hyperscaler angewiesen und ist dort teilweise „sogar der größte Kunde“. Die Diskussion über digitale Unabhängigkeit sei teilweise „religiös“. Statt über Hardware-Herkunft zu streiten, müsse Europa darüber reden, „wie wir wieder Innovation liefern.“

Während Regierungen europäische Souveränität fordern, eröffnen Ministerpräsidenten schlagzeilenträchtig Rechenzentren mit Amazon, Microsoft oder Google. Den Widerspruch zwischen politischem Anspruch und Realität sieht auch Klein. Entscheidend sei aber nicht, wo das „Blech“ stehe, sondern dass niemand den Stecker ziehe und Geschäftsdaten vor fremdem Zugriff geschützt seien – etwa vor dem US Cloud Act.

Was Christian Klein über die größte verpasste Chance in der SAP-Geschichte sagt, wie er Bürokratie im eigenen Konzern bekämpft und worüber er mit deutschen Start-ups wie Parloa oder n8n spricht, hören Sie im Podcast Table.Today.

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Letzte Aktualisierung: 21. März 2026